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Letzter Schultag: Odenwaldschule trotz Rettungsversuchs vor dem Aus

HEPPENHEIM. Die Schüler der Odenwaldschule warten auf den letzten Tag vor den Sommerferien. Es könnte der letzte für immer sein. Die Schule kann den aufgedeckten Missbrauchsskandal und seine Folgen nicht abschütteln.

Goethehaus der Odenwaldschule; Foto: Mussklprozz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Goethehaus der Odenwaldschule; Foto: Mussklprozz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Kurz vor ihrem letzten Schultag hängt die Zukunft der Odenwaldschule nach Missbrauchsskandal und Missmanagement an einem seidenen Faden. Wenn die Schüler an diesem Donnerstag (9. Juli) in die Ferien gehen, scheint es trotz vieler Rettungsversuche kein Geld und damit keine wirkliche Chance mehr zu geben. «Das waren sehr bewegte, angespannte Wochen, vor allem für die Schülerinnen und Schüler», sagt der Geschäftsführer Marcus Halfen-Kieper.

Es gibt der vorläufigen Insolvenzverwaltern Sylvia Rhein zufolge zwar eine Gruppe, die die einst geschätzte Reformschule in Heppenheim weiterführen will. Details werden aber nicht genannt. Es soll sich um Eltern handeln. Ihrem Vorhaben wird aber kaum Erfolg eingeräumt. Die Aufsichtsbehörden wollen bis zum 15. August Klarheit haben und warten ein Gutachten von Rhein ab.

Die Schule hatte im Juni bekanntgegeben, kein Geld mehr zu haben. Unter anderem war die Zahl der Schüler, die für die Privateinrichtung zahlen müssen, stark zurückgegangen. Die Schule hatte zuletzt rund 150 Schüler und fast 110 Mitarbeiter. Zu den ehemaligen Schülern des Internats gehören Prominente: Schriftsteller Klaus Mann lernte nach Angaben der Schule hier, ebenso Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit.

An der Schule waren 2010 zur 100-Jahr-Feier lange zurückliegende sexuelle Übergriffe an Schülern ans Licht gekommen. Offiziell wird von 132 Opfern ausgegangen, auch von 500 Missbrauchten ist die Rede. Es folgten ein Dauerstreit und Wechsel auf Wechsel an der Spitze.

Ehemalige Verantwortliche, die nach dem Hochkochen der Übergriffe für eine Reform der Schule standen, sind enttäuscht, hauptsächlich über die heutige Situation der Schüler und Eltern. Aber nicht überrascht über das mögliche Aus der Einrichtung.

«Das Ende der Schule war eigentlich schon vor drei Jahren abzusehen, als immer noch keine Sanierungsbemühungen erkennbar waren», meinte der Rechtsanwalt Michael Frenzel, der zeitweise Vorsitzender des Schul-Trägervereins war. «Danach kamen mehr oder weniger inkompetente Vorstände, die das Handwerk der Führung einer Schule einfach nicht verstanden und auch keine ausreichenden betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten hatten.»

Margarita Kaufmann, jene Schulleiterin, die vor allem 2010 offensiv über den Missbrauch berichtete, erinnert sich: «Es gab keinen wirklichen Austausch untereinander, kein Ringen um die Wahrheit und auch um die Schule.» Die Einrichtung sei heftig darüber zerstritten gewesen, wie es nach dem Bekanntwerden der sexuellen Übergriffe weitergehen soll. «Jeder wusste es besser und hörte nicht mehr zu.»

Der Opfer-Verein «Glasbrechen», der von etwa 500 Missbrauchten ausgeht, ist trotz der schwierigen Situation der heutigen Schüler froh, dass die Odenwaldschule kaum mehr eine Hoffnung hat: «Grundsätzlich aber ist es ein gutes Signal – insbesondere auch an andere institutionelle Täterorganisationen –, wenn jetzt dieser auf das schwerste belastete Tatort geschlossen werden wird.» Auch der Frankfurter Rechtsanwalt Thorsten Kahl, der Opfer vertrat, hält einen Neuanfang nicht mehr für möglich. «Auch nicht unter einem anderen Namen». dpa

Zum Bericht: „Es gab keine Regeln“ – „Die Auserwählten“-Regisseur war selbst an der Odenwaldschule

3 Kommentare

  1. Man könnte ein Wohnheim für Flüchtlinge daraus machen.

  2. Gute Idee.

  3. Ex-Odenwaldschüler

    Endlich schließt diese Horroranstalt für immer ihre Pforten-für mich ein Tag großer Freude!!

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