GEW: Corona-Prämien für ausgesuchte Lehrer werden für Ärger in Kollegien sorgen

25

MÜNCHEN. Die von der bayerischen Landesregierung angekündigte Corona-Sonderzahlung an Schulleitungen und 14.000 Lehrer stößt bei den Lehrerverbänden auf Skepsis. Die Prämie an einige wenige werde für Missstimmung in den Kollegien sorgen, fürchtet die GEW – und sieht einen anderen, dringenderen Bedarf. In die gleiche Kerbe schlägt der BLLV.

Es soll eine 500-Euro-Prämie geben – für alle Schulleitungen und einige Lehrer. Foto: Shutterstock

Die Staatsregierung hatte gestern angekündigt, an rund 4.000 Schulleitungen und an 14.000 weitere Lehrkräfte an den rund 6.000 Schulen in Bayern anlässlich von Corona-bedingten Mehrarbeiten „Leistungsprämien“ zu verteilen – ungefähr drei Lehrkräfte an jeder Schule kämen so in den Genuss von steuerfreien 500 Euro aus dem „Sonderfonds Corona“, so rechnet die GEW vor.

„Anerkennung ist für alle Beschäftigten an den Schulen angebracht“

Sie gönne „selbstverständlich jeder und jedem Empfänger*in eine derartige Zusatzzahlung“, heißt es. Die Gewerkschaft sei aber auch der Auffassung, dass alle Lehrkräfte und Mitarbeiter an den Schulen seit Beginn der Corona-Krise deutlich mehr Belastungen zu tragen haben. „Daher ist eine Anerkennung für alle Beschäftigten an den Schulen angebracht. Dies auf nur einen kleinen Teil zu beschränken, verursacht nur Missstimmung in den Kollegien. Zudem erfordert es die Mitwirkung der Personalräte.“

Wichtiger laut GEW: „Lehrkräfte und Schulleitungen benötigen mehr Arbeitszeit für die Kinder – Zeit für individuelle Förderung, gerade jetzt.“ Das heiße: „Wir brauchen deutlich mehr Pädagog*innen und Fachpersonal zu einer deutlichen Entlastung an den Schulen in Bayern.“

BLLV: Zeichen der Wertschätzung von Lehrern – aber: Lieber mehr Zeit und Personal

Unter Pandemiebedingungen Bildung zu gewährleisten, fordert Lehrerinnen und Lehrer enorm – meint auch der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Das habe nun auch die Staatsregierung gewürdigt und eine Prämienzahlung beschlossen, ähnlich wie bereits für Pflege- und Krankenhauspersonal. „Die Kolleginnen und Kollegen haben sich alle Haxen ausgerissen, nur deshalb lief es bisher so gut. Wie in anderen Berufsgruppen auch, sollte das nicht nur durch warme Worte, sondern auch durch Taten anerkannt werden. Weil es eine besondere Zeit ist, die besonderes Engagement braucht. Und da darf dann auch entsprechend entlohnt werden, das ist ein erstes Zeichen der Wertschätzung“, so die BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.

Aber eigentlich bräuchten die Schulleitungen und Lehrkräfte etwas anderes. Fleischmann: „Was uns vor allem fehlt als Lehrerinnen und Lehrer, ist die Zeit für die Kinder, für die individuelle Zuwendung. Wir bräuchten jetzt ganz viel Differenzierung und Förderung, das wäre es jetzt eigentlich. Viele Kolleginnen und Kollegen sagen jetzt: Das Geld ist eine schöne Wertschätzung, aber mir fehlt doch eigentlich die Zuwendung fürs Kind. Also: Monetäre Anerkennung ist erfreulich, mehr Zeit und Personal wären entscheidend“. News4teachers

Söder zahlt 500 Euro Corona-Prämie für Schulleitungen und ausgewählte Lehrkräfte

Anzeige


25 KOMMENTARE

  1. Klar gibt das Streit.

    Streit ist das Gegenteil von Einigkeit.

    Daher: Divide et impera!

    Gib ein bisschen Geld, verteile es ungerecht, säe Zwietracht, schon gibts weniger Widerstand…

  2. Wer sich für seine Zustimmung und sein Wohlverhalten zu der verordneten Corona Party noch belohnen lässt, zeigt selbst was man von ihm halten kann.
    Geld ist schon was schönes, aber als Prämie für Arschkriecherei, die offene Fenster bejubeln und Kadavergehorsam bis in den Tod vorspielen muss, nicht schön genug.
    Wenn unser Schulleiter mir so eine Prämie verpassen wollte, dann würde ich ablehnen oder mich übergeben.

    • Georg:
      Na, na, na, Kollege, Contenance bitte! Nicht jeder ,der seine Pflicht (wie und wo und warum auch immer) erfüllt ist ein A….Kr….!

      „Wenn unser Schulleiter mir so eine Prämie verpassen wollte, dann würde ich ablehnen oder mich übergeben.“

      Ich denke, es gibt geeignetere Methoden Rückgrat zu zeigen und zu protestieren! Lassen Sie sich was einfallen!
      Viele Grüße

  3. @Besorgter Bürger

    Genau das ist der Plan!
    Und der kostet ja auch vergleichsweise wenig.

    Aber zusätzlich vermute ich mal dass es so kommen wird wie bei den Pflegekräften, denen man zu Beginn der Pandemie ebenfalls Prämien zugesichert hat.
    Leider war das klammheimlich an bestimmte Kriterien gekoppelt, die – oh Wunder – recht wenige Pflegekräfte erfüllt haben.
    Tja, so kann’s gehen.
    „Aber wir waren guten Willens und haben die Gelder zur Verfügung gestellt. Blablablupps …“
    (Die Sache ging spät am Abend vor ca. 6 Wochen in ARD oder ZDF über den Sender.)

    Aber da wir das jetzt erkannt haben, sollten wir in diesem Forum DESWEGEN nicht mehr diskutieren.
    Gehen wir den „Dompteuren“ einfach mal nicht mehr auf den Leim …!

    Da gibt es andere Themen.

  4. Genau und ein Ablenkungsmanöver von wichtigeren Dingen.Ich sage nur Geräte zum Lüften aller! Klassenzimmer!
    Trotz gespitzter Ohren habe ich nichts davon bei der PK heute vernommen, nur wieder das bla,bla ,bla dazu , welche guten Hygienekonzepte dafür erarbeitet und durchgeführt wurden/werden! Lobhudelei an die ach so engagierten Lehrer, unnötig wie ein Kropf und verlogen !
    Alle werden geschützt nur bei uns unnötig! Wieder enttäuscht worden!

    • Ach, das Geld könnte einfach auf dem Konto bleiben und von selbst verschwinden, da wieder mal die PKV-Beiträge steigen. Insofern.

  5. Söder öffnet mit dieser Prämiendiskussion nur einen Nebenschauplatz, um von dem eigentlichen Problem „Sichere Bildung“ abzulenken und die Schulleiter mundtot zu machen.
    Ich hoffe, niemand fällt darauf herein und lehnt diesen Unsinn ab oder finanziert damit z.B. Masken.

  6. Toll, das Geld könnte man dann ja zusammenschmeißen, um eine Luftfilteranlage fürs Lehrerzimmer zu kaufen oder Fleecedecken für alle. Oder ordentlichen Mundschutz für die Risikolehrkräfte, die trotzdem unterrichten.

  7. Hatte im Januar mein 25- jähriges Dienstjubiläum….dazu gab es neben der obligatorischen Urkunde, in der mein beharrliches Engagement gelobt und dazu noch eine Prämie in Höhe von 300.- Euro angekündigt wurde. Bekommen habe ich 146.- Euro….den Rest der Summe hat das Finanzamt gleich wieder einbehalten. ABSURD!!!…., denn wenn es sich tatsächlich um eine Belobigungsprämie nach 25 Jahren handelt, dann sollte der Fiskus hier nicht auch noch die Hände aufhalten, da es sich doch um ein „Geschenk“ handelt.

    Btw!!! An anderen Stellen sind die Behörden dann aber sehr freigebig!!! So hat die BzR in Münster / NRW z.B. uns sehr großzügig mit einem Video beglückt, in dem uns törichten-strunzdummen LuL endlich erklärt wird, wie man richtig lüftet …. was erfahrungsgemäß nix kostet und daher auch keine steuerlichen Abzüge vorgenommen werden.

    Das müsst ihr euch unbedingt anschauen!!!

    https://www.instagram.com/tv/CGr4RLSq0PK/?igshid=xbw0ptq04lgm

    Über empörte Rückmeldungen per Mail freuen die sich in Münster ganz bestimmt.

    • Vielleicht wäre es sinnvoll den Artikel durchzulesen und sich nicht irgendwas zusammenzufantasieren. Da steht eindeutig steuerfrei! Und zur Abwechslung Mal von mir die Bitte um eine Quellenangabe für die übriggebliebenen 146€. Kleiner Tip: Steht auf der Abrechnung. Bei einem Dienstjubiläum sind Sie ja Beamter. Welche Steuerklasse soll das sein? Nach meinem Wissen gibt es solch eine Klasse in Deutschland nicht. In meinem Betrieb beschäftige ich 12 Mitarbeitende, aber solche Abzüge hat trotz Sozialabgaben (Rente, Arbeitslosenversicherung…) keiner.

  8. Bin empört! Nicht nur Schulleitungen und einige Auserwählte haben in Coronazeiten besonders viel geleistet, wir alle, die den Unterricht unter schwierigsten Bedingungen am Laufen hielten, haben Immenses geleistet und – entgegen des unerträglichen Lehrerbashings – keine Ferien gehabt, sondern noch mehr Stunden gearbeitet als sonst, ganz einfach, weil wir uns in Windes Eile in das Online-Unterrichten einarbeiten mussten und quasi das Rad neu erfinden, da es keine Materialien und Hilfen gab. Sollten solche Geschenke Schule machen, müssen die Lehrerverbände laut werden: Anerkennung gebührt uns allen!

  9. Uns Lehrern würde es tatsächlich mehr bringen, wenn wir personelle Entlastung hätten. Schon jetzt kann Vertretungsunterricht nur schwierig abgedeckt werden. Überstunden häufen sich. Ich weiß nicht wie lange ich dieses MEHR an Arbeit durch Corona noch durchhalten kann. Entlastung wäre mir lieber als eine Prämie.

  10. Die Frage ist, WER bekommt die Prämie. In unserem Beruf gilt – so sehe ich es und beobachte es täglich – ohnehin nicht das Leistungsprinzip bei Beförderungen. Ich würde sogar behaupten, dass man mit dem Kerngeschäft „guten Unterricht“ aus jeder Beförderung draußen ist. Genau deswegen sehe ich die Prämie kritisch. Nicht weil es nur 3 Lehrer sind , sondern weil es (sehr wahrscheinlich) die 3 sind, die sich am meisten darstellen und verkaufen.

    Einigen Kollegen gönne ich die Beförderung. Bin mir aber sicher, dass genau die wieder leer ausgehen.

  11. Einige Kollegen bei uns hätten es sicher verdient, ob es immer die Schulleitung ist, sei dahin gestellt, wer will das entscheiden…
    Am Ende hatte ich den gleichen Gedanken, wie F.M: gesunde Lehrer, gesunde Schüler, gesunde Wirtschaft!

  12. Wäre schön, wenn die KollegInnen ihre digitale Ausstattung, die sie sich privat angeschafft haben, um vernünftiges Homeschooling zu betreiben, bezahlt bekämen.

  13. War doch in der Pflege nicht anders ich habe auch 250 Stunden gearbeitet in der Pflege weil die jungen alleinerziehenden zu Hause waren beim ersten mal im März oder war es April ? Egal
    Und weil wir Nur in der behinderten Pflege arbeiten gab es nur viel Abzüge für die zu viel geleisteten Stunden ab bummeln geht ja nicht wenn keine Leute da sind .

  14. Kollegen/innen: Solidarität!
    Eigentlich hat sich jeder von uns den A…. abgeackert, von März bis Mai noch schlimmer als jetzt. Nach den Arbeitszeiten die da bei (fast) allen zusammenkamen fragt ohnehin keiner!
    Aber 500€ für drei Kollegen? Ist doch eigentlich ganz klar: 1500€ pro Schule kassieren, geteilt durch die Anzahl der Kollegen und jeder freut sich. Der(die) eine Penner/in der/die in der Zeit abgataucht war, kann ja verzichten-ehrlichkeitshalber.
    So sind die einen nicht die Bevorzugten, die sich nicht mehr richtig wohlfühlen werden, und alle miteinander freuen sich über den warmen Regen. Passt doch-oder?

  15. Richtig wäre: Die privaten Geräte bezahlen, wie oben schon vorgeschlagen. Wir haben außerdem komplett von zu Hause gearbeitet und einige tun es immer noch. Aber Geld für den Wohnraum, den ich kostenlos dem Arbeitgeber zur Verfügung stelle, obwohl ich ihn gerne selbst benutzen würde? Fehlanzeige. Ich habe meinen Technikpark auf dem Eßtisch aufgebaut – wir essen seit einem halben Jahr auf dem Sofa im Wohnzimmer, just saying.

  16. Prämienvergabe ist, meines Erachtens, in diesem Fall völlig fehl am Platz, sorgt zudem nur für böses Blut, nicht nur innerhalb der Kollegien.
    Kontraproduktiv in vielfacher Hinsicht.
    Überall wird in Zeiten der Pandemie Einsatz über dem Limit, auch psychisch, abverlangt.

    Wenn es denn irgendwo Prämien sein sollen, dann doch wohl in allererster Linie für die Lebensretter in den Krankenhäusern (wohlgemerkt auf der „unteren“ Ebene), für das Pflegepersonal, das Übermenschliches leistet.

    Ich weiß, Gelder des Ressorts der KultusministerInnen dürfen nur in den Kultusbereich fließen:
    wieso dann nicht viel besser und zielführender für die Anschaffung mobiler Luftfilter bereitstellen – neben und ergänzend zum sog. Lüftungs“konzept“?

    Ohne Frage, sicher, die Schulleitungen arbeiten seit Pandemiebeginn nicht nur am Limit, sondern sehr weit darüber hinaus.
    Aber ohne all die vielen LehrerInnen mit hohem Arbeitsethos und Leidenschaft, Liebe für ihren Beruf und ihre SchülerInnen, würden die Anstrengungen der SchulleiterInnen nicht Früchte tragen, teilweise sogar ins Leere laufen.

    Unzählige Lehrkräfte arbeiten immer schon über ihrem Limit: aus Berufung, mit Leib und Seele, mit sehr viel Herzblut für „ihre“ Schule, ihre Fächer, die Kinder und Jugendlichen, die ihnen anvertraut sind, für die Schulgemeinschaft, loyal und solidarisch, im Team ihrer KollegInnen.

    Auch ist der Geldbetrag – in Summe – , nebenbei bemerkt, doch wohl eher ein klitzekleines „Kleckern“. Augenwischerei! Aktionismus! Unüberlegt! – pure Effekthascherei!
    – vergleicht man Zuwendungen für andere Bereiche.

    “ Klotzen“ ist im Bildungsbereich eher angebracht, ein „Wumms“, mit der „Bazooka“ (Zitate Scholz) an dieser Schlüsselstelle, Stellschraube für unsere Gesellschaft und Wirtschaft.

  17. Geil dieses Video. Man achte auf die Ausstattung der Behörde: Fenster, die sich öffnen und schließen lassen, Plexiglasscheiben als Abtrennung, Parkplätze, Netzwerkanschlüsse und sogar eine Außenfluchttreppe meine ich erkannt zu haben. Alles Dinge, die es an meiner Schule nicht gibt. Ich glaube, ich wechsle in die Behörde.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here