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Höcke stellt Westdeutschen ihr Deutschsein infrage – und beklagt Erinnerungskultur

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ERFURT. Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke hat in einem Podcast der Schweizer „Weltwoche“ erneut mit rechtsextremen Positionen für Aufsehen gesorgt. Dabei sprach der frühere Lehrer den Menschen in Westdeutschland faktisch ihr Deutschsein ab. Westdeutsche seien durch den Einfluss der USA zu „Deutsch sprechenden Amerikanern“ geworden, behauptete Höcke. Ostdeutsche dagegen seien noch „Deutsch sprechende Deutsche“.

„Wieder stolz.“ Foto: Shutterstock / Achim Wagner

Konkret erklärte Höcke, die Bevölkerung in den westlichen Bundesländern habe sich von der amerikanischen Kultur „usurpieren“ lassen. Zugleich betonte er, kein „Anti-Amerikaner“ zu sein. Die Äußerungen reihen sich in eine Reihe von Aussagen ein, mit denen der AfD-Politiker seit Jahren nationale Identität, Migration und die politische Entwicklung Deutschlands thematisiert.

Im Podcast wiederholte Höcke zudem seine Warnung vor einem angeblichen „Ende Deutschlands“. Das Land sei durch Zuwanderung und Eliten bedroht, die bewusst an der Abschaffung Deutschlands arbeiteten. Diese Erzählung ähnelt der sogenannten Theorie des „Großen Austauschs“, einer rechtsextremen und antisemitischen Verschwörungserzählung, nach der geheime Machtgruppen die Bevölkerungsstruktur gezielt verändern würden.

Auch die deutsche Erinnerungskultur kritisierte Höcke erneut. Die deutsche Geschichte dürfe nicht als „Verbrecheralbum“ betrachtet werden, sagte er. Kritische Nachfragen zu seinen Positionen oder zu seiner strafrechtlichen Verurteilung blieben im Gespräch aus. Höcke war wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verurteilt worden, nachdem er mehrfach die verbotene SA-Losung „Alles für Deutschland“ verwendet hatte.

Die Kritik an der Erinnerungskultur gehört seit Jahren zu Höckes politischen Kernthemen. Bereits 2017 hatte er mit einer Rede in Dresden bundesweit Empörung ausgelöst. Mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin erklärte er damals: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

Zugleich kritisierte der ehemalige Geschichtslehrer die Vermittlung deutscher Geschichte an Schulen. Statt die Leistungen deutscher Philosophen, Musiker, Erfinder und Wissenschaftler hervorzuheben, werde die deutsche Geschichte „mies und lächerlich gemacht“, sagte Höcke damals. Die Bundesregierung unter Angela Merkel verglich er in derselben Rede mit dem Regime der DDR.

Die Äußerungen lösten bereits damals eine Debatte darüber aus, ob ein Lehrer mit solchen Positionen im Schuldienst tätig sein sollte. Höcke war Oberstudienrat für Sport und Geschichte an einer Gesamtschule im hessischen Bad Sooden-Allendorf. Seit seinem Wechsel in die Landespolitik ist er als Thüringer Landtagsabgeordneter vom Schuldienst beurlaubt. Nach Angaben des Hessischen Kultusministeriums besteht deshalb keine rechtliche Möglichkeit, ihn aus dem Beamtenverhältnis zu entlassen.

Der heute 54-Jährige stammt selbst aus Westfalen und arbeitete bis 2014 als Lehrer in Hessen. Anschließend übernahm er die Führung des AfD-Landesverbands Thüringen. Dieser wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. News4teachers / mit Material der dpa

Höcke verurteilt: 13.000 Euro Geldstrafe – beamtenrechtliche Konsequenzen absehbar

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18 Kommentare
rfalio
1 Monat zuvor

Ostdeutsche waren doch auch – zumindest zu einem Großteil – keine „deutsch sprechenden Russen„!
Herr Höcke sollte einmal darüber nachdenken, wer ohne Zuwanderung seine Pension bezahlt (falls er nicht aus dem Beamtendienst entfernt wird.
rfalio

Mika BB
1 Monat zuvor

„ Im Osten sind die Menschen noch Deutsche, im Westen haben sie über Jahrzehnte eine Ersatzidentität gefunden und haben sich von der amerikanischen Kultur völlig usurpieren lassen.“ (Bernd Höcke)

Dazu aus dem Tagesspiegel:
„Die Vorlage für diesen Satz stammt wahrscheinlich von Margarita Simonjan, Chefredakteurin des russischen Staatssenders RT (Russia Today). Im Zuge der Debatten um deutsche Panzerlieferungen an die Ukraine schrieb sie 2023: „In Ostdeutschland leben Deutsche, in Westdeutschland aber mehrheitlich deutschsprachige Amerikaner.“ Verbreitet wurde diese Aussage im Anschluss unter anderem von Jürgen Elsässer, prorussischen Blogs und auf Telegram.“

Da sind sie ja wieder alle vereint: RT, Elsässer und Höcke…

https://www.tagesspiegel.de/politik/westdeutsche-als-deutsch-sprechende-amerikaner-hat-hocke-seine-these-von-russia-today-15696261.html

Indra Rupp
1 Monat zuvor

Die Moschee im Ort hat ein Glockenspiel. Dort ertönt täglich ein Lied. Es sind immer alte, deutsche Volkslieder. Nett, oder?
Ich spiele als Straßenmusikerin /Puppenspielerin ebenfalls diese Lieder, weil die Bedürfnisse von der älteren Generation in den lauten Fußgängerzonen zu kurz kommt. Ältere Menschen freuen sich, weil das die Lieder aus ihrer Kindheit sind und Kinder, was die Senioren ebenfalls freut, hören sich die an, weil die Puppe singt.
Und gerade diese ältesten Mitbürger wählen die Afd nicht und finden auch nicht, dass wir zuviel über die NS-Vergangenheit reden, im Gegenteil.

Manche sind Amerikaner, Berliner, Wiener, Frankfurter oder Hamburger und der Bernd ist ein frustriertes Kastenbrot.

blau
1 Monat zuvor

Lol die USA werden doch derzeit von MAGA bestimmt und diese haben mit der AfD viel mehr gemein als mit den weltoffenen Menschen im Westen

Lothar Ungerer
1 Monat zuvor

Die Verwechslung eines Ostdeutschen mit einem Westdeutschen ist ungefähr so präzise wie die Behauptung, die Elbe fließe durch die Alpen. Spätestens wenn jemand „Brötchen“ statt „Semmel“, „Brötle“ oder „Schrippe“ bestellt, werden aus vermeintlich sicheren Klischees erstaunlich unscharfe Landkarten.
Die gute Nachricht: Mehr als drei Jahrzehnte nach der deutschen Einheit zeigt die Fehleinschätzung vor allem eines – dass die alten Schubladen nicht mehr richtig schließen. Die schlechte Nachricht: Manche halten sie trotzdem krampfhaft offen. So der hessische Oberstudienrat B. Höcke in Thüringen. Einfach lächerlich.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Lothar Ungerer

Und ich dachte die heißen „Labla“.

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Weckle

Indra Rupp
1 Monat zuvor
Antwortet  Lothar Ungerer

War doch abgesprochen. Höcke hebt die Ostdeutschen als die wahren Deutschen hervor, um die totale Mehrheit zu erlangen. Weidel und Crupalla fahren das anschließend wieder runter, um die Wessis nicht zu erzürnen,weil sie deren Stimmen ja langfristig ebenfalls benötigen. Win-win…

real_anka
1 Monat zuvor
Antwortet  Lothar Ungerer

Sicher, dass diese Person OStR geworden ist?

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  real_anka

Würde sein Status etwas ändern ?
Abgesehen von der zunehmenden Unerträglichkeit, dass so eine Person von unseren Steuergeldern finanziert wird?

HuGo
1 Monat zuvor

So ganz von der Hand zu weisen ist diese Aussage ja nicht, nach den langen Jahren der sicher notwendigen Umerziegungsprogramme nach dem Krieg, so, wie sie auch in der ehemaligen DDR passierten. Im Übrigen gilt wohl, was Frau Özuguz dereinst über die deutsche Kultur sagte. Helmut Schmidt sah das allerdings ganz anders. So ist sie nun mal, die Vielfalt der Meinungen in einer Demokratie und diese sollte sie aushalten, müssen!

Indra Rupp
1 Monat zuvor
Antwortet  HuGo

Aber man darf sie durchschauen und allen, die das nicht tun, einen Tipp geben, oder?

Unverzagte
1 Monat zuvor

Oh, wie förderlich für eine weltoffene Kultur des Zusammenlebens wäre ein längst überfälliges Lernen aus der eigenen Geschichte dieses wunderbaren Landes:

Wer soll uns diesmal vor rein nationalorientierten, deutschen Faschist* innen schützen, wenn wir es nicht selbst tun ?

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Was ist denn das für ein trauriger Trollingversuch?

Da gibt es mehr Spaltungspotenzial bei der Frage nach dem besten Duft: heißer Kakao vs. geschnittener Rasen ^^

Canishine
1 Monat zuvor

Meint Herr Höcke diejenigen Amerikaner, die im Moment stark Einfluss in Deutschland zugunsten seiner Partei ausüben wollen?

real_anka
1 Monat zuvor

Der westdeutsche Hesse muss es ja wissen 🙂
Sehr lustige These: vielleicht war er zu lange im schönen Siegerland, wo die Menschen das „R“ nach amerikanischer Art rollen?

Susanne M.
1 Monat zuvor

Erinnert mich an das Geschimpfe von Fr oßeltern wegen “ Nietenhosen“ und „N*Musik“.
Böser amerikanischer Kulturimperialismus aber auch! Das deutsche Mädel hat Zöpfe und Rock zu tragen, der deutsche Jungmann der Altvorderen Weisen zu hören!
( Man kann über amerikanische Außenpolitik gut streiten, und Deutschland vorwerfen, dass es zu Gunsten seines Verbündeten oft eigene Interessen hintenan stellt. Aber “ keine richtigen Deutschen, sondern deutschsprachige Amerikaner“, das kann nur von jemandem kommen, der noch nie in USA war)

Hans Malz
1 Monat zuvor

Dummschwätzer! Bitte, bitte, bitte nicht wählen!