Wanka plaudert aus: Digitalisierung der Schulen soll jetzt endlich kommen

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BERLIN. Computer statt Schulhefte, interaktive Boards statt Tafeln – die Digitalisierung der Schulen soll einen Schub bekommen. Union und SPD wollen dafür ein älteres Versprechen der Bildungsministerin umsetzen und mit dem seit Monaten auf Eis liegenden Digitalpakt eine flächendeckende Digitalisierung an Deutschlands Schulen erreichen. Dafür sollen in der laufenden Legislaturperiode voraussichtlich 3,5 Milliarden Euro fließen,  wie gestern aus Verhandlungskreisen zu erfahren war.

Kündigte ihren Abgang als Bundesbildungsministerin an: Johanna Wanka. Foto: wissenschaftsjahr / flickr (CC BY 2.0)
Wanka: Endlich solles losgehen mit der Digitalisierung.                                  Foto: wissenschaftsjahr / flickr (CC BY 2.0)

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) sagte auf einer internen Bildungskonferenz in Berlin, dass der Pakt nun kommen soll, wie Teilnehmer berichteten. Zum Start der Koalitionsverhandlungen hatte sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Digitalisierung der Schulen bekannt.

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Bereits 2016 hatte Wanka angekündigt, dass mit rund fünf Milliarden Euro über fünf Jahre die rund 40 000 Grund-, weiterführenden und Berufsschulen mit Breitband, W-LAN und Computer versorgt werden sollen. Das «Ende der Kreidezeit» an den Schulen sei nah, hieß es daraufhin. Doch die Länder fühlten sich erstmal überrumpelt – hatten sich doch die Kultusministerkonferenzen selbst schon Gedanken über Schul-Digitalisierung gemacht.

Im vergangenen Sommer aber stellten die Länder eine Vereinbarung auf Basis des Wanka-Versprechens vor. Länder-Aufgabe sollte die nötige Lehrer-Weiterbildung und pädagogische Umsetzung sein. Allerdings wurde vorerst nichts daraus, weil der Bund bis zum Ende der vergangenen Legislaturperiode die Milliarden nicht mehr bereitstellte. Die damalige KMK-Präsidentin, Susanne Eisenmann (CDU) aus Baden-Württemberg, stellte verschnupft die Frage: «Steht das Bildungsministerium noch zu unserem Verhandlungsergebnis?»

Die nun geplante Summe soll dem Vernehmen nach vom Inkrafttreten einer Bund-Länder-Einigung bis zum Ende der Wahlperiode reichen. Sie könne nach der bereits in den GroKo-Sondierungen verabredeten Grundgesetzänderung bei Bildung fließen, hieß es. Der Bund soll demnach den Ländern bei der Bildungsinfrastruktur aller Kommunen unter die Armen greifen können.

Eine Milliarde Euro pro Jahr

Server, Netzanbindung, Schulcomputer – dafür sind die Bundesmittel vorgesehen. Eine Milliarde Euro pro Jahr soll fließen. Allerdings hatte ein Forscherteam im Auftrag der Bertelsmann Stiftung in der Zwischenzeit errechnet, dass die Schulen für die IT-Ausstattung und die technische Unterstützung fast dreimal so viel im jahr bräuchten.

Hinter den Kulissen verhandelten Landesvertreter unverdrossen weiter über die Ausgestaltung des Pakts im Einzelnen. Das Ziel ist klar: Den Schülern die Kompetenzen zu vermitteln, die für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien nötig sind.

Digitaler Unterricht hat nämlich wenig mit der sonst üblichen Smartphone-Nutzung von Jugendlichen zu tun. Forscher haben in Dutzenden Studien längst dargestellt, wie Computer, Tablets und Co im Unterricht helfen können. So lässt sich zum Beispiel eine schriftliche Beschreibung der Flügelbewegung eines Vogels schlechter verstehen als eine Animation eines Vogels. Forscher empfehlen, digitale Medien zusätzlich einzusetzen und nicht Bücher und anderes durch sie zu ersetzen.

Lehrer müssen laut Studien aber das elektronische Lehren selbst erst lernen. Besser ist es demnach auch, wenn zwei Schüler am Rechner sitzen und ihre Recherchen und Aufgaben besprechen, als wenn sie jeweils alleine digital arbeiten. dpa

Digitalisierung der Schulen: “Aussicht auf Bundesmittel bremst Länder-Engagement”

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1 KOMMENTAR

  1. grauenhafte Vorstellung – nicht zusätzliche Möglichkeiten, sondern “Computer statt Schulhefte, interaktive Boards statt Tafeln”.
    Stromausfall = Schule aus Wieviele neue Kraftwerke brauchen wir?

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