Referendariat in der Corona-Krise: Lehrerausbilder sorgen sich um den Berufsnachwuchs

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SAARBRÜCKEN. Die Ausbildung von Referendaren leidet in der Corona-Krise – der Bundesarbeitskreis (bak) Lehrerbildung drängt jetzt im Saarland das Bildungsministerium darauf, Druck bei den Leistungsüberprüfungen herauszunehmen. Auch bei der Ausstattung und beim Gesundheitsschutz der angehenden Lehrer sieht der Verband, der bundeweit Lehrerausbilder vertritt, dringenden Nachholbedarf.

Lehramtsstudierende und Referendare haben es in diesen Tagen nicht leicht. Foto: Shutterstock

Lehrproben werden aufgrund von Quarantänemaßnahmen verschoben, Ausbilder und Lehramtsanwärter können wegen Quarantänemaßnahmen nicht mehr hospitieren, Maskenpflicht, vulnerable Angehörige zu Hause – „die Ausbildungsbedingungen mit der Verpflichtung kontinuierlicher Unterrichtsbesuche belastet alle Beteiligten zunehmend“, so heißt es in einem Brief, den Simone Garve, Landessprecherin des bak Saarland, an die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) geschrieben hat. „Zudem sind die personellen und organisatorischen Ressourcen an einigen Studienseminaren (Quarantänefälle, Verschiebungen von Lehrproben) ausgeschöpft.“

Verstärkt prozessorientierte Leistungsbewertungen vornehmen

Eine Möglichkeit zur Entlastung sieht der Verband in einer Verringerung der punktuellen Leistungsmessungen in der Vorexamensphase. Das sei bislang nicht geschehen, obwohl „diese in der Vielzahl in den meisten Studienseminaren nicht benötigt (werden), um eine qualifizierte Ausbildung zu gewährleisten und zu einer pädagogischen Vornote zu gelangen“. Auch im 1. und 2. Ausbildungshalbjahr könnten verstärkt prozessorientierte Leistungsbewertungen vorgenommen werden, die in vielen Studienseminaren bereits etabliert seien. „Alle übrigen Bundesländer verzichten seit Jahren auf eine hohe Anzahl an punktuellen Leistungsmessungen in der Vorexamensphase“, so heißt es in dem Schreiben.

Besonders heikel: die Ausbildungsbedingungen in Fächern wie Sport, Musik, Religion und Ethik, die derzeit nur mit starken Einschränkungen stattfinden. Die Folge: Die Qualität der Ausbildung und der eigenverantwortliche Unterricht hänge von den personellen und räumlichen Bedingungen der Schule und letztlich dem Wohlwollen der Schulleiter ab. Hier sollen sich künftig Seminarleitungen, Landesfachkonferenzen und Schulleitungen abstimmen, um die Ausbildungsqualität zu erhalten. .

Dazu kommt: „Alle Fachleiter*innen und Lehramtsanwärter*innen in den unterschiedlichen Schulformen sind durch den Einsatz an vielen Standorten einem stark erhöhten Risiko ausgesetzt.“

Auch die fehlende Ausstattung mit digitaler Technik treibt den bak Lehrerbildung um

Um den Schutz zu sichern, sollen laut bak Lehrerbildung zeitnah EU- und BG-zertifizierte Masken bereitgestellt werden, die wirklich schützen. „Zudem gibt es an vielen Schulstandorten Fach-, Unterrichts- und Seminarräume, die keine Durchlüftung gewährleisten, wodurch die Beteiligten einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Deshalb müssen für Lehramtsanwärter*innen und Fachleiter*innen eine persönliche Schutzausrüstung bereitgestellt (laut EU und BG zertifizierte FFP2-Masken, Desinfektionsmittel) und durch Luftfilter in den Räumen, in denen nicht gelüftet werden kann, Bedingungen an den Schulen hergestellt werden, die die Beteiligten schützen.“

Auch die fehlende Ausstattung mit digitaler Technik treibt den bak Lehrerbildung um. „Um einen professionellen digitalen Unterricht und eine professionelle Ausbildung zu gewährleisten, müssen deshalb alle Lehramtsanwärter*innen und Fachleiter*innen mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden“, so heißt es in dem Schreiben. News4teachers

„Das ist nicht mal eben zu machen“: Warum der schulpraktische Teil der Lehrerausbildung so wichtig ist – ein Interview

 

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8 KOMMENTARE

  1. Wir haben massiven Lehrermangel – in der Grundschule. Jeder, der nicht bei 3 auf dem Baum ist, wird vor Grundschulklassen gestellt. Nach der Pandemie wird der Lehrermangel massiv steigen. Wer will sich schon dermaßen verheizen lassen.?
    Qualität im Referendariat? Ein Relikt aus früheren Zeiten….

    • Muss ja. Die Pandemie hat ja höchstens Einfluss auf die Studienanfängerzahlen. Bei den Unterrichtsbesuchen im Fernunterricht beschränkt man sich auf Simulationen ohne Schüler, bei UPPen ggf. ebenfalls, und waltet Nachsicht bei den Beurteilungen.

  2. „wie Sport, Musik, Religion unjd Ethik, der derzeit nur mit starken Einschränkungen stattfinden.“ Liebe Redaktion, hier bitte noch einmal nachbessern. Danke!

    Inhaltlich fand ich den Artikel sonst sehr interessant: Die Fragestellung, wie schwierig oder einfach das Referendariat ist und sein sollte, ist ja im Kern nicht neu. Ich denke, dass das Referendariat aber generell so anspruchsvoll gestaltet ist, dass die Corona-Maßnahmen jetzt keinen deutlichen Zuwachs in den Anforderungen an den Lehramtsanwärter darstellen. Ob die Qualität der Ausbildung nachlässt (und wenn ja, ob das an Corona liegt), ist zu diskutieren.

  3. Ich bin als Ausbilder angehender Lehrer*Innen der Meinung, dass diese Initiative kontraproduktiv ist, da wir so noch mehr unfähige Lehrer*Innen bekommen, die vielleicht als Aufsicht gute Dienste tun, den sehr wichtigen Bildungsauftrag aber nicht mehr erfüllen können.

    • Ich bin Ihrer Meinung, dass ich als Referendar ausgesiebt werden sollte, sollte ich für diesen Beruf ungeeignet sein.
      Jedoch stellt Corona eine weitere Belastung für uns dar. Keiner meiner Mitreferendare an meinem Standort in NRW (Start Mai 2020) hat mehr als 4 der 10 geforderten UB erfüllen können (ich und einige andere aufgrund von Quarantäne sogar nur 2). Unter „normalen Bedingungen“ hätten wir 5UB pro Halbjahr einrechenen können und müssen.

  4. Das Referendariat ist wohl eher verantwortlich für Burnout als für eine gute Lehrerausbildung. Hier stehen Schikane und Druck durch die Seminarleiter an erster Stelle. Die Lehrerausbildung im Referendariat sollte leider grundsätzlich verändert werden und nicht nur aufgrund von Corona.

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