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Wann kommt endlich die digitale Revolution in den deutschen Schulen? Eine Expertenrunde diskutiert

BERLIN. Die digitale Revolution an Schulen? Wird seit mindestens zehn Jahren erwartet, wurde immer wieder angekündigt – und blieb bislang doch aus. Die Quittung: das mäßige Abschneiden bei der internationalen Vergleichsstudie ICILS und jetzt, aktuell, bei einer Zusatzerhebung von PISA. Die deutschen Schüler rangieren mit ihren Fertigkeiten im Mittelmaß, auf einer Stufe mit den russischen. Noch ärger: Beim Einsatz von digitalen Medien im Unterricht ist Deutschland sogar Schlusslicht.

Das digitale Klassenzimmer gibt's häufig nur auf Bildungsmessen wie hier der didacta zu bestaunen. Foto: Koelnmesse Bilddatenbank

Das digitale Klassenzimmer gibt’s häufig nur auf Bildungsmessen wie hier der didacta zu bestaunen. Foto: Koelnmesse Bilddatenbank

Wann kommt er denn nun, der technologische Quantensprung in der deutschen Bildung. Oder, vorsichtiger gefragt: Kommt er denn überhaupt noch? Dass er nötig wäre, darüber war sich die Runde von Experten einig, die sich in diesen Tagen beim Technologieriesen Samsung in Berlin zur Diskussion zusammengefunden hatte – auch, wenn Christoph Igel vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz eingangs feststellte, dass digitale Bildung kein Selbstzweck sei. Es gehe dabei vielmehr darum, das methodische Instrumentarium zu erweitern. Nicht mehr, Aber eben auch nicht weniger.

Den „digital native“, den jungen Menschen also, der von Geburt an mit digitalen Medien konfrontiert ist und diese sicher und souverän als Quellen schier uferloser Information nutzt – den gibt es nicht. „Ein Mythos“, so Igel. Schülerinnen und Schüler hätten zwar ein großes Interesse an sozialen Medien und auch eine gewisse „Bedienkompetenz“, dann sei aber auch schnell Schluss. „Sie wissen, wie sie einen Computer anschalten können, wie sich damit spielen lässt und wie sie ihre peer group kontaktieren können“, erklärte der Professor. „Aber wissen sie, wie sie damit lernen können? Nein.“

Heike Kahl, Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, nahm den Befund zum Anlass, auf die von ICILS aufgedeckten sozialen Unterschiede hinzuweisen: Während Kinder und Jugendliche aus bildungsnahen Familien von zu Hause aus noch über recht ordentliche Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien verfügten, würden Schülerinnen und Schüler aus armen Elternhäusern abgehängt. „Die sozialen Unterschiede werden verstärkt“, sagte sie, eben weil die Schulen hier nicht gegensteuerten. Von den beruflichen Schulen wusste Hubert Romer, Geschäftsführer von WorldSkills Deutschland, allerdings zu berichten, dass dort häufiger innovative Medienprojekte gediehen. Hier macht sich offenbar die Nähe zu den Betrieben bemerkbar.

Dass Schulen – und damit die Schüler – gleichermaßen die Chancen haben sollten, von und mit digitalen Medien zu lernen, bejahte auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken, Mitglied im Ausschuss Digitale Agenda. Aber daraus die Forderung abzuleiten, alle Schulen und alle Schüler gleichermaßen mit Tablets auszustatten? Dies mochte sie nicht. Es bringe wenig, so Esken, über alle „die gleiche Soße“ zu gießen. Initiativen seien gefragt, eine pädagogische Bewegung von unten, auch mal Experimente zu wagen – etwa mit den Smartphones der Schüler.

Widerspruch von Igel: Wie solle sich ein solcher Kulturwandel denn vollziehen können, wenn die technischen Voraussetzungen fehlten? Er forderte als Basisausstattung einen Tablet-Computer für jeden Schüler („wie soll‘s denn sonst gehen?“). Bemerkenswert: Steffen Ganders, Manager bei Samsung Deutschland, stimmte hier nicht vorbehaltlos zu. Sondern gab sich ebenfalls vorsichtig: Zunächst, so Ganders, müssten erstmal die Lehrer in der Breite wissen, wie sie mit den neuen Möglichkeiten denn umgehen könnten. Und dann dürfe auch die vielerorts unzureichende Infrastruktur nicht außer Acht gelassen werden: die Frage beispielsweise, wer die Geräte denn warte. Dies von den Pädagogen zu erwarten, sei unangemessen. Ganders: „Sie können sich dann ja nicht mehr auf ihre Kernaufgabe konzentrieren.“ Unterrichten eben. ANDREJ PRIBOSCHEK

Zum Kommentar: „Mittelalterliche“ digitale Bildung: Alles halb so schlimm? – Leider doch

2 Kommentare

  1. Nur mit einem Gerät, was genügend lange mitsamt funktionierender Software zur Verfügung steht, wird man sinnvollerweise Unterrichtskonzepte entwickeln. Was ich nur einmal machen kann, wäre Zeitverschwendung.
    Aber welche Geräte sind nach 5 Jahren noch nicht veraltet??

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