Lehrer-Tagung mobile.schule Digital: „Die Pandemie ist eben auch ein Beschleuniger“

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DÜSSELDORF. Am 1. April geht die für und von Lehrkräften veranstaltete Online-Tagung mobile.schule Digital in die nächste Runde. In kürzester Zeit ist die kostenlose Weiterbildungsveranstaltung zu einer der bundesweit größten Online-Tagungen zum Thema digitale Schule herangewachsen. Im Interview gibt uns Initiator und Medienberater Andreas Hofmann Einblicke in das neue Format und seine Gedanken zur Zukunft der Schule nach Corona.

Die Corona-Krise hat den Unterricht auf einen Schlag digitalisiert – aber… Foto: Shutterstock

News4teachers: Herr Hofmann, Sie haben Ihre Fortbildungsreihe wie so viele andere Veranstalter ins Digitale verlegen müssen. Wie hat das funktioniert?

Andreas Hofmann: Wir haben erstaunlich viel Zulauf bekommen. Bei der letzten Veranstaltung hatten wir schon bei der Begrüßung 1.500 Gäste. Insgesamt waren es 2.500 TeilnehmerInnen in den rund 50 Workshops. Unsere virtuellen Räume sind eigentlich auf je 300 ausgelegt, da wurde es zuweilen knapp. Für die nächste Veranstaltung am 1. April habe ich schon größere Räume eingeplant.

News4teachers: Es scheint zurzeit großen Fortbildungsbedarf zu geben. Welche Themen sind denn aktuell besonders gefragt?

myViewBoard bei mobile.schule

„Homeschooling – wie soll das eigentlich funktionieren, wenn man eine Sprache gerade erst lernt?“ Ausgerüstet mit dieser Fragestellung im Gepäck, hat sich eine Sprachlehrerin auf die Suche nach einem ad hoc einsetzbaren, praktikablen und intuitiven – kostenlosen – Online-Classroom begeben. Ihren „Glücksgriff“, wie sie sagt, stellt Franziska Wald-Lemke am 1. April 2021 interessierten Lehrkräften in einem Webinar auf mobile.schule Digital vor: myViewBoard von ViewSonic.

myViewBoard zu Gast bei mobile.schule Digital
am 1. April 2021
um 17.00 Uhr, Raum „Borkum“
Anmeldung unter: mobile.schule

Informationen zu ViewSonic: https://www.viewsonic.com/de/education/

Hofmann: Wir haben im Moment eine Situation, in der die Hardwarelieferanten kaum hinterherkommen. Das heißt Endgeräte kommen jetzt in Massen in die Schulen oder sind geordert. Das bringt Trainingsbedarf mit sich, denn viele wissen nicht genau, wie sie mit der neuen Technik umgehen sollen oder welche Anwendungsmöglichkeiten es im Unterricht gibt. Deshalb sind hard- und softwareseitige Basisschulungen gut besucht aber auch Themen wie Kollaboration, Didaktik von Videokonferenzen oder alternative Prüfungsformate.

News4teachers: Sie bieten ein großes Spektrum digitaler Themen an. Unter anderem gibt es aber auch eine so genannte Lounge, die die BesucherInnen zum Netzwerken nutzen können.

Hofmann: Ja richtig. mobile.schule ist von Haus aus ja eigentlich eine Präsenzveranstaltung, die vor der Pandemie in Oldenburg stattfand. Die 1.000 Tickets waren wie bei einem Rockkonzert immer sofort ausverkauft, was sicher auch an den vielen Gelegenheiten zum persönlichen Austausch über Digitales lag. Wir haben da eine richtige Community geschaffen. Jetzt erreichen wir noch viel mehr Menschen, viele davon besuchen die mobile.schule erstmals. Deshalb versuchen wir, auch online diesen Gemeinschaftsgeist so gut es geht aufrecht zu erhalten, auf die TeilnehmerInnen zuzugehen und sie zum Netzwerken einzuladen.

Wir haben sogar schon über die Distanz hinweg gemeinsam gebacken und gekocht oder uns nach der Veranstaltung in der Lounge auf eine Feuerzangenbowle getroffen und weiter diskutiert. Vieles ist möglich, was auf den ersten Blick gar nicht möglich erscheint. Man könnte mithilfe digitaler Tools sogar noch viel mehr machen, aber wir wollen niederschwellig bleiben, also auch unabhängig von der Internetverbindung, die jemand zu Hause oder in seiner Schule hat.

News4teachers: Das digitale Format scheint ja für die mobile.schule gut zu passen. Wie sieht es denn Ihrer Meinung nach mit der Digitalisierung von Schulen aus? Was wird nach der Pandemie von den derzeitigen Bemühungen übrigbleiben?

Hofmann: Was über lange Zeit versäumt wurde und da wo keine Priorisierung stattfand, wird sich nicht innerhalb eines Jahres alles ändern. Aber ich glaube, dass vieles übernommen wird. Zahllose Endgeräte sind inzwischen vorhanden. Das wird einen Riesendruck von Eltern und auch Kindern aufbauen, mit diesen Möglichkeiten auch etwas anzufangen. Die Erwartung besteht einfach. Digitalität wird auch in Deutschland Fuß fassen.

Auch die Digital-Version von mobile.schule wurde erstmal als Notnagel wahrgenommen. „Nur online?!“, hieß es da. Aber das ist es gar nicht. Das Digitale bringt ja auch Vorteile mit sich. Unter anderem fallen teils lange Anfahrtswege nach Oldenburg weg. Ich sitze gerade jetzt zum Beispiel im Zug und habe noch 5 Stunden Fahrt vor mir. Ist doch toll, wenn man sich das ersparen kann.

News4teachers: Im Moment scheint es allerdings, als würden viele Schulen, die sich inzwischen gut mit dem Online-Unterricht arrangiert hatten, mit dem nun vorgeschriebenen Wechselunterricht wieder ins analoge Zeitalter zurückkehren. Konzepte wie Hybrides Lernen scheinen sich noch nicht so richtig entwickelt zu haben. Nach einer Revolution sieht das nicht aus.

Hofmann: Das ist richtig. Aber im Moment geht es in vielen Schulen einfach ums Überleben, darum, diesen schwierigen Alltag zu bewältigen mit ständigen Veränderungen und immer wieder neuen Anforderungen. Da gibt es ganz andere Nöte. Ich glaube aber trotzdem, dass etwas Positives bleiben wird. Ohne die Herausforderungen des letzten Jahres wären wir trotz DigitalPakt noch lange nicht so weit wie jetzt. Die Pandemie war eben auch ein Beschleuniger für Digitalisierung. Die Erfahrungen, die die Kolleginnen und Kollegen in dieser Zeit gesammelt haben, nimmt ihnen keiner mehr.

Negativität und Fatalismus bringen jetzt jedenfalls keinem etwas. Jetzt heißt es Fortbildung, Fortbildung, Fortbildung. Die ersten Bundesländer schreiben gerade externe Trainingsmodule aus. Es wird weiter vorangehen. Da bin ich zuversichtlich.

News4teachers: Wenn das so ist: Wie sähe dann Schule im Jahr 2022 idealerweise aus?

„Positives wird bleiben“: Kongress-Initiator Andreas Hofmann. Foto: privat

Hofmann: Idealerweise gäbe es eine engere Betreuung und Begleitung im Schulentwicklungsprozess. Dabei geht es nicht um Endgeräte oder Technik im Allgemeinen. Es geht um viel komplexere Dinge, die endlich anzugehen sind. Die gesellschaftliche Entwicklung hat die Pädagogik überholt.

Ein großes Thema sind zum Beispiel Prüfungen. Wie zeitgemäß ist denn noch ein Lückentext? Wie zeitgemäß ist es, als Lehrkraft eine allwissende Rolle einzunehmen, wenn doch jedes Kind Informationen im Internet recherchieren kann? Die E-Mail als Kommunikationsmittel? Wird von Eltern und Kindern kaum noch genutzt. Und auch mehr kollaboratives Arbeiten ist nötig. Denn das enttarnt Fehler im System. News4teachers

Hier geht es zu mobile.schule Digital.

Was bleibt vom Distanzunterricht nach Corona? Viele gute Erfahrungen (wenn die Politik es zulässt)! Leser diskutieren

 

 

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2 KOMMENTARE

  1. Ich kann jedem die kostenlosen (!!!) Weiterbildungsangebote von mobile.Schule.digital nur empfehlen. Ich habe sie im letzten Sommer alle ausführlich genutzt und die für mich spannenden Angebote ausgewählt. Die Mehrheit der Referenten kommt direkt aus der Praxis. So werden Fragen im Chat parallel zur Zoomkonferenz gleich beantwortet. Diese Fortbildungen haben mich auch dazu befähigt, neue Tools und Programme sofort souverän in meinen Klassen umzusetzen. Das wiederum half mir, meine Unterrichtsvorbereitung in Hybrid bzw Wechselunterrichtszeiten wesentlich effektiver zu gestalten. Der Tag hat nur 24 h, nicht alle Zeit gehört der Schule und im Distanzlernen brauchen unsere SuS unbedingt genug Feedback zu ihren erledigten Aufgaben, damit sie motiviert sind, weiterzumachen. Also eine lohnenswerte Veranstaltung. Von Fortbildungen dieser Art kann man bei den staatlichen Bildungsinstitutionen ja nur träumen, die sind noch im 19. (nein, kein Schreibfehler) Jahrhundert.

  2. 2022:
    Wie zeitgemäß ist denn noch ein Lückentext? – Sehr.
    Wie zeitgemäß ist es, als Lehrkraft eine allwissende Rolle einzunehmen, wenn doch jedes Kind Informationen im Internet recherchieren kann? – Ah, niedlich. Natürlich auch sehr.

    Nix zu danken, wir Praktiker helfen gerne.
    Gruß und Kuss an die Theoretiker!

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