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Forster Schule: Krebserkrankungen auch unter Lehrern – trotzdem startete Betrieb wieder

FORST. Drei Kinder einer Grundschule im brandenburgischen Forst erkranken an Krebs. Zufall – oder Spätfolgen von Giftstoffen, die eine frühere Textilreinigung in der Nähe hinterließ? Wie jetzt bekannt wurde, sind auch ehemalige Lehrer der Schule an Krebs erkrankt. Allerdings handelt es sich der Stadt zufolge um verschiedene Arten  und Verläufe der Krankheit; auch seien die Fallzahlen nicht überdurchschnittlich groß. Die Beschwichtigungen vermögen die Angst vor Ort allerdings nicht zu dämpfen.

Die Altlasten des früheren Reinigungsbetriebs in Forst sind seit langem bekannt. Illustration: RG 1024 / Wikimedia Commons (CC0 1.0)

Die Altlasten des früheren Reinigungsbetriebs in Forst sind seit langem bekannt. Illustration: RG 1024 / Wikimedia Commons (CC0 1.0)

Nach drei Krebserkrankungen von Schülern der Grundschule Nordstadt in Forst (Spree-Neiße) wurden intensive Schadstoffmessungen vorgenommen. «Nach einer Messung auf leicht flüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe gestern werden heute noch mal Messungen auf Schadstoffe in der Luft wie Formaldehyd durchgeführt», erklärte der stellvertretende Bürgermeister von Forst, Sven Zuber, am Mittwoch vergangener Woche. Die Ergebnisse sollen in dieser Woche vorliegen. Erste Messungen der Raumluft hatten keine Hinweise auf gesundheitliche Gefahren gegeben. Gleichwohl ist klar: Der Standort der Grundschule ist von Hinterlassenschaften einer Textilreinigungsfirma aus DDR-Zeiten belastet, die in der Nähe der Schule angesiedelt war. Leicht flüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) hätten sich über das Grundwasser in Richtung Norden der Stadt ausgebreitet, erläuterte Zuber.

Die Angst ist groß insbesondere unter den Eltern. Drei Kinder seien von ihren Eltern bereits vor den Osterferien vom Schulbetrieb abgemeldet worden, hieß es in einem Bericht des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb). Heute startete der Schulbetrieb wieder – und etliche der insgesamt 257 Schülerinnen und Schüler, so berichtete der „Tagesspiegel“, wurden von ihren Vätern und Müttern zu Hause gelassen. Das Blatt zitiert einen Vater, den die ersten Messungen nicht beruhigt haben. „Ich fühle mich wie viele andere Eltern nicht ausreichend informiert“, sagt er: „Und ich habe kein Vertrauen in die Behörden, weil sie die ganze Sache so lange geheim gehalten haben.“

Der Experte für Altlasten beim Umweltbundesamt, Jörg Frauenstein, sagte gegenüber dem rbb, es sei jetzt wichtig, sachlich die Fakten abzuklären. Wenn es entsprechende Verdachtsmomente gebe, sollten auch die die betroffenen Schüler und Lehrer untersucht werden.

Die Stadt, so Zuber, geht bislang davon aus, dass es sich um eine „unglückliche Häufung von Krankheitsfällen“ handelt. Der stellvertretende Bürgermeister sagte aber auch: „Für den Fall, dass bei den Messungen eine Gesundheitsgefährdung festgestellt werden sollte, haben wir schon einen Plan B mit Ausweichquartieren in der Stadt.“ Um sicher zu gehen, wird es weitere Untersuchungen auf mögliche chlororganische Verbindungen im Boden und in der Außenluft geben: Die Raumluft werde auf etwa 100 Stoffe geprüft – im Schul- und Hortgebäude, in der Turnhalle und auf dem Außengelände. „Wir haben damit alle Forderungen der Elterninitiative, die sich gegründet hat, erfüllt“, sagt Zuber: „Und bis Ende dieser Woche wissen wir definitiv, ob es irgendwelche erhöhten Werte gibt.“

Das Schulamt mochte die Ankündigungen von Eltern, ihre Kinder zu Hause zu lassen, zunächst nicht akzeptieren: Der Schulamtsleiter erklärte gegenüber dem rbb, die Kinder bräuchten eine Entschuldigung mit einem Grund für das Fehlen. Jetzt aber gab es ein Umdenken: Eltern, die ihre Kinder heute und in den nächsten Tagen nicht zum Unterricht schicken, sollen nicht  wegen Verletzung der Schulpflicht belangt werden, berichtet der „Tagesspiegel“. News4teachers

Zum Bericht: Krebsfälle an Grundschule in Brandenburg – Messungen durchgeführt 

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