KASSEL. Kaum ist die erste große Hitzewelle abgeklungen, kündigen Wettermodelle bereits die nächste an – mit Temperaturen von bis zu 46 Grad in Teilen Europas. Auch Deutschland muss sich nach Einschätzung der Meteorologen erneut auf eine Phase extremer Hitze einstellen. Vor diesem Hintergrund wächst der Druck auf die Politik, Schulen und Kitas besser auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten. Der Deutsche Lehrerverband Hessen fordert deshalb verbindliche Vorgaben statt bloßer Empfehlungen.

Nach einer kurzen Wetterberuhigung könnte Europa bereits in den kommenden Tagen die nächste Hitzewelle erreichen – und sie könnte nach den aktuellen Prognosen noch intensiver ausfallen als die vorherige. Wettermodelle des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) rechnen für Teile Spaniens mit Temperaturen von bis zu 46 Grad, für Frankreich mit bis zu 45 Grad und für Großbritannien mit Werten nahe 40 Grad.
Auch für Deutschland sehen Meteorologen derzeit eine hohe Wahrscheinlichkeit einer erneuten Hitzewelle in der kommenden Woche. Nach einer kurzen Abkühlung sollen zunächst im Süden wieder Temperaturen über 30 Grad erreicht werden, bevor sich die Hitze voraussichtlich auf weite Teile des Landes ausbreitet.
Als Ursache gilt erneut ein stabiles Hochdruckgebiet über Westeuropa, das kühlere Atlantikluft fernhält und stattdessen heiße Luftmassen aus Nordafrika nach Mitteleuropa lenkt. Ausgetrocknete Böden verstärken den Effekt zusätzlich, weil sie sich besonders stark aufheizen und kaum noch Verdunstungskälte entsteht.
Für Schulen und Kitas in Deutschland könnte die angekündigte Hitzewelle erneut zu erheblichen Problemen im Alltag führen. Angesichts der Entwicklung – der Klimawandel macht hohe Temperaturen auch hierzulande immer wahrscheinlicher – fordert der Deutsche Lehrerverband Hessen (dlh) die Landesregierung auf, verbindliche und landesweit einheitliche Regelungen zum Hitzeschutz einzuführen. Der bisherige Orientierungsrahmen reiche angesichts der Belastungen für Kinder, Jugendliche und Beschäftigte nicht aus.
„Hohe Temperaturen wirken sich unmittelbar auf Konzentrationsfähigkeit und Lernerfolg aus. Besonders vulnerable Kinder, etwa mit Einschränkungen oder chronischen Erkrankungen, leiden ganz besonders unter der Hitze. Besonders prekär ist die Lage für alle in Containern und schlecht isolierten Gebäuden. Wenn sich Schülerinnen und Schüler über untragbare Bedingungen in den Klassenräumen beschweren, dann zu Recht“, erklärt der dlh-Landesvorsitzende Boris Krüger.
„Hitzeschutz ist kein Luxusthema, sondern eine Frage des Gesundheitsschutzes und der Bildungsgerechtigkeit“
Nach Angaben des Verbandes mussten in Hessen bereits vor den Sommerferien an zahlreichen Schulen Hitzefrei angeordnet und auch Kinder aus Kindertagesstätten früher nach Hause geschickt werden, weil eine verantwortungsvolle Betreuung unter den hohen Temperaturen nicht mehr möglich gewesen sei. Für viele Familien habe dies kurzfristig erhebliche organisatorische Probleme verursacht.
Der dlh kritisiert, dass der vor gut einem Jahr überarbeitete Hitzeaktionsplan der hessischen Landesregierung für Bildungseinrichtungen lediglich Empfehlungen enthalte. Notwendig seien dagegen verbindliche Mindeststandards. „Wir brauchen verbindliche Vorgaben der beiden zuständigen Ministerien (Soziales sowie Kultus), damit der Hitzeschutz an Kitas und Schulen endlich einem landesweiten Mindeststandard folgt. Nur so können sich die Bildungseinrichtungen frühzeitig und verlässlich auf das kommende Jahr vorbereiten. Eine lose Orientierung an dem allgemeinen Hitzeschutzplan der Landesregierung reicht für Kitas und Schulen nicht aus – dafür sind sie zu stark durch die Hitze beeinträchtigt“, so Krüger.
Konkret verlangt der Verband einen verbindlichen Hitzeaktionsplan für Schulen und Kitas, klare Vorgaben zu Raumtemperaturen, Sonnenschutz und Lüftung, mehr Entscheidungsspielraum für Schulleitungen und pädagogisches Personal bei der Anpassung des Unterrichts an extreme Wetterlagen sowie erhebliche Investitionen der Schulträger in klimaangepasste Gebäude. Dazu gehörten nach Auffassung des dlh sowohl langfristige Sanierungen als auch kurzfristig der Einbau von Klimaanlagen, möglichst in Verbindung mit Photovoltaikanlagen.
Die Forderungen richten sich nicht nur an die Landesregierung, sondern auch an die Kreise und kreisfreien Städte als Schulträger. Diese sollten nach Auffassung des Verbandes Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes nutzen, um Schulgebäude schneller an die Folgen des Klimawandels anzupassen.
Krüger warnt davor, Hitzeschutz als Randthema zu behandeln. „Hitzeschutz ist kein Luxusthema, sondern eine Frage des Gesundheitsschutzes und der Bildungsgerechtigkeit. Wir erwarten von der Landesregierung und den Schulträgern, dass sie jetzt handeln – und nicht erst, wenn die nächste Hitzewelle schon da ist.“ News4teachers









