Mehr Seiteneinsteiger unterrichten an Thüringer Schulen

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ERFURT. Können Seiteneinsteiger den Lehrermangel mildern? Bisher werden Akademiker ohne Lehramtsabschluss in Thüringen eher zurückhaltend eingestellt. Ihr Anteil ist im vergangenen Jahr trotzdem gestiegen. Gewerkschaften fordern bessere Qualifizierungen.

Der Anteil von Seiteneinsteigern bei neu eingestellten Lehrern ist in Thüringen leicht gestiegen. Von den 866 neuen Lehrern im vergangenen Jahr waren 42 Seiteneinsteiger, wie aus aktuellen Daten des Thüringer Bildungsministeriums hervorgeht. Dies entsprach einem Anteil von 4,9 Prozent. Im Jahr zuvor lag der Anteil noch bei 2,5 Prozent. Erst Ende 2017 hatte der Freistaat den Weg frei gemacht für Akademiker, die Lehrer an allgemeinbildenden Schulen werden wollen, aber keinen klassischen Lehramtsabschluss in der Tasche haben. Allerdings sollte der Seiteneinstieg laut Ministerium eher die Ausnahme bleiben.

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Quereinsteiger in Thüringen bekommen einen vierwöchigen „Crashkurs“, können unter Umständen aber schon vorher Unterricht geben. Foto: Reisefreiheit_eu / Pixabay (CC0 1.0)
Quereinsteiger in Thüringen bekommen einen vierwöchigen „Crashkurs“, können unter Umständen aber schon vorher Unterricht geben. Foto: Reisefreiheit_eu / Pixabay (CC0 1.0)

Inzwischen bekommen Seiteneinsteiger im Freistaat einen vierwöchigen Schnellkurs. Nach Angaben des Bildungsministeriums haben die ersten Kurse bereits begonnen. Da die Seminare aber nur viermal im Jahr angeboten werden, kann es sein, dass Seiteneinsteiger schon vorher vor einer Klasse stehen.

Zwischen Januar und April diesen Jahres fanden im Freistaat zwölf Seiteneinsteiger einen Job. Ihr Anteil an den Neueinstellungen beträgt demnach 3,2 Prozent.

Nach Ansicht der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) Thüringen sei es geboten, nur ausgebildete Lehrkräfte einzustellen und mehr Lehrer auszubilden. Allerdings sei die Zahl der Lehramtsanwärter in den vergangenen Jahren deutlich weniger gestiegen als es notwendig gewesen wäre, teilte ein GEW-Sprecher mit. Wegen des Lehrermangels müsste nach GEW-Einschätzung daher auch der Anteil an Seiteneinsteigern weiter steigen. «Unterricht mit Seiteneinsteigern ist besser als kein Unterricht aufgrund fehlender Lehrkräfte», erklärte der Sprecher.

Laut Bildungsministerium bekommen Seiteneinsteiger Nachqualifizierungen. Diese dauern für ein Unterrichtsfach ein Jahr und für zwei Fächer zwei Jahre.

Nach Angaben der GEW bekommen aber nicht alle Seiteneinsteiger gleich einen Platz in den Nachqualifizierungslehrgängen. Diese bedeute, dass diese Lehrer «vor Schülern stehen und Unterricht geben, ohne überhaupt darauf vorbereitet zu sein», sagte der Sprecher. «Das kritisierten wir scharf.» (dpa)

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1 KOMMENTAR

  1. Da es aufgrund der besseren Einstellungsperspektive und erhöhter Ausbildungsplätze bald wieder mehr Lehrer geben wird, sind die Seiteneinsteiger eine vorübergehende Massenerscheinung. Das legt sich wieder!

    Wir verdanken den Seiteneinsteigern, dass wir selbst nicht noch mehr belastet werden durch Erhöhung des Stundensolls und der Klassenstärken. Sie haben daher unsere Unterstützung verdient.

    Durch eine vorübergende Senkung der Stundentafel für Schüler ließe sich der Lehrermangel ebensfalls mildern. Unterricht sollte auch vorrangig als Unterricht stattfinden und nicht in Form all der vielen schönen Projekte, Ausflüge und sonstigen Veranstaltungen, die viel Zeit fressen und uns unsere Lehrplanziele nicht erreichen lassen. Da gibt es garantiert an jeder Schule noch Einsparpotenzial, ohne dass nicht auch mal ein Wandertag stattfinden kann!

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