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Warum gibt’s die nicht an jeder Schule? Schwestern entlasten Lehrkräfte – und sorgen für Sicherheit und bessere Bildungschancen

FRANKFURT/ODER. Beim Sportunterricht oder beim Toben auf dem Pausenhof verletzt? An 20 brandenburgischen Schulen kann nun eine Schulkrankenschwester helfen. In dem Modellprojekt geht es auch um Chancengleichheit für Kinder.

, Baldock, Hertfordshire, England, UK, 1944

In anderen Ländern – wie hier auf dem Foto aus Großbritannien von 1944 – gehören Schulschwestern seit Jahrzehnten zum Personal an Schulen. Foto: Imperial War Museum / Wikimedia Commons

Die ersten Pflaster wurden bereits geklebt: Seit dem 6. Februar sind neun Schulkrankenschwestern und ein -pfleger an insgesamt 20 märkischen Schulen aktiv. Nun wurde das Modellprojekt offiziell gestartet. «Ich kann mir meine Schule ohne unsere Krankenschwester gar nicht mehr vorstellen», sagte die Rektorin der Frankfurter Lenné-Grundschule, Petra Kreusch, am Donnerstag. «Unsere Krankenschwester ist ein echter Zugewinn, gibt uns Lehrern, Eltern und Schülern ein Stück mehr Sicherheit.»

Bisher wurden Schüler, denen es nicht gut ging, im Sekretariat «geparkt». «Wir haben dann versucht, die Eltern zu erreichen, damit sie ihr Kind abholen. In dringenden Notfällen haben wir auch schon einen Notarztwagen angefordert», sagte Kreusch. Mit Annegret Altmann gebe es eine medizinisch versierte Ansprechpartnerin für kleine und große Notfälle. «Außerdem können wir sie bei der Prävention frühzeitig einbeziehen», erklärte die Rektorin.

Annegret Altmann ist ein «Kumpeltyp» und stammt aus Berlin. Sie ist für ihren neuen Job in die Frankfurter Region gezogen. «Ich habe von einem Bekannten aus der Berliner Charité, die das Schwestern-Projekt begleitet, gehört, dass Leute gesucht werden und war gleich Feuer und Flamme», erklärte sie. Altmann wollte raus aus dem Krankenhaus-Alltag, wollte mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. «In der Klinik waren die Leute meist schon sehr krank, wenn ich mit ihnen zu tun hatte. Ich wollte was Neues machen, wollte schon eingreifen, bevor jemand ernsthaft erkrankt.»

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Jetzt ist sie für 343 Grundschüler und eine ähnlich große Zahl von Oberschülern zuständig. «An zwei Tagen in der Woche bin ich an der Lenné-Schule, den Rest an der Ulrich von Hutten-Oberschule.» Ihr Aufgabenspektrum reicht von der «Verarztung» einer triefenden Nase über die Versorgung von Schürfwunden bis zu Bauchschmerzen. Dass sie ein «Kumpeltyp» sei, sei für ihre Arbeit hilfreich. Da könne sie schon mal mit dem erhobenen Zeigefinger agieren, ohne dass ihr das ihre Schützlinge krumm nähmen. Die elfjährige Leni Klame nickt: «Das ist echt cool, dass Frau Altmann uns Kindern hilft.»

Auch Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) und Bildungsminister Günter Baaske (SPD) zeigen sich auf einer Stippvisite am Donnerstag in der Lenné-Schule beeindruckt. «Das Schulkrankenschwestern-Projekt ist wirklich toll», sagten beide übereinstimmend. Golze ist selbst Mutter. Vor kurzem habe sich ihre Tochter einen Arm in der Schule gebrochen und wenig später einen Zahn ausgeschlagen. «In solchen Fällen kann man sich als Eltern nur glücklich schätzen, wenn gleich eine Krankenschwester zur Stelle ist», sagte die Linkspolitikerin.

Gesundheit stärkt Bildungerfolg

Für Baaske geht es auch um Chancengleichheit. Studien belegten klar einen Zusammenhang zwischen Gesundheits- und Bildungserfolg, sagte er. Demnach lernen Mädchen und Jungen am besten, wenn auch ihren Gesundheitsbedürfnissen in angemessener Form nachgegangen werde. In sozial schwächeren Familien gebe es da oft Defizite.

Das «Schulkrankenschwester»-Projekt läuft vorerst bis zum 31. Oktober 2018. Die Kosten belaufen sich auf rund 1,1 Millionen Euro, die anteilig von der AOK Nordost, der Unfallkasse und dem Land übernommen werden. «Nach einer Projektauswertung der Charité hoffen wir, dass der Bund sich beeindrucken lässt und das Modell deutschlandweit zur Regel werden lässt», erklärte Golze. Von Georg-Stefan Russew, dpa

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