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Hitlers „Mein Kampf“ darf im Unterricht verwendet werden

DRESDEN. 70 Jahre lang war der Nachdruck von Hitlers «Mein Kampf» verboten. Mit Ablauf der Urheberrechte kommt nun eine wissenschaftlich kommentierte Ausgabe in die Läden – und wohl auch auf sächsische Schultische.

Die neue kommentierte Fassung von Hitlers «Mein Kampf» kann als historische Quelle im Unterricht an Sachsens Schulen verwendet werden. Das Kultusministerium mache neben Büchern, die Teil des Lehrstoffs sind, sowie Literaturempfehlungen für Fachlehrer keine weiteren Vorgaben zur Bücherwahl, sagte eine Sprecherin am Donnerstag in Dresden. Über die Freigabe berichtete zuerst die «Leipziger Volkszeitung».

Lehrer können der Sprecherin zufolge selbst entscheiden, welche frei verfügbaren und rechtlich zulässigen Werke sie verwenden. Sie seien hervorragend ausgebildet und vorbereitet, Inhalte dieses Buches verantwortungsvoll zu besprechen.

Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) erklärte: «Ziel muss es dabei sein, die NS-Ideologie zu entlarven, Schüler gegen Rechtsextremismus stark zu machen und sie zu Persönlichkeiten zu erziehen, die der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen extremistischen Tendenzen sowie Gewaltherrschaften entschieden entgegentreten.»

Der Landesschülerrat (LSR) Sachsen begrüßte, dass die wissenschaftlich kommentierte Ausgabe nun auch im Geschichtsunterricht eingesetzt werden könne. «Dennoch muss klar sein, dass dieses Werk allenfalls eine Ergänzung bei der Aufklärung zum Nationalsozialismus in der Oberstufe darstellen darf», betonte der LSR-Vorsitzende Friedrich Roderfeld. Eine Überhöhung von «Mein Kampf» sei nicht zielführend. «Vielmehr sollte es als normale Quelle, die die Menschenverachtung des NS-Regimes noch einmal deutlicher macht, eingesetzt werden.»

70 Jahre lang war der Nachdruck von «Mein Kampf» verboten, die Urheberrechte sind nun ausgelaufen. Das Institut für Zeitgeschichte in München stellt am Freitag eine in drei Jahren erarbeitete wissenschaftlich kommentierte Ausgabe vor.

Hitler hatte die Hetzschrift nach seinem Umsturzversuch im November 1923 in der Haft verfasst. Darin sind etwa die Grundlagen für die Rassentheorie und seine spätere Eroberungspolitik angelegt. dpa

Ein Kommentar

  1. Durfte das Werk generell nicht verwendet werden oder durfte es nicht verwendet werden, weil Bayern als Rechteinhaber das erfolgreich verhindert hatte? Ich tendiere zu letzterem, zumal die CSU sich damit wieder ein Ei gelegt hat:

    spiegel.de/kultur/gesellschaft/adolf-hitlers-mein-kampf-verbot-bleibt-nach-justizminister-treffen-a-977582.html

    Natürlich halte ich die kritische Auseinandersetzung mit dem Text (in der Oberstufe) für möglich und sinnvoll, denn nur so ist nachvollziehbar, wie wirr im Kopf der Mann wirklich war.

    Andererseits müsste man auch schon in der Sek I an jeder Schulform die „Lowlights“ *) des Textes besprechen, weil eine Menge der Rechtsextremen die Sek II nicht mitbekommen haben. Dabei reicht ggf. schon die kabarettistische Aufarbeitung durch Serdan Somuncu in Verbindung mit einer kritischen Einordnung, die von praktisch allen Schülern am Ende der Sek II verständlich sein sollte.

    *) Mit ist kein passenderes Wort für „krankste / besch***rtste / wirrste Passagen“ eingefallen.

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