Tullner behauptet: Luftfilter in Schulen könnten womöglich schädlich sein

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MAGDEBURG. Sachsen-Anhalt wird mit Blick auf die Corona-Hygiene zunächst keine Lüftungsgeräte für Klassenräume anschaffen. Es gebe keine verlässlichen Erkenntnisse, dass die Geräte wirklich helfen, das Ansteckungsrisiko zu minimieren, sagte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) in einer Facebook-Fragestunde der «Mitteldeutschen Zeitung». Stattdessen gebe es Hinweise, dass die Lüfter sogar schädlich sein könnten, wenn sie an den falschen Orten im Raum aufgestellt seien. «Ich bin kein Gegner von diesen Geräten, aber ich weiß nicht, ob sie helfen und ich kann nicht auf Verdacht Geräte für 20.000 Klassenzimmer anschaffen.»

Gegen die Anschaffung von mobilen Luftfiltern für Schulen: Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner. Foto: Steffen Prößdorf / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Stattdessen sollten die Schulen weiterhin auf das nachgewiesenermaßen hilfreiche Lüften setzen, sagte Tullner. Es gelte, regelmäßig den Unterricht zu unterbrechen, alle Fenster zu öffnen und fünf Minuten zu lüften. Das sei trotz der winterlichen Temperaturen zumutbar. Laut wissenschaftlicher Berechnungen sinke die Zimmertemperatur nach dem Stoßlüften um zwei bis drei Grad. «Es ist nicht so, dass die Kinder dann in Kältekammern sitzen.»

Zuvor hatte unter anderem die oppositionelle Linke im Landtag gefordert, ein Landesprogramm für die Anschaffung von Luftreinigern an Schulen aufzulegen. Mehrere Bundesländer, darunter auch Thüringen, lehnten das bisher ab – mit ähnlichen Argumenten wie Tullner. Der sachsen-anhaltische Bildungsminister sagte, es würden zunächst weitere Erkenntnisse zum richtigen Umgang mit Luftfiltern abgewartet.

Mittlerweile sechs Bundesländer fördern die Anschaffung der Geräte für Schulen. Es gibt zwei wissenschaftliche Studien zum Einsatz in Klassenräumen, die die Wirksamkeit belegen. Von möglicherweise schädlichen Folgen war dabei keine Rede. News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Vier Bundesländer fördern mobile Luftfilter für Schulen – KMK-Präsidentin redet Bedarf aber klein (und den Aufwand groß)

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6 KOMMENTARE

  1. „Stattdessen gebe es Hinweise, dass die Lüfter sogar schädlich sein könnten, wenn sie an den falschen Orten im Raum aufgestellt seien“

    Breaking News: Sämtliche Steckdosen in Schulen müssen ausgebaut werden! Es gibt Hinweise, dass der unsachgemäße Umgang zu Verletzungen oder sogar Todesfällen führen kann!

    Was für ein Unsinn. Auf der einen Seite geht man davon aus, dass LuL, die allesamt keine Lüftungsfachleute sind, das komplexe Thema einer ausreichenden Fensterlüftung nur mit Hilfe eines Faltblattes hinzubekommen, aber auf der anderen Seite traut man ihnen nicht zu, ein Lüftungsgerät nach Anleitung richtig zu positionieren?

    Tatsächlich ist das sogar einfacher, denn so groß ist die Variabilität im groben Grundriss eines Klassenraums nicht. In etwa in die Mitte stellen, Volumenstrom entsprechend des Luftvolumens des Klassenraums einstellen (das können sogar die SuS ausrechnen) und anschalten.

    Für eine richtige Fensterlüftung (also mit ausreichend vielen Luftwechseln) hingegen muss man die Außentemperatur, das Wetter, den Wind und die genaue Anordnung der Fenster beachten. Das richtig zu machen, ist wesentlich komplizierter als die Aufstellung eines Luftfilters nach Herstelleranleitung.

    Bei unsachgemäßer Anwendung ist (fast) ALLES schädlich! Selbst ein Overhead-Projektor kann Schaden anrichten, wenn man ihn um 180 Grad dreht und damit in die Augen der SuS leuchtet.

  2. …die Lüfter sogar schädlich sein könnten….

    Das klingt irgendwie bekannt… „Masken sind kontraproduktiv“…

  3. KM suchen den bequemsten und billigsten Weg. Dann muss man nichts tun. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden ignoriert oder angezweifelt, wenn sie nicht ins Bild passen, völlig ungeeignete Studien zum Infektionsgeschehen aus der Zeit zwischen Mai und September, wo insgesamt wenig Infektionen waren und außerdem mehrere Wochen kein Schulbetrieb, werden dagegen zum Maßstab für den Umgang mit Schulen genommen bei den derzeit hohen Fallzahlen. Alles nur noch lachhaft, unglaubwürdig und Futter für die Coronaleugner. Während sich die Intensivstationen füllen.
    Wieler hat vorhin in der PK bei Fragen zum Thema Schule ausdrücklich darauf hingewiesen und dringend appelliert, dass die einzelnen Schulen die Empfehlungen des RKI umsetzen sollen. Tja, leider werden die einzelnen Schulen gar nicht gefragt, sondern die KM diktieren das Vorgehen.

  4. Was halten Sie davon, für alle Klassenzimmer Luftfilter oder Belüftungsanlagen anzuschaffen?
    „Gar nichts. Im schlimmsten Fall sorgen solche Anlagen dafür, dass mit Viren beladene Tröpfchen aus dem Atemtrakt länger in der Luft bleiben. Vor allem aber könnten die Lehrerinnen und Lehrer glauben, dass diese Geräte das regelmäßige Lüften ersetzen. Und das tun sie nicht. Ganz und gar nicht. Diese Geräte müssen – gerade in Schule – sehr sorgfältig gewartet werden, sonst werden sie selbst zu Krankheitserreger verteilenden Gebläsen. Hinzu kommt, dass sie bislang überhaupt nicht auf ihre Wirksamkeit bei dieser Erkrankung getestet wurden.“
    https://www.fr.de/frankfurt/corona-gesundheitsamt-frankfurt-rene-gottschalk-interview-schulen-schliessen-90096409.html

    Leiter des GA Frankfurt.
    Da scheint sich eine neue Meinung zu etablieren.

  5. Bei Erdbeben hilft es, sich eine Papiertüte über den Kopf zu ziehen. Quelle: Hinweise und Erkenntnisse.

    Das Ausmaß an Ignoranz, das aus den Aussagen des Wissenschaftsministers (!) hervorgeht, ist nicht nur Grund genug für einen Rücktritt. Die einzig angemessene Konsequenz für diesen öffentlich ventilierten Bullshit bestünde darin, Teer und Federn herauszuholen.

    Es ist einfach dermaßen offensichtlicher Schwachsinn, der hier abgesondert wird, dass man von vorsätzlicher Irreführung ausgehen muss. So dumm kann eigentlich niemand sein.

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