“Oberprima.com”: Nachhilfe, die Schüler lieben

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NIEBÜLL. Die Zeiten ändern sich: Früher ging der Schüler zum Nachhilfelehrer um die Ecke. Das bietet Olaf Hinrichsen zwar auch. Aber die meisten seiner Kunden sitzen irgendwo in Deutschland und sehen sich seine Videos an – zum schrägen Wurf oder dem französischen Imparfait.

Screenshot "www.oberprima.de"
Screenshot “www.oberprima.com”

Als Olaf Hinrichsen mit der Video-Nachhilfe anfing, befand sich die Welt digital gesehen noch in der Steinzeit, Bronzezeit allenfalls. «Es gab kein Youtube», sagt der 33-Jährige aus Niebüll in Nordfriesland. Seine Nachhilfefilme, Anfang des Jahrtausends bei ihm zu Hause vor der grünen Tafel mit einer Mini-DV-Kamera gedreht, waren damals noch nicht fürs Massenpublikum geeignet. Aber die Idee war schon da: Schülern helfen, auch im heimischen Kinderzimmer die Mathephänomene zu begreifen, selbst wenn kein Lehrer dabei ist.

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Hinrichsen hat schon Nachhilfe gegeben, als er selbst noch zur Schule ging. Nach dem Abitur hat er einige Semester lang Psychologie studiert, einen Abschluss hat er aber nicht gemacht. Die Nachhilfe blieb über all die Jahre.

Die Idee mit den Erklärvideos kam ihm 2002 bei der Betreuung eines Schülers vom Abendgymnasium: «Wenn ich im Raum war, konnte er alles verstehen», erinnert sich Hinrichsen. «Zu Hause aber nicht. Ich dachte mir, er bräuchte jemanden, der ihm das zu Hause erklärt.»

Allerdings haperte es anfangs mit der Verteilung der Videos, bis er schließlich 2007 ins Internet ging. Inzwischen sind es 2100 Videos, die er und seine mittlerweile dazugekommenen Mitstreiter gedreht haben, und bis zu zwei Millionen Klicks in Spitzenzeiten. Etwa 150 000 Klicks waren es im Schnitt pro Monat in 2012. Je nach Ferien- und Prüfungszeiten variiert der Zuspruch von Bundesland zu Bundesland. «Freitag ist immer flau», sagt Hinrichsen. Wer will kurz vor dem Wochenende noch lernen? Auch in den Ferien ist weniger los.

Schüler können Vorschläge einbringen

Bei Mathe allein ist es nicht geblieben. Auch wer Probleme in Naturwissenschaften, Deutsch, Französisch, Geschichte, Informatik oder sogar Elektrotechnik hat, wird auf seinen Internetseiten kostenlos fündig. Die Filme tragen verheißungsvolle Titel wie «Parameterform in Koordinatenform umwandeln» oder «Steighöhe beim schrägen Wurf» oder «Wie schreibt man eine textgebundene Erörterung?»

Auf «Oberprima.com» können die Schüler auch heute noch wie in den Anfangszeiten ihre Vorschläge einbringen, sich Videothemen wünschen oder die fertigen Filme kommentieren. Noch sind die Seiten komplett werbefinanziert, Nutzer können sich aber auch «freikaufen», um auf die Werbung zu verzichten. Der Gewinn geht zu 70 Prozent an die jeweiligen Filmer: «Entscheidend ist die Klickzahl.» Seit 2009 konnte Hinrichsen von den Einnahmen leben. Dann trennte er sich von seinem Partner, seiner bisherigen Videoplattform.

Nach einer Durststrecke bietet er nun seit kurzem auch ein Lerncafé in Niebüll an, wohin die Schüler zum Lernen kommen können. Viele Nutzer sitzen aber immer noch in Berlin, wo Hinrichsen einige Jahre lebte und unter anderem auch Nachhilfelehrer im Internat des Fußballvereins Hertha BSC war.

Was macht er nun anders als der «analoge» Lehrer in der Schule? Der 33-Jährige sieht die Unterschiede weniger in den Methoden als im Verhältnis von Schüler und Lehrer: «Manche brauchen eine Erklärung zu Dingen, die sie Lehrer nicht zu fragen trauen.» Zudem benote der Lehrer in der Schule ja auch. «Er kann nicht eine Fünf geben und gleichzeitig den Schüler fördern. Ich bin nur am Fördern, die Schule muss fordern.» Nicht zuletzt ist das Abhängigkeitsverhältnis anders: «Der Schüler ist mein Chef, der bezahlt mich dafür, dass ich ihn wieder loswerde», sagt Hinrichsen und grinst. Die Videos dienten dabei als Wissensspeicher. Auch ein Witz ist mal drin: «Das ist auch ein bisschen ein künstlerisches Geschäft.»

Für seinen eigenen Berufsweg sieht er sich jetzt bei der Nachhilfe angekommen, auch wenn dies nicht das ursprüngliche Ziel war. Er habe etwas gesucht, wo er anderen etwas vermitteln und diejenigen weiterbringen kann, die es alleine nicht weiter schaffen. Es passt, findet er. Denn: «Es verändert sich die Sicht auf die Welt dadurch, dass die Welt sich verändert.» MARTINA SCHEFFLER; dpa

(1.4.2013)

Zum Bericht: “Umfrage: Schüler erhalten immer früher Nachhilfe”

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13 KOMMENTARE

  1. Mag ja sein, dass Schüler diese Art der Nachhilfe mögen. Mich hat sie überhaupt nicht überzeugt. Ich habe wahllos zwei Videos angesehen – und beide wimmelten vor Fehlern und waren unglaublich dilettantisch gemacht. Es war haarsträubend. Wenn dort jeder seinen Beitrag liefern darf ohne Korrektur eines Fachmenschen, dann ist diese Seite wenig hilfreich.

    • Hallo klexel,
      können Sie mir noch kurz sagen, welche Videos Sie sich angesehen haben?
      Diese Rückmeldungen sind von großer Wichtigkeit, weshalb es die Möglichkeit gibt, Kommentare diesbezüglich zu posten.
      LG
      OLaf Hinrichsen

      • Ich muss mich doch sehr wundern, dass Herr Hinrichsen die Kommentare von klexel nicht findet. Ohne groß suchen zu müssen, stieß ich auf einen unter “Imerfait” und auf einen anderen zum “bestimmten Artikel”.
        Zum Betreiber: “Nach dem Abitur hat er einige Semester lang Psychologie studiert, einen Abschluss hat er aber nicht gemacht.”
        Sagt mir dieser Satz etwas über die fachliche Qualifikation von O. Hinrichsen?
        Ich stehe der Person und vielen Beiträgen von klexel sehr kritisch gegenüber. Aber wo sie Recht hat, hat sie Recht.

        • @mehrnachdenken: Es ist doch ziemlich unerheblich, ob und was Herr Hinrichsen studiert hat. Er betreibt die Seite, muss aber nicht Fachmann für alle Fächer sein. Die einzelnen Fächer werden von unterschiedlichen Redakteuren betreut. An diese, speziell an den Fachmann für Französisch ging meine Kritik. Allerdings sollte sich Herr Hinrichsen schon auf die Qualifikation seiner Reds verlassen können oder eine Kontrolle ausüben, damit die Beiträge / Videos professioneller und korrekter gestaltet werden. Meine Kritik bezog sich auf fachliche Falschaussagen und auf mangelhafte didaktische Aufbereitung. Was ich nur am Rande erwähnt habe, sind auch noch Rechtschreibfehler in der deutschen Beschreibung mancher Videos.
          Die Beiträge sind einfach schludrig gearbeitet, zumindest die drei, die ich gesehen habe. Über die anderen Fächer kann ich mir kein Urteil erlauben. Das überlasse ich anderen Usern.

        • @mehrnachdenken, das finde ich gut und richtig. Die Wahrheit hängt nicht davon ab, wer sie sagt. Auch klexel, die hier viele zurecht wegen ihres provokanten Diskussionsstils kritisieren, hat eben auch mal Recht!

  2. Ebenso wie Herr Hinrichsen kann ich die Videos nicht entdecken. Wo sind sie denn? Man könnte sie ja auch noch einmal angeben.

  3. @aufmüpfer: Sieh es doch mal so: Das sind noch ein paar versteckte Ostereier. Du möchtest doch nur gucken, ob du bei meinen Kritiken wieder mal ein Haar in der Suppe finden kannst und dir etwas missfällt. Die Seite ist nicht sooooo riesig, als dass Herr Hinrichsen nicht in der Lage sein sollte, in einem angegebenen Fach drei Kommentare auf seiner eigenen Plattform zu finden. Und wenn es Rückfragen gibt, hat er dann ja auch meine eMail-Adresse. Kannst du das Fach denn beurteilen?? 😉 Viel Spaß beim Suchen.

  4. Hui, das ist hier nachts ja ein aufschlussreicher Umgangston 😉
    Ich war am 2.4. noch im Urlaub, weshalb ich von den Kommentaren zu dem Zeitpunkt noch nichts gesehen hatte. Mittlerweile sind die angesprochenen Videos deaktiviert, weil es dem Autoren (steckt gerade in den Abiturvorbereitungen) nicht möglich war, zeitnah verbesserte Videos zu drehen.
    LG
    OLaf

  5. oberprima hat schon etwas von “von allem etwas, aber nichts richtig”… Für Mathematik zum Beispiel ist die Mathe-Seite.de wesentlich effektiver.

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