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Peshawar: Ein Anschlag, der uns allen gilt – Moslems wie Christen

Ein Kommentar von ANDREJ PRIBOSCHEK.

Der Bildungsjournalist Andrej Priboschek. Foto. Alex Büttner

Der Bildungsjournalist Andrej Priboschek. Foto. Alex Büttner

Wem bislang noch nicht klar war, wo die Frontlinie verläuft, der wurde nun brutal darauf gestoßen – durch die unfassbar monströse, gleichwohl nicht beispiellose Bluttat von Peshawar. Eine Blaupause für das Massaker gab es, und zwar die Geiselnahme von Beslan vor gut zehn Jahren. Damals brachten nordkaukasische Terroristen mehr als 1100 Kinder und Erwachsene in einer Schule in der nordossetischen Stadt in ihre Gewalt. Die Geiselnahme endete nach drei Tagen in einer Tragödie. Bei  der Erstürmung des Gebäudes durch russische Einsatzkräfte starben nach offiziellen Angaben 331 Geiseln. Jetzt, beim aktuellen Fall in Peshawar, kamen rund 140 Menschen ums Leben, womöglich mehr. Wieder zielten Terroristen darauf, das wohl größtmögliche Leid zu erzeugen – Kinder zu töten, eine Schule als Symbol für Zukunft zu zerstören, um eine Gesellschaft in ihren Grundfesten zu erschüttern. Letzteres dürfte den Extremisten wieder gelungen sein.

Wie damals in Beslan waren die Täter in Peshawar Moslems, jedenfalls nach eigenem Bekunden. Anders als damals waren die Opfer von heute aber gleichfalls Muslime, Kinder mit dem gleichen religiösen Bekenntnis wie ihre Mörder – und dies macht deutlich, dass es hier nicht um einen Krieg zwischen Morgen- und Abendland geht, nicht um einen Konflikt zwischen Islam und Christentum, auch wenn so mancher derjenigen, die in diesen Tagen in Dresden oder andernorts in Deutschland im Rahmen der Pegida-Bewegung gegen „Religionskriege“ demonstrieren, das gerne so vermitteln möchte.

Wir stehen am Rande eines Weltkrieges, dessen Frontlinie zwischen Barbarei und Zivilisation verläuft – nicht zwischen Ost und West. Barbarei, das ist die blinde Zerstörungswut, Mordlust und Bildungsfeindlichkeit der Islamisten, das ist aber auch die Intoleranz und Dumpfheit von Fremdenfeinden hierzulande. Zivilisation, das ist eine Welt, in der Kultur, Bildung und ein friedliches Miteinander in Freiheit zentrale Werte sind. Die 17-jährige Schülerin Malala, gerade mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, steht mit ihrem friedlichen und mutigen Kampf für das Recht auf Schulbildung derzeit wie keine zweite für diese aufgeklärte Welt – eine junge Muslima, wohlgemerkt.

Zum Bericht: Massaker in Pakistan: Bei Taliban-Angriff sterben 125 Schulkinder

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