Startseite ::: Politik ::: Schlechte Arbeitsbedingungen: Lehrerverband fürchtet um Qualität der Schulleiter

Schlechte Arbeitsbedingungen: Lehrerverband fürchtet um Qualität der Schulleiter

PFORZHEIM. Schulleiter werden auch in Baden-Württemberg händeringend gesucht. Sogar der Landesrechnungshof hat Maßnahmen gefordert, um Schulleiterposten attraktiver zu machen. Es kommt nicht unbedingt der Beste auf die Stelle, fürchtet der Lehrerverband VBE und macht dafür auch das Auswahlverfahren verantwortlich.

Der Lehrerverband VBE fürchtet um die Qualität der Schulleiter und fordert dringend eine finanzielle Aufwertung des Jobs. «Wenn ich die Besten für die Bildung haben will, muss ich auch dafür sorgen, dass diese für die Besten attraktiv wird», sagte der Chef des Verbandes Bildung und Erziehung Baden-Württemberg (VBE), Gerhard Brand. Wenn man nicht handle, habe man in dem Bereich «unter Umständen Leute, die eventuell nicht die besten sind», warnte Brand am Rande der bis zu diesem Samstag dauernden VBE-Vertreterversammlung in Pforzheim.

Einen Schulleiterposten übernehmen - immer weniger Kollegen tun sich das an. Foto: Matt Buck / flickr (CC BY-SA 2.0)

Einen Schulleiterposten übernehmen – immer weniger Kollegen tun sich das an. Foto: Matt Buck / flickr (CC BY-SA 2.0)

Schulleiter sind derzeit im Südwesten so dringend gesucht, dass sich vor kurzem selbst der Rechnungshof einschaltete und deren Entlastung sowie mehr Unterstützung durch die Landesregierung forderte.

Brand freut das – ändern wird sich nach seiner Einschätzung aber nichts: «Schulleiterstellen müssen attraktiver werden, aber ich kann’s mir unter dem Spardiktat der Landesregierung kaum vorstellen.»

Der Grund, warum der Posten immer weniger Interessenten anzieht, liegt für Brand auf der Hand: «Wenn Sie eine kleine Grundschule haben, dann ist der Schulleiter Sekretärin, Hausmeister, Lehrer und Schulleiter in Personalunion. Bei einer großen Schule haben Sie zwar eine Sekretärin und einen Hausmeister, aber der Schulleiter ist trotzdem für alles verantwortlich.»

Und das für vielleicht 170 Euro mehr in der Tasche an einer kleinen Grundschule, wie Brand vorrechnet. An großen Haupt- oder Werkrealschulen könnten das zwar an die 800 Euro mehr als das normale Lehrergehalt sein. «Aber dann haben Sie Verantwortung für 40 Lehrkräfte und für 400 bis 500 Schüler. Da sagen sich viele Lehrer: Für das bisschen Mehr an Geld tue ich mir diesen Stress nicht an.»

Nach Meinung des VBE-Landeschefs ist die Unterrichtsverpflichtung für Schulleiter viel zu hoch. Es sei zwar sinnvoll, dass ein Rektor selbst unterrichte, damit er weiß, wovon er spricht. «Aber er muss so weit entlastet werden, dass er das auch gut erledigen kann.» An einer kleinen Grundschule habe ein Schulleiter acht Stunden «Leitungszeit» – da sind Elternabende drin, Besuche bei Vereinen oder die Kommunikation mit der Schulaufsicht.

Erschwerend kommt laut Brand hinzu, dass sich das Besetzungsverfahren für Schulleiter unter der grün-roten Landesregierung so geändert habe, dass Vertreter der Kommune, des Gemeinderats und der Eltern am Auswahlverfahren der Schule beteiligt seien. Das sei im Hinblick auf den Datenschutz schwierig, weil Dinge nach außen transportiert werden könnten. «Da sind Schulleiter schon ein bisschen vorsichtiger, bevor sie sich bewerben.» Vor allem Konrektoren der gleichen Schule hielten sich zurück.

Auch aus Sicht des Rechnungshofes kann der Kernauftrag der Schulleiter derzeit «allenfalls hinreichend» erfüllt werden. Zu oft seien sie mit Tätigkeiten belastet, die zu den Aufgaben der kommunalen Schulträger gehörten. Demnach sind Managementaufgaben umfangreicher und komplexer geworden und lassen immer weniger Zeit für pädagogische Tätigkeiten. (Susanne Kupke, dpa)

zum Bericht: Sogar der Rechnungshof meint: Land muss die Schulleiter entlasten

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*