GEW ist über Aussperrung von Lehrern in Dänemark empört

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FRANKFURT/MAIN. Ulrich Töne, Vorsitzender der deutschen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), hat die Aussperrung von Lehrern in Dänemark scharf kritisiert. „Das ist ungeheuerlich. Eine solche Massenaussperrung von Lehrkräften hat es in Europa noch nie gegeben“, betonte Thöne.

Hält das Vorgehen der dänischen Arbeitgebern im Tarifstreit mit den Lehrern für unverantwortlich: GEW-Chef Ulrich Thöne. Foto: Kay Herschelmann / GEW
Hält das Vorgehen der dänischen Arbeitgebern im Tarifstreit mit den Lehrern für unverantwortlich: GEW-Chef Ulrich Thöne. Foto: Kay Herschelmann / GEW

Die öffentlichen Arbeitgeber in Dänemarkl haben seit Dienstag fast 70.000 Lehrkräfte ausgesperrt. „Die Arbeitgeber verfahren nach Gutsherrenart. Mit ihrer Willkür schaden sie Lehrkräften, Schülern und Eltern. Aussperrung ist der Einsatz eines unverhältnismäßigen Machtmittels, weil es auch alle Menschen trifft, die nicht geschützt sind“, betonte Thöne. Die Arbeitgeber hatten die Tarifverhandlungen mit der dänischen Lehrergewerkschaft Danmarks Lærerforening (DLF) einseitig für gescheitert erklärt. „Dieses Beispiel darf nicht Schule machen. Die Arbeitgeber handeln unverantwortlich und missbrauchen ihre Macht.“ Thöne erklärte sich solidarisch mit den ausgesperrten Lehrkräften und forderte die Arbeitgeber auf, an den Verhandlungstisch zurück zu kehren und die Gespräche mit der DLF wieder aufzunehmen.

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Von der Aussperrung der Lehrkräfte sind fast 900.000 Schülerinnen und Schüler betroffen. Bei dem Konflikt zwischen der Lehrergewerkschaft DLF und der Vertretung der Gemeinden „Kommunernes Landsforening“ (KL), die in Dänemark für die Schulen verantwortlich sind, geht es um flexiblere und längere Unterrichtszeiten sowie eine Ausweitung der Anwesenheitspflicht an der Schule, die die Arbeitgeber von den Lehrkräften fordern. Die DLF, in der rund 97 Prozent aller Lehrerinnen und Lehrer organisiert sind, befürchtet mehr Arbeitsbelastung für die Lehrkräfte und eine Verschlechterung der Unterrichtsqualität, wenn die Stunden für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, die den Lehrkräften nach geltendem Tarifvertrag zustehen, in Zukunft gestrichen werden. News4teachers

(5.4.2013)

Zum Bericht: “Aussperrung: Viele Lehrer in Dänemark dürfen nicht zur Arbeit”

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4 KOMMENTARE

  1. Ich habe in diesem Zusammenhang gelesen, dass in Dänemark die Lehrer für jede Stunde, die sie halten, eine Stunde Vorbereitung angerechnet bekommen. Das ist aus deutscher Sicht ja traumhaft. Ich glaube, sogar Dienstberatungen, Pausenaufsichten etc. werden angerechnet. Wie das im öffentlichen Dienst in Deutschland gehandhabt wird, weiß ich nicht, bei uns bekommt man 15 Minuten Vorbereitung (und also auch Nachbereitung) pro Unterrichtsstunde angerechnet (Faktor 1,4). In Dänemark soll nun, wie ich es verstanden habe, die Arbeitszeit für Lehrer erhöht werden, indem die Vorbereitungszeiten flexibler gewährt werden. Flexibler, weil sie nicht einfach gekürzt werden, sondern Anfänger sollen mehr bekommen als Berufserfahrene. Ich meine, da ist ja auch was dran. Erfahrene Lehrer brauchen nicht mehr viel Vorbereitungszeit, Anfänger natürlich um ein Vielfaches mehr. Man kann das berücksichtigen wie in Dänemark geplant; man kann das auch einfach später als Ausgleich sehen für die Zeit, die man als Anfänger mehr brauchte. Wie sehen das andere?

  2. Zitat sofawolf: “Erfahrene Lehrer brauchen nicht mehr viel Vorbereitungszeit, Anfänger natürlich um ein Vielfaches mehr.” Das ist ja eine interessante Aussage. Natürlich werden junge LehrerInnen nicht mehr diesen Zeitaufwand betreiben, wie sie es für die Zauberstunden im Ref mussten, aber ich kann nicht behaupten, dass ich nach 33 Jahren sehr viel weniger Vor-, Nachbereitungs- und Korrekturzeiten habe. Das ist wohl eher abhängig von Schulform, Fächerkombination und Jahrgang als von den Dienstjahren. Zwei Korrekturfächer in der SEKI + Fachbereichsleitung sind sicher kein Pappenstiel, Abiturklassen und Korrekturen sicher ebenso wenig, aber die Vorbereitungen für Freiarbeit und Stationen im GS-Bereich lassen sich auch nicht in 15 Min. erledigen. Es ist müßig, hier vergleichen zu wollen.

    Hier gibt es eine sehr aufschlussreiche Darstellung dessen, was Lehrer so ganz allgemein an Aufgaben zu bewältigen haben, die sicher über die 15 Min. vorher oder hinterher hinausgehen.
    http://www.isf-bremen.de/app/download/5641617716/LehrerInnent%C3%A4tigkeitenB+6-12.pdf?t=1352375573

    Ich kann leider zu den Lehrerproblemen in Dänemark überhaupt nichts sagen, weil ich einfach nicht genug darüber weiß. Interessant wäre sicher ein Vergleich der dortigen Aufgaben mit denen in meinem Link.

    Ich kenne weder die Sollstundenzahl der dänischen Lehrer noch die bisherige Anwesenheitsverpflichtung, die Klassenstärken noch sonst irgendwelche Details. Alle Kommentare würden auf Mutmaßungen hinauslaufen.
    Festhalten aber kann man sicher, dass es höchst ungewöhnlich wäre, wenn sich in irgend einem Land bei einer Veränderung der Arbeitsbedingungen gerade diese verbessern würden. Das Gegenteil ist doch immer der Fall. Ob diese Proteste bzw. in diesem Fall die Aussperrungen gerechtfertigt sind, entzieht sich meiner Kenntnis, würde mich aber schon interessieren. Ich fürchte allerdings, dass sich Lehrerarbeitsbedingungen nur sehr schwer in verschiedenen Ländern vergleichen lassen, sie sind zu unterschiedlich.

    @sofawolf: Wo kommt der Faktor 1,4 her? Hab noch nie davon gehört. Gilt das generell, oder nur für Angestellte oder nur für Beamte? Ist mir völlig fremd.

  3. @ klexel, an unserer Schule ist es so. Mag sein, dass das nur bei uns so ist. Irgendwie meine ich gehört zu haben, dass bei Lehrern, die eine 40-Stunden-Stelle haben etwa ein Drittel als Vorbereitungszeit (zu der ich auch die Nachbereitungszeit rechne) angerechnet wird. Naja, und dann haben wir ja noch die Ferien als Ausgleich für vieles, was wir nebenher in der Unterrichtszeit noch so machen. Kurz, ich bin im Großen und Ganzen zufrieden. Aber es kommt ja immer darauf an, ob man von unten nach oben oder von oben nach unten schaut, wenn Sie verstehen, was ich meine. Ich habe auch schon mal als Honorarkraft gearbeitet: meine 40-Stunden-Stelle beinhaltete damals 35 Unterrichtsstunden und 5 Vor-/Nachbereitungsstunden.

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