Autismus bei Kindern – was eine Psychiaterin Eltern rät

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Meist sind es kleine Auffälligkeiten, an denen Eltern eine mögliche autistische Störung erkennen: Das Kind reagiert nicht auf Gesten, Lächeln oder Wörter. Oft kann es sehr schlecht mit Veränderungen umgehen. «Wenn es Eltern nicht auffällt, merken es oft die Erzieher im Kindergarten», erklärt Prof. Michele Noterdaeme, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Josefinum in Augsburg. Sie gibt Eltern Tipps, wie sie bei einem Verdacht auf Autismus vorgehen sollten.

Autismus ist eine Störung des Zentralen Nervensystems.                     Foto: Evgeniy Isaev  / flickr (CC BY 2.0)

An wen wenden sich Eltern zuerst?

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«Erste Anlaufstelle ist der Kinderarzt», sagt Noterdaeme. Er kann bestimmte organische Ursachen ausschließen, etwa, wenn das Kind nicht spricht – wie es bei Autisten häufig vorkommt. Je nach Kapazität und Expertise können die meisten Kinderärzte aber keine umfassende Diagnostik bei sich in der Praxis machen.

Wie geht es weiter?

Ist das Kind unter sechs Jahre, wenden sich Eltern am besten an spezialisierte Zentren: Das können sozialpädiatrische Zentren sein, für die der Kinderarzt eine Überweisung ausstellen muss. Oder Mutter und Vater wenden sich an eine Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dafür brauchen sie keine Überweisung.

Ergänzend können Eltern mit ihrem Kind Frühförderung in Anspruch nehmen. Bei diesem Konzept werden medizinische, psychologische, pädagogische und soziale Hilfen gebündelt, etwa Sprach- und Ergotherapie sowie Physiotherapie. Auch dies sollte der Kinderarzt verschreiben.

Ab sechs Jahren sind kinder- und jugendpsychiatrische Kliniken die richtige Anlaufstelle. In jedem Fall gilt: «Wichtiger als das richtige Diagnose-Etikett ist erstmal, dass das Kind ausreichend gefördert wird, wenn es Defizite hat», sagt Noterdaeme. Man könne sehr früh Weichen stellen.

Was passiert in den Therapien?

Sind Kinder mit Autismus jünger als drei Jahre, richtet sich die Therapie in erster Linie an die Eltern. Die meisten Mädchen und Jungen sind dann noch zu klein, um ausdauernd genug an einer Verhaltenstherapie mitzuarbeiten. In der Therapie geht es darum, Eltern Strategien an die Hand zu geben, wie sie richtig mit ihrem Kind umgehen können.

Ab drei Jahren steht das Kind dann im Fokus der Therapie. Der Behandlungsansatz ist aber der gleiche. Auch hier sollen Kinder lernen, mit Situationen und Menschen richtig umzugehen und ihr Verhalten anzupassen. dpa

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