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Journalisten wollen Unterrichtsausfall in Dortmund komplett erfassen: Eltern und Schüler sollen Ausfall melden – Lehrerverbände skeptisch

DORTMUND. Je weniger Schulunterricht ausfällt, desto besser. Doch wie viel Unterricht fällt eigentlich aus? Eine Antwort ist gar nicht so einfach. In Dortmund fragen die Tageszeitung «Ruhr Nachrichten» und das Recherchezentrum Correctiv jetzt einen Monat lang – alle.

Wie viel Unterricht fällt tatsächlich aus?. Foto: Luis Priboschek

Wie viel Unterricht fällt tatsächlich aus?. Foto: Luis Priboschek

Ein besseres Schulsystem – wer will das nicht? Auch die Tageszeitung «Ruhr Nachrichten» und das gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv wollen dazu beitragen. Zwei Monate vor der Landtagswahl nehmen sie sich dazu in Dortmund das Dauerbrennerthema Unterrichtsausfall vor. «Wie viel Unterricht fällt wirklich aus?» ist die Leitfrage bei einem Recherche-Projekt, bei dem in der Ruhrgebietsstadt einen Monat lang Schüler, Eltern und Lehrer Informationen liefern können – und sollen. Die ausgefallenen Stunden wollen die Macher in einer Online-Datenbank erfassen. «Unterrichtsausfall – Der Check» heißt das Projekt. Mittwoch geht es los.

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Am Anfang war der Zweifel: «Das Schulministerium sagt: Nur 1,8 Prozent des Unterrichts fällt in NRW ersatzlos aus. Das entspricht nicht einmal 2 von 100 Schulstunden. Stimmt das?», fragen die Correctiv-Leute auf der Projekt-Homepage. Bislang verlasse sich das Schulministerium in NRW auf Stichprobenprüfungen. «Doch diese kleinen Proben reichen in unseren Augen nicht aus.» Vom 1. bis zum 31. März sollen nun alle, die es wissen können, ihre Infos weitergeben: «Jeder, der Einblick hat, wann wo welche Unterrichtsstunden ausfallen, also Lehrer, Eltern, Schüler, Schulsozialarbeiter, Integrationshelfer.»

Erfasst werden sollen nicht nur die komplett ausgefallenen Stunden, sondern alle, die nicht planmäßig stattgefunden haben. «Wir wollen nicht nur die ausgefallenen Stunden zählen, sondern die konkreten Bedingungen analysieren.» Auch die Schulen sollen mitmachen. Nach der Datensammlung bekommen sie Übersichten über die bei ihnen gemeldeten Stundenausfälle – und «die Möglichkeit, auf fehlerhafte Einträge hinzuweisen».

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Correctiv-Datenjournalist Simon Wörpel verweist auf die Erfahrungen des Recherchezentrums mit dieser Art der Datenerhebung. Im vergangenen Jahr trug Correctiv auf ähnliche Weise zusammen mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» Geschäftsdaten aller Sparkassen in einem «Crowdnewsroom» zusammen. Am Ende beteiligten sich bundesweit 700 Menschen. Für das neue Projekt in Dortmund ist Wörpel guter Dinge. Am Montag hatten sich bereits mehr als 100 Interessierte bei dem Portal angemeldet. «Das ist ziemlich gut», sagt er.

Das NRW-Schulministerium mag sich zu dem Projekt nicht direkt äußern. Es verweist auf die bereits im vergangenen Jahr beschlossene Abschaffung der bemängelten Stichprobenerhebung und die Einführung eines neuen Verfahrens zum Schuljahr 2017/18. Bislang mussten zufällig ausgewählte Schulen zwei festgelegte Wochen lang gleichzeitig die Daten sammeln. Künftig werden der Ausfall in mehreren Zeitabschnitten das ganze Schuljahr lang erhoben. Außerdem kommen alle Schulen mal dran: Nach dem Zufallsprinzip wird ihnen ein bestimmter Zeitabschnitt zugewiesen. Der Vorteil: Es gibt mehr Daten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) NRW hält das Dortmunder Projekt wegen der beschlossenen Neuregelung für «überflüssig». Das neue Verfahren sei in der Bildungskonferenz von allen Beteiligten einvernehmlich beschlossen worden, sagt die GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer. Und fügt hinzu: «Letztlich lässt sich effektiv Unterrichtsausfall an unseren Schulen nur mit ausreichend Personal vermeiden.»

Auch die Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung ist skeptisch: «Das Projekt, den Unterrichtsausfall in Dortmund zu erfassen, halte ich für immens aufwendig, daraus abgeleitet werden können sicherlich keine landesweiten Aussagen», sagt der VBE-Landesvorsitzende Udo Beckmann. Auch der VBE stehe hinter dem neuen Verfahren. Mit einem geringen bürokratischen Aufwand könne dabei ein umfassendes Bild erstellt werden. Auch Beckmann betont: «Egal, wie Unterrichtsausfall erfasst wird, entscheidend ist, dass auf die Daten mit entsprechenden Ressourcen reagiert wird.» Von Helge Toben, dpa

2 Kommentare

  1. Eltern und Schüler sollten sich beizeiten daran gewöhnen, dass Vertretungsunterricht Unterricht und kein Unterrichtsausfall ist.

    In dem Zusammenhang stellt sich mir immer die Frage, wie folgendes bewertet wird:

    Ein Kurs in irgendeinem fach setzt sich aus Schülern aus drei verschiedenen Klassen zusammen. Zwei dieser Kalssen nehmen an einem Wettbewerb, einem Wandertag, einer Exkursion oder was auch immer teil. Der Fachunterricht für die Teilgruppe aus Schülern der 3. Klasse, darf ja nicht entfallen. Es findet also Fachunterricht statt, den die anderen nacharbeiten müssen. Alternative, man setzt die Schüler der dritten Klasse frei.
    Und jetzt die Frage, wie geht das in die Erfassung der fehlstundenstatistik ein? Da melden also so ca. 8 Schüler, dass bei ihnen eine Doppelstunde ausgefallen ist, obwohl die anderen 19 Schüler dieses Kurses ja Unterricht hatten, nur dass dieser an einem außerschulischen Lernort abgehalten worden ist.

  2. zum Kommentar von ‘dickebank’: Obwohl die Erfassung des Ausfalls in dem beschriebenen (aber wohl eher unüblichen) Fall schwierig ist wäre eine vollständige Erfassung des Unterrichtsausfalls erheblich aussagekräftiger als nur durch Stichproben.
    Es geht ja nicht darum, hier ein 100%-Nachweis zu erhalten, sondern eine aussagefähigere Statistik des Ausfalls.

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