Meidinger: Ministerpräsidenten müssen „Stufenplan“ der Kultusminister nachbessern

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BERLIN. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hat den Stufenplan der Kultusminister zur Wiederöffnung von Schulen kritisiert und die Ministerpräsidenten aufgefordert, den Plan nachzubessern. «Die Kultusminister haben zwar einen Stufenplan vorgelegt – aber sie haben es versäumt, ihn mit Angaben zu versehen, ab welchem Inzidenzwert welche Stufe greift», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auch die GEW zeigte sich wenig zufrieden.

Pocht auf Schwellenwerte: Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Foto: Deutscher Lehrerverband

Meidinger sagte: «Ich fordere die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin auf, das nachzuholen. Nur mit einem geregelten Plan lässt sich auch Sicherheit für die Schulen vor Ort schaffen.» Sonst gebe es alle paar Wochen eine neue Entscheidung für die Schulen. Er fürchte, dass bei der Ministerpräsidentenkonferenz ein Beschluss zu den Schulen herauskomme, den dann jedes Land im eigenen Sinn auslege. «Das ist aus der Sicht von Lehrern, aber auch von Schülern und Eltern alles andere als wünschenswert.»

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, ab einem Inzidenzwert von 50 Wechselunterricht in kleineren Lerngruppen und damit die Abstandsregel in den Klassenräumen sowie eine generelle Maskenpflicht im Unterricht einzuführen. Dies lehnen alle Bundesländer bislang ab.

„Es wäre besser gewesen, wenn die Kultusministerien die Weihnachtferien genutzt hätten, um ihre Hausaufgaben zu machen“

Auch die GEW zeigte sich mit dem gestrigen Beschluss der KMK unzufrieden. „Es wäre verantwortungsvoller gewesen, wenn sich die Kultusministerkonferenz (KMK) darauf verständigt hätte, den Schul-Lockdown um mindestens eine Woche verlängern. Im Moment kann nicht eingeschätzt werden, wie sich Weihnachten und Silvester mit Blick auf das Infektionsgeschehen auswirken“, sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe am Montag mit Blick auf die Videoschalte der Kultusminister.

„Es wäre besser gewesen, wenn die Kultusministerien in den Ländern die Weihnachtferien genutzt hätten, um ihre Hausaufgaben zu machen: nämlich die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass guter Wechsel- und Distanzunterricht gemacht werden kann, um Abstände zwischen den Menschen einzuhalten. Nur so kann die Gesundheit von Lehrenden, Lernenden und deren Eltern effektiv geschützt werden. Das gilt auch für die Grundschulen, um die Corona keinen Bogen macht. Es bleibt dabei: Das Recht auf Bildung und der Gesundheitsschutz müssen unter einen Hut gebracht werden.“

GEW-Chefin Tepe: Stoffmenge muss reduziert werden

Es sei richtig, Eltern, die ihre Kinder betreuen müssen, zu entlasten und ihnen beispielsweise bezahlten Urlaub während der Schulschließungen zu ermöglichen, sagte Tepe. Prüfungen und Abschlüsse spielten für die Schüler und Schülerinnen an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen eine wichtige Rolle. Die Entwicklung der Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen müsse dabei im Mittelpunkt stehen, die Stoffmenge reduziert werden. Dafür müsse endlich die entsprechende Infrastruktur insbesondere auch mit Blick auf das digitale Lernen bereitgestellt werden.

Die Kultusminister hatten am Montag beschlossen, dass eine Wiederaufnahme des Schulbetriebs in Stufen möglich ist – «sollte es die Situation in den einzelnen Ländern zulassen». Zuerst sollten dann die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 6 wieder Präsenzunterricht haben und die weiteren Jahrgänge im Distanzunterricht bleiben. Durch eine Halbierung der Klassen solle in einer zweiten Stufe dann ergänzend Wechselunterricht für Schülerinnen und Schüler höherer Klassen ermöglicht werden. Präsenzunterricht für alle soll es erst in einer Stufe drei geben. News4teachers / mit Material der dpa

Kultusminister einigen sich auf „Stufenplan“ – ohne Stufen und ohne Plan: Weder Grenzwerte noch Termine werden genannt

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21 KOMMENTARE

  1. Es gibt auch Nachbesserungsbedarf an den Forderungen von Lehrerverband und GEW. Es mangelt nicht nur an Vorgaben. Es mangelt weiterhin an Arbeitsschutzmassnahmen. Und nach wie vor sollen Erzieher/innen und GS-LuL ungeschützt in volle Gruppen oder Klassen gehen. Da sind ja die Aussagen von Frau Prien und Herrn Tonne schon besser.

  2. «Ich fordere die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin auf, das nachzuholen. Nur mit einem geregelten Plan lässt sich auch Sicherheit für die Schulen vor Ort schaffen.»

    Und was passiert, wenn sie dieser Forderung nicht nachkommen, Herr Meidinger? Haben die Herren und Damen irgendetwas zu befürchten oder müssen sie einfach nur mal zum nächsten TOP übergehen?! Ihre Forderung bringt so gar nichts. Sie müssen eine entsprechende Konsequenz androhen. Etwa so: „Wenn der Stufenplan wie geplant umgesetzt wird, werden wir mit unseren Kolleginnen und Kollegen in den Streik ziehen. Und wenn uns dabei nur die angestellten Lehrerinnen und Lehrer unterstützen, wird das schon sehr viel ausmachen! Kommen Sie umgehend Ihren Fürsorgepflichten nach!“

    Ist das so schwierig?

  3. „Es sei richtig, Eltern, die ihre Kinder betreuen müssen, zu entlasten und ihnen beispielsweise bezahlten Urlaub während der Schulschließungen zu ermöglichen, sagte Tepe. Prüfungen und Abschlüsse spielten für die Schüler und Schülerinnen an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen eine wichtige Rolle. Die Entwicklung der Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen müsse dabei im Mittelpunkt stehen, die Stoffmenge reduziert werden. Dafür müsse endlich die entsprechende Infrastruktur insbesondere auch mit Blick auf das digitale Lernen bereitgestellt werden.„

    Wenn diese Frau sich nur halbwegs so viele Gedanken auch für die Gruppe machen würde, die sie vertritt, wäre den KuK sicherlich geholfen.

    Die Vertreterin der Lehrerinnen und Lehrer macht sich darüber Gedanken, wie wir die Kinder bestmöglich beschulen können. Will die mich auf den Arm nehmen?!
    Machen Sie sich doch mal um unseren Arbeitsschutz Gedanken und rücken Sie ihn in den Fokus, Frau Tepe! Sie sind weder Kultusministerin noch Elternvertreterin, sondern Vertreterin der Lehrerinnen und Lehrer. Verwechseln Sie bitte nicht Ihre Rolle!

      • @Defence: Stimme auch zu. Mit etwas Abstand kann ich das Vorgehen allerdings zum Teil nachvollziehen (nicht gutheißen!).

        Wer interessiert sich schon für die Lehrer/innen und deren Gesundheitsschutz? – Eben, kein Schwein. Wie auch für Arbeitsbedingungen, etc..

        Da muss man über die Tränendrüse gehen und mit den „armen, armen Kindern“ argumentieren.
        Das machen die KM ja genauso. Die sagen ja nicht, wir haben kein Bock zu arbeiten oder uns sind doch die Deppen, die vor den Klassen stehen, egal.
        Die sagen ganz emotional: „Es geht doch um den Bildungserfolg/die Bildungsgerechtigkeit der Kinder. Es geht darum, dass die sich nicht schlecht fühlen. Es geht darum, dass die armen Kinder mit Freunden spielen können, …“ (Nebenbei: Alles Argumente, die meiner Meinung nach in einer globalen Krisensituation einfach nicht greifen).

        Wer soll da was gegen haben… ?

        Was wäre wohl los, wenn die KM argumentieren würden: „Präsenzunterricht können wir unserem Lehr- und anderem Schulpersonal im Moment einfach nicht zumuten, da fehlt der Arbeitsschutz.“??? (Nicht, dass die das machen würden, da es ihnen egal ist.)
        – Ganz genau: Die Empörung vieler Eltern wäre groß. Es ginge wieder los mit „die Säcke sollen mal arbeiten“, „was soll die Kassiererin, Krankenschwester, etc. (alle natürlich mit viel besserem Arbeitsschutz) sagen“, „wir müssen auch arbeiten“.

        Ich habe kein Verständnis für derartige Taktirerei, aber so läuft es ja scheinbar… Wenn kein Verständnis für eine Position zu erwarten ist, bedient man sich Totschlagargumenten…

        • @Thomas Schultz

          So weit – so treffend.

          Allerdings:
          „Die Empörung vieler Eltern wäre groß. Es ginge wieder los mit „die Säcke sollen mal arbeiten“, „was soll die Kassiererin, Krankenschwester, etc. (alle natürlich mit viel besserem Arbeitsschutz) sagen“, „wir müssen auch arbeiten“.“

          DAS passiert ja auch MIT der von Ihnen beschriebenen Taktiererei.

          Also ist es durchaus angebracht, sich vom Taktieren zu verabschieden, und zwar endgültig.
          Stattdessen:
          Argumentieren.
          Sachlich und hart in der Sache.
          Und dabei in die Vollen gehen.
          Es gibt nichts zu verlieren!

          (Und wer jetzt sagt „Doch, natürlich: Die Gesundheit und vielleicht sogar das Leben!“ … Da wurde uns Lehrern doch seit Monaten klar vermittelt, dass das in unserem Fall nichts wert ist, z.B. hier:
          https://www.news4teachers.de/2021/01/philologenverband-laesst-an-lehrer-verteilte-masken-testen-ergebnis-minderwertig/)

          Und da ist das Kita-Personal noch gar nicht berücksichtigt – wie üblich.

  4. Es zeigt sich hier wieder einmal, warum Lehrerverbände und Gewerkschaften im Bereich Schule annähernd zahnlos sind. Ohne Streikrecht, sind das alles leere Drohungen und Forderungen die am Dienstherr abprallen.

    Nicht dass ich jetzt unbedingt ein Streikrecht bräuchte. Aber die Position von HPR und ÖPR müsste dringendst gestärkt werden.

    • Das Problem, Verbände sind zahnlose Tiger, ist hausgemacht. Fördert beispielsweise die GEW mehr Geld für Grundschullehrer, dann spritzt zu 100% der Philologenverband dagegen. Das wissen auch die Arbeitgeber egal welcher Institution und nutzen das natürlich aus. Beendet erstmal den Kindergarten in den Schulen und unter den Kollegen, dann könnt Ihr gemeinsam Mal was fordern.

    • Ganz so stimmt das mit dem fehlenden Streikrecht ja gar nicht. Erzieher/innen und angestellte Lehrer/innen dürften das ja. Aber es müsste eben zentral von den Gewerkschaften organisiert werden. Und die (s.o.) versagen hier vollkommen, weil ihnen offensichtlich nicht klar ist, wer die Mitgliedsbeiträge bezahlt (eben nicht Eltern und Kinder).

  5. Stellen Sie sich Mal vor, die GEW würde Streiks für die angestellten Grundschullehrer organisieren, was natürlich Streikgeldzahlungen für die betroffenen Lehrer nach sich ziehen würde.
    Es würden sofort die Kollegen der Gymnasien reklamieren, dass diese Gelder ihnen zustehen und mit Austritt drohen.
    Bei Verdi würde das nicht passieren, wenn die Müllmänner streiken stehen die Kraftwerker dahinter obwohl sie keinen Grund zu streiken haben und eigentlich gar keine Gewerkschaft brauchen.
    Ein solches Denken ist Lehrern unbekannt.
    Nur Mal kurz drüber nachdenken…

    • Gymnasiallehrer/innen sind meines Wissens eher nicht in der GEW, und ist Verdi nicht auch teilweise für Erzieher/innen zuständig?

      • Genau so sieht es aus. Im Sommer gingen die Verdi-Erzieher in den Streik. Und was für einen Shitstorm ernteten sie von den Lehrern, auch in diesem Forum? Sollten die nicht hinter den Streikenden stehen? Haben sich etwa die Mitarbeiter der Stadtwerke, Energieversorger oder Krankenhauspersonal von Verdi negativ dazu geäußert? Nein, die stehen füreinander ein! Übrigens, der Streik war von Erfolg gekrönt, wurde aber auch von Forumsteilnehmern hier verrissen.

        • Sie wissen schon, dass Erzieher*innen und Lehrer*innen selbst wenn sie Mitglieder*innen der GEW sind nicht den gleichen Tarifverträgen unterliegen? Die einen werden gem. TVöD und die anderen gem. TV-L(TV-H) vergütet. Den Streitpunkt Lohnabstandsgebot gibt es in allen Tarifbereichen ebenso wie die Eingruppierung in den Tarifvertrag und die Tatsache, dass die gleiche Entgeltgruppe bei gleicher Erfahrungsstufe im direkten vergleich zweier Tarifverträge – z. B. NGG in MV und IGM in BW – deutliche Entgeltunterschiede bedeutet. D.h. auch, dass eine angelernte Arbeitskraft in der Metall- und Elektoinsustrie im Südwesten ein deutlich höheres monatliches Entgelt erhält als eine qualifizierte Arbeitskraft mit Meister-Abschluss im Gastrogewerbe im Nordosten.

  6. Zu welchem Beitrag gab es diesen Shitstorm von Lehrern? Ich lese hier eigentlich seit einem halben Jahr mit, aber natürlich nicht immer alles, und habe von einen solchen Shitstorm nichts mitbekommen.

    • Hier schon Mal kurz ein Beleg für die Überheblichkeit von Lehrern gegenüber der Erzieher, allein die Wortwahl ( Schmalspurausbildung, Kindergärtnerin) sagt schon alles aus.
      Der Rest folgt auch noch…

        • @Achim
          Als meine Kinder zwischen 19 88 und bis 1998 den Kindergarten besuchten, gab es in unseren kleinen Gemeinde so eine Möglichkeit. An mehreren Tagen in der Woche kam von der Grundschule eine Lehrkraft und hat mit einigen Kindern über wenige Stunden Unterricht gemacht. Aber es war eine Grundschullehrkraft. Das Augenmerk einer Erzieherin und einer Grundschullehrkraft liegt zwar auf dem Kind, sie haben aber andere Ansätze der Wissensvermittlung.
          Wie im 1. Schuljahr dann tatsächlich gearbeitet wird entspricht dem , was in der Vorschule durch Grundschullehrer schon vorbereitet und eingeführt wurde! Dies erleichtertviele Kindern denn Einstieg und erschwert ihn nicht zusätzlich!

          • An solche Kommentare kann ich mich auch entsinnen. Bei dem Streik der ErzieherInnen nicht so extrem, aber bei der Forderung um eine bessere Entlohnung der Grundschullehrer kam ein Sturm der Entrüstung von den Philologen. Da hat Achim schon recht.

          • Ja, Oka, da gebe ich Ihnen tatsächlich teilweise recht, war aber ein einziger Kollege (und eine Schreiberin, die offensichtlich keine Lehrerin war, weil 0 Ahnung, kommt ja auch öfter mal vor) , ebenso, wie in dem Link auf die Vorschule. Und in beiden Fällen gab es Widerspruch. Und vermutlich wird das auch ähnlich aussehen, wenn det Link zum Streik der Erzieherinnen wieder gefunden wird. Jedenfalls war ich an dem A13-Thread ziemlich aktiv beteiligt, und heule hier nicht rum, weil die Philologen mich schlecht behandelt haben.

  7. @Achim,
    mir geht es wir Lanayah!
    Welcher Artikel? Würde mich gerne davon überzeugen, kann mich leider auch nicht an Kommentare , wie Sie sie hier angeben, anscheinend sogar in großer Menge erinnern. Helfen Sie uns und recherchieren Sie bitte, wo und wann das war. Würde mich gerne davon überzeugen lassen, dass ihre Aussage hier stimmt!

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