Lorz prüft schnellen Schul-Regelbetrieb – VBE: „Experimentierlabor“

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Aktuell: Hessen öffnet seine Grundschulen vor den Sommerferien – ohne Abstandsregel

WIESBADEN. Hessens Kultusminister Alexander Lorz will einen Regelbetrieb an Schulen in den zwei Wochen vor den Sommerferien «ernsthaft prüfen». «Ich finde diese Idee sehr spannend und denke aktuell darüber nach», sagte der CDU-Politiker der «Frankfurter Rundschau». Der VBE und der Philologenverband sprechen sich entschieden dagegen aus. Ein Expertengremium aus Schulpraktikern hat unterdessen Beratungen darüber aufgenommen, wie der Unterricht an Hessens Schulen nach den Sommerferien organisiert werden kann.

ucht händeringend Grundschullehrer: Hessens Kultusminister Alexander Lorz. Foto: Hesssisches Kultusministeriums
Denkt laut über schnelle Schulöffnungen nach: Hessens Kultusminister Alexander Lorz. Foto: Hesssisches Kultusministeriums

Hintergrund sind Vorschläge von Medizinern, die zwei Wochen vor den Ferien als Testphase zu nutzen, um Erfahrungen zu sammeln und die Ferien als Sicherheitspuffer zu nutzen. Wenn renommierte Mediziner dies für möglich halten, «dann sollten wir das ernsthaft prüfen», so Lorz. «Allerdings möchte ich betonen, dass auch der erhoffte Regelbetrieb nach den Sommerferien nicht der gleiche sein wird wie vor Corona», sagte der Kultusminister der Zeitung. Wahrscheinlich werde zumindest das erste Schulhalbjahr noch von gewissen Einschränkungen geprägt sein, selbst wenn Abstandsregeln aufgegeben und die Gruppengrößen wieder auf den regulären Stand gebracht würden.

Prüfen, wie viel Ganztag es neben dem Unterricht geben kann

«Wir müssen zum Beispiel sehen, welche Ganztagsangebote es zusätzlich zum Unterricht noch geben kann, denn bei einigen Trägern dieser Angebote fällt ja ebenfalls Personal aus, weil es zu einer Risikogruppe zählt», sagte Lorz. Zudem seien im Sport sicherlich Mannschaftssportarten kritisch und im Musikunterricht werde in geschlossenen Räumen sicher weiter auf das Singen verzichtet werden müssen.

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Der Verband Bildung und Erziehung Hessen spricht sich gegen eine vollständige Öffnung der Grundschulen in der Corona-Krise aus. Die Pläne der Landesregierung seien organisatorisch kaum umsetzbar und medizinisch fragwürdig, sagte Stefan Wesselmann, VEB-Landesvorsitzender, am Dienstag. «Es ist angesichts der beschränktem Raumkapazitäten und des Personalmangels nicht vorstellbar, wie die Schulen mehr Präsenzunterricht für alle Kinder bewerkstelligen können!»

Jeder dritte Lehrer fühlt sich nicht ausreichend vor Corona geschützt

«Bei allem Verständnis für die Nöte vieler Familien – dieser erneute Kurswechsel wäre eine Zumutung für die Lehrkräfte und Schulleitungen», kritisiert Wesselmann. Es sei gerade mal eine Woche her, seit die Grundschulen wieder alle Kinder stundenweise in der Schule hätten. Dem sei ein enormer organisatorischer und logistischer Aufwand vorausgegangen. Die Schulen sollten offenbar «ein Experimentierlabor für die Ansteckungsrisiken des Coronavirus unter Kindern» werden. Dabei fühle sich bereits jetzt jede dritte Lehrkraft nicht ausreichend vor Ansteckung geschützt (er bezieht sich dabei auf eine aktuelle bundesweite Umfrage des VBE unter Lehrerinnen und Lehrern – hier geht es zu einem ausführlichen Bericht darüber).

Auch vom Philologenverband kommt entschiedener Widerspruch. „Dass sich Kultusminister Lorz an der Wissenschaft orientiert, ist zwar löblich, allerdings vergisst er dabei augenscheinlich, dass wissenschaftliches Arbeiten auch Risiken birgt“, sagt Landesvorsitzender Reinhard Schwab. „Wenn der Infektionsforscher Erfahrungen mit dem Regelbetrieb der Schulen sammeln will, geschieht dies einzig zu Lasten der ‚Versuchskaninchen‘ namens Lehrkräfte und Schüler.“ Diese würden einer unnötigen Gesundheitsgefahr ausgesetzt – ein unkalkulierbares Risiko. Schwab fordert deshalb: „Keine übereilten Schritte bei weiteren Schulöffnungen!“ Der jetzige Krisenmodus sollte beibehalten werden. Nach den Ferien könne dann der Schulbetrieb mit „voller Kraft voraus“ starten, wenn die Infektionszahlen es zuließen.

Vertreter aller Schulformen beraten über Schulöffnungen

Ein Expertengremium berät seit Dienstag darüber, wie der Unterricht an Hessens Schulen nach den Sommerferien angesichts der Corona-Pandemie organisiert werden kann. An der «Konzeptgruppe Schuljahresbeginn 2020/2021» seien unter anderem 15 Schulleiterinnen und Schulleiter sowie Vertreter der Lehrer, Schüler und Eltern beteiligt. Es sind laut Ministerium alle Schulformen aus allen Regionen vertreten. «Von unseren Praktikern aus den Schulen zu erfahren, wo der Schuh drückt, ist schon in normalen Zeiten wichtig. In der jetzigen Situation sind ihre Erfahrungen Gold wert», erklärte Kultusstaatssekretär Manuel Lösel . Er zeigte sich zuversichtlich, dass vor Beginn der Sommerferien ein Konzept vorliegt. News4teachers / mit Material der dpa

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27 KOMMENTARE

  1. Er prüft nicht, er wägt politisch ab. Um das prüfen zu können, müsste er Leitungserfahrung haben. Hat er aber nicht. Merkt man auch.

  2. ALLE, die dann in eine Schule müssen werden zu nichts anderem als
    L A B O R R AT T E N.
    Und sollte es nach 2- 3 wochen Infektionen geben, dann ist natürlich nicht der Schulbesuch schuld, sondern jeder selbst: „wahrscheinlich hat die Person, das Kind, der Lehrkörper sich in den Ferien im Urlaub angesteckt…“
    Die Pläne des KM sind link und berechnend … bloß keine echte und ehrliche Verantwortung übernehmen.

    • Es wird für einzelne schwierig sein, nachzuweisen, dass sie sich in der Schule angesteckt haben. Das wäre aber mit Blick auf mögliche Langzeitfolgen gerade wichtig.

  3. Die vorsätzliche Beibringung von Krankheitserregern in sogenannten Masernparties gilt juristisch als gefährliche Körperverletzung in schweren Verlaufsfällen sogar als fahrlässige Tötung. Ist eine bewusste Inkaufnahme der Ansteckung von Schüler*innen und Schulpersonal und darüber hinaus der Eintrag in Familien nicht analog zu bewerten?
    Schule öffnen? Ja, aber klug, mit bedacht und mit Fokus auf die Gruppen, die es wirklich zu unterstützen gilt. Das könnten dann zunächst auch erstmals die stark betreuungspflichtigen Kinder sein und diejenigen die aus sozialen oder anderen gewichtigen Gründen (Kindswohl, häusliche Situation) zu Hause nicht Lernen können. Hier dann die technischen und räumlichen
    Bedingungen zu schaffen, sollte oberste Priorität genießen. Außerdem plädieren Mediziner auch dafür solche Maßnahmen diagnostisch zu begleiten, um frühzeitigintervenierenzu können. Ein Testangebot wurde bei uns aber noch nicht unterbreitet.
    Die Organisation von eigenständigen Lernprozessen gering qualifizierten Hilfspersonal zu überlassen lässt ein erneutes Mal didaktische und pädagogische Expertise im Ministerium missen.
    Allgemein bleibt festzuhalten: Wir müssen jetzt mit der Pandemie leben und dem sollte trotz des allgemeinen Wunsches nach Normalität auch umsichtig Rechnung getragen werden. Hier bleibt die Leistung von Herrn Professor Lorz mangelhaft.

  4. Leidtragende sind unsere Kinder und Risikopatienten , auch ich und ich bin nicht über 60 habe 4 Kinder wovon noch 2 Schüler sind.. Vergessen sie bitte nicht diese Leute… Abstand halten und Maske ist das minimum wie Sie uns noch schützen können… Es ist für mich hochgefährlich das Sie auf Abstandstregeln und Maskenpflicht in der Schule verzichten.. Ich bin aus diesem Grund gezwungen meine Kinder mit meinem chronischem Athma bronchiale und meinr Multiplen Sklerose, unter der ich sowieso an Ermüdungserscheinungen (Fatiquesyndrom) leide, zu Hause meine Kinder beschulen muss damit meine Kinder mich nicht an den Virus verlieren… Wieviele MS Patienten gibt es NOCH in Deutschland..? Wieviele von diesen Erkrankten haben Kinder? Und das sind nur MS, – Risikopatienten!!!! Was ist mit all den anderen Risikopatienten? Sie sind auch unserer Gesundheitfürsorge verpflichtet und das genauso auch die Bürger welche von sich behaupten sie wären „gesund“ nur weil sie keine Symptome zeigen… Ganz ehrlich es spricht nichts gegen Öffnungen aber die Pandemie ist nicht vorbei.? „Wie viele Tests werden grade eigentlich gemacht das es nur so wenige positive Ergebnisse gibt? Werden immer wieder die selben getestet in der Pflege etc? Dann verwundern mich die niedrigen Infektionszahlen nicht! Und wenn jetzt die Schulen komplett öffnen – dürfen sich die Schüler dann freiwillig regelmäßig testen lassen um Vorerkrankte zu Hause zu schützen? Bitte bedenken Sie Ihre Entscheidungen mit Bedacht und vergessen Sie dabei nicht die Menschen welche sich nicht alleine schützen können die auf die Rücksichtsnahme der „Gesunden“ angewiesen sind…..

  5. Ich kann dieses Gejammer wirklich nicht mehr hören!
    Meine Frau und ich zählen zur Gruppe der ’systemkritischen Berufe‘ und ich habe seit Anfang der Corona-Krise mit geschätzt sicherlich über 60 COVID-19-Patienten engen Kontakt (Untersuchungen, Behandlungen, Wiederbelebungen, sogar Lungenspiegelungen), meist auf Intensivstation, gehabt. Anfangs war es mit der Schutzkleidung sogar noch schwierig!
    Meine Mutter ist Kinderärztin und hatte extrem viele Kontakte mit hustenden und fiebernden Kindern in den letzten Monaten. Viele davon wurden anfangs erst im Nachhinein von Uni-Kliniken (nach Aufforderung durch meine Mutter!) positiv auf Corona getestet. Ich rede hier also von sicher mit Symptomen behafteten Kindern und häufig im Kleinstkindesalter, wo Abstandsregel nie eingehalten werden können. Meine Mutter würde allein vom Alter her in eine Risikogruppe zählen, dachte aber nie da dran, ihre Praxis nur deswegen zu schließen. Alle ihre Praxiskollegen gelten zur Risikogruppe! Zu Anfang hatten sie nur improvisierte Schutzkleidung!
    Die Kassenärztliche Vereinigung (Dachverband der niedergelassenen Ärzte) hat allen Ernstes zu Anfang der Krise empfohlen, auf bereits berentete Ärzte für Untersuchungen in den Corona-Test-Centern zurückzugreifen! Hier haben sich auch viele Kollegen gefunden (100% Risikogruppe). Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe die gesamte Bandbreite der Infektionen gesehen weiß, dass das Virus einen sehr gefährlichen Verlauf nehmen kann! Man kann aber mit dem Virus umgehen.
    Zu Beginn der Schulschließungen wurde unserem Sohn in der Grundschule keinerlei Material mitgegeben! Die Begründung sei, es könne so zur Verzerrung der Lernfortschritte kommen. Erst nach mehrfachen Aufforderungen war die Schule bereit, allen Kindern Materialien mitzugeben. Diese wurden dann nicht mal ausreichend korrigiert im Verlauf!
    Während ich durch ganz Deutschland toure um auf Intensivstationen notfallmässig einzuspringen ist meine Frau im Mehrschichtsystem in der Praxis. Unsere Kinder sind häufig die Einzigen in der Notfallbetreuung (auch Kita) gewesen. Wenn wir dann von der Arbeit heim kommen und hören, dass unser Sohn in der Notfallbetreuung deutlich weniger gemacht hat, als wir nebenbei (!) im Homeschooling, platzt einem wirklich der Kragen!
    Verbeamtete Lehrer bekommen weiterhin das volle Gehalt während kleine Betriebe, Hotels und Gaststätten nach und nach den Betrieb einstellen müssen aufgrund von Insolvenz. Ich habe in der Krise pro Monat deutlich mehr verdient als je zuvor in meinem Leben und daher nun meine Arbeit wieder reduziert. Den Kindern fehlt im Moment einfach immer noch die soziale Komponente der Schule. So etwas muss man dann auch auffangen.
    Im Gesundheitssystem mussten im laufenden Betrieb schnell Lösungen für die Probleme gefunden werden und es hat funktioniert! Die Gastronomie zeigt sich auch sehr innovativ bei der Wiedereröffnung der Lokale. Hier gab es keine nennenswerten Ausbrüche! Die letzten „super spreading events“ waren eigentlich alles vollkommen vermeidbare Zusammenkünfte, vornehmlich von erwachsenen Menschen! Diese sollten eigentlich genug Verstand mitbringen, dass ich nicht die Abstände deutlich unterschreite und dabei auch noch laut ohne Mundschutz singe!
    Ich sehe es ja auch so, dass die Schule und Bildung sträflich von der Politik vernachlässigt wurden. Nur kann es doch nicht sein, dass unsere Kinder jetzt alle Nachteile von einer solch verschlafenen Politik in dieser Krise haben! Hier will keiner zum Versuchskaninchen gemacht werden, das kann ich verstehen, nur muss man eben auch manchmal kleine Schritte mit Risiko gehen. Kinder fallen häufiger mal hin beim Laufen lernen.
    Genau in diesem Punkt ist der Vorschlag sehr vernünftig! Man muss es eben nur gut begleiten und die beteiligten Lehrkräfte regelmäßig auf Corona abstreichen. Wenn es zu Ausbrüchen kommt, muss man nach den Ferien eben reduziert wieder anfahren und nicht wie geplant fast voll. Alle mir bekannten Lehrer könnten wahrscheinlich auch irgendwo aus einer Schublade einen Grund für eine Risikogruppenzordnung heraus zaubern und sich aus der Verantwortung rausnehmen. Sie arbeiten aber trotzdem.
    Ich kann es langsam wirklich nicht mehr hören, dass es anscheinend Menschen gibt, die jegliche Eigenverantwortung an eine obere Instanz abgeben, dass sie das für sie regelt! Ich musste bisher in jedem meiner Jobs irgendwo improvisieren, um eine Lösung für ein akutes Problem zu finden. Hätte ich mich da immer darauf verlassen, dass irgendjemand das für mich regelt, wären einige Menschen gestorben.
    Es muss doch einen Pädagogen auch darum gehen, dass die Schüler Lernen und Lehren lernen.
    Unser Sohn wird nach den Sommerferien eine Klasse überspringen und dort sogar noch keine Probleme mit den Inhalten haben. Er soll aber auch seine Freunde behalten und in der Schule treffen. Die schwachen Schüler in seiner Klasse haben zurzeit leider kaum eine adäquate Ansprache und Förderung. Dann klafft die Lücke nur weiter.
    Glauben Sie mir, wir sind in Deutschland von dem Coronavirus eigentlich sehr verschont geblieben und das nicht wegen der Schulschließung! Das hat auch damit zu tun, dass wir zum richtigen Zeitpunkt eine verhältnismäßig kleine Anzahl an Patienten und die richtige Menge an Tests verfügbar hatten. Dazu noch ein extrem gut aufgestellt ist Gesundheitssystem und eine Viruserkrankung, die andere Länder erheblich heftiger getroffen hat, geht sehr glimpflich an uns vorüber. Hier werden auch zwei Wochen Schule nicht einen erneuten Massenausbruch mit sich bringen und die zweite Welle schon Mitte Juli auf uns zu rollen lassen! Schauen Sie sich doch mal an, wie die Kinder im privaten Umfeld mit anderen Kindern auf Spielplätzen zusammen spielen. Wenn es da nicht zu Übertragungen kommt, dann weiß ich ehrlich gesagt auch nicht mehr!

        • Ja, deshalb besteht ja auch die forderung gegenüber allen lehrkräften, dass sie unterrichte sollen bis der Arzt kommt.

          Die Ärzte nehmen ihren Job halt ernst und bereiten sich durch Lesen eines Lehrerforums und der allgemeinen Ärztezeitung schon einmal vor.

          • „Unterrichten bis der Arzt kommt!“ Das wird mein neues Motto sein, während ich dabei eine Möhre esse…

    • „Ich sehe es ja auch so, dass die Schule und Bildung sträflich von der Politik vernachlässigt wurden. Nur kann es doch nicht sein, dass unsere Kinder jetzt alle Nachteile von einer solch verschlafenen Politik in dieser Krise haben!“

      Doch.
      Sie haben den Nachteil.
      Das bringt es genau auf den Punkt.
      Dabei sind die Zustände ja nicht seit der Krise oder wegen der Krise so, sondern seit Jahren, vielfach angemahnt, eingefordert, Änderungen manchmal angekündigt für einen vagen Zeitraum, verschoben, doch nicht umgesetzt, eingespart.

      Warum ist das jetzt plötzlich alles wichtig, wo es doch Jahrzehnte niemanden interessiert hat, ob die Schulen die notwendigen Lehrkräfte und Mittel erhalten, ob SuS zusätzliche Unterstützung als Förderung, Herausforderung oder zum Erlernen der Zweitsprache bekommen, ob es Sozialpädagogen und Schulpsychologen gibt, ob die Inklusion nicht nur auf dem Papier existiert, sondern auch mit personeller und materieller Unterstützung gefördert wird, ob Medienbildung über mehr als Bücher vermittelt werden kann, weil Netzwerk und Geräte vorhanden und gewartet werden?

      Ihre Kinder haben die ganze Zeit die Nachteile, die durch eine solche Politik entstehen!
      Lehrkräfte, die täglich mit den Missständen konfrontiert sind und dennoch ihre Aufgaben mit vielen unbezahlten Überstunden bewältigen, weisen seit Langem darauf hin!

      Das wollte aber niemand wahrhaben. Das wird abgetan mit dem Spruch, Lehrkräfte würden nur jammern und hätten stets den eigenen Vorteil im Sinn, ob sie für allgemein übliches Arbeitsrecht eintreten, damit sie ihren Aufgaben angemessen nachkommen können, oder bessere Bedingungen für alle Kinder in den Schulen fordern.

      Auch jetzt lädt man den Frust bei Lehrkräften ab, statt die Kritik an die zu adressieren, die die Zustände verantworten müssen.

      • Danke, Palim! Meinerseits noch die Ergänzung, dass das von Aesculap erwähnte Irgendwo-mal-Improvisierenmüssen an viel zu vielen Schulen keine Ausnahme, sondern der Normalzustand ist. Leider.

        • „Irgendwo-mal-Improvisierenmüssen an viel zu vielen Schulen keine Ausnahme, sondern der Normalzustand ist.“ Trifft auf die Grundschulen zu.

    • Ärzte sollen untersuchen und bitte das Rechnen sein lassen. Wenn eine Kinderärztin mit jemanden in Kontakt kommt, dann sind das heute naja, sagen wir mal 10 Minuten. Wenn Kinder draußen auf dem Spielplatz spielen eine halbe Stunde, evtl. auch mehr aber es ist draußen an der frischen Luft.
      Ein Lehrer muss aber ohne ausreichenden Schutz einen kompletten Vormittag (5-6 Stunden), 5x die Woche im engen Raum mit den fiesen Aerosolen unterrichten. Lassen Sie mich rechnen das sind im besten Fall 25 Stunden – 30 Stunden ohne Schutz.
      Kurze Anmerkung, Sie meinen ja auch verbeamtete Lehrer zu kritisieren. Lehrer leisten verdammt viel Arbeit in dieser Krise. Und vielleicht wurden Sie von einem verbeamteten Lehrer in der 4. Klasse in Mathematik unterrichtet, der es anscheinend mit Ihnen nicht gut meinte! Bevor sie solche Vergleiche ziehen, bitte ich Sie, erstmal darüber nachzudenken, was Sie schreiben.

      • So, 2 Wochen vorbei. Nix passiert! Deppen treffen sich in Malle und auf dem Opernplatz aber Grundschulen sind keine super-spreader geworden. Ich sage mal, Danke an alle beteiligten Versuchskaninchen!
        PS: 4.-Klasse-Mathe hilft wirklich bei statistischen Problemen nicht weiter. Da darf man dann natürlich auch nicht so viel erwarten.
        Bei 120-130 Kindern pro Tag (meist jeden Tag ANDERE Kinder!) an 5 Tagen die Woche, ist für mich schon beim Abzählen mit der Hand klar, dass das Infektionsrisiko exponentiell höher ist. Es kommt auf die Anzahl viel mehr an, als auf die Zeit. Das Kollektiv ist fast immer krank (was auch immer) und geht eben gerade nicht „normal zur Schule“. Also war es vielleicht nicht so schlecht, dass ich NACH der 4. noch ein wenig in Mathe aufgepasst habe.

  6. Herr Lorz findet die Idee spannend. Schon diese Wortwahl zeigt doch seine Einstellung. Er findet es spannend zu sehen, was dann wohl bei diesem Experiment rauskommt. Ob Eltern das noch toll finden, wenn sie den unglaublich wichtigen gebuchten Sommerurlaub aus Qurantänegründen nicht antreten können, bleibt abzuwarten.

  7. Kinder und Lehrer sind Versuchskaninchen!
    Fußball wird unter strengsten Regeln fortgesetzt. Es wird getestet, getestet und getestet.
    Es werden sichere Konzepte ausgearbeitet für diverse Bereiche, es werden Milliarden rausgehauen für DaxBetriebe, aber nicht für den Mittelstand/ kleinere Betriebe. Und wo bleibt das Geld für Schulen? Ich unterrichte nun schon seit über 20 Jahren und kann nur eins sagen, die Schüler sind halt nur so gut wie das Schulsystem, nicht mehr und nicht weniger! Ziemlich erbärmlich für ein Land, dass als einzigen Rohstoff die Bildung hat… Die Krise zeigt eklatant die Schwächen dieser verpfuschten Schulpolitik.
    Was ich aber jetzt mal ganz deutlich sagen möchte, ist, Kinder und Lehrer einem unverhältnismäßigem Risiko auszusetzen unter dem Deckmantel der Bildungsgerechtigkeit, ist schlichtweg widerlich. Anstatt sich die eigenen Versäumnisse einzugestehen. Im März diesen Jahres nahm sich einer meiner Schüler das Leben. Eine sehr traurige Geschichte. In einem kurzen Gespräch kehrte er für 2 Minuten sein Innerstes nach außen: Er war Schuld am Tod seines Vaters! Ein 19 jähriger junger Mann, der unter Depressionen litt und Alkoholprobleme hatte. Der zu stolz war, um sich helfen zu lassen und stattdessen den Freitod wählte. Ein junger, hilfloser Mann, der sehr gelitten haben muss! Diese Geschichte hat mich sehr berührt! Was ist, wenn Kinder jetzt unbewusst das Virus in die Familie tragen mit solch einem Ausmaß (in der Tat es wird nicht oft vorkommen) Aber was tun die Politiker diesen Kindern an. Die werden nie ihres Lebens froh! Natürlich kann man sagen: ja, bleibt das Kind halt zu Hause! Bitte Leute fangt an zu klagen für einen Schutz für Schüler, Eltern, Lehrer und Betriebe! Dieses Handeln ist unverantwortlich!

    Fakte ist: JEDES KIND hat ein Recht auf Bildung in der Schule und JEDES KIND MUSS geschützt werden, da machen es sich die Politiker zu einfach, beziehen sich auf dubiose Empfehlungen (Nein, keine Studien oder Gutachten), nur um mit sich im Reinen zu sein. Verlogen und falsch!
    Der absolute Hammer ist aber auch, dass jetzt Lehrer der Ü-60 wieder unterrichten müssen! Hallo, ohne Schutz, sag mal geht es noch?
    Hier zeigt sich eindeutig, jemand der von Pädagogik keine Ahnung hat, sollte nicht Kultusminister werden.

    • „Kinder und Lehrer sind Versuchskaninchen!“
      Nein, das stimmt nicht, und so ein Unsinn sollte auch nicht behauptet werden.
      Dann ist es doch kein Wunder, wenn Menschen aus anderen Berufszweigen an die Decke gehen und den Drang verspüren, den Lehrern ihre Märtyrerrolle als Versuchskaninchen um die Ohren zu hauen.

      • @ g.h. Sie haben überhaupt keine Ahnung! Ich glaube Sie lenken gerade von Ihrem Versäumnis ab, sich über lange Zeit der Coronaschließung mit Ihren Kindern zu beschäftigen. Na, wie war das Homeschooling? Wenn Sie schon Lehrer dikreditieren, dann machen Sie es besser, zeigen Sie Ihrem Kind/er, wie gut Sie den Lernstoff beibringen. Und wenn das klappt, dann brauchen wir ja keine lästigen verbeamteten Lehrer nicht mehr!

        Schon einmal etwas vom Arbeitsschutzgesetz gehört? Nein, anscheinend nicht.
        Dies besagt, dass ein Arbeitnehmer ausreichend vor Gefährdung geschützt werden muss. Wo soll das bitte schön geschehen, wenn kein Abstand mehr eingehalten wird. Und im übrigen spricht Herr Lorz ja selber von einem „Experiment“. Nett verpackt für „wir haben kein Konzept, keine Räume, keine Lehrer!“
        Ich bin dafür, dass alle Masken verbrannt werden, Ärzte ohne schützendes Material am erkrankten Patienten ohne Abstand arbeiten. Das käme dem jetzigen Versuch ziemlich nahe!

  8. Abgesehen davon, dass lange nicht alle Lehrer Beamte sind – Ist ja schön, dass Pflegepersonal und Ärzte mittlerweile offenbar Schutzkleidung bekommen. Desinfektionsmittel gab und gibt es für Ärzte und Pflegepersonal wohl auch durchgängig…

    Der Förderschullehrer darf gerne auch ohne Schutzkleidung und Desinfektionsmittel (haben einige Kreise in Schulen untersagt – die Kinder könnten das Desinfektionsmittel ja trinken) mit sämtlichen Körperflüssigkeiten (von Urin und Kot über Speichel und Nasensekrete, und, und, und in Kontakt kommen. Ist doch kein Problem. Die sollen gefälligst aufhören zu jammern.

    Vielleicht haben wir ja auch Glück und es könnte sein, dass die Schimmelsporen und der Asbest aus den Deckenplatten der, seit den 60ern nicht sanierten, Schulgebäude die Corona-Viren gleich unschädlich machen. Gibt‘s da Studien zu?

    Achtung Sarkasmus!

    (Nach Angaben der Kreise, die Lehrern und SuS die Nutzung von Desinfektionsmittel untersagen, werden die Räume und Gegenstände täglich durch Reinigungskräfte entsprechend gereinigt. Interessanterweise liegen sämtliche Radiergummifitzel, Krümel oder Schnipsel, die beim Aufräumen am Ende des Schultages doch noch auf Arbeistflächen und Boden liegengeblieben sind, auch noch drei Tage später dort.)

  9. Was auch interessant ist: Bei der Öffnung von Saunen, in der Gastronomie und beim Einkauf gelten die Abstandsregeln und teilweise die Maskenpflicht. In Schulen keines von Beidem. Im selben Zug wie die Abstandsregelung in der Schule aufgehoben wurde (Makenpflicht gab es ja ohnehin nur beim Betreten und Verlassen der Schule), wurde sogar die Maskenpflicht auf Bahnhöfe und Flughäfen ausgeweitet…

    ja was denn jetzt? Entweder geht man davon aus, dass Masken und Abstand wichtig für den Infektionsschutz sind, dann aber eben überall – auch in der Schule, oder man geht nicht davon aus. Dann brauchen wir sie aber auch in allen anderen Bereichen nicht.

    Das wird nur so gemacht, weil unsere Räume in Schulen zu klein und zu schlecht ausgestattet sind, um die Regeln einhalten zu können. Also schafft man die Regeln für die Schule ab, damit diese Misswirtschaft nicht so offensichtlich wird.

  10. Als ich zuletzt bei meiner Hausärztin in ihrer Praxis einen Termin hatte, saß ich einem Bildschirm gegenüber und sprach über diesen mit ihr, was ich sehr irritierend empfand. Beim zweiten Termin erklärte sie mir mit Mundschutz und weitem Abstand, dass auch sie sich schützen müsse und wolle. Das verstehe ich sehr. Seit Ende Januar durfte ich meine kleine Enkeltochter, 19 Monate alt, nicht sehen, weil der Papa in einer Klinik arbeitet und dort für Coronapatienten bzw. Verdachtsfälle verantwortlich ist. Sie wollen mich nicht der Gefahr aussetzen, mich anzustecken. Auch das verstehe ich sehr. Mein Vater ist Hochrisiko gefährdet auf Grund einer Krebserkrankung…..meine erwachsene Tochter hat eine einschlägige Erkrankung hinter sich. Niemand kann wissen wie sich eine Ansteckung bei ihr verhalten wird. Niemand kann das bei mir wissen. Ich bin Grundschullehrerin und liebe meinen Beruf. Ja, ich habe Angst und verstehe all diese Widersprüche nicht. Ich könnte noch so vieles hier kommentieren und hoffe doch sehr auf verantwortungsvolle Entscheidungen sowie verständige Eltern, denen das Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt. Es gibt nichts Schlimmeres als die Angst um das Leben eines geliebten Menschens, insbesondere eines Kindes. Wer das erleben musste wie ich, weiß das.

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