Beleidigungen und Schläge: Mehr Schulleitungen berichten von Gewalt gegen Lehrer

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BERLIN. Angriffe gegen Lehrer sind keine Einzelfälle, sagt der Verband Bildung und Erziehung. In einer aktuellen Umfrage bestätigen viele Schulleiter, dass es in der Vergangenheit Attacken auf Lehrkräfte gab. Genaue Zahlen zu den Vorfällen gibt es zwar nicht – ein negativer Trend scheint jedoch erkennbar zu sein. Womöglich hat sich der sogar nach der Corona-Pause nochmal verstärkt.

Lehrkräfte werden zunehmend zur Zielscheibe von Angriffen. Foto: Shutterstock

Beleidigungen, Drohungen oder sogar Schläge gegen Lehrer nehmen einer Umfrage unter Schulleitern zufolge zu. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) stellte am Donnerstag die Ergebnisse einer repräsentativen Forsa-Befragung im Januar und Februar dieses Jahres vor. Jede dritte Schulleitung (34 Prozent) in Deutschland gab demnach an, dass es in den vergangenen fünf Jahren an ihrer Einrichtung zu Fällen kam, in denen Lehrer körperlich angegriffen wurden. Bei der gleichen Befragung 2018 sagten noch 26 Prozent der Schulleiter, es habe solche Fälle in den vergangenen fünf Jahren gegeben.

Deutlich mehr Schulen berichteten im Vergleich zu 2018 auch von Beschimpfungen, Drohungen, Beleidigungen, Belästigungen oder Mobbing gegen Lehrkräfte. 61 Prozent gaben an, es habe in den vergangenen Jahren entsprechende Fälle gegeben. 2018 sagten das 48 Prozent. Die Zahl der Befragten, die von Angriffen und Belästigungen über das Internet berichteten, nahm ebenfalls zu (2020: 32 Prozent, 2018: 20 Prozent).

Körperliche Angriffe auf Lehrer werden am häufigsten von Grundschulen gemeldet

Allerdings lässt sich keine sichere Aussage treffen, ob es tatsächlich eine Zunahme von Angriffen auf Lehrer gab und wie diese im Einzelnen aussahen, da keine Zahlen und näheren Angaben zu den eigentlichen Vorfällen vorliegen. Dies zu erheben sei Aufgabe der Politik, sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann am Donnerstag. Man wolle mit den Schulleiterbefragungen den notwendigen Druck dafür erzeugen. Er forderte, dass an den Schulen entsprechende Vorfälle statistisch erfasst und an die Kultusministerien gemeldet werden sollten.

Kritik an der Methodik der Studie äußerte der Deutsche Lehrerverband, weil dabei die Ergebnisse zweier Umfragen verglichen werden, die im Abstand von zwei Jahren gemacht wurden – bei denen aber jeweils nach Vorfällen in den vergangenen fünf Jahren gefragt wurde. Dennoch stellte sich der Lehrerverband am Donnerstag hinter die Aussagen: «Grundsätzlich kann aufgrund der von unseren Mitgliedern eingegangenen Rückmeldungen das Ergebnis der VBE-Umfrage bestätigt werden, dass die meist verbale, nicht selten auch körperliche Aggressivität gege Lehrkräfte von Seiten von Schülern und Eltern zugenommen hat», teilte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger mit.

Bei der Mehrheit der Meldungen ging es nach VBE-Angaben um Angriffe von Schülern. Beckmann sprach im Bereich körperliche Gewalt von «Schlagen, Schütteln, Stoßen, Boxen, Treten, mit Gegenständen werfen, an den Haaren ziehen». Zwar wird seinen Angaben zufolge über das Thema jetzt mehr gesprochen, was auch zu einem anderen Meldeverhalten durch die Schulen führe. «Wir warnen aber davor, den deutlichen Anstieg darauf zurückzuführen.»

Ein überraschendes Ergebnis zeigt sich beim Blick auf die einzelnen Schultypen: Körperliche Angriffe auf Lehrer werden am häufigsten von Grundschulen gemeldet. Dort berichteten 40 Prozent der Schulleitungen von entsprechenden Vorfällen in den vergangenen fünf Jahren (2018: 32 Prozent). «Jüngere Kinder können ihre Emotionen noch nicht so gut kontrollieren und wissen sich manchmal nicht anders zu helfen», sagte Beckmann.

An Gymnasien geht es vergleichsweise am friedlichsten zu

Beleidigungen oder Drohungen sowohl im Schulalltag als auch übers Internet werden dagegen am häufigsten von Haupt-, Real- und Gesamtschulleitern gemeldet. 73 Prozent (Schulalltag) beziehungsweise 52 Prozent (Internet) der Schulen dieses Typs gaben an, dass es solche Fälle in den vergangenen Jahren gegeben habe. An Gymnasien geht es vergleichsweise am friedlichsten zu, aber auch hier meldeten mehr Schulleitungen als noch 2018 Vorfälle von psychischer und physischer Gewalt gegen Lehrkräfte.

Lehrerverbandspräsident Meidinger sagte, Hass und Aggressivität gegen Lehrkräfte mit persönlichen Angriffen und Beleidigungen, vielfach in sozialen Netzwerken, seien «eindeutig» zu einem großen Problem geworden. Das reiche von Youtube-Videos mit illegal aufgenommenen Unterrichtsmitschnitten und den entsprechenden Kommentaren bis hin zu Lehrerhetze in WhatsApp-Gruppen ganzer Klassen. Viele Eltern verstünden sich zudem als Anwälte ihrer Kinder und deckten deren Verhalten.

Der VBE forderte vor dem Hintergrund der Umfrageergebnisse kleinere Lerngruppen an den Schulen, die auch durch Fachkräfe aus Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Psychologie unterstützt werden. «Die beste Prävention ist ein Umfeld, in dem Konflikte vermieden werden, und wenn sie dann doch auftreten, möglichst professionell begleitet und verarbeitet werden können», sagte Beckmann. Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Thomas Sattelberger, sprach sich für eine «professionelle Ausbildung von Lehrern beim Thema zwischenmenschliche Krisenbewältigung und Deeskalation» aus. Die Aus- und -Fortbildung müsse entsprechend ergänzt werden. Von Jörg Ratzsch, dpa

Nach der Corona-Pause

Womöglich hat sich der Trend hin zu mehr Gewalt gegen Lehrkräfte nach der monatelangen Corona-Pause des Schulbetriebs nochmal verstärkt. Nach Darstellung des Thüringer Lehrerverbands jedenfalls machen Lehrerinnen und Lehrer seit der Wiedereröffnung der Schulen nach der Corona-Pause zunehmend diese Erfahrung.

In einer nicht repräsentativen Umfrage hätten 35 Prozent der Befragten angegeben, seelische Gewalt erfahren zu haben, teilte der Verband am Donnerstag mit. 14 Prozent der Lehrer, Erzieher und sonderpädagogischen Fachkräfte hätten sogar von körperlicher Gewalt berichtet. Besonders häufig werden der Umfrage zufolge Frauen Opfer schulischer Gewalt. Hätten 17 Prozent der Frauen von körperlicher und 40 Prozent von seelischer Gewalt berichtet, so seien es bei den Männern 2 beziehungsweise 17 Prozent. Dabei seien die unter-50-Jährigen mit 16 beziehungsweise 44 Prozent deutlich öfter betroffen als ihre älteren Kollegen (11 beziehungsweise 26 Prozent).

Auch bei den Schularten wurden laut der Verbandsumfrage erhebliche Unterschiede deutlich: So erlebten an den Grundschulen 21 Prozent und an den Regelschulen 17 Prozent der Lehrer körperliche Gewalt. Gymnasien hätten dagegen keinen solchen Fall registriert. Seelische Gewalt hätten 36 Prozent der teilnehmenden Grundschulen, 43 Prozent der Regelschulen und 9 Prozent der Gymnasien gemeldet. dpa


Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Untersuchung zur Gewalt an Schulen: Rund 15 Prozent der Opfer waren Lehrer

 

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28 KOMMENTARE

  1. Sind jetzt in Deutschland tatsächlich die Grudnschulen die Orte, wo sich die Lehrkräfte am meisten davor fürchten müssen, von Schülern vermöbelt zu werden? Das legt zumeindest die VBE-Umfrage nahe.

    Da kann doch was an der Fragestellung nicht stimmen. Meines Erachtens hätte man viel differenzierter fragen müssen. Es ist doch ein Unterschied, ob Berufsschüler die Ermordung einer Lehrkraft planen, wie geschehen, oder Grundschüler eine Lehrkraft beim Drängeln schubsen, wie eine Kollegin beklagt hat.

    • Die geplante Tötung ist ja kein Gewaltakt, der von einem Drittklässler ausgeführte Tritt gegen das Schienenbein einer Lehrkraft oder der Boxhieb in den Bauch einer schwangeren Lehrkraftaber schon.
      Aufgrund der zuinehmenden Distanzlosigkeit von jüngeren SuS gegenüber Erwachsenen und sinkender Frustrationstoleranz steigt die Zahl der (Gewalt-)Ausbrüche an GSen. Pubertiere in höherem Alter ab 13/14 Jahren neigen dann – vor allem weibliche – verstärkt zu Selbstverletzungen.

      • Das ist ja eine interessante psychologsiche Theorie, Kinder bis 10 prügeln bei Frustrationen auf Erwachsene ein und Pubertierende geißeln sich selbst. Mal wieder was Neues gelernt!

        • Warum ist lediglich Prügeln bei Ihnen eine Form physischer Gewaltanwendung?
          Und weiter, vile Kinder sind verwöhnte Einzelkinder, denen „Bedürfnisaufschub“ vollkommen fremd ist. Wenn die nicht direkt das kriegen, was sie verlangen – z.B. Aufmerksamkeit, dann reagieren die mitunter auch aggressiv. Btw. sind verbale Agrressionen jetzt Ausdruck von Gewalt?

  2. Interessant: In dem Artikel taucht nicht einmal das Wort „Eltern“ auf.

    Aus meiner Sicht ein grundlegendes Problem in dieser Debatte. Eltern werden nicht in die Pflicht genommen, stattdessen soll Schule die gesamte Erziehungsarbeit übernehmen. Das ist nicht richtig und wie wir sehen auch nicht möglich.

    • ..wobei sicherlich auch zu fragen wäre, wie sich Gewalt von Eltern (von der Drohung, Reifen zu zerstechen, Kiefer zu brechen, zu drohen, man wisse, wo die eigene Frau lebe und man solle vorsichtig sein.. bis hin zu Tätlichkeiten) sich entwickelt hat.

  3. Solange Kultusminister und gewisse Medien die Lehrer als Sündenböcke der Nation missbrauchen, wundert einen doch nicht, dass der Respekt vorm Lehrer sinkt. Auch eine Form von Gewalt…

  4. Man fragt sich, was sich in den letzten paar Jahren denn nur innerhalb der Schülerschaft geändert haben könnte, dass sie plötzlich so aggressiv geworden sind…

  5. Gewalt an Grundschulen: Kinder sind heute körperlich frühreifer, ein gut gefütterter 10 jähriger bringt es da locker schon mal auf 60kg. Gleichzeitig wissen sie sehr wohl um ihre Schuldunfähigkeit. Schwangere darf man da am besten nicht mehr unterrichten lassen.
    Zu meiner Zeit gabs auch nur bei verbaler Aggression von der Lehrkraft eine gewatscht, gegen Erwachsene tätlich zu werden wäre uns als potientieller Selbstmord erschienen. Heute wäre die Lehrkraft selbst bei Notwehr wohl seinen Job los.

  6. Auch ich wurde von einem Grundschüler getreten, gekniffen und mit Gegenständen beworfen. Natürlich meldete ich die Vorfälle, aber alle reagierten nur hilflos und es passierte trotz Wiederholung nichts weiter, als meine pädagogische Maßnahmen, die keine Besserungen brachten. Das Problem wird ausgesessen und der Lehrer allein gelassen.

  7. Frau M,
    ein eklatantes Versagen Ihrer Vorgesetzten! Die Eltern dieses Grundschülers gehören einbestellt und der Schüler aus der Schule entfernt bis er versteht, wie wertvoll kostenfreie Bildung in einem Land ist und er den nötigen Respekt dafür aufbringen kann. Wenn Sie in Zukunft diese Fürsorge Ihres Arbeitgebers nicht bekommen, wehren Sie sich. Ein körperlicher Angriff ist kein Kavaliersdelikt.

    • Mehr als die Androhung der Entlassung von der Schule ist doch de facto nicht drin.

      Was im Zusammenhang mit dem Thema auch interessant sein dürfte, sind die Zahlen polizeilischer Ermittlungen gegen Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren sowie die der Jugendgerichtshilfe. Im regelfall habe diejenigen SoS, die sich in einer Teilkoferenz für Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen einfinden müssen, auch außerschulisch Akten bei Polizei und Justiz. Wie shen also die Zuwächse in diesen bereichen bezüglich delinquenter Kinder und Jugendlicher aus?

  8. Gewalt kann auch in Form von Sprache stattfinden.Im Unterricht von Berufsschülern,welche voll in der Pubertät stecken, geht es oft sehr wüst in der Wortwahl bei Frust zu. Dies nicht nur bei den Jungen!
    Wer sich hier
    persönlich angegriffen fühlt , hat schon verloren.Wie sagt man so schön,man muss mit dem richtigen Ohr zuhören und dann Verständnis ( Gehirn im Umbau) haben. Manchmal schon ganz schön hart.Eine Entschuldigung erfolgt meistens nicht,auch wenn man das Gespräch mit dem Schüler/inn im Laufe des Tages sucht.

  9. Das ist der Erfolg einer jahre-, wenn nicht sogar schon jahrzehntelangen Pädagogik, die Erzieher zu willfährigen Erfüllungsgehilfen von Kinderwunsch und Kinderwillen machen wollten.
    Kleine Tyrannen kamen dabei heraus und nicht die versprochenen wunderbaren Charaktere, und Persönlichkeiten mit ungeahnten Fähigkeiten, angenehmem Selbstbewusstsein und hoher sozialer Kompetenz.
    Wer trägt nun die Verantwortung? Eltern, Erzieher/innen und Lehrer/innen?
    Wohl eher die pädagogischen Ideologen mit ihren vollmundigen Utopien, die es immer wieder
    schaffen, sich mit neuen, möglichst revolutionären Ideen in die Schlagzeilen zu bringen und einen Namen zu machen.
    Nur haften fürs Ergebnis tun sie nicht. Dafür sind die gewohnten Sündenböcke zuständig: die Eltern, Erzieher/innen und Lehrer/innen.

  10. Vielleicht liegt es auch gerade in den Brennpunkten daran, dass manche Lehrer ihre Arroganz ausleben. Mit Sätzen wie: Willst Du aufn Bau, so reicht’s Dir nur zur Frisöse, willst Verkäuferin werden, damit kannst du putzen gehen, willst zur Müllabfuhr. Das beziehen viele auch auf ihre Eltern und damit ist der Anfang gemacht.
    Ich kenne diese Sätze auch. Habe die Ausbildung gemacht und dann weiter, Meister und Elektrostudium. Bin mit meinem Job und Gehalt jetzt sehr zufrieden. Aber die Abneigung der Lehrer diesen Berufen und damit auch den Menschen gegenüber hat sich bei mir eingebrannt. Und ist auch zur Abneigung diesem Berufsstand geworden. Und das brauche ich auch nicht verheimlichen auch meinen Jungs Zuhause nicht.
    Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus….

    • @Stefan

      Solche Sprüche haben wir (Ü50) früher auch oft gehört, aber seltener von Lehrern sondern eher von anderen Erwachsenen.
      Bei den Lehrern war es meistens – gut erkennbar – Ironie. Von denen haben wir ab Klasse 5 so etwas – eben die Ironie – erklärt bekommen, auch damit kann man heute umgehen.
      Damals schon waren es in der Regel Eltern oder erwachsene Familienmitglieder oder deren Bekannte. Erschreckt hat uns damals schon DEREN Frust aus DEREN Leben/Berufsleben, so wollten wir dann wirklich nicht werden. Ja, auch das hat irgendwie angespornt – aber traurig war es schon.

      Jedoch will ich gar nicht in Abrede stellen, dass es die von Ihnen benannten „Hochkaräter“ gibt … so wie in jeder Berufsgruppe.
      Und ich will auch gar nicht in Abrede stellen, dass ich es immer schon angenehm fand, wenn man mich – meist nach längerem Geplauder außerhalb der Schule – erstaunt fragte „SIE sind Lehrer? …“
      Und wenn z. B. ein Abflussrohr im Mehrparteienhaus (entgegen aller Klischees wohne ich zur Miete) verstopft ist, so dass die Rohrreinigung ran muss … dann freue ich mich, wenn der (jetzt nicht auf die Barrikade gehen) „Gas-Wasser-Scheiße“-Mann schnell kommt und hilft.

      Und ich erlebe es mit Regelmäßigkeit:
      Alle (!) Handwerker, Zählerableser von Stadtwerken o.ä. sind immer total erstaunt gewesen (VOR Corona), wenn ich ihnen zur Begrüßung mit freundlichem Gesicht einen „Guten Tag“ wünschte und zur Begrüßung die Hand hinhielt.
      Reaktion: „Das erlebe ich ja auch nicht oft.“ und ebenfalls ein Lächeln.

      Geht doch.
      Aber die kommen ja nicht nur in Lehrerhaushalte …

      Jetzt sind ALLE mal zum STILLEN Nachdenken herzlich eingeladen.
      Manchmal muss man sich selbst mal betrachten … nur so in Gedanken. (Notfalls dort, wo auch Kaiser und Könige zu Fuß hingehen, dann hat man immer überschaubare Zeiträume zu betrachten.)
      Und glauben Sie mir, ich mache das SEHR regelmäßig.
      Und glauben Sie mir noch mal: Nicht alles, was ich an mir bemerke, gefällt mir gut. Dann ist eben der beste Zeitpunkt, etwas zu ändern.
      Gilt für alle Menschen: Egal ob jung oder alt, berufstätig oder im Ruhestand, w/m/d …

  11. Probiert es doch mal nach der Devise: Der Klügere gibt nach. Wird ja oft genug angewandt, nur dass es Ruhe gibt. Habe ich mir oft genug in meiner Schulzeit anhören müssen, auch wenn man noch so recht gehabt hat. Das prägt. Die größten Ungerechtigkeiten in meinem Leben habe ich in der Schule von Seiten der Lehrer erlebt. Ich habe einige Schulen und Weiterbildungen durchlebt mit sehr vielen Lehrern. Aber nur vor einer Handvoll habe ich noch heute größte Hochachtung und Respekt. Den Rest kann ich nicht ernst nehmen. Ich frage mich warum kann man mit so einer Einstellung nur Lehrer werden und das dann auch noch bleiben. Wenn Ihr merkt, dass Ihr es nicht könnt wechselt den Beruf, dass ist dann für wirklich alle Beteiligten besser.

    • @Andreas

      Bitte schauen Sie mal bei „Pit 26. September 2020 um 16:28“ (damit ich niemanden mit Wiederholungen nerven muss).

      Wenn Sie sagen „Die größten Ungerechtigkeiten in meinem Leben habe ich in der Schule von Seiten der Lehrer erlebt.“ dann klingt es traurig und das ist es auch, eben weil es Sie heute – immer noch – traurig macht. Und bestimmt macht es Sie auch wütend.
      Solche Erfahrungen sind übel.
      Immer.
      Da gibt es nichts klein zu reden und ich weiß, dass ich das auch gar nicht kann. Niemand kann das. Mit selbst gemachten Erfahrungen muss man sich auch selbst auseinandersetzen.

      Aus eigener Erfahrung kann ich aber auch sagen:
      1. Die größten Ungerechtigkeiten habe ich von anderen Personen erfahren, nicht von
      Lehrern.
      2. Aber auch von Lehrern habe ich oft Ungerechtigkeiten erfahren.
      Das kommt eigentlich ganz oft vor, wenn mindestens zwei Menschen zusammentreffen.
      3. Große Ungerechtigkeiten habe ich auch beobachtet von Lehrern gegen andere Schüler, DA
      hätte ich manchmal – Pardon – „im Strahl kotzen können“. Was konnte ich damals
      dagegen tun? – Nichts bzw. für mein Empfinden zu wenig.
      Was kann ich heute dagegen tun? – Sehr viel mehr (s.o. in der Antwort auf Stefan:
      Nachdenken und danach besser machen. Aber auch dann ist ja schon wieder etwas
      passiert, mit dem ich selber nicht zufrieden oder gar glücklich war ….)
      4. Und der folgende Punkt unterscheidet uns beide wohl am meisten:
      Große Hilfe habe ich erfahren von Lehrern, und glücklicherweise immer dann, wenn es
      wirklich nötig war, wenn ich wirklich in seelischen Nöten war. Aber da wurde nicht super-
      soft und mild psychologisiert. Da gab es dann eher eine Bemerkung nach dem Unterricht
      im Stil von „Ja Kacke wa? Macht einem so’n klein bisschen die Lebensplanung kaputt. –
      Nee, lass mal. War nicht doll, ärgeste dich jetzt mal ’n bisschen. Wenn’s morgen noch
      schlimm ist, komm mal nach der Stunde.“
      Es wurde nichts aufgebauscht. Man wurde nicht peinlich ausgefragt. Aber man wusste,
      man kann jemanden ansprechen, wenn man es denn – mit zeitlichem Abstand – SELBER
      immer noch als nötig erachtet.
      DAS vermisse ich heute.
      Im gesamten Schulbetrieb.
      Noch viel mehr außerhalb der Schule.
      Mal ein bisschen Ruhe ins Leben bringen. Nicht wegen jedem Pups überreagieren. Das gilt für uns alle.
      Mehr Ruhe = weniger Aggressionen.
      Aber ganz klare Grenzen setzten gehört nun einmal dazu.

      In jeder Hinsicht ist Schule immer ein Spiegel der Gesamtgesellschaft.
      Da hilft jeder, der beim „Großen Hauen und Stechen“ nicht mitmacht gleich auch wieder der Gesamtgesellschaft … und damit auch der eigenen Familie … und damit auch sich selbst.
      Mir ist bisher nichts eingefallen, was weniger Geld kostet bei mehr Ergebnis. – Nun ja, manchmal kostet es aber jede Menge Zeit und Nerven. (s. unten meine Antwort auf Ursula Prasuhn).

      Lieber Andreas,
      was ich jetzt schreibe, meine ich völlig ernst und frei von irgendwelchen belehrenden Untertönen:
      Ich hoffe, Sie sind nicht durchweg so enttäuscht von den Erlebnissen aus Ihrer eigenen Schulzeit. Ich hoffe, Sie haben auch da ein paar schöne Erinnerungen – vielleicht sogar mal mit Lehrern.
      Manchmal hilft es, den alten Kram zu entrümpeln, den man nicht mehr braucht.
      Ich bin sicher, die schlechten Erinnerungen brauchen Sie nicht mehr, die haben Ihnen schon lange genug die Laune verdorben. Also weg damit.
      Auch damit habe ich selbst durchweg gute Erfahrungen gemacht. Auch das musste ich selbst erst lernen – außerhalb der Schule. (Nutzen kann ich es aber auch dort.)

      Es grüßt herzlichst
      Pit

  12. «Die beste Prävention ist ein Umfeld, in dem Konflikte vermieden werden,…», sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann.

    Konfliktvermeidung ist jedoch eine Medaille mit zwei Seiten. Es gibt Vor- und Nachteile. Konflikte gehören zum Leben und müssen oft auch ausgetragen werden, sonst breiten sie sich unter der Oberfläche aus, belasten die Beteiligten und vergiften das Klima. Außerdem müssen Kinder den Umgang mit Konflikten lernen. Unbedingte Vermeidung ist dabei kontraproduktiv.
    Konflikten partout vorbeugen zu wollen, indem Steine des Anstoßes möglichst gründlich aus dem Weg geräumt werden, ist für den sozialen Lernprozess abträglich. „Experten“-Ratschläge – wie die der Herren Beckmann oder Sattelberger – , halte ich darum für zwar äußerlich hilfreich, pädagogisch aber fragwürdig.

    Konfliktbewältigung lässt sich nun mal nicht durch Konfliktvermeidung lernen. Und dass viele Grundschüler erhebliche Defizite im Umgang mit Konflikten haben, zeigt der Artikel. In der Erziehung ist darum weniger die skizzierte „Prävention“ gefragt als das Training eines sinnvollen Austragens und Beilegens von Konflikten.

    • @Ursula Prasuhn

      „Konfliktbewältigung lässt sich nun mal nicht durch Konfliktvermeidung lernen.“
      Stimmt.

      Das wäre ja wie Radfahren lernen ohne Fahrrad, nur damit man nicht so tief fällt und sich weniger oder am besten gar nicht weh tut.
      Gelernt hat man dabei: Nichts.
      Alternativ bietet sich auch Bergsteigen ohne Berg an. Das ist nicht so anstrengend, man kommt nicht so „in Schweiß“.
      ;-))

      Da würde doch jeder merken „Was für’n Blödsinn.“

      Aber Erziehung beginnt mit Beziehung! Leider muss man sich da lange anstrengen, und Ergebnisse sind meist nicht spektaktulär – es winkt kein Hauptgewinn, kein Lamettaregen, kein Billigpokal (der sich im Keller einen Ehrenplatz neben den Kartoffeln verdient hat) – nur ein wenig angenehme Stimmung …. laaaaanweilig?

      Sich auf emotionaler Ebene anstrengen. Mal ein „Nein“ sagen, dabei bleiben und es dann aushalten: Traurige Kinderaugen, vorgeschobene Unterlippen, … oje – Kinderquäler!!!
      Das halten viele Eltern nicht aus. Zugegeben: Es ist ja auch nicht schön. Aber es kann ein schönes Ergebnis zeigen, wenn man mal in die Zukunft denkt und sich sagt: „Na gut. Muss mein Kind jetzt mal durch, … und wird im Leben auch noch genug Enttäuschungen aushalten müssen, die ICH NICHT von ihm fernhalten kann. Also ist das jetzt blöd, unangenehm – aber letztlich gut fürs Kind! – Und die Schmollphase ist meist sowieso fix vorbei …“
      Da kommt man schon „in Schweiß“, das ist anstrengend und wenn man die Anstrengung auslagern kann, spielt man gerne „Schwarzer Peter“.

      So wird das eben nix.
      Das sieht man derzeit auch unter dem „Corona-Brennglas“ … ja, wer nicht blind war (sein wollte) hat es auch vor Corona schon gesehen.

      Jetzt nur noch ein bisschen Geduld – so etwa 2 – 3 Jahrzehnte – und dann mal schauen, was man ändern KÖNNTE.
      Denn: „Wir fahren ja auf Sicht!“
      Und genau das ist das Problem.

    • @Ursula Prasuhn
      Mir scheint auch, dass schon seit längerer Zeit viele Eltern, Erzieher und auch Lehrer auf Anraten von „Experten“ Konflikte mit Kindern immer mehr vermeiden. Wie aber sollen die Kinder dann lernen, sich im Zaum zu halten, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es wollen?

      Mir hat mal ein 14jähriges, sehr verwöhntes Mädchen nach einem seiner aggressiven Ausraster sinngemäß gesagt, es empfände jede Kritik als Angriff auf seine Person.
      Wundert es da, dass „Beleidigungen, Drohungen oder sogar Schläge gegen Lehrer“ bei Kindern und Jugendlichen zunehmen, wenn sie von konfliktscheuen Erwachsenen dauernd wie rohe Eier behandelt werden und nanz normalen Widerspruch als persönlichen Angriff erleben?

  13. Ich sehe es schon als Erfolg, wenn am Ende des Schuljahrs die Schüler „ein Danke,Bitte, Guten Morgen und Tschüß “ über die Lippen bringen.
    Auch ich habe am Ende meiner Schulzeit bei einigen Lehrern eiinen gewaltigen Frust geschoben und eigentlich vorgehabt, ihnen meine Meinung mal so richtig zu sagen!Heute belächle ich das! Es gab auch einige Lehrkräfte ,welche mir meine Berufswahl ,durch ihr „Vorleben im Unterricht“, ganz klar aufgezeigt haben.
    Und Sätze wie“ Bei der Arbeitshaltung landest du bei der …..“, habe auch ich als Schüler/ Kind gehört und,ohne diesen Arbeitsplatz herabwürdigen zu wollen, ehrlich gesagt auch bei meinen eigenen Kindern angewandt. Nicht bös gemeint,aber man hat eine bestimmt Vorstellung bei den Kindern geweckt: bei jedem Wetter draußen, schwere Arbeit, Tätigkeit ….., Ansehen unter den Freunden usw…. . DAS konnte ich mir damals und meine Kinder heute vorstellen, da jede Woche sichtbar..! Sollte man eigentlich lassen, ist aber passiert, leider!

    • Ich bekenne ebenfalls, solche Sprüche sowohl gegenüber einigen Schülern, deren Faulheit mich ärgerte, losgelassen zu haben, als auch gegenüber meinen Kindern. Dass ich vielleicht eher verletzt als auf die Sprünge geholfen habe, bedaure ich, auch wenn die Absicht dahinter gut war. Aber wie heißt es so schön: „Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.“
      Kinder halte ich im Übrigen für robuster als heutzutage oft angenommen. Deshalb stören mich auch sog. Helikoptereltern oder -lehrer, die Kinder durch ständiges Rücksichtnehmen, Wunscherfüllen und Nachgeben eher unglücklich und lebensuntüchtig machen als selbstbewusst und erfolgreich.

  14. Feige Lehrer beteiligen sich am Quälen von Kindern durch diese schikanösen Masken, fühlen sich aber gerade auf der Seite der Guten, Rechtschaffenen und Vernünftigen. Ich bin selbst ein Opfer eines sadistisch veranlagten „Lehrers“ eines Gymnasiums in Schweinfurt in den 70er Jahren. Wenn ich Kinder und einer dieser „Pädagogen“ würde es wagen mein Kind zu zwingen diese Körperverletzung über sich ergehen zu lassen, hätte der die längste Zeit sein Beamtensälar einkassiert. Den würde ich gestoppt haben. Als Mathematik-Dozent an einer Hochschule erfahre ich heute immer noch durch die Erzählungen der neuen Studenten, dass heute wie früher immer noch die gleichen feigen Duckmäuser unter dem Schutz des Staates als „Lehrer“ wüten!

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