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Russisch-Unterricht immer weniger beliebt – die AfD will das wieder ändern

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SCHWERIN. Immer weniger Schüler in Mecklenburg-Vorpommern lernen Russisch. Die AfD sieht darin ein Problem.

Werbeträger? Russlands Diktator Wladimir Putin. Foto: Shutterstock / murathakanart

Der Russisch-Unterricht befindet sich in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Rückzug. Nahmen im Schuljahr 2015/2016 noch 6.134 Schülerinnen und Schüler teil, waren es 2024/2025 nur noch 4.112, wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Enrico Schult hervorgeht. Ihr Anteil an der gesamten Schülerschaft sank von 4,3 auf 2,5 Prozent.

Angeboten wird Russisch demnach an 100 der 319 weiterführenden Schulen im Land als zweite oder dritte Fremdsprache – und konkurriert dabei mit Sprachen wie Französisch, Spanisch, Polnisch, Latein oder auch Niederdeutsch. Als erste Fremdsprache wird in den Schulen Englisch gelernt.

Weniger Russisch-Lehrkräfte

Den Angaben zufolge ist auch die Zahl der Russisch-Lehrkräfte an den Schulen zurückgegangen, von 281 im Schuljahr 2015/2016 auf zuletzt 159. «Der aktuelle Rückgang dieser Lehrkräfte ist vor allem auf deren Eintritt in den Ruhestand zurückzuführen und geht mit einer schrittweisen Angleichung an den tatsächlichen Bedarf an den Schulen einher», erläuterte die Regierung.

Historisch bedingt befanden sich früher überproportional viele Russisch-Lehrkräfte im Schulsystem, wie es weiter hieß. In der DDR, einem Satellitenstaat der Sowjetunion, war Russisch die erste Fremdsprache. Ab Klasse fünf war die Teilnahme für alle Schüler an den allgemeinbildenden Schulen Pflicht. Entsprechend viele Russisch-Lehrer wurden ausgebildet. Nach der Wende ging das Interesse der Schüler am nunmehr freiwilligen Erlernen der Sprache stark zurück.

AfD-Politiker fordert mehr Russisch-Unterricht

Schult, der bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, forderte Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) auf, Russisch als zweite oder dritte Fremdsprache aktiv zu fördern. Sie müsse die Lehrkräfteausbildung sichern und den Unterricht an mehr Schulen anbieten. Russland sei jahrelang ein wichtiger Handelspartner Mecklenburg-Vorpommerns gewesen. Für wirtschaftliche Beziehungen nach dem Ende des Ukraine-Krieges seien russische Sprachkenntnisse wichtig.

Die AfD steht wegen ihrer Russland-Nähe immer wieder in der Kritik, auch in Mecklenburg-Vorpommern. So hatte die Kreistagsfraktion in Ludwigslust-Parchim laut einem Bericht der Berliner Morgenpost für ihre interne und externe Kommunikation über Monate hinweg eine russische E-Mail-Adresse genutzt. News4teachers / mit Material der dpa

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Küstenfuchs
1 Monat zuvor

Wie weit wollen die Putin eigentlich noch hinten rein kriechen?

AvL
1 Monat zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Bis die vorne wieder herauskommen……weiter geht nicht.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Achso. Ich dachte, die wollten den Chef fragen, ob er den Angriff auf die Ukraine beenden kann, schade -__-

Gelbe Tulpe
1 Monat zuvor

Bundeswehr, Nachrichtendienste und Auswärtiges Amt können natürlich Leute mit Russischkenntnissen gut gebrauchen. Französisch, Spanisch und Co. sind aber sehr viel einfacher zu lernen, und werden daher für die meisten Schüler attraktiver sein.

unfassbar
1 Monat zuvor

Die Nachfrage nach Russisch in der Schule wird auch deutlich gesunken sein. Durch ein Mehr an Angebot braucht man die Nachfrage nicht wieder zu erhöhen.

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Das halte ich für ausgeschlossen. An Englisch als (erste) Fremdsprache wird man wohl nicht rütteln, zweite Fremdsprachen sind nur an den Gymnasien Pflicht. Für Russisch als verpflichtende zweite Fremdsprache bräuchte man sehr viel Personal und es würde sehr viel vorhandenes Personal für Französisch, Spanisch und Latein nicht mit Stunden versorgt werden können.

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Das wurde doch bereits in der DDR erfolglos durchexerziert: Russisch als Pflicht-Fremdsprache — der Ertrag: ging in der Breite gegen Null.

Achja…ihr wollt ja immer Belege / resp. Quellen:

Dann empfehle ich von Ilko-Sascha Kowalczuk “Freiheitsschock”… wenn Lesen zu euren Hobbies gehört.

Ein erhellendes Werk zur Wiedervereinigung – mit allem, was dazu gehört(-e).

Ist nun mal ein Beruf(-ungs)kollege.

Susanne M.
1 Monat zuvor

Für Putin oder die AFD kann die Sprache nicht. Russisch ist die Sprache Tolstois und Dostojewskis und repräsentiert eine sehr reiche europäische Kultur. Auch Latein ist nicht sofort wirtschaftlich verwertbar, wenn man diese Frage stellt.

Küstenfuchs
1 Monat zuvor
Antwortet  Susanne M.

Aber warum dann nicht Spanisch, Mandarin oder Italienisch? An meiner Schule wird z.B. Dänisch unterrichtet wegen der Grenznähe, Russland ist weit weg, wirtschaftlich unbedeutend und mir fehlt jeder Grund, gerade Russisch lernen zu wollen.

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Für unsere SuS sind auch quasi ein dutzend Sprachen über Zentralkurse anwählbar … aber als wir vorgestern den jährlichen “Markt der Möglichkeiten” – eine Informations- und “Werbeveranstaltung” für die Fächeranwahl in der Oberstufe- hatten und die Fach-Kollegin für Russisch eine russische Flagge aufhängte, da musste ich schion ein wenig mit mir ringen … aber neben Japanisch und Spanisch war das Entsetzen darüber eher marginalisiert … eine Sprache neben vielen… die kann nichts für Putin, Stalin, Lenin, usw.