Kinderhilfswerk-Präsident vor Corona-Gipfel: Kinder müssen jetzt zuerst dran sein

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OSNABRÜCK. Thomas Krüger plädiert für baldige Öffnung von Kitas und Schulen – „Es wird nicht hinreichend abgewogen“, meint er.

In der Debatte um Lockerungen der Corona-Maßnahmen fordert der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks, Thomas Krüger, die Bedürfnisse von Kindern stärker zu berücksichtigen. „Wenn es um Lockerungen geht, müssen die Kinder zuerst dran sein. Bisher kann nicht davon ausgegangen werden, dass Kinder die Hauptinfektionstreiber sind, daher müssen die Schulen und Kitas umgehend wieder öffnen, wenn die Pandemielage es zulässt“, sagte Krüger im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Kinderhilfswerk-Präsident Thomas Krüger rechnet mit dramatischen Folgen des Lockdowns für die Krisengegeneration. Foto: Regani / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

Aus seiner Sicht werde bislang nicht ausreichend zwischen Gesundheitsschutz und Gefahren durch den Lockdown abgewogen. „Der Gesundheitsschutz vor dem Virus hat gerade Priorität vor allen anderen Gefahren, die durch den Lockdown entstehen. Da wird nicht hinreichend abgewogen. Die Abwägung aus kinderrechtlicher Perspektive muss von der Politik jetzt stärker gemacht werden als bislang in der Pandemie“, fordert der Kinderhilfswerk-Präsident.

Die Pandemie sei „schlimm für Kinder, weil sie in ihrem Bewegungsfreiraum eingeschränkt sind, weil Ungleichheiten sich verstärken und weil es einfach eine Dauer-Stress-Situation ist“. Das betreffe vor allem Kinder, die in beengten Verhältnissen leben und im Homeschooling nicht über die technische Ausstattung verfügen oder sich diese mit ihren Geschwistern teilen müssen. „Wir kennen die derzeitige Dunkelziffer der Gewalt gegen Kinder nicht. Es gibt aber Anzeichen dafür, dass durch die Drucksituation eine Menge problematischer Dinge passieren, die durch abwesende Ansprechpersonen für Kinder unbemerkt bleiben. Das macht uns Kinder-Verbänden große Sorgen“, so Krüger weiter.

Aus Sicht des Kinderhilfswerks ist mit dramatischen Folgen des Lockdowns für Kinder zu rechnen. „Ich befürchte, dass wir es mit einer Generation zu tun bekommen, die Rückschläge bei Bildung, sozialen Kompetenzen und ihrem Selbstbewusstsein erleidet. Wenn Kinder sich in einer solchen Krisensituation nicht beteiligen können und nur über sie entschieden wird, wird das eine Hypothek sein, die wir als Gesellschaft möglicherweise teuer bezahlen werden“, so Krüger in der NOZ. (ots)

Bund-Länder-Gipfel am kommenden Mittwoch: Kommt jetzt doch (endlich) ein verbindlicher Stufenplan für Kitas und Schulen?

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17 KOMMENTARE

  1. Zuerst dran sein müssen die Grundschullehrer und zwar mit der Impfung.
    Am besten mit Moderna der schnell einen hohen Schutz bietet.

    ALLE GRUNDSCHULLEHRER impfen dauert 2 TAGE

  2. Herr Krüger sollte sich vielleicht auch mal besser informieren. Kinder müssen keine „Treiber der Pandemie“ sein. Es reicht, dass sie durchschnittlich ansteckend sein können. Wer wirklich etwas für Kinder tun will, sollte daher mehr Sicherheit in Schulen und KiTas fordern, d.h. Raumluftfilter und Plexiglas, und da, wo Abstand nicht möglich ist (KiTa, Förderschulen) ein Impfangebot mit Biontech ab 16. Tote Eltern oder Grosseltern oder auch LuL und Erzieher/innen sind für die kindliche Psyche sicher nicht besser als Einschränkungen durch den Lockdown, ebensowenig wie selbst zu erkranken.
    Herr Krüger sollte sich auch mal Gedanken darüber machen, dass die Kinder, die derzeit in die Schule gehen, in dicken Jacken (falls sie so etwas überhaupt besitzen) dort sitzen und frieren müssen, weil alle 20 Minuten bei -Graden gelüftet werden muss.

    • Zumal auch Kinder an Covid-19 schwer erkranken können. Nur weil es da ein paar Prozent weniger trifft als unter Erwachsenen, kann man die doch nicht einfach ignorieren.

  3. Und wieder einer dieser ˋ Wiederkäuer ´ , die behaupten , dass Kinder keine ˋ Haupttreiber ´ der Pandemie sind . Aber ˋ Treiber ´ dann doch ? Wahrscheinlich sind die ˋ Haupttreiber ´ dann die , die alle zwei Monate zum Frisör gehen oder einmal die Woche ins Fitnessstudio ? Abgesehen davon : Es war seit Februar 2020 immer Schule – nur in anderer Form . Aber hauptsächlich Präsenzunterricht . Ich bin selber Lehrer und weiß , wie sehr meine Schüler die jetzige Phase genießen . Keiner will zurück . Der Präsenzunterricht ist sowieso ein Auslaufmodell . Früher ging man in die Filiale und machte seine Bankgeschäfte . Heute geht es online . Trauert dem jemand nach ? Dem Anstehen und Parkplatz suchen ? Für größere Schüler ist das Distanzlernen ein Schritt in die Selbstständigkeit .

    • Den Gedanken hatte ich auch schon mehrfach, dass Präsenzunterricht in der bisherigen, quasi allumfassenden Form ein Auslaufmodell ist. Daran sollte man m.E. konsequent weiterarbeiten, anstatt Fernlernen ständig als eine schlimme Ausnahme schlechtzureden. Wenn man sich vorstellt, alle Bausteine des digitalen Lern-Systems werden noch nutzerfreundlicher und stabiler in der Leistung und vlt. noch einfacher in der Handhabung – da steckt mächtig Potential drin. Ab Kl. 7 ein Tag Fernlernen, ab Kl. 8 zwei Tage Fernlernen … ich sehe viele Vorteile auf etlichen Ebenen.

  4. Der nächste „Experte“, der das Märchen „Kinder sind keine Treiber der Pandemie“ erzählt. Ist alles längst widerlegt. Trotzdem kommt jeden Tag aus irgendeinem Loch einer, der das Märchen wieder erzählt. Liest man Kommentare auf diversen Nachrichtenseiten, merkt man, wie das wirkt. Es wirkt langsam wie eine konzertierte Aktion von irgendwelchen Lobbyverbänden. Gesundheitsschutz ist denen doch komplett egal. Kinder in die Schulen, damit der Pöbel arbeiten geht. So durchschaubar, so widerlich!

  5. Kinderschutzbund heißt doch eigentlich dass er Lobby für Kinder machen sollte – also für die Gesundheit, soziale Teilhabe, Unversehrtheit. Das scheint er aber nicht zu fordern. Scheinheilig und dumm! Welche Interessen vertritt der Kinderschutzbund nochmal …?

    • Vielleicht auch die der Kinderärzte, die offenbar zu wenig zu tun haben.
      Oder die der DGPI:
      https://www.krankenhaushygiene.de/pdfdata/2021_02_05_DGPI_DGKH_zu_Kindern_COVID19.pdf

      „Situationsbeschreibung
       Kinder erkranken selbst nur selten schwer an COVID-19. Schwerste Erkrankungen oder sogar Tod sind eine Rarität.
       Kinder jeden Alters sind grundsätzlich empfänglich für SARS-CoV-2 und können das Virus übertragen. Jüngere Kinder sind weniger anfällig für Infektionen sein; wenn sie infiziert sind, scheinen sie seltener zu einer Weitergabe der Infektion beizutragen als Erwachsene.
       Infektionshäufungen an Schulen kommen vor, allerdings fehlen meist strukturierte Ausbruchsuntersuchungen. Woher die Infektionen kamen, ob die Übertragungen privat oder in der Schule stattfanden, wer wen in welchem konkreten Zusammentreffen angesteckt hat, ist oft unbekannt. In den untersuchten Fällen waren Lehrer oder Erzieher oft die Index- Personen, von denen die Übertragungen ausgegangen waren.
       Schulen und KiTas sind für Kinder und Jugendliche systemrelevant, denn sie treffen im Kern ihre sozialen und intellektuellen Grundbedürfnisse und bestimmen entscheidend ihre psychosoziale Entwicklung; Schulen und KiTas spielen eine wesentliche Rolle bei der Aufdeckung medizinischer oder sozialer Probleme und tragen zur Prävention von Kindeswohlgefährdung bei. Jedwede Einschränkung der Grundrechte von Kindern und Jugendlichen, die ihnen fremdnützig auferlegt wird, bedarf einer strengen ethischen Abwägung und v.a. einer wissenschaftlich konkret belegbaren Rechtfertigung.
       Die Kollateralschäden durch Schließung von Kitas und Schulen sind in der Vergangenheit in ihrer Dimension zu wenig berücksichtigt worden. Mittlerweile wird das gravierende Ausmaß der Schäden durch immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen belegt.
       Schulschließungen können nur das letzte Mittel sein; eine Reihe konkret benennbarer Interventionen, die umgesetzt werden können, sind mehrfach ausführlich dargestellt worden.
      Neue Virusvarianten (VOC)
       Erhöhte Übertragbarkeit. England und Irland zeigen, dass sich die neuen Varianten zum dominanten Pandemieerreger in der jeweiligen Region entwickeln, obwohl gleichzeitig die Infektions-Fallzahlen gesenkt werden. Verantwortlich sind mutationsbedingte Veränderungen, die zu einer Senkung der minimalen Infektionsdosis führen, in deren Folge es zu einer erhöhten Übertragbarkeit des Virus kommt (5, 6).
       Schwerer Verlauf und höhere Sterblichkeit fraglich. Nach aktueller Einschätzung der britischen Gesundheitsbehörden besteht lediglich „eine realistische Möglichkeit einer erhöhten Sterblichkeit durch VOC B.1.1.7.“, welche aber durch weitere Untersuchungen an höheren Fallzahlen belegt werden müsse.
       Keine erhöhten Infektionsraten bei Kindern – keine differente Altersverteilung. Anfängliche Medienberichte über eine im Vergleich zu Erwachsenen erhöhte Ansteckungsgefahr oder Übertragbarkeit für Kinder haben sich nicht bestätigt.
       Wirksamkeit der Impfung für die britische Varianten (VOC) B.1.1.7. erhalten. Nach Angaben unabhängiger Institutionen und des Pharmazeutische Unternehmers (pU) Biontech-Pfizer bleibt die Wirksamkeit des Impfstoffes für die britische Variante B.1.1.7 erhalten. Das gilt auch für die neuen Impfstoffe der pU Johnson & Johnson sowie Novavax, die ihre Impfstoffe in England (Novavax) bzw. auch in Südafrika und Lateinamerika (J&J) getestet haben. Eine mögliche Verringerung des Immunschutzes durch eine mutationsbedingte Änderung der viralen Oberflächen (Spike-) Glykoproteine (sog. Antigen-Escape) wird für die brasilianischen und südafrikanischen Varianten beschrieben.
       Konsequenzen für die aktuelle Diskussion um Kita- und Schulöffnungen. Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die etablierten Schutzkonzepte grundlegend geändert werden müssen. Die AHA+L-Regeln gelten weiterhin uneingeschränkt und sind effektiv. Es besteht allerdings die dringende Notwendigkeit, dass sämtliche Maßnahmen intensiver und konsequenter eingehalten werden müssen; nicht neue Konzepte, sondern die bereits etablierten und bewährten Maßnahmen müssen konsequenter angewendet und ergänzt werden durch eine gezielte Surveillance bei regional stark erhöhten Melderaten mittels wöchentlicher Pool- oder Selbsttestungen der Lehrer sowie die Testung kranker oder in Quarantäne befindlicher Kinder (z.B. Tag 5).
      Steuerungsmechanismen
      In der Öffentlichkeit wie in der Politik und Wissenschaft herrscht weitgehend Konsens, dass die benutzte 7-Tage-Inzidenz der gemeldeten Neuinfektionszahlen als Steuerungsmechanismus untauglich ist. Ein neuer Index muss transparent und belastbar politische Entscheidungen begründen können. Auch nach Einschätzung des Deutschen Ethikrates müssen die Überlastung des Gesundheitssystems mit Nennung der Zahlen zur Hospitalisierung, Intensivbettenbelegung und zu den Todesfällen die entscheidenden Parameter sein, die die 7-Tage-Inzidenzen ersetzen.“

      Dazu „passt“ die Meldung, dass 14 Senioren trotz zweifacher Impfung mit Biontech mit Corona infiziert sind.

      https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Belm-14-geimpfte-Seniorenheim-Bewohner-positiv-getestet,corona6612.html

  6. „Kinder müssen jetzt zuerst dran sein“

    …als ich das gelesen habe, war der erste Gedanke der Fortsetzung der „Forderung“:

    „Kinder müssen jetzt zuerst dran sein mit der dritten Welle“.

    Der Mann hat es nicht verstanden und auch nicht verstanden, dass der schnellste Weg zur Normalität für die Kleinen NICHT in schnellen Lockerungen besteht, sondern viel mehr in einer Verschärfung mit dem Ziel sehr niedriger Infektionszahlen. Alles andere ist nur die Fortsetzung des bisherigen „Augen zu und durch“ und kein tragfähiger Plan. Normalität setzt ein weitgehend erloschenes Infektionsgeschehen voraus, kein ewiges „wir halten das Infektionsniveau auf einem hohen Niveau und treten immer wieder auf die Bremse“.

    Die Feuerwehr kommt doch auch nicht mit der Gießkanne und schüttet ein bissel Wasser in jeden sichtbaren Brandherd, sondern kommt mit dem Löschzug und viel Wasser.

  7. „„Der Gesundheitsschutz vor dem Virus hat gerade Priorität vor allen anderen Gefahren, die durch den Lockdown entstehen. Da wird nicht hinreichend abgewogen. Die Abwägung aus kinderrechtlicher Perspektive muss von der Politik jetzt stärker gemacht werden als bislang in der Pandemie“, fordert der Kinderhilfswerk-Präsident.“
    NEIN!!!
    Es gibt für mich keine Abwägung zwischen meinem Tod- den Corona bringen kann- und irgendwas anderem!
    Alle „anderen Gefahren(?)“- zu sterben, was kann da gleichrangig gefährlich sein???

  8. Kindeswohlgefährdung, Verwahrlosung, Depressionen bei Kindern gab es auch vor der Pandemie zu genüge und es wurde viel zu wenig dafür getan. Und das ist sehr schlimm. Aber jetzt muss erstmal das Virus „bekämpft“ werden um noch viel Schlimmeres zu vermeiden. Danach sollte sich um viele vernachlässigte Themen aus der Vergangenheit absolut dringend gekümmert werden!!!!!!

  9. Herr Thomas Krüger,

    schön, dass Sie gleichermaßen informiert und besorgt sind.

    Schon klar, wenn alle sich zu Wort melden, dann schwimmt es sich gut im Mainstream und da möchte man gerne dabei sein.
    Allerdings wird Schwarm-Intelligenz auch verdammt oft überschätzt …

    Aber wo waren Sie VOR Corona mit Ihrer Besorgnis und Ihrem Sendungsbewusstsein?
    Sie wissen schon:
    Seit Jahren forderten Erzieher kleinere Gruppen in Kitas, seit Jahren forderten Lehrer aller Schulformen kleinere Lerngruppen.
    Seit der Inklusion forderten Erzieher und Lehrer mehr Sozialarbeiter und wenn nötig auch multiprofessionelle Teams.
    Wo waren Sie zu dieser Zeit und womit haben Sie sich zu dieser Zeit beschäftigt?
    Hat das irgendwelche Auswirkungen auf Ihre jetzige Position und Handlungsstrategie?

  10. Herr Krüger hat absolut Recht mit seinem Satz […]“müssen die Kinder zuerst dran sein[…]“.

    Denn wenn wir jetzt, oder wie bisher wahlkampf- oder profilneurotisch gesteuert, die Schulen zu früh öffnen, sind die Kinder und Jugendlichen wirklich wieder „als erste dran“ – mit dem Risiko zu erkranken und ihr Leben lang zu kämpfen: mit Folgekrankheiten und psychischen Belastungen, sollte in der Folge ein Familienmitglied erkranken oder gar sterben.
    Es ist doch schön, wenn es jemand gut mit den Kindern meint, Herr Krüger. Danke!

    Weil das Jugendamt, sagte man mir dort, nicht eingreifen konnte, wendete ich mich an das Kinderhilfswerk. Interessanterweise (besser traurigerweise) fand ich beim einem Gesprächstermin in einer Filiale in Ba-Wü keine Hilfe, als ich mit Bildmaterial und einem Schreiben des betroffenen Jungen einen Fall von Kindesmisshandlung vorstellte. Herr Krüger, das wäre doch eher Ihr Aufgabenbereich: Die eigene Organisation besser aufzustellen, oder?

    Sorry, aber diese Schläge ins trübe Wasser der Medien, um mit viel schmutzigem Schaum auf sich selbst aufmerksam zu machen, solche Leute gehen, zumindest mir, zunehmend auf die Nerven. Zurzeit kann man dieses Verhalten fast täglich erleben, Beispiele gibt es hier in N4T genug…

    Jeden Tag frage ich mich, warum in den leitenden Posten, egal wo, immer mehr inkompetente oder selbstzentrierte Schleim – Defäkationisten sitzen – und immer weniger kompetente Leute, die sich aber immer weniger durchsetzen, oder sollte es diese Art Mensch mit Zivilcourage schon gar nicht mehr geben?

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