Studie: Jugendliche aus sozial schwächeren Familien weisen häufiger Schlafschwierigkeiten auf

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HAMBURG. Wer nicht ausreichend schläft, ist auf Dauer den schulischen Anforderungen nicht gewachsen. Doch gerade unter Kindern und Jugendlichen haben Schlafstörungen in den letzten Jahren stark zugenommen. Rund jedes fünfte Kind leide darunter, berichten Wissenschaftler.

Wohl jeder Lehrer wird im Laufe seines Berufslebens mit dem Problem konfrontiert: müde Kinder in der Schule, die kaum in der Lage sind, dem Unterricht zu folgen. In vielen Fällen ist das nicht nur ein einmaliges Phänomen, sondern eher der Normalzustand. Nicht immer ist es die mangelnde Fürsorge der Eltern, die versäumen, ihre Kinder für den Schulalltag fit zu halten. Schlafschwierigkeiten stellen ein zunehmendes Problem für die öffentliche Gesundheit dar, postulieren Wissenschaftler. Im Kindes- und Jugendalter haben Schlafstörungen in den letzten Jahren zugenommen. Ungefähr jedes 5. Kind hat Schlafschwierigkeiten und Jugendliche aus sozial schwächeren Familien sind dabei einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Dies waren Ergebnisse einer Studie des Forschungszentrums für Zivilisationserkrankungen (LIFE Child) der Universität Leipzig.

Rund jeder fünfte Jugendliche leidet unter Schlafstörungen. Foto: Luisella Planeta Leoni / Pixabay (P.L.)

„Wir empfinden das als sehr besorgniserregend“, sagt Christiane Lewien, Medizinstudentin an der Universität Leipzig, die im Rahmen ihrer Doktorarbeit in der Forschungsgruppe um Professor Wieland Kiess und Tanja Poulain an der Studie beteiligt war. Es sei dringend notwendig, hier weitere Studien zur Kausalität anzusetzen, um den Zusammenhang besser zu verstehen und Familien mit niedrigerem sozialem Hintergrund gezielt unterstützen zu können.

Worin liegen die Schlafschwierigkeiten und wie sind sie verteilt? Um dies zu klären, wurden im Rahmen der Studie 1.902 vier- bis 17-jährige Kinder und Jugendliche zu Schlafschwierigkeiten befragt. „Von 855 vier- bis neunjährigen beantworteten die Eltern einen Fragebogen und 1.047 zehn- bis 17-Jährige gaben Selbstauskunft. Es wurden Zusammenhänge zwischen Schlafauffälligkeiten und dem Alter und Geschlecht der Kinder sowie der sozialen Stellung der Familie untersucht“, beschreibt Lewien.

Bei 22,6% der vier- bis neunjährigen und 20% der zehn bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen wurden Schlafauffälligkeiten festgestellt. Wie zu erwarten gewesen sei, wurden unter Kindern besonders Widerstand beim Zubettgehen und Durchschlafschwierigkeiten angegeben, während Jugendliche vorwiegend von Tagesschläfrigkeit berichteten.

Auffälliges Schlafverhalten zeigte sich in der Studie im Kindesalter häufiger bei Jungen. Jugendalter traten Schlafstörungen dagegen häufiger bei Mädchen auf. Zusätzlich hätten die Analysen bei den zehn- bis 17-Jährigen gezeigt, dass Jugendliche aus niedrigeren Sozialschichten mehr Schlafschwierigkeiten angaben, als jene aus höheren Sozialschichten. Warum dieser Zusammenhang erst im Jugendalter zu beobachten ist, müsse noch näher untersucht werden, so die Wissenschaftler. Möglicherweise würden Verhaltensweisen, die die Schlafqualität mindern und in niedrigeren Sozialschichten häufiger zu beobachten seien (etwa körperliche Inaktivität, Mediengebrauch, schulische Überforderung) erst in diesem Alter relevant.

Die Ergebnisse der Studie werden auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), vom 7.-9. November 2019 in Hamburg vorgestellt. (zab, pm)

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