Umfrage: Mehrheit der Deutschen für Zentralabitur

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BERLIN. Eine deutliche Mehrheit in Deutschland ist für ein Zentralabitur. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur sprachen sich 80 Prozent der Befragten dafür aus, dass Abiturientinnen und Abiturienten im ganzen Land einheitliche Prüfungen vorgelegt bekommen. Nur jeder Zehnte lehnt das ab. Neun Prozent antworteten mit «Weiß nicht/keine Angabe».

Dieselben Abituraufgaben für alle Schülerinnen und Schüler in Deutschland – laut einer Umfrage befürworten das 80 Prozent der Deutschen. Foto: Shutterstock

Über die Frage eines einheitlichen Abiturs wird momentan wieder verstärkt diskutiert. Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien hatten sich für ein Zentralabi ausgesprochen. Auf der anderen Seite gibt es heftigen Widerstand, vor allem aus Bayern.

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In der YouGov-Umfrage war unabhängig vom Bundesland die Zustimmung für ein Zentralabi bei allen für die Stichprobe ausgewählten Menschen hoch. Selbst in Bayern sprachen sich von den dort 317 befragten Personen 74 Prozent für einheitliche Abi-Aufgaben aus. Eine deutliche Mehrheit von 61 Prozent der Bundesbürger lehnt es zudem ab, dass in Deutschland jedes Bundesland für Bildung selbst zuständig ist. Nur 28 Prozent sind für den sogenannten Bildungsföderalismus. Die Umfrage bestätigt ähnliche Befragungen aus der Vergangenheit (wir berichteten 2018 und 2019).

Unzufrieden mit dem bestehenden Bildungssystem

Dem deutschen Bildungssystem insgesamt stellen die Bundesbürger ein ziemlich schlechtes Zeugnis aus. Nicht einmal jede dritte befragte Person ist der Ansicht, dass es junge Menschen gut auf das Leben und die Arbeitswelt vorbereitet. Und eine klare Mehrheit ist der Meinung, deutsche Abiturientinnen und Abiturienten sind heute weniger fit für das Studium als noch vor 20 Jahren.

Sprach sich zuletzt für ein Zentralabitur aus: die kommissarische SPD-Chefin und Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig. Foto: SPD / Susie Knoll

Im Frühjahr war die Abitur-Debatte wieder neu aufgeflammt, weil sich Schülerinnen und Schüler in Teilen des Landes über zu schwere Mathe-Aufgaben beschwert hatten. Unter Verweis auf eine bessere Vergleichbarkeit hatten sich zuletzt FDP-Chef Christian Lindner, die kommissarische SPD-Chefin Manuela Schwesig und auch Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) für ein Zentralabi ausgesprochen. Eisenmann bekam zudem Rückendeckung von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU).

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Margit Stumpp, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitag, 26. Juli 2019), ein einheitliches Abitur sei eine Frage der Gerechtigkeit. Die Kultusministerkonferenz (KMK) – die gemeinsame Konferenz der Bildungsministerinnen und -minister der Länder – sei gefordert, weitere Schritte dahin zu gehen.

Parteiübergreifender Widerstand gegen einheitliche Abituraufgaben

Scharfer Widerspruch kommt aus Bayern. CSU-Generalsekretär Markus Blumes Kommentar zum Thema Einheitsabitur: «Wir wollen die beste Bildung für unsere Schüler und keinen deutschen Durchschnitt.» Ein Zentralabitur werde es auf keinen Fall mit Bayern und der CSU geben, stellte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) außerdem klar. Auch der KMK-Präsident, der hessische Bildungsminister Alexander Lorz (CDU), hatte sich gegen ein Zentralabi ausgesprochen. Ebenso das SPD-geführte Kultusministerium in Niedersachsen. «Mehr Vergleichbarkeit ja, Bundeszentralabitur nein», so ein Sprecher. Ein Flächenland benötige Gestaltungsspielräume, damit die Schulen unterschiedliche Profile entwickeln könnten. «Schulen über ein Bundeszentralabitur stromlinienförmig auszurichten ist nicht der richtige Weg.»

Bildung ist in Deutschland Ländersache. Würde man das ändern wollen, wäre eine Grundgesetzänderung notwendig mit Zweidrittelmehrheiten in Bundestag und Bundesrat. Die Abiturprüfungen in den einzelnen Ländern bestehen im Moment aus einer Mischung: Die Lernenden bekommen landesspezifische Aufgaben und in den Kernfächern Deutsch und Mathe sowie Englisch und Französisch Aufgaben aus einem gemeinsamen Pool der Länder. dpa

Philologen-Chefin Lin-Klitzing lehnt bundesweites Zentralabitur ab, fordert aber mehr Vergleichbarkeit – „und mehr Niveau“

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1 KOMMENTAR

  1. Ein Zentralabitur wird es nie geben, weil die Prüfungstermine zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden.
    Außerdem macht die Abiturarbeit nur einen Teil der Gesamtnote aus.

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