Kirchen wollen gemeinsamen christlichen Religionsunterricht einführen

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HANNOVER. Schon lange arbeiten evangelische und katholische Kirche in Niedersachsen beim Religionsunterricht zusammen. Nun soll es nach Vorstellung der Kirchen einen gemeinsamen christlichen Religionsunterricht geben.

Schon mal 20 Jahre kooperiert – jetzt soll mehr daraus werden. Foto: Shutterstock

Die evangelischen und katholischen Kirchen in Niedersachsen wollen nach über 20 Jahren der Kooperation einen gemeinsamen christlichen Religionsunterricht einführen. Dieser soll den konfessionell getrennten Religionsunterricht ersetzen und weiterhin auch nicht getauften Schülern offenstehen, kündigten die katholischen Bistümer und evangelischen Landeskirchen an.

Geplant seien zunächst Gespräche mit dem Kultusministerium sowie das Erarbeiten gemeinsamer Inhalte. Der gemeinsame Religionsunterricht könnte zum Schuljahr 2023/24 starten. Es soll sich weiterhin um einen glaubensorientierten Unterricht und nicht ein allgemeines Fach Religionskunde handeln. Für christliche Kinder soll es außerdem ein Pflichtfach bleiben.

Nach Angaben der Kirchen handelt es sich um eine in dieser Form einmalige Initiative in Deutschland, die auf die besondere Situation im Flächenland Niedersachsen zugeschnitten ist. 46 Prozent der Schüler sind dort gegenwärtig evangelisch und 16 Prozent katholisch. In zunehmendem Maße wird der Unterricht ohnehin bereits gemeinsam organisiert, weil in den jeweiligen Landstrichen die Zahl der Schüler einer Konfession zu gering ist oder Lehrkräfte für separate katholische und evangelische Religionsstunden fehlen. Der neu konzipierte Religionsunterricht soll auch an den evangelischen und katholischen Schulen im Land eingeführt werden.

Die Zahl der christlichen Schüler sinkt nach Angaben der Kirchen seit Jahren, der Religionsunterricht sei aber weiterhin gut nachgefragt und genieße einen guten Ruf und ein hohes Ansehen. Die Kirchen leiten das auch daraus ab, dass 75 Prozent aller Schüler in Niedersachsen den konfessionellen Religionsunterricht besuchen, obwohl nur 62 Prozent einer Kirche angehören. 23 Prozent der Schüler sind inzwischen ohne Religionszugehörigkeit, 9 Prozent sind muslimisch und 6 Prozent gehören einer anderen Religion an. Die Zahl der Schulen, an denen in Niedersachsen auch islamischer Religionsunterricht angeboten wird, wächst seit Jahren.

Alle Lehrkräfte, die zum Unterrichten von evangelischem oder katholischem Religionsunterricht befugt sind, sollen auch künftig das gemeinsame Fach unterrichten können, betonen die Kirchen. Angebote zur ökumenischen Fortbildung sollen angeboten und gemeinsame Religionsbücher erstellt werden. Das grundsätzliche Recht auf konfessionellen Religionsunterricht wollen beide Kirchen aber nicht aufgeben. dpa

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2 KOMMENTARE

  1. Das ist mittelfristig das Ende vom christlichen Religionsunterricht, weil so auch weniger ausgeschrieben werden muss.

  2. Wir haben jetzt schon nur homöopatische Spuren von Christen im Unterricht, die meisten sind nicht getauft und völlig ahnungslos oder muslimisch und wählen dieses Fach, weil sie auf keinen Fall Chemie wählen wollen (ist parallel geblockt) oder denken, man bekommt da mit ein bischen quatschen (in Abwandlung eines Blogeintrags hier von neulich: : ‚Meinung geht auch ohne Ahnung‘) leicht eine Note (SekII). Inzwischen bin ich auch der Meinung, dass das übergreifende Fach Religionskunde aus Bremen eine gute Alternative wäre.

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