In Bayern öffnen weiterführende Schulen – eigentlich. In 24 Corona-Hotspots nicht

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MÜNCHEN. An diesem Montag sollen die weiterführenden Schulen in Bayern  wieder öffnen – eigentlich. Denn trotz Lockerungen der Corona-Maßnahmen an bayerischen Schulen werden zahlreiche Schüler im Freistaat auch an diesem Montag weiter zu Hause bleiben müssen.

Das Coronavirus breitet sich aus – auch unter Lehrern und Schülern. Foto: Shutterstock

Zwar dürfen überall dort, wo die Sieben-Tage-Inzidenz von 100 nicht überschritten wird, neben Schülern in Grundschul- und Abschlussklassen auch die weiterführender Klassen wieder mindestens mit Wechselunterricht starten. Die Regionen, in denen das gilt, werden aber weniger.  Das bayerische Innenministerium listete mit Stand Freitag 23 Hotspots auf, in denen die Marke von 100 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten wurde.

Darüber hinaus meldete beispielsweise auch die Stadt Regensburg, die nicht auf der Liste des Innenministeriums steht, dass dort – mit Ausnahme der Abschlussklassen – an den Schulen auch von Montag an weiter Distanzunterricht stattfinden soll. In Kinderbetreuungseinrichtungen und in Kindertagespflegestellen wird wieder auf Notbetreuung umgestellt. Auch an den Kitas wird ab Montag in Stufen verfahren, je nach Inzidenzwerten. Testangebote auf breiter Front sollen die Öffnungen begleiten, nun auch bei den jüngeren Schülern

Ein Ausblick auf diesen Montag – und darüber hinaus:

SCHULÖFFNUNGEN UNTER SIEBEN-TAGE-INZIDENZ 100: Bislang durften neben den Abschlussklassen lediglich Grundschulen wieder Wechselunterricht für die Kinder anbieten – ausgenommen in Corona-Hotspots mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100. Von Montag an dürfen nun überall dort, wo der 100er-Wert nicht überschritten wird, auch alle Klassen an weiterführenden Schulen wieder in den Wechselunterricht gehen. Wenn durchgehend ein Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden kann, ist sogar normaler Präsenzunterricht erlaubt. Auch Räume außerhalb der Schule dürfen dabei genutzt werden – was offenbar an mehreren Orten in Bayern passiert, aber nicht zentral erfasst wird.

SONDERFALL GRUNDSCHULEN: In Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 liegt, dürfen ab Montag alle Grundschulen von Wechsel- auf normalen Präsenzunterricht umstellen.

SCHULSPORT: Überall wo die Schüler zumindest zeitweise zurück im Unterricht sind, ist ab Montag dann prinzipiell auch wieder Schulsport möglich. Die Übungszeit in Sporthallen darf maximal zwei Unterrichtsstunden dauern und ist weiter mit Hygieneauflagen wie Abstandsgebot und im Innenbereich auch einer Maskenpflicht belegt.

TESTREGELUNGEN: Kinder und Jugendliche mit Erkältungssymptomen müssen ab Montag vor dem Schulbesuch in Bayern künftig einen negativen Corona-Test vorweisen – diese Regelung gilt auch an Kitas und in Horten. Der Test muss in einem Testzentrum, in einer Apotheke oder bei Ärzten durchgeführt werden. Ein negativer Selbsttest reiche für den Schulbesuch nicht aus.

HOTSPOTS: In Regionen mit mehr als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen sieben Tagen bleibt es dabei, dass es an allen Schularten nur Distanzunterricht geben darf. Eine Ausnahme gibt es: Abschlussklassen dürfen dort weiter im Wechselunterricht bleiben.

KITAS: An den Kitas wird nun ebenfalls in Stufen verfahren: In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 dürfen Kinderbetreuungseinrichtungen in den normalen Regelbetrieb wechseln. Zwischen 50 und 100 bleibt es beim eingeschränkten Regelbetrieb, also in festen Gruppen. Und in Regionen über dem 100er-Wert muss auf Notbetreuung umgestellt werden.

WO GILT WAS? Die Landkreise und kreisfreien Städte müssen immer freitags bekanntgeben, welche Inzidenzeinstufung dort gilt. Maßgeblich sind die Zahlen des Robert Koch-Instituts. Neu ist, dass die Einstufung dann für die komplette darauffolgende Kalenderwoche gilt. Damit soll ein mögliches tägliches Hin und Her zwischen Schulöffnungen und -schließungen in einer Region vermieden werden.

MASKENPFLICHT: Es bleibt bei der Maskenpflicht (mit Ausnahmen etwa während Stoßlüftungen) sowie den Abstands- und Hygieneregeln. Für Lehrkräfte ist ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz Pflicht.

SELBSTTESTS FÜR SCHÜLER UND LEHRER: Alle Schülerinnen und Schüler – nach viel Kritik nun auch die unter 15 Jahren – sollen sich künftig einmal pro Woche selbst auf eine Corona-Infektion testen können, Lehrerinnen und Lehrer sogar zweimal. Die Tests dafür stellt der Freistaat bereit. Jüngere Schüler sollen die Selbsttests direkt in der Schule machen können – freiwillig, aber unter Anleitung und Aufsicht. Das Rote Kreuz und andere Hilfsorganisationen sollen bei den Tests helfen. Allerdings hatte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) betont, dass es nicht überall schon am Montag losgehen werde. Vielmehr solle das Angebot sukzessive ausgebaut werden.

IMPFUNGEN: Lehrkräfte an Grundschulen und Förderschulen sowie das Kita-Personal wurden bei der Impf-Priorisierung inzwischen in Gruppe zwei eingestuft, können also nun auch vorrangig geimpft werden. Das sorgt bei Lehrern anderer Schularten teils für Unmut: Der bayerische Philologenverband hat angekündigt, er wolle sich juristisch gegen die bevorzugte Corona-Impfung von Grund- und Förderschullehrern wehren.

ANGEBOT FÜR HOTSPOTS: Für Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100, in denen also grundsätzlich nur Distanzunterricht erlaubt ist, hat Piazolo die Möglichkeit für einen «Tag des offenen Klassenzimmers» für Grundschulklassen angekündigt. Grundschüler sollen an einem Tag die Möglichkeit bekommen, sich im Klassenzimmer zu treffen – aber nur auf freiwilliger Basis, und wohl eher nicht in Regionen mit einer Inzidenz über 300.

Zudem hat Piazolo für Regionen mit hohen Corona-Zahlen am Donnerstag umfassende und regelmäßige Tests (etwa zweimal pro Woche) für Schulen vorgeschlagen, um auch dort zumindest an Grundschulen wieder Wechselunterricht zu ermöglichen. Eine Test-Verpflichtung für Schülerinnen und Schüler sieht Piazolo aber skeptisch. Ihm schwebt ein Pilotversuch in der Woche vor den Osterferien und nach den Ferien eine Ausweitung vor. News4teachers / mit Material der dpa

„Ritt auf der Rasierklinge“: Gebauer zwingt Stadt mit Inzidenzwert von 240, die Schulen für Präsenzunterricht zu öffnen

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9 KOMMENTARE

  1. Durchgehendes Chaos durch strengere „flächendeckende“ Quarantäne ist vorprogrammiert, vgl. hier:

    (BaWü) „Bereits am 25.02.2021 hat das Sozialministerium aber die Quarantäneregeln mit Blick auf die Virusmutationen verschärft: Wird ein Kind oder eine Lehrkraft positiv auf eine VOC-Infektion getestet, müssen die ganze Klasse, alle unterrichtenden Lehrkräfte und deren Familien in einen nicht verkürzbaren, 14-tägigen Lockdown.

    „Angesichts der steigenden Inzidenzen im Land und des in dieser Woche auf zwei Drittel anwachsenden Anteils der VOC an allen Infektionen wird dies (nach fünf Tagen Inkubationszeit) übernächste Woche zu deutlich mehr Schul-Quarantänemaßnahmen führen, bei denen dann auch die kompletten Familien in Quarantäne müssen“, befürchtet Ralf Scholl.

    Diese Woche gab es bereits drei solcher schulischen Quarantäne-Maßnahmen im Land (wegen insgesamt 9 positiv getesteter Schüler), wie die Covid-19 Tagesberichte des Landesgesundheitsamtes ausweisen. „Wenn ab nächsten Montag die Fünft- und Sechstklässler wieder in die Schulen kommen und an den meisten Schulen ohne Abstand im Klassenzimmer sitzen, ist damit zu rechnen, dass die Anzahl der Infektionen wie auch der Menschen, die sich in Quarantäne begeben müssen, deutlich ansteigen wird“, so der PhV-Landesvorsitzende.“ https://www.phv-bw.de/phv-bw-zu-praesenzunterricht-ohne-abstand-und-zu-quarantaeneregeln/

  2. Wir sind hier von knapp fünfzig auf knapp achtzig innerhalb weniger Tage hoch geschnellt. Ich bin sehr dankbar, dass meine Kinder wegen mir ein Attest haben, das sie von den Präsenttagen befreit. Oh, und bevor irgendwelche Muttis, Mamis, o. Ä. wieder was von wegen Vereinsamung und Kindeswohl plappern… DIE KINDER SIND ES AUCH!! Sie verfolgen Nachrichten und sind sehr wohl über Long Covid und Mutationen informiert. Das Immunsystem stärken wir in der Natur, mit FaceTime und Treffen mit den Cousinen draußen im Garten ist auch von Vereinsamung keine Rede. Meine Schwester ist selber in der Risikogruppe und ihre Familie achtet auch streng auf die Regeln. Für alle, die ihre Kinder gern daheim hätten und es aus mannigfaltigen Gründen nicht geht, blutet mir das Herz. Ich wünsche allen, dass wir gesund durch diese Zeit kommen. Hoffentlich bleibt der Piazolo Miche bei seiner Regelung, dass ab 100 Distanzunterricht gegeben wird. Es ist eine absolute Sauerei, dass Länder versuchen, die Grenzwerte zu verschieben und Städte wie Calw ihre Zahlen schönen. Der Hirnriss, alles Erreichte unter anderem wegen fünf Tagen Präsenzunterricht pro Schüler vor Ostern zu riskieren, erschließt sich mir nicht. Aber hey, lasst Mal Malle buchen.

    Döp.

  3. Wenigstens hält sich dieses Bundesland (bisher) an die 100-Grenze!
    Was der Quatsch mit dem Tag der offenen Tür sein soll, ist unklar…

  4. Das hört sich im großen Ganzen vernünftig an.
    Schade dass es in Niedersachsen nicht wie in Bayern keine Maskenpflicht im Unterricht gibt.

    NRW ist natürlich völlig menschenverachtend. Oder besser gesagt KINDERVERACHTEND.

    Wenn man Kinder nicht impfen kann, sind alle anderen möglichen Maßnahmen Pflicht:

    Frischluftwärmetauscher
    Luftfiltergeräte
    Masken im Unterricht
    Trennwände
    Testen
    Abstand im Unterricht

    Um ein paar Kröten zu retten, gibt es Straßensperrungen, Tempolimits von 40 km/Stunde, viele Autobahnen werden nicht gebaut.

    Kröten sind anscheinend wertvoller als Kinder. Perverse ist das.

  5. Leider wird in der Süddeutschen Zeitung auf der Meinungseite schon wieder „Lasst die Schulen offen“ als Reaktion auf die schließenden Schulen in Bayern gefordert – man solle unabhängig von Indizenzwerten Schulen offen halten und Präsenzunterricht durchziehen. Das RKI hätte gezeigt, dass kaum Absteckungen bei SuS bis 15 Jahren in Schulen stattfinden würden. Redakteur*innen der SZ fordern dies in schönen Abständen seit Beginn der Pandemie. Immer wieder wird hier verharmlost – zunächst verwies Paul Munzinger im Sommere auf Schweden, das ohne Schul-Ansteckungen durch die Krise gekommen sei. Dies sei ein Modell, dem man unbedingt folgen müsse. Dann wurde von Munzinger im Oktober 2020 euphorisch die „Studie“ von zwei Wirtschaftswissenschaftlern und eines Studenten des Instituts of Labour Economics gefeiert, die nachgewiesen habe, dass Schulen infektologisch gesehen „sichere Orte“ seien. Dann gab es ein Öffungsplädoyer von Nina von Hardenberg, das Ansteckungen abtat und die Hygienekonzepte in Schulen als wirksam bezeichnete. Und heute nun Hans Gasser. Alle drei Redaktuer*innen sind jung und fühlen sich offenbar sehr sicher. Dass andere Menschen mit ihren Forderungen massiv gefährdet werden, sollten Inzidenzwerte und Ansteckungen keine Beachtungen mehr finden, blenden sie schlicht aus.
    Die SZ sollte man wohl besser abbestellen.

    • Die SZ wird schon seit meinen Tagen an der TU München als Toilettenpapier betrachtet und an jeder U-Bahn kostenlos abgegeben. Massive Auflagenverluste. Die Schulöffnungsartikel werden zu weiteren Verlusten führen.

  6. Diese Stichtagsregelung sorgt dann dafür, dass es rauf und runter geht mit den Inzidenzen.

    Beispiel Landkreis Bayreuth:
    Freitag laut eigener Website Inzidenz um 107, laut RKI knapp unter 100.
    Schulöffnungen werden bejubelt.
    Damit keiner misstrauisch wird, werden am Sonntag einfach mal gar keine Fälle gemeldet, deshalb:
    Sonntag Angabe von Inzidenz 88, RKI wird erstmals als Quelle genannt. Keine neuen Fälle.
    Heute Inzidenz knapp 117.

    Sehr vertrauenserweckend!

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