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Juristischer Paukenschlag: Amtsgericht verurteilt Lehrer wegen Freiheitsberaubung, weil er sich vor die Klassentür setzte

NEUSS. Die Stunde war laut und nicht alle Schüler schrieben wie verlangt einen Wikipedia-Eintrag vollständig ab. Da setzte sich der Lehrer nach dem Ende der Stunde quer vor die Klassentür: Das war Freiheitsberaubung – sagt die Justiz.

Ort der Verhandlung: Das Amtsgericht Neuss. Foto: Stefan Flöper / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Ort der Verhandlung: Das Amtsgericht Neuss. Foto: Stefan Flöper / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Es war laut, es war unruhig und seinen geplanten Unterricht zum «Teufelsgeiger» Paganini konnte Musiklehrer Phillip P. abhaken. Deswegen verpflichtete der 50-Jährige seine sechste Klasse einer Realschule in Kaarst zum Abschreiben des Wikipedia-Eintrags über den Musiker. Was sich dann abspielte, trug dem Lehrer am Mittwoch – pünktlich zum Beginn des neuen Schuljahres in Nordrhein-Westfalen – eine Verurteilung wegen Freiheitsberaubung ein.

Zum Ende der Stunde hatte der Pädagoge sich mit seinem Stuhl quer vor die Klassentür gesetzt, eine Gitarre auf dem Schoß. Wer raus wollte, musste den abgeschriebenen Text vorzeigen. «Alle wollten schnellstmöglich abgeben, damit sie nach Hause gehen konnten», berichtet Schüler J. im Zeugenstand. Doch mehrere Schüler durften zunächst nicht gehen – und Schüler J. wurde recht unsanft zurück geschoben. Da rief ein anderer per Handy die Polizei. In der Klasse würden Schüler festgehalten und geschlagen.

Amtsrichter Heiner Cöllen attestierte dem Lehrer in Neuss, einen Schritt zu weit gegangen zu sein – «bei allem Verständnis für den schweren Job». Den Stoß in den Bauch des heute 13 Jahre alten Schülers wollte der Richter aber nicht wie die Anklage als Körperverletzung werten – und sprach den Lehrer von diesem Vorwurf frei.

Von einer Geldstrafe sah Cöllen ebenfalls ab und beließ es bei einer seltenen «Verwarnung mit Strafvorbehalt»: Wenn der Lehrer sich zum Umgang mit schwierigen Schülern fortbilde, also quasi selbst nachsitze, könne er sich 1000 Euro Geldstrafe ersparen.

GEW: „Bedenkliches Urteil“

«Bedenklich» nennt die NRW-Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Dorothea Schäfer, die Entscheidung: «Das passiert vermutlich jeden Tag in irgendeiner Schule in NRW. Es sollte möglich sein, dass Schüler auch mal fünf Minuten länger in einer Klasse bleiben.»

«Das Ende des Unterrichts bestimmt der Lehrer – sonst niemand», sagt auch Udo Beckmann vom Lehrerverband VBE, zeigt aber Verständnis für das Urteil: «In der Regel hat der Lehrer den Schüler nicht anzufassen. Damit geht er einen Schritt zu weit.» Schüler dürften nicht körperlich am Verlassen des Klassenraums gehindert werden.

«Es hat ein bisschen wehgetan» – Schüler J. blieb am Mittwoch bei seiner Aussage: Der Lehrer habe ihn bei der Rückgabe des Textes mit der Faust in den Magen getroffen. Absicht wolle er ihm aber nicht unterstellen – es könne auch ein Versehen gewesen sein.

Er habe lediglich einen Vordrängler zurück geschoben, sagte Lehrer P.. Sich in einer Reihe anzustellen, müsse schließlich möglich sein und notfalls auch beigebracht werden.

Eine reine Strafarbeit ohne pädagogischen Wert sei die Abschreiberei gewesen, kritisierte der Vertreter der Staatsanwaltschaft und beantragte 1.500 Euro Geldstrafe. Zuvor war die Behörde noch bereit gewesen, das Verfahren gegen 300 Euro Geldauflage einzustellen.

Doch der Musikpädagoge hatte abgelehnt, weil er sich für unschuldig hielt: «Es ging mir nicht ums Geld», betonte er. Sein Unterricht sei keine Strafarbeit gewesen und er müsse nicht alle Schüler gleichzeitig aus dem Klassenraum stürmen lassen. Ob er sich mit dem Urteil abfinden werde, wisse er noch nicht. Dabei habe er nichts gegen die Fortbildung: «Ich bin offen für Tipps.» Von Frank Christiansen, dpa

Zum Kommentar: Das Fatale an diesem Urteil ist die Signalwirkung

 

Was Lehrer dürfen - und was sie vor Gericht bringen kann

Halten Eltern eine Strafe des Lehrers für ihr Kind für überzogen, können sie Widerspruch beim Verwaltungsgericht dagegen einlegen. Das gilt etwa für Ordnungsmaßnahmen wie das Kehren des Schulhofes, die meist mit Vorlauf angekündigt werden. Der Widerspruch hat aufschiebende Wirkung, sprich die angedrohte Sanktion tritt erstmal nicht in Kraft. Darauf weist Wilhelm Achelpöhler hin, Anwalt für Verwaltungsrecht in Münster. Richter müssen dann entscheiden, ob die Sanktion angemessen ist oder nicht.

Halten Eltern Reaktionen von Lehrern für ungerechtfertigt, können sie sich im ersten Schritt an die Schulleitung wenden und Beschwerde einlegen. Dann wird die Schulkonferenz darüber beraten. Jede Sanktion des Lehrers muss verhältnismäßig sein. Auf der untersten Stufe können Lehrer pädagogisch reagieren: «Sie können einen Schüler in eine andere Klasse schicken oder bis zu zwei Stunden nachsitzen lassen», nennt Achelpöhler als Beispiele. Alles über diese Zeitdauer hinaus sei unverhältnismäßig.

Als Zweites können Lehrer Ordnungsmaßnahmen ergreifen und das Kind etwa längere Zeit vom Unterricht ausschließen. Als schärfste Ordnungsmaßnahme gilt der Schulverweis. «Außerdem dürfen Lehrer noch eingreifen, um Gefahren abzuwehren», sagt Achelpöhler. Das gilt beispielsweise, wenn Schüler auf der Klassenfahrt Drogen nehmen und damit sich oder andere gefährden. In diesem Fall darf der Lehrer den Schüler nach Hause schicken.

 

33 Kommentare

  1. Wenn ein Schüler aus dem Raum will um seine Drogen zu nehmen, darf ich also nicht die Klassentür versperren…gut zu wissen hier in Berlin.

    • Guter Beitrag !!

      Lehrer werden verklagt, wenn sie Schüler daran hindern, ihre Drogen zu nehmen, wenn sie (auf dem Schulgelände) Drogen nehmen, wenn die Schüler nicht versetzt werden, z.B. aufgrund des Drogenkonsums. Beschwerden hagelt es, wenn ein Lehrer die Klassenfahrt nicht antritt, weil er die Kosten noch nicht einmal teilweise erstattet bekommt.

      Fazit: Man sollte in Deutschland die Rechtsschutzversicherungen oder den Eigenanteil dermaßen teuer machen, dass eine Klageerhebung wegen Lapalien wie dieser, Nachbarschaftsstreitigkeiten usw. nicht mehr stattfindet. Dasselbe gilt auch für Anträge auf Rechtsbeihilfe vom Amt für Bezieher von Sozialleistungen.

  2. @ Olaf, in die Richtung denke ich auch gerade.

    Auch wenn ich einen Schüler in der Schule behalten will, damit er nachsitzt (siehe Kasten oben, bis zu 2 Stunden sind erlaubt), dann darf ich ihn nicht daran hindern zu gehen, wenn er aber nicht nachsitzen will???

    Und wenn Schüler meinen Unterricht verlassen wollen, weil sie keinen Bock haben, darf ich sie daran nicht hindern. Und wie nehme ich meine Aufsichtspflicht dann noch wahr?!

    (Der Vollständigkeit halber verweise ich noch einmal, sorry, auf ein anderes Gerichtsurteil. Laut einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Schleswig von 1992 durfte ein Lehrer Schüler in einem Klassenraum einsperren, um durchzusetzen, dass sie diesen säubern – Günther Hoegg “Schulrecht kurz und bündig”. Ist das nun obsolet?)

  3. So viel zum Thema Attraktivität des Lehrerberufs erhöhen.

    Klar müssen „Strafen“ verhältnismäßig sein und einen Wikipediaartikel abschreiben zu lassen, finde ich (ohne Hintergründe zu kennen) auch bedenklich, aber hier wird wieder einmal den Lehrern in den Rücken gefallen, wenn sie sich Schülern gegenüber durchzusetzen versuchen. Wir haben fast nichts in der Hand und müssen uns (fast) alles gefallen lassen und dann wundert man sich, dass kaum einer Lehrer werden will.

    Hoffentlich geht irgendwer mit Erfolg gegen dieses Urteil an.

  4. … wenn der Bengel, der die Polizei gerufen hat, die Kosten für den lächerlichen Polizeieinsatz in der Schule nicht aufgebrummt bekommt, dann befürchte ich, wird die Anzahl solcher Polizeieinsätze in Schulen im kommenden Schuljahr wegen aller möglicher Lappalien stark zunehmen, und auch die Justiz wird noch ordentlich zu tun bekommen.

  5. Eigentlich kann man nur noch auswandern…in der Hoffnung, dass es woanders nicht ganz so absurd zu geht.

    • Das sagen Sie mal dem einen oder anderen unserer Kommentatoren hier, die in den Absurditäten kleine Schönheitsfehler einer ansonsten politisch korrekten und heilen Welt sehen.
      Die Vorstellung auszuwandern und die Zahl tatsächlicher Auswanderer ist übrigens rapide angestiegen. Ich bin leider nicht mehr jung genug dafür.

      • Ja, am besten sollte man sich gleich erschießen.

        Geht’s noch, Leute? Deutschland ist eines der reichsten und sichersten Länder der Erde – mit einem der besten Bildungssysteme der Welt. Wir sprechen hier über Luxusprobleme (ohne deshalb die Belastungen von Lehrern kleinreden zu wollen). Wenn Sie die schon nicht ertragen, dann sprechen Sie mal mit Flüchtlingen, warum die nach Deutschland gekommen sind – und wie sie das Land hier sehen.

        • Meinetwegen können die Flüchtlinge ja alle nach Deutschland kommen.Ich habe damit kein Problem. Bis dahin habe ich aber hoffentlich schon gepackt und bin in auf dem Weg in die Schweiz, nach Österreich oder habe wenigstens die Flugtickets nach Australien in der Tasche.

          Und dann werde ich mir die Entwicklung in Deutschland in den dann folgenden Jahren schön aus der Ferne anschauen. Mal gucken wie es dann aussieht mit „Deutschland ist eines der reichsten und sichersten Länder der Erde – mit einem der besten Bildungssysteme der Welt“ …normalerweise wette ich ja nicht…aber dafür würde ich schon mal 10€ riskieren.

          • Dann mal frohes Auswandern. Österreich, die Schweiz und Australien sind ja bekanntlich Staaten, die alle gesellschaftlichen Probleme längst gelöst haben und bei denen 365 Tage im Jahr Frohlocken herrscht.

          • Ich glaube nicht, dass dort „Frohlocken“ herrscht.

            Ein Blick in die Geschichte lehrt uns: Die Indianer waren auch freundlichen zu den Fremden die mit Booten über das Wasser kamen…und Heute? Wir wissen alle wie die Geschichte weiter ging.

        • Ja, es geht noch, wenn auch immer schlechter!
          Aber das ist ja nur ein Luxusproblem bei einem so reichen Deutschland mit über 2 Billionen Euro Schulden, einem Bildungssystem, das durch fragwürdige Reformen und Mammutaufgaben für sowieso schon überlastete Lehrer immer niveauloser wird und schließlich einer stark ansteigenden Rate an Diebstählen und anderen kriminellen Delikten.
          Ich fürchte, mit Flüchtlingen zu reden hilft mir nicht, mich wohler zu fühlen und optimistisch in die Zukunft zu blicken.
          Danke trotzdem für den grandiosen Tipp!

          • Vielleicht helfen dann diese aktuellen Meldungen aus dem Jammertal heraus:

            In Europa ist nur in der Schweiz und in Dänemark der Lebensstandard höher als in Deutschland. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die von Glassdoor veröffentlicht wurde. Analysiert wurden die Gehaltsunterschiede, die Lebenshaltungskosten und die Kaufkraft.

            Der „Global Peace Index“ bringt jedes Jahr eine Liste der sichersten und unsichersten Länder der Erde heraus. Im aktuellen Report liegt Deutschland (wie in den Jahren zuvor auch) auf Rang 16. Damit hält sich Deutschland seit Jahren konsequent im oberen Feld der Liste aus 163 bewerteten Ländern.

            Die Lebenserwartung steigt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) kontinuierlich an. Am weitesten vorne liegen die Europäer. Deren Lebenserwartung liegt durchschnittlich bei 80 Jahren, in Deutschland bei 80,98 Jahren.1980 erreichten die Europäer ein durchschnittliches Alter von 74 Jahren. Zum Vergleich: Die Lebenserwartung der Amerikaner liegt bei 72 Jahren, der weltweite Durchschnitt bei 70.

            Deutschland hat es einer UN-Studie zufolge erstmals unter die zehn innovativsten Länder der Welt geschafft. Den ersten Platz belegte zum sechsten Mal in Folge die Schweiz, wie aus der von den Vereinten Nationen in New York veröffentlichten Studie hervorgeht. Auf den weiteren Plätzen folgen Schweden, Großbritannien, die USA, Finnland, Singapur, Irland, Dänemark und die Niederlande. Mit dem zehnten Rang lag Deutschland erstmals unter den Top Ten und zwei Plätze besser als im vergangenen Jahr.

            Ja, und Diebstähle gibt es auch.

          • So sieht es JETZT noch recht gut und sicher in Deutschland aus….warten wir mal 5 Jahre und werfen dann einen erneuten Blick auf die Zahlen. Wenn man etwas sät, muss man schon etwas Zeit aufbringen und warten, um die Ergebnisse „bewundern“ zu können.

          • Ach ja, die Liste ließe sich noch ergänzen:

            Während in Griechenland und Spanien mehr als die Hälfte aller Jugendlichen auf Jobsuche keinen Arbeitsplatz findet, geht die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland immer weiter zurück. Nach Angaben des statistischen Amts der EU, Eurostat, lag die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen in Deutschland 2013 bei gerade einmal 7,8 Prozent.

            Die Bundesrepublik landet einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge in Sachen Zukunftsfähigkeit auf dem sechsten Rang unter den 41 OECD- und EU-Mitgliedsländern. Das gute Abschneiden ist vor allem auf den boomenden Arbeitsmarkt und die Umweltpolitik zurückzuführen.

            Beim aktuellen Demokratieindex (Democracy Index) der Zeitschrift The Economist liegt Deutschland als „vollständige Demokratie“ auf Platz 13 von 167 verschiedenen Ländern.

            Thema Staatsschulden: Wenn der Bundestag Anfang September den Haushalt für das kommende Jahr berät, wird Wolfgang Schäuble sich freuen können. Wie in jedem Jahr seit 2014 wird der deutsche Finanzminister keine neuen Schulden aufnehmen müssen – trotz neuer Ausgaben zur Bewältigung der Flüchtlingskrise, der Kaufprämie für E-Autos und Hilfszahlungen für Milchbauern.

          • So langsam sollten Sie gemerkt haben, dass sich die meisten nicht für Zahlen interessieren, die das Papier nicht Wert sind, auf dem sie gedruckt wurden.
            Traue keiner Statistik die du nicht selbst…usw.
            Mir persönlich ist der Demokratie Index ziemlich Wurst. Ich weiß, was ich jeden Tag erlebe und daraus bilde ich mir meine Meinung. Und wenn das was ich erlebe, nicht mit dem zusammenpasst, was von Oben auf tolles Papier gedruckt und in den aktuellen Kameras gesendet wird, dann stimmt wohl was nicht.

          • PS. xxx – ich behaupte ja nicht, dass es in Deutschland keine Probleme gäbe. Natürlich gibt’s die. Übrigens auch mit den Flüchtlingen. Allerdings sind das alles Schwierigkeiten, die die meisten anderen Länder dieser Erde sehr gerne im Tausch gegen ihre eigenen hätten. Nur mal so zur Einordnung – und gegen die sich hier mitunter breitmachende Weltuntergangsstimmung.

          • PPS. Und damit, Olaf, wären wir tatsächlich bei einem der ernsten Problem in Deutschland – einer zunehmenden Wissenschaftsfeindlichkeit bei einem Teil der Bevölkerung. Es gibt tatsächlich Menschen, die ihre eigene Nabelschau dem Wissen und den (nachprüfbaren) Ergebnissen von Wissenschaftlern vorziiehen – und auf ihre beschränkte Wahrnehmung noch stolz sind. Das ist ein echtes Bildungsproblem.

          • @Bernd
            Wer spricht vom Weltuntergang?
            Immer mehr Menschen merken aber, dass in Deutschland einiges gewaltig schief läuft. Und dazu tragen alle bei, die Probleme zwar zugeben, aber klein- bzw. schönreden und Mahner reflexartig lächerlich machen oder in die rechte Ecke stellen, damit alles so weiterlaufen kann wie bisher.
            Ewig werden sie mit ihrer Taktik nicht durchkommen. Olaf schreibt, was immer mehr Menschen denken: „Ich weiß, was ich jeden Tag erlebe und daraus bilde ich mir meine Meinung.“

          • „Ich weiß, was ich jeden Tag erlebe …“ – was erleben Sie denn aktuell in Deutschland? Schlangen vor den Arbeitsämtern? Mord und Totschlag auf den Straßen? Armut allenthalben?

            „… und daraus bilde ich mir meine Meinung.“ Genau, ich lasse mir doch von Menschen, die sich wissenschaftlich und professionell mit Fragestellungen beschäftigen, nichts erklären, so oberschlau wie ich bin. Und deshalb ist die Welt eine Scheibe. (Ich hab schließlich noch nie gesehen, dass sie eine Kugel ist – außer auf Weltraum-Aufnahmen von Wissenschaftlern. Aber Wissenschaftler sind ja alles nur gekaufte Idioten, die erzählen, was eine Regierung gerne hören will – traue niemals einer Weltraum-Aufnahme, die du nicht selbst gefälscht hast.)

        • „sprechen Sie mal mit Flüchtlingen, warum die nach Deutschland gekommen sind – und wie sie das Land hier sehen.“ – das ist ein gutes Stichwort. Passend zum Thema (Welche Maßnahmen dürfen Lehrer ergreifen, ohne bestraft zu werden?) habe ich folgendes erlebt:
          Wir trafen uns mit den Flüchtlingskindern an unserer Schule und tauschten aus, was hier anders ist als in ihrer Schule daheim. Einem ca. 14jährigen Eritreer war vor allem aufgefallen: “ Die Lehrer machen hier nichts. Wenn sich Schüler schlecht benehmen, tut der Lehrer überhaupt nichts dagegen.“

          • So ist es!! Viele Lehrer haben inzwischen berechtigte Angst ohne Ende vor unliebsamen Folgen, wenn sie es wagen durchzugreifen.
            Danke für die Schilderung des wertvollen Erlebnisses!

      • @Papa51
        Jaaaa, ich auch nicht 🙁 schief!.

  6. Mal eine Frage: Was ist VBE eigentlich? Eine Interessenvertretung für Lehrkräfte? Und dann so eine Aussage, die einem Kollegen auf Grund eines äußerst fragwürdigen Urteils eines Amtsrichters verbal das Messer in den Rücken rammt?

  7. Im Netz existiert ein Video, wo einzelne Betroffene, auch der Lehrer zu Wort kommen (vor dem Urteil). Außerdem ist ein geschriebenes Interview mit dem Lehrer veröffentlicht. Man kommt dorthin über einen Link bei der Süddeutschen.
    Aussage des Schülers, der die Polizei gerufen hat: „Auch wenn wir den Musikunterricht nicht ernst nehmen, darf der Lehrer trotzdem nicht handgreiflich werden.“ Der letzte Teil des Satzes wurde ja inzwischen vom Gericht nicht anerkannt. Doch ich möchte das Augenmerk auf den ersten Teil des Satzes richten. Wenn Schüler den Unterricht nicht ernst nehmen, machen sie nicht mit, sind laut und tun was sie wollen. Wie soll sich da ein Lehrer durchsetzen? Das ist nämlich genau die Krux: Ein Musiklehrer hat zusätzlich noch zusätzlich damit zu kämpfen, dass sein Fach nicht ernst genug genommen wird. Da ist es mit der Disziplin umso schwieriger. Wenn der Musikunterricht dann noch in den Randstunden liegt – wie in diesem Fall – dann ist das ein Überlebenskampf. Ich bewundere alle, die trotz solcher Umstände überhaupt noch bereit sind, in Schulen der Sekundarstufe als MusiklehrerIn zu arbeiten.

    • @ysnp: Aber Musik kann doch so ein tolles Fach sein. Ein Großteil liegt doch wohl noch daran, was der Lehrer daraus macht und die Lehrerpersönlichkeit ist auch entscheidend. Ich kenne Religionsunterricht in den Nachmittagsstunden (7.Klasse Gymnasium), da fahren die SuS im Klassenzimmer mit dem Cityroller zur Mülltonne. Es gibt LehrerInnen, die sich das wohl gefallen lassen.

  8. Der Zusatz „Was Lehrer dürfen – und was sie vor Gericht bringen kann“ lässt leider sehr zu wünschen übrig und trägt nicht zur Nicht-Verunsicherung bei.
    1. Das Kehren des Schulhofes ist keine Ordnungsmaßnahme, sondern eine pädagogische Maßnahme. Ordnungsmaßnahmen sind klar formal geregelt, pädagogische Maßnahmen sind die kleineren Maßnahmen, die ein Lehrer/eine Schule aussprechen kann. Dazu fallen z. B. Wegsetzen eines Schülers an einen anderen Tisch, Handy wegnehmen, mündl. Ermahnen, nachsitzen lassen usw. Die Ordnungsmaßnahme beantragt (!) die Klassenkonferenz, danach lädt die Schulleitung die Eltern ein und entscheidet nach dieser Anhörung, ob sie der Ordnungsmaßnahme stattgibt. Erst wenn dem so ist, können Eltern den Widerspruchsweg gehen. Sie klagen dann gegen das Land, wenn der Jurist des Schulamtes die Ordnungsmaßnahme anerkennt.
    Vor dem Einbestellen des Schülers (für das Nachsitzen oder Schulhof fegen) müssen natürlich die Eltern informiert werden. Dass es in solch einem Fall allerdings zu einem Verwaltungsverfahren kommt, halte ich doch für sehr unwahrscheinlich. Zu dem Entschluss komme ich aus eigener Erfahrung als Lehrer.
    2. Die Schulkonferenz entscheidet nicht über Elterneinsprüche bei Ordnungsmaßnahmen. Das macht die Klassenkonferenz. Zunächst reicht aber in den meisten Fällen ein Gespräch zwischen Lehrern, Eltern und Schulleitung. Das ist ein großer Unterschied. Die Schulkonferenz tagt i. d. R. 3-4 mal im Schuljahr und entscheidet über wichtigere Themen. Eine Klassenkonferenz kann jederzeit erfolgen.
    3. Ein Lehrer kann auch nicht so ohne Weiteres einen Schüler in eine andere Klasse schicken, da dazu zunächst der in der anderen Klasse tätige Lehrer einverstanden sein muss.
    4. Lehrer können keine Ordnungsmaßnahmen selbst beschließen. Das ist aber bereits in Punkt 1 erläutert.

    Ale betroffener Lehrer in dem verhandelten Fall hätte ich sicherlich die 300 Euro bezahlt, die zur Einstellung des Verfahrens geführt hätten. Denn: „Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.“ Dieser von den Anwälten gerne zitierte Spruch zeigt deutlich die Unberechenbarkeit, der man ausgeleifert ist.

  9. Mir ist klar, hier gleich ganz heftige Prügel zu erhalten. Dennoch überlege ich bei derartigen Ereignissen immer wieder, wie oft wir/die Lehrkräfte durch die Anlage und Struktur unseres schulischen Unterrichts zur Feuerwehr für selbstgelegte Brände gemacht werden – und dabei niederbrennen —

    • -denn was bewirkt , um nur Einiges zu nennen, die Abschrfit (ins eigene Schul-Heft) eines vollständigen Wikipäd-Artikels ?
      -was bewirkt ein 45-Min-Rhythmus, auch dieser Musikstunde ?
      – was bewirkt die häufige Randstundenpositionierung von „Nebenfächern“ wie Musik, persönlichkeits- und bildungsfördernd
      und in der gesellschaftlichen Wahrnehmung der doch so hochgepriesenen „Musischen Bildung“ ?
      – was bewirkt….??

  10. Ein hochinteressanter, eigentlich politischer Artikel beschäftigt sich in seiner ersten Hälfte mit dem Erlebnisbericht des Schreibers, der von einer beschwerdeführenden Mutter als Eltern-Beistand bei der Streitschlichtung vor Rektor und Anwalt begleitete:

    http://www.politik24.de/steinmeier-und-merkel-vom-totalversagen-der-streitschlichter/2016/09/

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