Verkehrsminister fordert gestaffelten Unterrichtsbeginn – VBE: Nicht praktikabel

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STUTTGART. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) – selbst Lehrer von Beruf – hat sich dafür ausgesprochen, den Unterrichtsbeginn an Schulen nach hinten zu verschieben und zeitlich zu staffeln. Nach Angaben der «Südwest Presse» verspricht er sich davon eine Entzerrung des morgendlichen Verkehrs auf den Straßen. «Wir müssen es schaffen, unsere Transportkapazitäten effizienter und zeiteffektiver zu nutzen. Das könnte gelingen, wenn wir den Schulbeginn besser verteilen», sagte er der Zeitung. «Die größte Entzerrung wäre, wenn endlich nicht mehr überall der Schulbeginn ungefähr um 7.45 Uhr wäre.»

Erntet Kritik für seinen Vorstoß: Verkehrsminister Winfried Hermann. Foto: Sven Teschke / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE)

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagte der Zeitung: «Eine Entzerrung des morgendlichen Verkehrs, vor allem in den Städten, halte ich für sinnvoll.» Sie wolle Überzeugungsarbeit leisten, dass Eltern ihre Kinder nicht mit dem Auto zur Schule brächten. Zum späteren Unterrichtsbeginn äußerte sich Eisenmann aber zurückhaltend. Das regle die jeweilige Schule vor Ort selbst.

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Vom VBE kommt Widerspruch gegen Hermanns Vorschlag. „Die Schulleiter vor Ort entscheiden über den Unterrichtsbeginn und nicht der Verkehrsminister. Eine Flexibilisierung am Morgen führt zu einer Ausdehnung des Unterrichts am Nachmittag”, erklärte Landeschef Gerhard Brand. Eine solche Einführung der Ganztagsschule durch die Hintertür lehne sein Verband ab. Brand: “Ebenso bedeutet eine zusätzliche Flexibilisierung auch einen zusätzlichen Bedarf an nicht vorhandenen Lehrkräften. Zuletzt stellt sich die Frage, wie der Minister bei einem gestaffelten Unterrichtsbeginn die Zeiten der Verlässlichen Grundschule garantieren will. Wir empfehlen Herrn Hermann dringend, sich um sein eigenes Ressort zu kümmern und das Kultusressort den Profis zu überlassen.“

Mit der Schule getestet

Dirk Lederle, stellvertretender Landesvorsitzender des VBE und Leiter einer Realschule, ergänzt: „Wir haben an unserer Schule das Modell des gestaffelten Unterrichtsbeginns bereits zwei Jahre lang getestet. Wir konnten es sowohl aus personellen als auch aus finanziellen Gründen nicht aufrechterhalten. Zudem hat sich gezeigt, dass gerade für berufstätige Eltern frühe und verlässliche Unterrichtszeiten am Morgen unabdingbar sind. Das Modell hat sich als nicht praktikabel erwiesen.“ News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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3 KOMMENTARE

  1. Richten sich die Schulanfangszeiten vielerorts nicht nach den Ankunftszeiten der Busse? Bei uns ist das so. Und die übrigen Schulen fangen entsprechend gestaffelt an. Somit können alle Kinder aus einem Ort in einen Bus gequetscht werden, der dann nach und nach alle Schulen abfährt und es müssen nicht zwei bezahlt werden.
    Das fällt doch in das Aufgabengebiet des Herrn Ministers daran etwas zu ändern. Mehr Busse wären für den Anfang gar nicht so verkehrt auch ohne gestaffelte Anfangszeiten. Das entwirrt auch direkt das Chaos in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

  2. Bei uns beginnt nicht jede Schule zur gleichen Zeit.

    Ich fände als frühestens Unterrichtsbeginn um neun am besten.

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