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Auf der „didacta“ vorgestellt: Neue Initiative will helfen, das Handschreiben zu retten

KÖLN. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Schreibmotorik Instituts, Heroldsberg, mit Unterstützung des Bundeselternrates, macht deutlich, dass auch im digitalen Zeitalter die Handschrift ein wichtiges Bildungsthema bleibt – zu viele Kinder haben hier Probleme. Der Didacta Verband und das Schreibmotorik Institut haben deshalb jetzt auf der Bildungsmesse „didacta“ die „Aktion Handschreiben 2020“ ins Leben gerufen.

Der Schreibmotorik-Forscher Christian Marquardt demonstriert in einer Kölner Kita von ihm entwickelte Methoden, mit denen Kinder spielerisch ihre Schreibmotorik trainieren können. Foto: Gudrun Petersen

Der Schreibmotorik-Forscher Christian Marquardt demonstriert in einer Kölner Kita von ihm entwickelte Methoden, mit denen Kinder spielerisch ihre Schreibmotorik trainieren können. Foto: Gudrun Petersen

Mehr als 96 Prozent der Eltern halten schreiben lernen mit der Hand heutzutage noch für wichtig, fast zwei Drittel davon sogar für sehr wichtig. Über 23 Prozent der Eltern stellen allerdings fest, dass ihre Kinder Probleme haben, mehr als 30 Minuten am Stück zu schreiben. Das wären hochgerechnet auf Deutschland 1,2 Millionen Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren, die nicht ausdauernd leserlich und ohne Verkrampfungen schreiben können.

Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter Müttern in Deutschland, die das Schreibmotorik Institut, mit Unterstützung des Bundeselternrates, durchgeführt hat (weitere Ergebnisse sind hier abrufbar).

Die Probleme sind Anlass für die Konstituierung der „Aktion Handschreiben 2020“, die eine verbesserte Förderung der Schreibmotorik in den Kitas und Grundschulen etablieren möchte. Gründungsmitglieder des Bündnisses, das jetzt im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Bildungsmesse „didacta“ vorgestellt wurde, sind der Didacta Verband sowie das Schreibmotorik Institut. Der Vorstand des Bundeselternrats unterstützt das Bündnis.

Prof. Wassilios E. Fthenakis, Präsident des Didacta Verbandes, erklärt: „Kinder haben große Freude daran, sich zu bewegen. Bewegung ist für sie wie Sprechen, Singen und Tanzen elementares Ausdrucksmittel. Auch Schreiben beruht auf Bewegung, und gerade Handschreiben fördert die motorische Entwicklung des Kindes und ist damit für seine Gesamtentwicklung von unerlässlicher Bedeutung.“

Michael Töpler, Vorsitzender des Bundeselternrats, sagt: „Die Umfrage zeigt eindrucksvoll, dass das Schreiben mit der Hand für Eltern, hier vertreten durch die Mütter, weiter eine große Bedeutung hat. Die bestehenden Probleme der Kinder sollten genau analysiert und entsprechende Strategien zur individuellen Förderung umgesetzt werden.“

Dr. Christian Marquardt, Wissenschaftlicher Beirat des Schreibmotorik Instituts, meint: „Das Ausmaß an Problemen beim Schreibenlernen ist besorgniserregend. Allerdings macht die positive Einstellung der Eltern und der Kinder zum Handschreiben Mut. Viele Eltern wünschen sich mehr Informationen wie sie ihre Kinder beim Erwerb der Handschrift unterstützen können. Hier wird das Schreibmotorik Institut mit Informations- und Übungsmaterialien intensiver tätig werden.“

Klar sei, so heißt es: Immer mehr Kinder hätten Schwierigkeiten, im Verlauf des Schriftspracherwerbs in der Grundschule eine „gut lesbare, flüssige Handschrift“ zu entwickeln, wie es in den bundesweit geltenden Bildungsstandards „Deutsch für die Primarstufe“ vorgegeben ist. Nach Schätzung von Lehrkräften sind sogar rund die Hälfte der Jungen und ein Drittel der Mädchen von diesen Problemen betroffen. Als wichtigste Ursache sehen Grundschul-Lehrerinnen und Lehrer vor allem „eine schlechte Feinmotorik“. Nach Angabe der Lehrerinnen und Lehrer hat sich die Situation in den letzten Jahren noch weiter verschlechtert.

Dies beeinträchtigt den Experten zufolge Bildungschancen. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse legten einen engen Zusammenhang zwischen kognitiver und motorischer Entwicklung von Kindern nahe. Fast alle Lehrerinnen und Lehrer sähen einen Zusammenhang zwischen der Handschrift der Schülerinnen und Schüler und deren schulischen Leistungen.

Aus diesen Gründen ergreift die „Aktion Handschreiben 2020“ jetzt die Initiative, damit die Voraussetzungen und Möglichkeiten zum Erlernen des Handschreibens sowohl in den Bildungseinrichtungen Kita und Schule wie auch in den Familien zu Hause verbessert werden. Allen Kindern soll ermöglicht werden, eine gut lesbare und flüssige Handschrift zu entwickeln. Auch die Inklusion, hier insbesondere die Integration von Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund – aktuell: Flüchtlingskinder – machen es notwendig, die Förderung in diesem Bereich zu verbessern.

Dafür ist es aus Sicht der Partner notwendig,

  • die Forschung zum Handschreiben voranzubringen, bestehende Lehrmethoden wissenschaftlich weiterzuentwickeln und gegebenenfalls neue Lehrmethoden wissenschaftlich hervorzubringen und in der Praxis zu erproben. Das schließt auch die Entwicklung von Möglichkeiten ein, digitales Lernen und die Förderung der Motorik zu kombinieren.
  • Das Thema Schreibmotorik ist bislang an den Universitäten zu wenig verankert. Ein entsprechender Lehrstuhl, der Erkenntnisse der Neurowissenschaften, der Erziehungswissenschaft, der Bildungsforschung, der Ergonomie sowie der Sportwissenschaft einbezieht, wäre wünschenswert.
  • Darüber hinaus setzt sich das Bündnis dafür ein, dass Erkenntnisse der Forschung zum Handschreiben in der Lehrerbildung und Erzieherausbildung verankert und in Fortbildungen vertieft werden.
  • Ziel der „Aktion Handschreiben 2020“ ist es, bis 2020 ein flächendeckendes Programm zur verbesserten Förderung des Handschreibens in Kitas und Schulen zu etablieren. Eltern sollen über wissenschaftlich fundierte Methoden zur Verbesserung der Schreibmotorik umfassend informiert werden, um die Arbeit in den Bildungseinrichtungen unterstützen zu können. Ein jährlich herauszugebender Bericht wird die Arbeit der „Aktion Handschreiben 2020“ dokumentieren und Fortschritte beziehungsweise Handlungsbedarfe aufzeigen.

Das Bündnis versteht sich nach eigenen Angaben als offener Zusammenschluss, der gerne weitere Partner aufnimmt. Gründungsmitglieder sind der Didacta Verband der Bildungswirtschaft, der die Interessen von mehr als 250 Unternehmen und Organisationen im In- und Ausland vertritt und sich aktiv in die Debatten über die Weiterentwicklung der Bildungssysteme einbringt, sowie das gemeinnützige Schreibmotorik Institut, Heroldsberg, das sich – unterstützt vom Schreibgerätehersteller Stabilo – mit der Forschung auf den Gebieten der Schreibmotorik und der Schreibergonomie beschäftigt.

Zur Pressemitteilung: Stabilo Education: Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen das Schreibenlernen erleichtern

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