Kita-Schließungen: 500 Wissenschaftler kritisieren Benachteiligung von Frauen

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Mehr als 500 Wissenschaftler haben gegen eine Benachteiligung von Nachwuchsforschern und Menschen mit Kindern im Uni- und Hochschulbetrieb während der Corona-Krise protestiert. Sie kritisierten in einem offenen Brief an die Bundesregierung, dass viele Expertengremien vor allem aus älteren Männern bestünden und die gesamte Diskussion recht einseitig geführt werde. Der Aspekt der Kinderbetreuung werde in der Debatte zu wenig berücksichtigt.

Weil Krippen, Kitas und Schulen über Wochen – und Monate? – geschlossen sind, stehen Eltern vor einem Problem. Foto: Shutterstock

«Die aktuellen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen treffen gerade Eltern mit maximaler Härte», schreiben die Verfasserinnen und Verfasser, die nach eigenen Angaben in unterschiedlichen Bereichen forschen und zwischen 25 und 50 Jahre alt sind. Die Betreuung eines kleinen Kindes sei eine Vollzeitaufgabe. Pro Familie falle ein Erwachsener für die Arbeit weitgehend aus. Besonders Frauen würden in das traditionelle Rollenmodell zurückgedrängt und stellten ihre Karriere hinter häuslichen Aufgaben zurück. Die Folgen für die Karrieren von Frauen seien «verheerend».

 

Auch auf die zu wenig untersuchte Rolle von Kindern innerhalb der Infektionsketten und auf die negativen Folgen der längerfristigen Isolation für Kinder wiesen die Verfasser hin. «Wir fordern daher, der Wiederöffnung von Kitas und Kindergärten in Kleingruppen mehr
Priorität zu geben.» (Können Kinder unter 10 das Corona-Virus überhaupt übertragen? Zum Bericht auf News4teachers geht es hier.)

Insgesamt sei eine «ausgewogenere Expertenberatung und Diskussion» nötig, verlangten die Verfasser des Briefes. So habe die Arbeitsgruppe der Leopoldina aus 24 Wissenschaftlern und nur zwei Wissenschaftlerinnen mit einem Altersdurchschnitt von 63 Jahren bestanden. Die Leopoldina hatte von Kita-Öffnungen abgeraten. Unterzeichnet wurde der offene Brief von knapp 600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zahlreicher deutscher Universitäten, darunter auch viele mit Professorentitel. Der Brief ging an die Bundesregierung, die Landesregierungen und den Bundestag und sollte im Internet veröffentlicht werden. dpa

Hier geht’s zu dem vollständigen offenen Brief.

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2 KOMMENTARE

  1. Da man davon ausgehen kann, dass Medikamente oder Impfstoffe von alten weißen Männern erforscht und entwickelt werden, können diese 500 Wissenschaftler ja erst einmal auf die Einnahme zugunsten von Frauen verzichten, und so lange warten, bis ein solches Medikament auch von einer genderkonformen Gruppe entwickelt wird.

  2. Ich finde es ja immer Klasse, wenn Experten den Bürgern erzählen wollen, wie sie zu leben und zu arbeiten haben. Vorhin auch von irgend so einem Gewerkschafter gehört, dass „wir“ diese Rollenbilder überwinden wollen. Wer ist denn „wir“?

    Wer zuhause bleibt ist häufig eine pragmatische Entscheidunh, nämlich es bleibt derjenige länger zuhause, der weniger verdient. Und das sind nunmal leider häufiger die Frauen. Aber selbst wenn beide Elternteile gleichviel verdienen oder die Frau mehr, so ist die Bindung des Kindes zur Mutter eine völlig andere als die zum Vater. Das wird in der ganzen Gender-Diskussion der Gender-„Experten“ vergessen.

    Wäre dies eine gerechte Welt, dann müssten Mütter eigentlich 100% Elterngeld für mindestens 2 Jahre bekommen, bei voller Anrechnung auf die Rente und ohne Nachteile beim Wiedereinstieg. Da das aber offenbar als wirtschaftlicher Wahnsinn abgetan wird (wobei man sich gerne die Frage stellen darf, ob das wirtschaftlich wirklich weniger Nachhaltig ist als das jetzige Modell), wird es weiterhin diese Diskussionen geben. Ganz am Rand: Ich kenne viele Eltern, die tatsächlich das Modell Frau bleibt komplett für Haushalt zuhause und Mann geht arbeiten Leben. Freiwillige Entscheidung von beiden. Gut ist, wenn es eine Diskussion darum gibt, wie man für jene, die sich diesen Lebensentwurf nicht vorstellen können, Gerechtigkeit schaffen kann. Aber es sollte aufgehört werden zu sagen, dass „wir“ von diesem Rollenbild wegkommen müssen. Müssen wir nämlich nicht, weil wir zum Glück noch frei in der Entscheidung sind, wie wir unsere Leben gestalten wollen.

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