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Droht neue Runde im „Schweinezyklus“? Lehrermangel treibt Zahl von Studienanfängern nach oben

DÜSSELDORF. „Rekordeinstellung im Schuldienst – Gute Chancen für junge Lehrer“: Solche Schlagzeilen wie diese der „Stuttgarter Zeitung“ sind in jüngster Zeit immer häufiger zu lesen. Und sie entfalten offenbar Wirkung. Als erstes Bundesland meldet Nordrhein-Westfalen aktuell einen Anstieg der Zahl derjenigen, die ein Lehramtsstudium beginnen. Die NRW-Schulministerin freut sich. Aber: Fertige Lehrkräfte sind die Studienanfänger erst in sechs bis sieben Jahren. Und ob dann noch so viele Pädagogen benötigt werden, weiß niemand. Droht eine neue Runde im sogenannten „Schweinezyklus“?

Wie sieht der Lehrerbedarf in sechs oder sieben Jahren aus? Schwierig vorauszusehen. Foto: Chase Elliott Clark / flickr (CC BY 2.0)

Wie sieht der Lehrerbedarf in sechs oder sieben Jahren aus? Schwierig vorauszusehen. Foto:
Chase Elliott Clark / flickr (CC BY 2.0)

Das bayerische Kultusministerium warnt: „Bei der Entscheidung für ein Lehramtsstudium dürfen nicht die gegenwärtigen Einstellungsverhältnisse den Ausschlag geben“, so heißt es in der im März veröffentlichten „Prognose zum Lehrerbedarf in Bayern“. Tut es aber offenbar doch: Zumindest in Nordrhein-Westfalen wollen immer mehr junge Menschen Lehrer werden. Im vergangenen Jahr haben mehr als 16.350 Frauen und Männer in NRW ihr erstes Fachsemester in einem Lehramtsstudium begonnen, so berichtet „Der Westen“. Das seien fast acht Prozent mehr als im Jahr davor und fast 70 Prozent mehr als im Jahr 2005.

Auch in anderen Bundesländern dürften die Zahlen steigen. Berlin und Sachsen beispielsweise haben die Kapazitäten für Lehramtsstudierende an den Hochschulen erhöht.

Dorothea Schäfer, die nordrhein-westfälische GEW-Landesvorsitzende, hält laut Bericht die Entwicklung für eine Folge der öffentlichen Debatte um den Lehrermangel: „Das steigert die Attraktivität des Berufes für Studienanfänger, weil sie sich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt ausmalen“, sagte Schäfer laut Bericht. Vergleichbare Entwicklungen habe es auch früher schon gegeben.

Tatsächlich ist der Lehrermangel aktuell groß: Vor allem wegen der Flüchtlingskinder werden Lehrer in vielen Regionen Deutschlands dringend benötigt. Etliche Bundesländer, darunter Sachsen und Berlin, suchen angesichts der zusätzlichen Schüler händeringend Lehrkräfte. Auch Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen stoßen bei der Besetzung freier Lehrerstellen zunehmend an die Grenzen des leergefegten Arbeitsmarktes. Das Land Berlin hat sogar eine Werbekampagne gestartet, um Grundschullehrkräfte aus Österreich und den Niederlanden abzuwerben.

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) freut sich „über die hohe Zahl der jungen Menschen, die sich für ein Lehramtsstudium entscheiden“. Das Lehramt sei und bleibe ein „attraktiver, verantwortungsvoller und zukunftsorientierter Beruf“, sagte sie laut „Der Westen“. Das stimmt auch im Prinzip – aber wohl nicht für jedes Lehramt.

Hoher Bedarf an Grundschul-Lehrkräften

Bayern beispielsweise sieht mittelfristig für den Freistaat einen weiterhin hohen Bedarf an frischgebackenen Grundschullehrkräften. An Gymnasien allerdings sei auch weiterhin mit einem deutlichen Überangebot an Stellenbewerbern zu rechnen. Aber hier lohnt der genaue Blick: Physik und Informatik beispielsweise bleiben auf absehbare Zeit auch an den Gymnasien in Bayern begehrte Fächer.

Ein großes Problem der Prognosen allerdings ist die kaum vorhersehbare Zahl an Kindern. Bis vor kurzem gingen die Ministerien bundesweit von sinkenden Schülerzahlen aus – entsprechend vorsichtig klangen die Empfehlungen, auf Lehramt zu studieren. Das ist passé. Ob aber in sieben Jahren noch so viele Flüchtlingskinder zu integrieren sind, weiß kein Mensch.

Tatsächlich ist eine Diskrepanz zwischen Studienneigung und absehbarem Bedarf bereits jetzt erkennbar: Laut Statistischem Landesamt strebt in NRW mehr als die Hälfte der Studierenden einen Abschluss als Lehrkraft in der Sekundarstufe II an, möchte also zum Gymnasium oder zur Gesamtschule. „Das hat etwas mit den besseren Aufstiegschancen und der besseren Bezahlung zu tun“, sagt GEW-Landeschefin Schäfer.

So droht eine neue Runde im „Schweinezyklus“. Das klingt despektierlicher, als es gemeint ist: Der Begriff kommt aus der Ökonomie – und beschreibt das Problem der Zeitverzögerung bei der Anpassung des Angebots auf einem Markt.

Der Wirtschaftswissenschaftler  Arthur Hanau (1902-1985) beobachtete das Phänomen eines hin- und herpendelnden Fleischmarktes 1926. Ein starker Anstieg der Nachfrage, ausgelöst etwa durch eine steigende Bevölkerungszahl oder steigenden Wohlstand, bringt zu gegebenen Preisen eine höhere Nachfrage nach Schweinefleisch mit sich. Das Angebot an Schweinefleisch kann jedoch kurzfristig nicht angepasst werden, zusätzliche Schweine müssen erst aufgezogen werden. Die Folge: Die Preise steigen – die Nachfrage sinkt. Wenn die Bauern die Tiere endlich aufgezogen haben, bieten sie das Fleisch auf dem dann wieder geschrumpften Markt an. Dadurch besteht die Gefahr, dass sie auf ihrem Angebot sitzen bleiben oder es verramschen müssen.

Auf die heutigen Studienanfänger übertragen, hieße das: Arbeitslosigkeit droht. Agentur für Bildungsjournalismus

Hier geht’s zur aktuellen bayerischen Lehrerbedarfsprognose.

34 Kommentare

  1. Das zeigt aber auch. Der Lehrerberuf ist finanziell attraktiv.

    Was außer dem guten Gehalt noch dran hängt, erfährt man ja meist erst, wenn man es bereits macht.

    • So attraktiv ist der Beruf nun auch wieder nicht. Meine beiden Brüder und ich haben alle beste Abschlüsse und ich bin der „arme Schlucker“. Man muss jetzt nicht für mich sammeln oder so, aber gerade in den Naturwissenschaften ist der Lehrerberuf finanziell sehr schwach bezahlt.

    • Ich bestätige Küstenfuchs: Für Naturwissenschaftler sind Einstiegsgehälter in der Größenordnung eines Schulleiters (70-80k€ brutto im Jahr) durchaus üblich mit entsprechenden Aufstiegschancen. Den Beamtenstatus lasse ich dabei nicht gelten, weil sich ein Firmenchef mit 1000 Mitarbeitern inkl. oder 100 Mitarbeiter exkl. Schüler in der freien Wirtschaft niemals mit 100k€ netto im Jahr abspeisen lassen würde, der A16-OStD bekommt netto deutlich weniger.

      • Was hat nun der Beamtenstatus mit der A16-Besoldung zu tun?

        Aber der Beamtenstatus hat natürlich etwas mit lebenslanger Beschäftigungsgarantie und damit Verdienstgarantie zu tun. Ich kenne einige Naturwissenschaftler, die lange vor dem 65. Lebensjahr aus dem Arbeitsprozess gedrängt wurden und entsprechend nicht mehr „gut“ verdient haben.

        Das also müsste man gegenrechnen. Kann sein, dass Lehrer dabei sehr schlecht abschneiden. Kann sein, dass nicht.

        • Das Lebensnettoeinkommen von Beginn des Referendariats bis zum Lebensende inkl. Pension ist aufgrund des Beamtenstatus in der Tat sehr gut. Wenn man als Abteilungsleiter in der freien Wirtschaft irgendwann einmal bei 200k€ oder noch viel mehr angekommen ist, dann relativiert sich das Ganze wieder. Die wöchentliche Arbeitszeit ist dann aber mindestens genauso hoch wie bei Lehrern.

      • „Das Lebensnettoeinkommen von Beginn des Referendariats bis zum Lebensende inkl. Pension ist aufgrund des Beamtenstatus in der Tat sehr gut.“ Zustimmung!

        „Für Naturwissenschaftler sind Einstiegsgehälter in der Größenordnung eines Schulleiters (70-80k€ brutto im Jahr) durchaus üblich mit entsprechenden Aufstiegschancen.“ Das stimmt so nicht – nach meinen Erfahrungen!

        1. gibt es nicht die Naturwissenschaftler, sondern Chemiker, Physiker, Materialwissenschaftler oder andere Berufe. Aber Auch Biologen, Biochemiker, Ökologen oder oder … . Ein weites Feld.

        2. dann schauen wir uns die Einstiegsgehälter an, z.B. von Chemikern:

        https://www.gdch.de/ausbildung-karriere/karriere-und-beruf/gehaltsinformationen/einstiegsgehaelter.html

        Sehen ja ganz gut aus, oder? Aber: Über 90% aller Chemiker sind promoviert, d.h. diese haben 5 Jahre gebraucht für das Diplom (MSc), dann durchschnittlich 3 Jahre für die Prom und (!) eine postdoc-Zeit von mindestens einem Jahr (zumeist an einem angelsächsischen Forschungsinstitut, das man als eine Art Spezialisierung verstehen kann für das zukünftige Forschungsfeld) wird eigentlich erwartet.
        Also 9 Jahre Ausbildung und dann vllt 70 kEuro – und die auch nur bei evonik, Bayer oder Dow – also den wirklich Großen. Zitat: „Es ist zu beachten, dass viele, vor allem kleine und mittelständische Firmen, die Chemiker beschäftigen, nicht im Bundesarbeitgeberverband Chemie vertreten und damit nicht an dessen Tarife gebunden sind. Die Gehälter liegen dort meistens niedriger. Dies ist auch in den meisten Unternehmen außerhalb der chemischen Industrie der Fall. “
        Das waren jetzt die Gutverdiener, die die es gut getroffen haben. Aber sie sind (hoffentlich!) fachlich sehr gut. Und natürlich keine Lehrer, denn denen fehlt es ja sehr häufig an der fachlichen (Forschungs-)Kompetenz, d.h. das geht gar nicht.

        Bei vielen anderen aus dem Nawi-Bereich sieht es wesentlich schlechter aus. Wo sollen diese den „unterkommen“. Nicht umsonst rennen mir immer wieder prom. Biologen, Biochemiker o. ä. nach erfolgreicher Forschungstätigkeit an der Uni oder am MPI aber erfolgloser Suche nach den Grundlagen für ihre Lebensexistenz (sprich sich und ihre Familie ernähren) mit Anfang/Mitte 30 die Bude ein, um auf Lehramt umzusatteln. Und da sind tolle Forscher bei! Ob es auch ebensolche Lehrer werden … Naja.

        Diese Mär von den tollen Gehältern der Nawis in der freien Wirtschaft hält sich seit Langem, stimmt aber leider nicht.
        Und der 2. Trugschluss ist, dass Lehrer sich mit diesem Feld vergleichen sollten. Das passt an keiner Stelle – auch von den fachlichen Voraussetzungen aus betrachtet.

        • Ich habe mich nur auf die reinen Lebenseinkommen bezogen, die Arbeitsweise bewusst außer Acht gelassen.

          Übrigens können Physiker in so gut wie jedem Bereich eingesetzt werden, weil sie in ihrer Ausbildung gelernt haben, sich schnell in komplexe Situationen eindenken zu können. Dazu gehören insbesondere Unternehmensberatungen. Andererseits sollte man aber bitte keinen BWL-Anzugträger in ein Labor stellen.

        • Was verstehen Sie unter den fachlichen Voraussetzungen? Wenn Sie sich auf das Studium beziehen, dann muss ich Ihnen widersprechen. Zumindest für die 90er Jahre, für die Fächer Mathematik und Physik und die Uni an der ich studiert habe. Gymnasiallehrämtler besuchten die selben Vorlesungen wie die damaligen Diplom-Studenten. Gym-Lehrer mussten die selben Übungsaufgaben bewältigen, viele Zulassungsarbeiten wurden ohne weiteres als Diplomarbeiten anerkannt usw.
          Natürlich entwickelt ein Mathematiker bzw. Physiker später viel höheres Fachwissen in dem Bereich, in dem er arbeitet.

          • ich habe z.B. die Promotionszeit mit Forschung und Lehre erwähnt, die den Unterschied macht.
            Es ist ja auch nicht schlimm oder „herabwürdigend“, wenn ich den LA-Studierenden die fachlich Kompetenz abspreche. Ein jeder hat sein „Feld“, das er gut ausfüllen sollte. Ich hatte vor Jahren Manfred Bönsch (Erziehungswissenschaftler und Lehrerbildner aus Hannover, vllt kennt ihn ja jemand, ich mag ihn übrigens sehr) zu einem Vortrag zur Lehrerprofessionalisierung eingeladen – er hat es für mich eigentlich auf den Punkt gebracht, indem er – in etwa – sagte:
            „Wenn Lehrer für etwas Experten sind, dann dafür dass sie als Person Dinge/Sachverhalte so darstellen können, dass Andere (Schüler) diese auch „begreifen/erfahren“ können.“ Diese Grundkompetenz des Lehrerberufs (die mit Kompetenzen der Reduktion und Rekonstruktion natürlich verbunden werden sollten) ist m.E. sehr wichtig – und sollte auch das Lehrcurriculum mitbestimmen. Macht es an vielen Orten ja auch.

            (Übrigens ich kenne keine Universität, an der die sachkompetente Ausbildung der LA-Absolventen mit dem MSc-Absolventen vergleichbar ist – vielleicht leider!)

          • Wie auch? Der Abschluss in den Lehrämtern wird als Master of Education erworben. Ein fachwissenschaftlicher Abschluss würde dazu führen, später als Seiteneinsteiger auf „lehramt unzusatteln“.
            Ebenso verhält es sich mit der Einreichnung einer fachwissenschaftlichen Dissertation an einer naturwissenschaftlichen Fakultät, sie bringt keine Vorteile für einen späteren Beförderungaufstieg. Hilfreicher wäre da ggf. eine erziehungswissenschaftliche Dissertation anzufertigen und einzureichen.

          • Ich sprach ja auch von den Zeiten, in denen ich studierte (90er Jahre). Damals wurden für Lehramt am GY und Diplom kein unterschiedlichen Vorlesungen angeboten.
            Natürlich hat jemand der promoviert höhere Fachkenntnisse. Aber nicht jeder Diplomstudent promoviert. Insofern waren die Fachkenntnisse nach Abschluss des Diplom- bzw. Lehramtstudiums vergleichbar. (Wie gesagt: 90er Jahr an der Uni, an der ich studierte).
            Ich kenne einige, die nach dem Staatsexamen noch das Diplom machten – und im Schnitt eine Notenstufe besser im Diplom abschnitten als im Staatsexamen.

  2. @ xxx und Küstenfuchs,

    da haben wir wieder die leidige Gehaltsdebatte. 😉 Irgendwie läuft es zu Zeit immer darauf hinaus.

    Ich wünschte mir, dass die, die Lehrer werden wollen, nicht in erster Linie ans Geld denken, sondern sich irgendwie (auch) berufen fühlen, jungen Menschen etwas beizubringen und auf ihrem Weg ins Leben zu helfen. Es wäre mir sogar recht, wenn die aufs Geld Bedachten es doch eher woanders versuchen, reich zu werden als im Lehrerberuf. Wie man Lehrergehälter empfindet, hängt andererseits sicherlich auch vom Blickwinkel ab. Betrachtet man unsere Gehälter aus der Sicht des Firmenchefs der Deutschen Bank, ja, dann sind das nur „peanuts“, was wir da bekommen. Schauen wir aber aus der Sicht eines Großteils der Menschen in unserem Land, dann stehen wir gut da.

    Ich bleibe dabei. 🙂

    • Du sagst doch aber auch ganz deutlich, dass sich die Bedingungen ändern müssten und nennst kleinere Klassen und geringere Unterrichtsverpflichtung.

      So oder so ist der Beruf nicht attraktiv, 60 Std. Wochen, hohe Belastung und eine Vielzahl an zusätzlichen Aufgaben für das gleiche Gehalt (wie vor Jahren) werden von Lehrkräften und solchen, die es ggf. werden wollen, nicht als angemessen empfunden.

      • Aus diesem Grund ist Lehrer weniger Beruf als Berufung und sollte von niemanden alleine des Geldes wegen gewählt werden. Das gilt für die Grundschule noch extremer als für das Gymnasium.

        Ich meinte mit meinem Kommentar oben nicht, dass ich unzufrieden mit meinem Einkommen bin. Ich meinte nur, dass mein Einkommen im Vergleich zu anderen Akademikern in der freien Wirtschaft eher gering ist, das von Schulleitern ist sehr gering, das von der Bundeskanzlerin (keine 20000€ / Monat) ist gemessen an der Verantwortung lächerlich.

        • @XXX: Wir hatten das fast alle schon verstanden.

        • „Beruf statt Berufung“? Bullshit. Ich bin Profi, ich arbeite für Geld. Berufung ist etwas für Amateure, mit Idealisten und Amateuren kann man kein verlässliches, effizientes System aufbauen.

          Oder was machst du, wenn der Idealist plötzlich keine Lust mehr hat und du auf dem Berg unerledigter Arbeit sitzen bleibst?

          • Die Entscheidung, überhaupt mit dem Lehrerberuf anzufangen, trotz der Bezahlung, trotz der Arbeit neben dem Unterricht, trotz des miesen Ansehens in der Gesellschaft usw, lasse ich unter Berufung laufen. Für die angenehmen Sachen — Unterricht und teilweise die Korrekturen — bin ich Idealist, für die nervigen Sachen — alles andere — bin ich Profi.

          • @xxx
            Ich bin fast Ihrer Meinung. Allerdings muss ich im Beruf immer professionell handeln, also bin ich immer Profi, egal wie gern oder ungern ich gewisse Teile der Arbeit mache. Wenn ich möglichst viele Arbeitsfelder in meinem Beruf gern mache, dann habe ich eine große Affinität dazu, das könnte man als „Berufung“ sehen, weil der Beruf zu meiner Persönlichkeit passt. Amateure (@Nele) haben nichts in einem Beruf zu suchen, in dem ich Profi sein muss und da ich zu Recht mein Geld verdiene, weil ich dazu eine Ausbildung gemacht habe; diese sollten sich in Vereinen und Interessensgemeinschaften treffen.

  3. @ Nele Abels,

    Klar, solche Menschen wie Sie gibt es. 😉 Ist Ihre Sache. Nur sollten Sie / sie nicht unser Maßstab sein.

    Wer (nur) für Geld arbeitet, ist Profi? Bullshit. Profi ist nicht, wer etwas für Geld tut. Profi ist, wer etwas wirklich KANN. Ich glaube, die sehr guten Lehrergehälter locken zu viele in die Lehrämter, die es nur wegen des Geldes tun.

    Was passiert, wenn die „Geldgierigen“ etwas nicht bezahlt bekommen? Sie tun es nicht. Und wenn sie anderswo mehr bekommen? Dann sind sie weg. Nach ihnen die Sintflut. Und du bleibst auf dem Berg unerledigter Arbeit sitzen und die Kinder haben den 3. Fachlehrerwechsel im Schuljahr.

    • @sofawolfi, ist bei Lehrkräften wie bei Prostituierten, die machen auch nicht aus Liebe die „Beine breit“, wann verstehen Sie das endlich?

      • @ aber dickesbänkli, ich weiß doch, dass es solche Leute gibt. Aber es gibt auch andere, die seit Kindeszeiten Lehrer werden woll(t)en und nie (in erster Linie) ans Geld dachten dabei. Die sollen Maßstab sein, nicht die anderen. Wenn die (anderen) unzufrieden sind, weil sie nicht noch mehr verdienen … na und?! Solln sie in die freie Wirtschaft gehen oder dahin, wo sie reich werden. 😉

  4. An manchen Schulen ist die Situation aber auch in näherer Zukunft gut, was die Einstellungschancen angeht.
    Viele Lehrkräfte gehen dann nämlich in ihren verdienten Ruhestand und in anbetracht dessen, dass an manchen Schulen schon jetzt verpflichtendet fachlicher Unterricht auf Grund von Lehrermangel ausfallen muss, ist natürlich ein „gutes“ Signal für angehende Lehrkräfte, die jetzt im Ref sind.

    Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage: Alle Referendare bis Sommer 2018 haben gute Einstellungschancen. Danach könnte es dann wieder interessant werden.
    Aber lassen wir uns überraschen, was kommen wird.

  5. @ xxx, ysnp, ich verstehe nach wie vor nicht, wieso Sie meinen, Gehälter von über 3000 Euro (je nach Dienstjahren, Schulart u.a.), also ab rund 2000 Euro netto als schlecht bezeichnen kann. Ist das nicht Jammern auf hohem Niveau? Haben Sie noch Kontakt zur Allgemeinbevölkerung? 🙂

    Sie haben bestimmt schon eine 4 vor Ihrem Brutto, Sie wirken nicht wie blutige Anfänger.

    • @ysnp wohl kaum, lässt der Arbeitgeberso gerade einmal bei angestellten Lehrkräften der Primar- und Sekundarstufe I zu, nicht aber als Brutto-Besoldung für Beamte des gehobenen Dienstes – unabhängig von den Dienstjahren.
      Nimmt man die Zeit bis zum Abi, das Studium und das Referendariat hinzu, verdient ein Bandarbeiter beim Daimler oder bei VW während seiner Gesamtlebensarbeitszeit mehr. Also überdurchschnittlich ist daran gemessen die Bezahlung von Lehrkräften nicht.

      • Sie meinen, der Bandarbeiter arbeitet von (vereinfacht) von 20 bis 65 und der Lehrer von 30 bis 65 und somit verdient der Bandarbeiter während seiner Gesamtlebensarbeitszeit mehr als ein Lehrer?

        Er hat eben auch (vereinfacht) 10 Jahre länger malocht !

        Und: Wer bezahlte eigentlich das Studium und Referendariat des Lehramststudenten?

        Man könnte diese Kosten dem Lehrer auch dazurechnen, auch wenn er das Geld nicht bar auf die Hand bekommen hat, sondern der Staat es in die Ausbildung steckte. Wie sieht die Rechnung dann aus?

        • Nee, ab dem 16. Lebensjahr. Die Ausbildungsvergütung ist auch nicht schlechter als A12-Halbe.
          Wie kommen Sie auf das schmale Brett, dass Lehrkräfte nicht vor dem 30. Lebensjahr arbeiten würden? Abi mit 18, 5 Jahre Studium, selbst mit Vorbereitungsdienst, ist das mit 26/27 locker zu schaffen.

          • 25, früher war das Studium geringfügig kürzer, heute ist die Einschulung früher und das Abi schneller erreicht. Und warum zählt das Ref nicht als Arbeit?

        • Das Studium bezahlt man selbst oder wenn die Eltern es nicht bezahlen können, dann gibt es Zuschüsse in Form von Darlehen, die man, wenn man Geld verdiente, so weit ich mich erinnern kann, irgendwie oder teilweise wieder zurückzahlen musste. (Vielleicht heißt es heute auch noch Bafög.) Ich studierte noch zu Zeiten der Studiengebühren. Wir hatten pro Semester bzw. besuchte Seminare bestimmte Bücherlisten, die wir selbst anschaffen und bezahlen mussten. Wer nicht zuhause wohnen konnte, was oft der Fall war, musste sich die Lebenshaltung selbst finanzieren. Vieles ist sicher heute auch noch so. Viele, die studierten, hatten noch Nebenjobs. Manche waren sogar darauf angewiesen. Im Referendariat verdient man wie auch ein Auszubildender Geld, gerade so um über die Runden zu kommen. (Dass man Dinge, die selbstverständlich sind, hier immer wieder extra schreiben muss. Oder ist das so wenig allgemein bekannt?)

    • @sofawolf: Das Hauptthema, über das xxx und ich geschrieben haben, war Berufung/Profi/Idealismus/Amateur.

  6. Was zieht, sind meiner Meinung nach guter Verdienst und Beamtenstatus (da, wo es ihn gibt).

    Das ganze Drumherum (schwierige Schüler, schwierige Eltern, überbordende Bürokratie) nehmen die jungen Menschen meiner Meinung nach noch nicht wahr oder „sie denken es sich klein“. Oder aber es schreckt ab. Leute, die ich kenne, die „lieber nicht“ Lehrer werden wollen, wollen es wegen der massiven Disziplinprobleme mit Schülern, von denen man hört und liest. Die trauen sich genau das nicht zu!

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