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40.000 Kita-Beschäftigte streiken bundesweit – Verband fordert: Macht Eltern zu ehrenamtlichen Erziehern!

BERLIN. Zur Oma, in die Notbetreuung oder mit ins Büro? Zehntausende Eltern müssen ihr ganzes Improvisationstalent aufbieten, um während des Kita-Streiks ihre Kinder unterzubringen. Die Gewerkschaften wollen den Druck aufrechterhalten. Sie hoffen auf Rückendeckung – auch aus der Wirtschaft. Elternverbände äußern Verständnis für den Streik. Eine Forderung aus ihren Reihen: Gebt Eltern die Kita-Schlüssel!

Die Kita-Beschäftigten haben sich mit großer Mehrheit für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Foto: GEW

Die Kita-Beschäftigten haben sich mit großer Mehrheit für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Foto: GEW

Geschlossene Kitas, ratlose Eltern: Die Gewerkschaften haben die Streiks an kommunalen Kindertagesstätten am Montag auf ganz Deutschland ausgeweitet. Am Vormittag legten auch Erzieher in Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen die Arbeit nieder. Damit werde nun in allen Bundesländern unbefristet gestreikt, sagte eine Verdi-Sprecherin. Die GEW bezifferte die Zahl der Streikenden auf bundesweit rund 40.000.

Wegen des Arbeitskampfes müssen inzwischen Zehntausende Familien ihre Kinder anderswo unterbringen. Eine Ende ist nicht abzusehen, denn die Arbeitgeber halten die Forderung nach einer besseren Eingruppierung der Erzieher für nicht bezahlbar. Verdi droht mit einer Fortsetzung des Arbeitskampfes auch in der kommenden Woche, falls die Arbeitgeber sich nicht bewegten.

Mehrere Unternehmen reagierten und versuchen, ihren Beschäftigten bei der Kinderbetreuung zu helfen. So stockten eine Reihe von Firmen wie die Commerzbank und der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport die Kinderbetreuung auf, die den Beschäftigten ohnehin zur Verfügung steht. Die Lufthansa erhöhte die Zahl ihrer «Eltern-Kind-Büros». Das sind Büros, in denen Eltern arbeiten und zugleich ihre Kinder betreuen können. Der Autobauer Opel bietet seinen Mitarbeitern an, «unbürokratisch und flexibel» Urlaub, unbezahlten Sonderurlaub, Freischichten oder Home-Office-Tage zu genehmigen.

Die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, forderte von den Unternehmen, sich mit den Kita-Beschäftigten zu solidarisieren. «Auch die Wirtschaft braucht funktionierende Kitas.»

In vielen Städten machten die Erzieher mit Trillerpfeifen und Plakaten auf ihre Forderungen aufmerksam. «Wir sind es wert» stand darauf, oder: «Wir managen eine Horde Kinder – wir wollen ein Managergehalt.»

Ein Verdi-Sprecher wies den Vorwurf der kommunalen Arbeitgeber zurück, die Gewerkschaften hätten den Streik zur Mitgliederwerbung vom Zaun gebrochen. «Wir haben kein Organisationsinteresse an einem langen Streik. Wir wollen zu einem schnellen Ergebnis kommen», sagte ein Verdi-Sprecher. Für die Gewerkschaft sei das «kein billiges Vergnügen». Verdi-Mitglieder erhalten bei einem Ausstand von über vier Stunden – sowohl beim Warnstreik als auch beim unbefristeten Streik – mehr als 50 Euro pro Tag. Die konkrete Summe hängt ab vom Beitrag (ein Prozent des Bruttogehalts) des Mitglieds. Da auf Streikgeld keine Abgaben erhoben würden, hielten sich die Einschnitte beim Nettoentgelt in engen Grenzen, erklärte der Verdi-Sprecher.

Viele Eltern zeigten Verständnis für den Arbeitskampf der Erzieher. Aber die Aussicht auf einen unbefristeten Streik macht sie auch ratlos. Die wenigen Notgruppen, die die Städte eingerichtet hatten, waren am Montag fast überall völlig überbucht. «Dieser Tarifkonflikt wird auf dem Rücken der Familien ausgetragen, insbesondere auf dem der Kinder», kritisierte der Vizevorsitzende des NRW-Elternbeirats, Attila Gümüs.

Der baden-württembergische Landeselternrat der Kitas unterstützt das Anliegen der Gewerkschaften, die Arbeit des Personals in den Einrichtungen besser zu bezahlen. «Wir stehen weiterhin uneingeschränkt hinter dem Arbeitskampf», sagte der Vorsitzende des Verbandes, Markus Kürschner. Er betonte, das Berufsbild habe sich von der Kindergärtnerin zur Erzieherin gewandelt, die Aufgaben erledigen müsse wie Projektarbeit, Sprachförderung, Beobachtung der Kinder und daraus resultierende Entwicklungsberichte. Im Unterschied zu einem Streik etwa bei der Müllabfuhr habe der Kita-Streik keine Folgen für die Allgemeinheit, erläuterte Kürschner. «Verdi hat kein anderes Druckmittel, als die Eltern vor ihren Karren zu spannen.»

Kürschner rief die Kommunen auf, den Eltern unbürokratischer die Betreuung ihrer Kinder in den Einrichtungen zu erlauben. Diese seien mit dem Eintritt in die Kita über eine Ehrenamtsversicherung automatisch versichert. «Die Kommunen müssen sich dazu durchringen, den Eltern die Schlüssel zu übergeben.» Gefragt seien derzeit auch die Großeltern als Betreuungsalternative sowie flexible Lösungen bei den Arbeitgebern. dpa

Zum Kommentar: Der berechtigte Streik der Erzieherinnen: Es geht ums Geld – und um viel mehr

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