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Anwerber auf dem Schulhof: Salafismus stellt Lehrer vor neue Herausforderungen

BREMEN. Die Anschläge von Paris zeigen erschreckend deutlich: Der islamistische Terror ist längst vor unserer Haustür angekommen – und übt auf junge Leute große Anziehungskraft aus. Eine Herausforderung für Schulen.

Schüler, die plötzlich nicht mehr zum Sport gehen wollen, die den Heiligen Krieg cool finden oder andere bedrohen – der radikale Islamismus wird für Lehrer zunehmend zur Herausforderung. Bremer Schulen meldeten in den letzten eineinhalb Jahren vermehrt Vorfälle dieser Art, sagte der für religiösen Extremismus zuständige Referent im Bildungsressort, Helmut Kehlenbeck, am Dienstag.

Dabei handele es sich nur um einen kleinen Teil der Schüler. Doch die Lehrer seien oft ratlos, wie sie mit ihnen umgehen sollten. «Die klassischen Präventions- und Interventionsmaßnahmen greifen nicht mehr, weil die Jugendlichen auf einem ganz anderen Weg sind», sagte Kehlenbeck. Gerade der radikal-islamische Salafismus übt nach Angaben des Verfassungsschutzes eine große Anziehungskraft auf junge Leute aus, die Zahl der Anhänger ist inzwischen auf 7500 in Deutschland angewachsen.

Doch wie können Lehrer verhindern, dass ihre Schüler in Islamistenkreise abrutschen und wie erreichen sie radikalisierte Jugendliche? Antworten sollten die Pädagogen am Dienstag bei einem Fachtag zu Salafismus und Islamfeindlichkeit am Bremer Landesinstitut für Schule finden. In Workshops stellten Schulen und Initiativen verschiedene Präventionsprojekte vor. Experten gaben Anregungen, wie man auf Schüler und Eltern zugeht und wann Hilfe von außen sinnvoll ist.

«Die Jugendlichen sind sehr sensibel, wenn es um ihren Glauben geht. Sie akzeptieren auch nicht jeden Ansprechpartner», erläuterte der Politik- und Erziehungswissenschaftler David Aufsess in einem Workshop. Er arbeitet in einem Präventionsprojekt mit jungen Muslimen im sozialschwachen Bremer Osten. Diese Jugendlichen seien nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA aufgewachsen. «Sie erleben ihre eigene Religion als problembehaftet.»

Islamfeindlichkeit spiele den Salafisten in die Hände, sagte der Organisator des Fachtags, Dietmar Ludwig. «Diese beziehen sich stark darauf, dass Muslime in Deutschland nicht willkommen sind.» Die Salafisten holten die Jugendlichen direkt in ihrer Lebenswelt ab und könnten ihnen Orientierung und ein Zugehörigkeitsgefühl geben. Im nordrhein-westfälischen Herford zum Beispiel sprachen sie Schüler vor Discos an. «Sie haben gesagt, dass Feiern gehen und Alkohol trinken falsch ist», erzählt Onur Sönmezsoy, der sich an der Gesamtschule Friedenstal mit Mitschülern in einem Präventionsprojekt engagiert. Auch auf dem Schulhof und in der Mensa seien Salafisten schon aufgetaucht. dpa

Zum Bericht: Gegen den Terror: Beckmann fordert mehr Zeit für Lehrer, um präventiv arbeiten zu können

2 Kommentare

  1. Wieso braucht es Salafisten, um Schülern zu sagen, dass es falsch ist, sich zu besaufen??

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