BERLIN. Konflikte, Beleidigungen, Mobbing, körperliche Übergriffe: Eine neue Berliner Gewaltstudie hat erst gestern gezeigt, wie stark viele Schulen inzwischen mit sozialen Spannungen belastet sind. Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte und pädagogischen Beschäftigten bewertet Gewalt und Konflikte an ihrer Schule als großes oder sehr großes Problem. Nun liefert das Deutsche Schulbarometer 2026 den bundesweiten Befund dazu. Für fast jede zweite Lehrkraft ist das Verhalten der Schülerinnen und Schüler inzwischen die größte berufliche Herausforderung – deutlich mehr als noch vor zwei Jahren.

Die Berliner Gewaltstudie beschreibt Kinder, die nach Einschätzung ihrer Lehrkräfte „wegen Kleinigkeiten explodieren“, Konflikte, die schneller eskalieren, und eine nachlassende Frustrationstoleranz vieler Schülerinnen und Schüler. Vier von fünf Lehrkräften berichten dort von sinkender Impulskontrolle und einer zunehmenden Dynamik bei Konflikten (News4teachers berichtete).
Das Deutsche Schulbarometer 2026 zeichnet nun ein ähnliches Bild für Schulen in ganz Deutschland. „Das Verhalten von Schüler:innen fordert Lehrkräfte zunehmend heraus“, heißt es in der Untersuchung der Robert Bosch Stiftung. Fast jede zweite Lehrkraft betrachtet diesen Bereich inzwischen als größte berufliche Herausforderung. 2024 lag der Anteil noch bei 35 Prozent, 2025 bei 42 Prozent. In der aktuellen Erhebung sind es bereits 46 Prozent.
Für die repräsentative Untersuchung wurden zwischen November und Dezember 2025 insgesamt 1.547 Lehrkräfte und Schulleitungen an allgemein- und berufsbildenden Schulen befragt.
Hinter dem Sammelbegriff „Verhalten der Schülerinnen und Schüler“ stehen dabei sehr unterschiedliche Probleme. Am häufigsten nennen Lehrkräfte ein problematisches Sozialverhalten. Ein Viertel der Befragten verweist darauf. Weitere 13 Prozent berichten von mangelnder Motivation und fehlendem Lernwillen. Sieben Prozent nennen psychische Probleme und Belastungen der Kinder und Jugendlichen als zentrale Herausforderung. Hinzu kommen Konzentrationsprobleme, Aggressivität, Gewalt, Mobbing sowie problematische Mediennutzung und der Einfluss sozialer Netzwerke.
Daraus leitet der Deutsche Philologenverband seine Forderungen ab. „Lehrkräfte wollen fördern – doch sie brauchen Partner. Das Klassenzimmer ist kein Wartezimmer für gesellschaftspolitische Versäumnisse. Wer von Lehrkräften erwartet, dass sie im Fachunterricht und darüber hinaus auch Sozialarbeit, Krisenintervention und psychologische Begleitung leisten, ohne ihnen dafür Fachkräfte an die Seite zu stellen, der überfordert sie strukturell und mit Ansage“, erklärt die Bundesvorsitzende Susanne Lin-Klitzing.
„Das Verhalten der Schülerinnen und Schüler im Unterricht zeigt sehr deutlich, dass sich in Schule gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegeln“
Besonders ausgeprägt sind die Probleme nach Angaben der Befragten an Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie an beruflichen Schulen. Dort nennen 55 beziehungsweise 53 Prozent das Verhalten der Schülerinnen und Schüler als zentrale Herausforderung.
An zweiter Stelle der Belastungsfaktoren folgt die Heterogenität der Schülerschaft. 34 Prozent der Lehrkräfte nennen sie als große Herausforderung. Dahinter liegen Arbeitsbelastung und Zeitmangel mit 27 Prozent. Bildungspolitik und Bürokratie folgen mit 22 Prozent, Elternarbeit mit 20 Prozent und Personalmangel mit 18 Prozent.
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„Wirkungsvolle Nachdenkaufgaben für Klassenrowdys“ setzt dagegen bei schwerwiegenderen Verhaltensweisen an. Im Mittelpunkt stehen Kinder, die andere beleidigen, ausgrenzen, provozieren oder körperliche Konflikte verursachen. Ziel ist es, respektvolles Verhalten zu fördern und das soziale Miteinander nachhaltig zu stärken.
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Auch der Verband Bildung und Erziehung in Nordrhein-Westfalen sieht die Ergebnisse als Beleg für einen wachsenden Unterstützungsbedarf. „Immer mehr Aufgaben, die Schulen erledigen sollen, immer mehr Erwartungen, was Lehrkräfte leisten müssen. Das funktioniert nur mit guten Rahmenbedingungen, einer angemessenen Personalausstattung und ausreichend Zeitressourcen“, erklärt die Landesvorsitzende Anne Deimel.
Dabei verweist der VBE ausdrücklich auf Entwicklungen außerhalb der Schule. „Das Verhalten der Schülerinnen und Schüler im Unterricht zeigt sehr deutlich, dass sich in Schule gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegeln“, sagt Deimel. Kinder und Jugendliche seien zunehmend mit Unsicherheiten, Zukunftsängsten und fehlenden Orientierungspunkten konfrontiert. Deshalb sei „der Ausbau der multiprofessionellen Teams an allen Schulen ein unbedingtes Muss“.
Die Belastungen beschränken sich allerdings nicht auf Konflikte und Verhaltensauffälligkeiten. Die Hälfte der Lehrkräfte gibt an, dass sie der Umgang mit heterogenen Lernvoraussetzungen inzwischen überfordert. 69 Prozent empfinden ihn als große Belastung. 82 Prozent berichten von erheblichem zusätzlichem Arbeitsaufwand.
Die Haltung vieler Lehrkräfte zur Inklusion bleibt entsprechend skeptisch. 74 Prozent sind der Auffassung, dass Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen in inklusiven Settings nicht die Unterstützung erhalten, die sie benötigen. Zwei Drittel meinen, die Qualität des Unterrichts leide unter der Heterogenität der Lerngruppen.
Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse ein differenziertes Bild: 48 Prozent halten inklusive Beschulung grundsätzlich für gewinnbringend für alle Schülerinnen und Schüler, während 65 Prozent der Ansicht sind, dass Inklusion sehr unterschiedliche Kinder und Jugendliche ihren Möglichkeiten entsprechend fördern kann. Die Vorbehalte richten sich damit weniger gegen das Ziel der Inklusion selbst – als gegen die Bedingungen, unter denen sie derzeit umgesetzt wird.
„Lehrkräfte werden immer öfter mit Verhaltensproblemen konfrontiert, die den Unterricht belasten, Lernzeit kosten und intensive Gespräche mit Eltern notwendig machen“
Dass sich hinter den Verhaltensproblemen häufig mehr verbirgt als bloße Disziplinfragen, zeigen weitere Ergebnisse der Untersuchung. Fünf Prozent der Lehrkräfte nennen ausdrücklich Aggressivität, Gewalt oder Mobbing als zentrale Herausforderung. Gleichzeitig berichten Lehrkräfte bundesweit von zunehmenden diskriminierenden und abwertenden Äußerungen unter Schülerinnen und Schülern. Drei Viertel nehmen nach eigenen Angaben mindestens einmal pro Quartal stereotype oder abwertende Bemerkungen über Frauen oder Menschen anderer Herkunft wahr. Zwei Drittel hören entsprechende Äußerungen über Menschen mit nicht-heterosexueller Orientierung. Selbst an Grundschulen gehören solche Vorfälle nach Angaben der Befragten bereits zum Schulalltag.
Der nordrhein-westfälische Philologenverband sieht sich dadurch in seinen eigenen Erhebungen bestätigt. „Lehrkräfte werden immer öfter mit Verhaltensproblemen konfrontiert, die den Unterricht belasten, Lernzeit kosten und intensive Gespräche mit Eltern notwendig machen“, erklärt die Landesvorsitzende Sabine Mistler. Wenn Lehrkräfte zunehmend Erziehungsaufgaben übernehmen müssten, brauche es „verlässliche Strukturen, echte Unterstützung und eine Zusammenarbeit mit Elternhäusern“.
Trotz der Belastungen bleibt die berufliche Zufriedenheit überraschend stabil. 83 Prozent der Lehrkräfte geben an, mit ihrer Arbeit zufrieden zu sein, 89 Prozent arbeiten nach eigener Aussage gern an ihrer Schule. Gleichzeitig sagt jedoch mehr als jede vierte Lehrkraft, sie würde den Beruf wechseln, wenn sich die Möglichkeit dazu böte. Ein Viertel fühlt sich mehrmals pro Woche emotional erschöpft.
Auch diesen Befund hebt der Philologenverband hervor. „Das ist kein Widerspruch zu allem, was wir fordern – es ist der Beleg, dass Lehrkräfte ihren Beruf mit Leidenschaft und Überzeugung ausüben“, sagt Lin-Klitzing. Gerade deshalb brauche es Rahmenbedingungen, die den Anforderungen des Berufs gerecht würden.
Damit schließt sich der Kreis zur Berliner Gewaltstudie, die den aktuellen Schulbarometer-Befunden vorausging. Sie berichtete von Kindern, die „wegen Kleinigkeiten explodieren“, von Lehrkräften, die eine sinkende Impulskontrolle beobachten, und von Schulen, die Konflikte immer häufiger bewältigen müssen. Das Deutsche Schulbarometer zeigt nun, dass diese Erfahrungen kein Berliner Sonderfall sind.
Oder, wie die Vorsitzende der GEW Berlin, Felicia Kompio, nach Veröffentlichung der Berliner Studie formulierte: „Das A und O ist verlässliche Beziehungsarbeit. Dafür brauchen Schulen ausreichend Personal und stabile Unterstützungsstrukturen.“ Und weiter: „Gewaltprävention braucht Ressourcen, verlässliche Unterstützung und bessere Bedingungen an den Schulen.“ Genau daran fehlt es nach Einschätzung vieler Lehrkräfte weiterhin. News4teachers
Hier lässt sich das vollständige Schulbarometer herunterladen.










Seit Jahrzehnten läuft das deutsche Bildungssystem im „Weichspülgang der Bedürfnisorientierung“: Alles wird pädagogisch abgefedert, jedes Verhalten als Ausdruck eines inneren Bedürfnisses gedeutet, und Grenzen gelten als Relikte autoritärer Vergangenheit. Nun zeigt das Schulbarometer, dass immer mehr Lehrkräfte sich vom Schülerverhalten herausgefordert fühlen. Wer hätte gedacht, dass ein System, das konsequent auf Konfliktvermeidung und Harmonisierungsrhetorik setzt, irgendwann an der Realität scheitert.
Auch der Leistungsgedanke wurde systematisch geknickt. Lernen, Pauken, Anstrengung — all das galt vielen Schülern eben nicht mehr als Bedürfnis, sondern als Zumutung. So wurde jahr(zehnt)elang versucht, die Realität pädagogisch umzudekorieren. Leistung wurde zur „Belastung“, Anforderungen zu „Stressoren“, und wer auf sozial-emotionale Normen (Disziplin) oder Konzentration und Fachlichkeit bestand, galt schnell als rückwärtsgewandt.
In diese Lage hinein formuliert nun der Deutsche Philologenverband Forderungen, die man kaum kritisieren kann — außer mit der Frage, warum man selbst so lange zeitgeistkonform mitgeschwommen ist. Jahrzehntelang hat man brav mitgetragen, was heute im neuen Normal als Problem benannt wird.
„Das Klassenzimmer ist kein Wartezimmer für gesellschaftspolitische Versäumnisse. Wer von Lehrkräften erwartet, dass sie im Fachunterricht und darüber hinaus auch Sozialarbeit, Krisenintervention und psychologische Begleitung leisten, ohne ihnen dafür Fachkräfte an die Seite zu stellen, der überfordert sie strukturell und mit Ansage.“
Völlig richtig. Aber diese strukturelle Überforderung ist nicht vom Himmel gefallen. Sie ist das Ergebnis eines Systems, das jahrelang so tat, als ließe sich jedes Problem durch noch mehr Verständnis, noch mehr Empathie und noch mehr Gesprächsangebote lösen.
Jetzt, da die Rechnung präsentiert wird, zeigen die Philologen auf die Politik — völlig zu Recht — aber ohne die eigene Rolle im pädagogischen (und leider auch fachlichen) Dauer‑Weichzeichner allzu laut mitzudenken.
Ich kann das nur wieder von Seite der sozialen Arbeit bestätigen. Klare Ansagen mit Konsequenzen sind inzwischen verpönt, stattdessen mehr Angebote, mehr Pampern und wenn das Kind nicht will, wird auch keinerlei Druck ausgeübt. So erzieht man sich am Ende bedürfnisorientierte Egoisten. Aber das ist der aktuelle Duktus in Schule und Sozialarbeit.
Wie wär’s denn mal mit einem Slogan von der Art „Ohne ein anständiges Benehmen der Schüler gibt es auch keine anständige Bildung“ oder ähnliches (andere mögen besser dichten können als ich). Ein anständiges Benehmen kostet nichts und hat auch nichts direkt mit einem bildungsfernen Elternhaus zu tun und auch nichts mit der Muttersprache zu tun. Es sei denn, die Eltern benehmen sich auch schlecht. Aber das wird (hoffentlich) nur eine kleine Minderheit sein.
In welcher Bundesrepublik war das denn? Erinnert sich niemand mehr an “ Halbstark“ , problematische Schüler der skeptischen Generation oder “ Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ , als viele einer Generation drohten, im Drogenmilieu zu enden? Damals war Schule doch streng und leistungsorientiert. Hat das geholfen? Nein. Wie wir Kinder halten, wird ihnen nicht gerecht; wären es Tiere, wäre Peta schon da.
Die Daten liegen auf dem Tisch. Fehlt der politische Wille.
Wie viele sind denn so im Drogenmilieu geendet?
„Seit Jahrzehnten läuft das deutsche Bildungssystem im „Weichspülgang der Bedürfnisorientierung““
Quellen dazu? Wie sahen die Fallzahlen Schulen im Vergleich zu heute aus? Vergessen Sie nicht, „den Weichspülgang“ herauszurechenen, wo „Jungs nunmal Jungs“ waren, Mädchen sich „nicht so provokant“ anziehen sollten und die Polizeistatistik all diese „Wehwehchen“ nicht erfasste, über die Sie sich heute aufregen 😉
.. nach meiner Beobachtung haben Lehrkräfte heute keine Mittel, um wieder ein normales Unterrichtsklima herzustellen. Die intuitiv naheliegendste Lösung, Kinder die stören vor die Tür setzen, wird nicht mehr praktiziert, weil es den dafür nötigen Rückhalt nicht mehr gibt.
Mein älteres Kind lernt deshalb, quasi im Homeschooling, nach der Schule, weil lernen im Klassenraum nicht möglich ist. Dort geht es eher zu wie auf einem Indoorspielplatz ohne Regeln.
Liebe Redaktion, nun wurden mal Lehrer gefragt, was ihr größtes Problem ist.
Und was macht ihr daraus? Eine Orgie der Verbände-Statements mit dem (wenig überraschenden) Ergebnis: multiprofessionelle Teams sind die Lösung.
Was mir WIRKLICH helfen würde: pädagogische (!) Assistenz. Jemand, der mir bei meinem Kerngeschäft in meiner Klasse zuverlässig und kontinuierlich hilft.
Was mir allenfalls ein bisschen helfen würde: andere Professionen, die mich in der Pause vollquatschen und nach der Pause überall sind – nur nicht an meinem Arbeitsplatz.
Sie sind eine(r) und dazu noch anonym – die Lehrkräfteverbände und ihre Spitzen vertreten mehrere Hunderttausend. Das erklärt die Gewichtung, die wir den Statements einräumen.
Daraus zu drehen: „Und was macht ihr daraus?“ – ist schon skurril. Sollen wir allen Ernstes die offizellen Vertretungen der Lehrkräfte unterschlagen und eine eigene Suppe kochen, die Ihnen persönlich besser schmeckt? Unser Tipp: Engagieren Sie sich in einem Lehrkräfteverband – und suchen sich eine Mehrheit für Ihre Meinung. Dann berichten wir auch gerne darüber.
Ansonsten haben wir dafür ja das Leserforum.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
„Schulbarometer: Immer mehr Lehrkräfte fühlen sich von Schülerverhalten herausgefordert“
Ich verstehe ja die Wortwahl … Möchte diese jedoch etwas „einordnen“ (für mich) und es klar benennen:
Herausforderung wäre für mich, wenn es etwas „selbst Auferlegtes ist“ oder wenn es die Rahmenbedingungen gibt, um dies sinnvoll zu lösen
-> „Ich habe eine schwierige Aufgabe, aber ich habe (hoffentlich) die Werkzeuge, um sie zu lösen.“
Ich würde hier bei der Umfrage/Barometer schon von „Belastung“ sprechen. Wie es auch da steht … „Überforderung“. „Mangel an Rahmen und Ressourcen“.
-> „Ich habe eine schwierige Aufgabe, aber ich habe nicht die Werkzeuge oder die Energie, sie zu bewältigen.“
Hier befinden sich nämlich viele.
„Herausforderung“ klingt schon sehr politisch pädagogisch-psychologisch „Wohltuend“ [„Akzeptierbar“]. Ne – es ist eine klare Belastung, wenn die Tendenz so dermaßen ansteigt und zum „Trend“ wird. Das ist keine „Herausforderung“ mehr. Nicht unter gegebenen (bzw. nicht gegebenen) Mitteln.
Man könnte auch von Euphemismus sprechen …
Knallharte Realität: Belastung.
Euphemismus: Herausforderung.
Hat man das in der Umfrage auch mal berücksichtigt? Und durfte man „voten“, was so eine gute Überschrift wäre?
Das Schülerverhalten ist also die größte berufliche Herausforderung. Aber die Lösung wird regelmäßig in zusätzlichen Fachkräften außerhalb des Unterrichts gesucht.
Passt denn eigentlich die Ausbildung und das Berufsbild noch zur Realität?
Wenn Konflikte, Motivation, Verhaltenssteuerung und Beziehungsarbeit inzwischen einen so großen Teil des Berufs ausmachen, warum steht dann die fachliche Ausbildung so stark im Mittelpunkt?
In anderen Berufen würde man bei einer solchen Entwicklung irgendwann die Ausbildung anpassen. Im Schulbereich scheint die Standardantwort dagegen zu lauten: Wir brauchen mehr zusätzliche Professionen.
Vielleicht braucht es die tatsächlich. Vielleicht müsste man aber auch darüber sprechen, ob Lehrkräfte auf die Realität ihres heutigen Berufs ausreichend vorbereitet werden.
Was die Einschätzung der Fallzahlen im Vergleich (!) betrifft, fand ich den vorletzten Podcast aus Die Schule brennt recht informativ:
https://www.podcast.de/episode/704063725/daten-fuer-bessere-schulentwicklung-gibt-es-wirklich-mehr-gewalt-an-schulen-armin-bob-ueber-aktuelle-debatten
Jeder Fall muss weiterhin ernstgenommen werden, aber was die langfristige Entwicklung an Fällen betrifft, befinden wir uns da eher in einem deprimierenden „Normalzustand“ … 🙁
Und was ist mit den Fällen, die überhaupt nicht in der Statistik landen? Weil z.B. sie Schulleitung interveniert, weil gesagt wird, hat ja eh keine Aussicht auf Erfolg macht nur Arbeit, Polizei ist im Haus, wir legen dann den Kindern Steine in den Weg usw. Und schwupps wird etwas nicht zur Anzeige gebracht, erscheint somit nicht in der Statistik. Kann natürlich nur hier so sein, dann haben wir halt Pech gehabt.
Macht meiner Meinung durchaus Sinn auch mal nen Blick in die Primärquellen zu werfen und sich dann eine eigene Meinung zu bilden.
Welche Primärquellen nicht erfasster Straftaten meinen Sie?
Was ist Ihre Meinung dazu?
„Und was ist mit den Fällen, die überhaupt nicht in der Statistik landen?“
Was, wenn es eine Hexe war?
Oder warum unterschlagen Sie einerseits die nicht gemeldeten früher und kritisieren andererseits die Fälle heute – bei denen mehr Aufklärung, Unterstützung, gesellschaftliches Bewusstsein und entsprechende Rechtsprechung vorliegen?
Aber vielleicht können Sie ja beginnen, den Kindern weniger Steine in den Weg zu legen 😉
(Wobei ja nicht wenige die Verantwortung von sich weisen wollen, Unterstützung und Aufklärung als „pädagogisches Blabla“ abtun und das Aufklären von Konflikten als „Fühlifühli“ abtun – früher waren Jungs einfach mal Jungs (gähn)
Ist halt individuelle Ansichtssache.
Ich finde Podcast nicht besonders informativ, wenn darin nur Allgemeinplätze abgespult werden, aber keine konkreten Daten, Fakten, Kennzahlen genannt werden.
„Ist halt individuelle Ansichtssache.“
Nein. Das wäre ziemlich unprofessionell von Ihnen.
Wenn Sie bessere Quellen anführen wollen anstatt allgemein zu empfehlen, doch einfach mal etwas dazu zu lesen, würde ich mich sehr freuen 🙂
Professionell wäre es, wenn Bildungsinfluencer in ihren podcasts auch mal konkrete Daten, Zahlen , Fakten nennen würden.
Zum Beispiel Anzahl der Gewaltaten gegen Lehrkräfte im Jahr 2024 im 10-Jahresvergleich oder wie hoch der Prozentsatz an SuS in Kanada war, die angaben sich an der Schule nicht wohl / fehl am Platz zu fühlen etc. .
Das lässt sich auch deutlich leichter überprüfen, als irgendwelche Allgemeinplätze.