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VDR widerspricht OECD-Forderung nach mehr Abiturienten: Qualität statt Quote

MÜNCHEN. Der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) sieht sich in seiner Kritik an der Forderung der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) bestätigt, die Abiturientenquote in Deutschland weiter zu steigern. Die immer lauter werdenden Klagen aus der Wirtschaft über die stetig sinkende Nachfrage von Schulabsolventen nach beruflichen Ausbildungsgängen bestärke den Verband in seiner Einschätzung, so der Vorsitzende Jürgen Böhm. Im akademischen Bereich führe diese Entwicklung zunehmend zu Qualitätseinbußen und Fehlqualifikationen.

Vorschläge und Programme wie von Bundeswissenschaftsministerin Johanna Wanka, Abiturienten für Ausbildungsberufe zu interessieren, lösten das Problem mit den falschen Mitteln an der falschen Stelle. Insbesondere verhinderten sie nicht die hohen Abbruchquoten gerade in naturwissenschaftlich-technisch ausgerichteten Studiengängen oder drohende Arbeitslosigkeit selbst bei erfolgreichen Studienabschlüssen.

Italienische Lehrer sollen mehr arbeiten - bei gleichem Gehalt. Foto: Davide Dodo Oliva / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Italien als Negativbeispiel: Ein akademischer Abschluss führe nicht unmittelbar zu wirtschaftlichem Wohlstand, so VDR-Vorsitzender Böhm. Foto: Davide Dodo Oliva / Flickr (CC BY-SA 2.0)

„Auch der internationale Vergleich von Bildungssystemen bestätigt unsere Warnung vor einer zunehmend von Arbeitslosigkeit bedrohten Akademikerschaft“, sagt Böhm. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen Abiturquote, Studienquote und wirtschaftlicher Prosperität. Hoch akademisierte Länder wie zum Beispiel Italien und Spanien finden sich nach Angaben des VDR aktuell in der unteren Hälfte der Rangliste zur Beschäftigungsquote wieder. Böhm warnt davor, die angesichts der geschilderten Entwicklung immer lauter geäußerte Kritik aus der Wirtschaft und dem Handwerk zu ignorieren.

Die mittleren Bildungsabschlüsse der Sekundarstufe I, wie der Realschulabschluss, in Verbindung mit einer erfolgreich abgeschlossenen dualen Berufsausbildung stellten gerade heute eine nachhaltige Sicherung für persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg dar, zumal sie durch eine Vielzahl heute existierender Übergangs- und Anschlussmöglichkeiten Studierwilligen jederzeit eine spätere akademische Karriere erlauben. Kein Talent dürfe in Deutschland durch eine einseitige akademische Orientierung unerkannt auf der Strecke bleiben. Alle Bildungswege in Deutschland bedürften der gleichen hohe Anerkennung und Unterstützung.

„Viele Länder in der Welt beneiden uns heute noch um unser hochdifferenziertes, erfolgreiches duales Ausbildungssystem und die Qualität der Berufsausbildung. Wir müssen alles unternehmen, damit die Qualität in der Bildung die höchste Aufmerksamkeit erfährt und nicht die Quote formaler Abschlüsse.“

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3 Kommentare

  1. Der Verband hat recht. Die OECD verlangt ja viele Hochschulabsolventen, ohne das duale Ausbildungssystem Deutschlands zu berücksichtigen. Leider tanzt die Politik nach deren Nase.

  2. Lieber Jürgen,
    du hast ja so recht!
    Diese ganzen Studien gehen ja von einem System aus, wo sogar der Klempner einen Uniabschluss hat.
    Nimmt man unsere Meister, Fachschulabsolventen, Fachakademieschüler usw. dazu, dürfte unsere Quote wesentlich höher liegen.
    Aber das passt halt nicht in das System anderer Länder, das als Bezug verwendet wird.
    Die OECD vergleicht nicht Äpfel mit Birnen, sondern wurmiges Fallobst mit handverlesenem gepflücktem Obst, um es drastisch auszudrücken.
    Ein Beispiel: Der schulische Werdegang über Realschule und FOS in Bayern würde in vielen Ländern der Welt zu einer vollen Studienberechtigung genügen, bei uns hast du halt die Zugangsberechtigung zur Fachhochschule, an deren Ende nach 4 Jahren dann der Bachelor steht, obwohl der Inhalt dem Master entspricht!
    Hast du nach der Mittleren Reife eine Fachakademie für Erzieher/innen besucht, lernst du 5 Jahre, bekommst
    dann nicht einmal den Bachelor, obwohl Zeitumfang und Inhalt der Ausbildung diesem entsprechen!
    Liebe Kultusminister,
    betreibt doch einfach den Etikettenschwindel anderer Länder und schon ist, schwupps, die Akademikerquote über der OECD-Norm.
    rfalio

  3. Stimmt so nicht, die Vergleichbarkeit ist gegeben. Nur muss man halt nicht die Ausbildungsgänge sondern die Abschlüsse miteinander vergelichen.

    Zum tertiären Bildungsbereich gehören innerhalb des europäischen Referenzrahmens alle akademischen Hochschulabschlüsse sowie Meister,Techniker, Fachwirt und sonstige Abschlüsse von Berufsakademien (Diplom BA).

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