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Expertengremium fordert Aufwertung künstlerischer Fächer

BERLIN. Der Rat für kulturelle Bildung hat an die Politik appelliert, bei kulturellen Bildungsangeboten für mehr Qualität zu sorgen. Insbesondere in der vorschulischen und schulischen Bildung sei die Grundversorgung unbefriedigend.

Die Quantität stimmt, doch bei der Qualität ist noch viel Luft nach oben: Auf diesen Nenner lässt sich ein Appell des Rates für Kulturelle Bildung bringen, der die Politik in Bund und Ländern zu verstärkten Anstrengungen in diesem Bereich aufruft. So seien «ein regelmäßiges, umfassendes, unabhängig durchgeführtes wissenschaftliches Monitoring der Kulturellen Bildung und ein systematischer Ausbau der Forschung» notwendig, mahnt das von mehreren großen Stiftungen getragene Expertengremium unter Vorsitz des Hochschulprofessors Eckart Liebau von der Uni Nürnberg-Erlangen.

Künstlerisch-musische Fächer haben an vielen Schulen keinen hohen Stellenwert. Foto: g.pleger / flickr (CC BY-SA 2.0)

Künstlerisch-musische Fächer haben an vielen Schulen keinen hohen Stellenwert. Foto: g.pleger / flickr (CC BY-SA 2.0)

Zudem fordert der Rat, künstlerische Fächer an deutschen Schulen müssten «ausgebaut und aufgewertet werden». Die Grundversorgung sei «insbesondere in der vorschulischen und schulischen Bildung unbefriedigend», so Liebau.

Der Rat verweist auf eine Studie des Allensbach-Instituts aus dem vorigen Sommer: Bundesweit 17 Prozent der Kinder in 9. und 10. Klassen an allgemeinbildenden Schulen haben demnach keinen Kunst-, 22 Prozent keinen Musikunterricht. Dazu kommen 33 Prozent, bei denen Kunst mehr als nur gelegentlich ausfällt, in Musik 27 Prozent. «Dieses Defizit können noch so gute außerschulische Programme nicht kompensieren», heißt es in dem Aufruf «Kultur für alle – aber in guter Qualität!».

Das Gremium lobt, dass es bei Angeboten und finanzieller Ausstattung Fortschritte gebe, und hebt das Programm «Kultur macht stark» des Bundesbildungsministeriums hervor. Die darin geförderten außerschulischen Maßnahmen für mehr Bildungsgerechtigkeit reichen von Lese- und Sprachförderung über Tanz-, Theater- und Zirkusprojekte bis zu Mediengestaltung und Bildender Kunst. Das bis Ende 2017 laufende Programm umfasst laut Ministerium bis zu 230 Millionen Euro. Etwa 360 000 Kinder, Jugendliche und Angehörige würden bundesweit erreicht.

«Der bloße Blick auf Teilnehmerzahlen und leuchtende Kinderaugen reicht aber nicht aus», sagte Liebau. «Denn es gibt auch gescheiterte oder unausgereifte Projekte. Die Frage nach der Qualität muss daher systematisch gestellt werden.» Zwar lasse der bundesweite Ausbau der Ganztagsschulen das Angebot Kultureller Bildung wachsen. «Aber was genau, nach welchen Maßgaben, in welcher pädagogischen Qualität und von welchen Kräften mit welcher Qualifizierung da angeboten wird – das weiß über Einzelbeispiele hinaus keiner so genau.» (dpa)

4 Kommentare

  1. Und der Branchenverband Bitkom setzt sich für die Aufwertung von Informatik ein.
    Die Initiative „Neue Soziale Markwirtschaft“ für die Aufwertung des Faches Wirtschaft bzw. dessen Einführung.
    Der Zentralrat der Juden fordert eine Aufwertung des Faches Ethik.
    Der Bauernverband eine Aufwertung der Faches Biologie.
    usw. usw. usw.

    • An nur wenigen Schulen wird es in der Sek I durchgehend Musik- und Kunstunterricht geben, der Regelfall dürfte ein halb- oder ganzjähriger Wechsel sein, was ich persönlich im Sinne des allgemeinbildenden Auftrags der Institution Schule auch ganz vernünftig finde. Aus den Zahlen im Artikel geht leider nicht hervor, wie viele der befragten Kinder weder Kunst- noch Musikunterricht haben, die Definition von „mehr als gelegentlich“ ist auch nicht gegeben. Sicherheitshalber wurden die Schüler wohl nicht nach ihrer Haltung über die Fächer Kunst und Musik befragt. Die Aussagekraft der Studie ist also begrenzt, die Schlüsse des Rates für künstlerische Bildung aus der Studie halte ich für sehr gewagt. Die werden das wohl auch selbst wissen, aber irgendeine Pressemitteilung müssen sie ja veröffentlichen, um die Kosten der Studie auch nur ansatzweise zu rechtfertigen.

  2. der Rat meint seine Forderung nur dann ernst, wenn dieselben Personen mit demselben Elan das schulische Gegenteil von Kunst und Musik gestärkt wissen wollen, Physik oder (echte) Informatik zum Beispiel.

  3. Immer diese netten Forderungen, die eigentlich jeder Fachbereich unterschreiben kann, weil sie für alle gelten.
    Wie sieht denn die Realität aus?
    Der erteilte Unterricht kann nur zu circa 95% abgedeckt werden – je nach Bundesland gibt es da bessere und schlechtere Statistiken. Nehmen wir NRW, wo offiziell nur 1,7% des Unterrichts ausfallen. Hierbei werden nicht berücksichtigt:
    – ausgefallener Oberstufenunterricht
    – Stunden, die auf irgendeine Art und Weise vertreten werden
    Folglich bleiben nur die Randstunden der Unter- und Mittelstufe übrig. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren, steigt der Ausfall aber auf geschätzte 8%.
    Hier wird noch nicht einmal berücksichtigt, dass der erteilte Unterricht nicht der vorgeschriebene ist. Aufgrund des Lehrermangels in einigen Fächern wird laut Plan doch schon für die Lücken gesorgt, so dass einige Kinder auf ihrem Weg zur Oberstufe nur sporadisch Musik, Kunst oder Chemie besucht haben.
    Da das aber auf dem Stundenplan entfernt worden ist, gilt es nicht als Ausfall.
    Ich verstehe natürlich die Fachschaften der „Nebenfächer“. Frau Löhrmann hat ja entgegnet, man könne ökonomisch reagieren: Wieso kann man Sport, Religion, Musik oder Kunst nicht klassenübergreifend unterrichten? Da hätten die Kinder doch ihre vorgeschriebenen Stunden schnell zusammen, wenn 60 Kinder in einer Gruppe von einer Lehrkraft individuelle betreut werden.
    Langsam muss man sich doch angesichts des Realitätsverlustes fragen, wer der Verantwortlichen mit dem Klammerbeutel bepudert worden ist.

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