Nach Corona: Mit diesen Kultusministern ist kein Staat mehr zu machen

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Eine Analyse von News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek

BERLIN. Der Höhepunkt der Corona-Krise in Deutschland scheint überschritten zu sein. Damit rücken die Aufräumarbeiten ins Blickfeld. In der Bildung bedeutet das, Perspektiven für die Kinder und Jugendlichen aufzuzeigen, die schulisch und sozial massiv unter den Beeinträchtigungen gelitten haben. Schon das ist eine Herkulesaufgabe, die mit ein bisschen Nachhilfe und Ferienspaß nicht erledigt ist. Noch schwieriger allerdings dürfte es werden, dem Vertrauensverlust zu begegnen, den viele Eltern, Schüler und Lehrkräfte erlitten haben. Der ist mit Geld nicht auszugleichen.

Der Bildungsjournalist Andrej Priboschek. Foto: Tina Umlauf
„Wissenschaftsverständnis, das dem von Verschwörungsgläubigen entspricht“: News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek. Foto: Tina Umlauf

In einem Punkt waren die 16 Kultusminister während der Pandemie höchst erfolgreich: Praktisch ausnahmslos segneten Verwaltungsgerichte die erlassenen „Schutzkonzepte“ für Kitas und Schulen ab. Ein Urteil des Verwaltungsgerichts Aachen, das von einem Elternpaar angerufen worden war, um gegen die Schulpflicht – und damit den Zwang, sein Kind dem Infektionsrisiko in der Schule auszusetzen – zu klagen, macht das Argumentationsmuster deutlich.

„Eine Verletzung der staatlichen Schutzpflicht zum Schutze des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit aus Art. 2, Abs. 2, Satz 1 GG ist hier nicht zu erkennen“, so erklärte das Gericht in seinem Spruch vom Dezember. Denn: „Die Verletzung einer Schutzpflicht liegt demnach nur vor, wenn Schutzvorkehrungen entweder überhaupt nicht getroffen sind, wenn die getroffenen Regelungen und Maßnahmen offensichtlich ungeeignet oder völlig unzulänglich sind, das gebotene Schutzziel zu erreichen oder wenn sie erheblich hinter dem Schutzziel zurückbleiben. Die Verfassung gebietet dabei keinen Schutz vor jeglicher Gesundheitsgefahr.“ Ein gewisses Infektionsrisiko mit dem neuartigen Coronavirus gehöre aber „derzeit für die Gesamtbevölkerung zum allgemeinen Lebensrisiko“.

Acht der 16 Kultusminister in Deutschland sind Juristen – ebenso wie rund die Hälfte ihrer Mitarbeiter in den jeweiligen Bildungsministerien

Und weiter: „Im Rahmen der gebotenen summarischen Prüfung erscheinen die Regelungen und Maßnahmen nicht gänzlich ungeeignet oder völlig unzulänglich. Sie entsprechen den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Ausbreitung des Virus.“ Dass die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, der obersten deutschen Bundesbehörde für den Seuchenschutz, in den Schulen zu dieser Zeit nicht eingehalten wurden (anders übrigens als im Gebäude des Verwaltungsgerichts Aachen), erwähnte die zuständige Richterin nicht.

Die Konsequenzen ihres Urteils machen fassungslos: Das Kind, um das es hier ging, wurde in den Präsenzunterricht zurückgeschickt. Die insgesamt fünfköpfige Familie musste sich trennen, weil das jüngste Kind unter einer gravierenden Immunschwäche leidet – und eine Corona-Infektion, weitergereicht von seinem Geschwisterkind, wohl nicht überlebt hätte. Die Mutter zog mit dem Dreijährigen von zu Hause aus.

Acht der 16 Kultusminister in Deutschland sind Juristen – ebenso wie rund die Hälfte ihrer Mitarbeiter in den jeweiligen Bildungsministerien. Deren Strategie in der Pandemie war und ist durchsichtig: nämlich vor den Verwaltungsgerichten zu bestehen.

Dazu genügten formale Akte, Sicherheitskonzepte, die de jure erlassen wurden (deren Sinnhaftigkeit in der Praxis aber kein Richter überprüfte), und pseudo-wissenschaftliche Untersuchungen, die formal den Ansprüchen von Verwaltungsgerichten genügen (deren Gehalt aber kein Richter fachlich hinterfragte). So konnte ein vierseitiges Faltblatt, das Lehrern erklärt, wie man Fenster öffnet, als „Lüftungskonzept“ durchgehen. So konnten Studien, deren Daten unmittelbar nach dem ersten, erfolgreichen Lockdown erhoben worden waren, allen Ernstes als Beleg dafür dienen, dass es grundsätzlich kaum Infektionen in Schulen gibt. Dass die Kultusminister später keinerlei aussagekräftige Stichproben über das Corona-Geschehen in Schulen nehmen ließen, gehört zur Strategie: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Verwaltungsrichter offensichtlich auch nicht.

Es gab laut Robert-Koch-Institut Hunderte von Ausbrüchen in Kitas und Schulen, auch schwerste

Es ging den Kultusministern in der Krise weder um eine pädagogische noch um eine politische Krisenbewältigung. Es ging ihnen lediglich darum, den Schein zu wahren. Würde nämlich belegt, dass sie wider besseres Wissen gehandelt haben, könnte das argumentative Kartenhaus auch juristisch in sich zusammenfallen. Lieber dumm gehandelt als justiziabel, so scheint die Linie zu sein. Ob diese Bestand haben kann, wenn die Pandemie aufgearbeitet wird und alle Versäumnisse damit offenkundig werden, ist allerdings fraglich. Zu absurd erscheint die bis heute andauernde Realitätsverweigerung der verantwortlichen Politiker. Zu oft wurden dieselben Fehler wiederholt.

Es gab laut Robert-Koch-Institut Hunderte von Ausbrüchen in Kitas und Schulen, auch schwerste. Kein einziger davon wurde von den Kultusministern eingeräumt. Kein einziger hat irgendeine Konsequenz für deren Handeln gehabt. Die Schulen wurden erst geschlossen, als die Zahl der Corona-Toten von den Landesregierungen nicht mehr zu ignorieren war. Und mancherorts selbst dann nicht: Sachsen musste per Bundesnotbremse dazu gezwungen werden, obwohl dort so viele Menschen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl an Corona gestorben sind wie in keinem anderen Bundesland.

Um mal deutlich zu machen, wovon wir hier sprechen: Der Freistaat verzeichnet 230 Corona-Tote auf 100.000 Einwohner. Damit liegt Sachsen deutlich über den zeitweiligen Hochrisikoländern USA (178), Großbritannien (191), Italien (199) und Brasilien (206). Der Schnitt in Deutschland beträgt 104.

Klar ist schon jetzt: In der Krise ist zerstört worden, was sich in kurzer Zeit nicht wieder aufbauen lässt – Vertrauen. Wie sollen Eltern ihr Kind mit ruhigem Gewissen in den Verantwortungsbereich von Menschen geben, denen 100 Euro zu viel war, um dieses Kind vor einer Corona-Infektion zu schützen? So viel (besser: wenig) hätte nämlich pro Schüler aufgewendet werden müssen, um alle Klassenräume in Deutschland mit Luftfiltern auszustatten. Wie sollen Lehrkräfte ihren Dienstherren mit Respekt begegnen, wenn diese die Gefahr – in die sie auch ihre Mitarbeiter schickten – durchgängig leugneten?

Mindestens 33 Lehrkräfte und Erzieher sind mittlerweile Corona-bedingt verstorben, wie das Robert-Koch-Institut meldet. Kein einziger Kultusminister hat diese Toten bislang gewürdigt. Nicht mal eine Erwähnung waren diese Menschen den für ihren dienstlichen Gesundheitsschutz verantwortlichen Politikern wert.

Bis heute verbreitet Bildungsministerin Hubig (SPD) das Märchen von den sicheren Schulen

Die demonstrieren lieber ein Wissenschaftsverständnis, das dem der Verschwörungsgläubigen entspricht: Wahrgenommen wird nur das, was der eigenen Erzählung entspricht. Alles andere existiert in dieser Welt nicht. Und das Märchen lautet: „Die Schulen sind sicher“ (aka: „Die Schulen sind keine Treiber der Pandemie“). So schrieb etwa die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und damalige KMK-Präsidentin Stefanie Hubig (SPD) im Oktober in einem Brief an die Lehrkräfte ihres Bundeslandes: „Überregionale Studien und Erhebungen seitens des RKI und eine neue Studie des Bonner Institute of Labor Economics (IZA) zeigen: Kinder und Jugendliche sind seltener betroffen als Erwachsene. Darüber hinaus werden Infektionen oftmals von außen in die Schulen getragen, Schulen sind nicht die Treiber der Pandemie.“

Richtig daran war: Das RKI stellte in seinen damaligen Empfehlungen für den Schulbetrieb fest, dass „Kinder und jüngere Jugendliche (..) seltener betroffen als Erwachsene und nicht Treiber der Pandemie“ sind. Von Schulen, in denen nun mal sehr viele Menschen zusammenkommen, war in diesem Zusammenhang allerdings keine Rede. Stattdessen hieß es: „Schülerinnen und Schüler sind prinzipiell empfänglich für eine Infektion mit SARS-CoV-2 und können andere infizieren.“ Das RKI beobachtete deshalb „Ausbrüche in Schulen nach Wiedereröffnung der Bildungseinrichtungen in zunehmendem Ausmaß“. Das allerdings war Hubig keine Erwähnung wert.

Noch grotesker: Die von Hubig angeführte „neue Studie des Bonner Institute of Labor Economics (IZA)“ entpuppte sich als Gefälligkeitsarbeit, wie Recherchen von News4teachers zeigten. Auftraggeber war die politisch eng vernetzte Deutsche Post Stiftung, Präsident des IZA der ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel. Statistiker – Arbeitsmarktforscher (sic!) – hatten sich für die Studie die offiziellen Infektionszahlen in den Bundesländern angeschaut und kamen zu dem, wissenschaftlich schon aufgrund des engen zeitlichen Fokus‘ von fünf Wochen nach den Sommerferien kaum haltbaren Schluss, es sei „naheliegend, dass die Hygienemaßnahmen in deutschen Schulen funktionieren“.

Bis heute verbreitet Hubig das Märchen von den sicheren Schulen. Das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz habe bestätigt, dass die Hygienekonzepte an den Schulen „sehr wirksam“ sind, so schreibt die Bildungsministerin allen Ernstes in einem diese Woche herausgegebenen Elternbrief. Warum dann der Präsenzunterricht monatelang eingeschränkt worden war, wieso der Bund eine Notbremse für den Bildungsbetrieb einführen musste, warum bei Schul- und Kitaöffnungen die Infektionszahlen unter Kindern und Jugendlichen bin die Höhe schießen und weshalb das Robert-Koch-Institut nach wie vor bundesweit Ausbrüche in Schulen registriert, erklärt Hubig hingegen nicht. Wörtlich heißt es im aktuellen Corona-Lagebericht des RKI: „Covid-19-bedingte Ausbrüche betreffen insbesondere private Haushalte, aber auch das berufliche Umfeld sowie Kitas und Schulen.“ Von Hubig dazu: kein Kommentar.

Kein einziges Mal setzten sich die deutschen Kultusminister öffentlich mit den zahlreichen Warnungen von seriösen Forschern auseinander

Wie üblich eben. Sämtliche seriöse fachwissenschaftliche Stellungnahmen, in denen vor einem Schulbetrieb ohne Abstandsregel gewarnt wurde – wie die der renommierten Gesellschaft für Virologie oder die der Nationalakademie Leopoldina –, wurden von der KMK-Präsidentin des Corona-Jahres 2020 und ihren Kultusminister-Kollegen konsequent ignoriert. Kein Wort dazu. In der gesamten Pandemie nicht.

Kein einziges Mal setzten sich die deutschen Kultusminister öffentlich mit den zahlreichen Warnungen von seriösen und international renommierten Forschern wie dem Charité-Chefvirologen Prof. Christian Drosten auseinander, als würde es sich dabei um Idioten handeln. Als der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im November einräumte, dass Schulen „Infektionsherde“ seien, blieben die Kultusminister stumm. Das Drängen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), einen Stufenplan einzuführen, wurde ignoriert. Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) entblödete sich nicht, die entsprechenden Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für den Schulbetrieb „seltsam“ zu nennen.

Dass das Infektionsgeschehen an den Schulen, wenn überhaupt, von den Kultusministern nur in (passend klein erscheinenden) Prozentwerten und nicht in den sonst üblichen Inzidenzen angegeben wurde, war offensichtlich innerhalb der KMK abgesprochen worden. Jedes der 16 Kultusministerien verfuhr entsprechend.

Schlimmer noch: Rabe ließ eine wissenschaftliche Studie über einen großen Ausbruch in einer Schule, die wichtige Erkenntnisse über den Gesundheitsschutz hätte bringen können, monatelang in seiner Schublade verschwinden. Stattdessen präsentierte er auf einer Pressekonferenz Daten seiner Schulbehörde, die angeblich belegten, dass „das Risiko, sich außerhalb der Schule zu infizieren, rund acht Mal höher ist als eine Infektion in der Schule“. Wie Rabe zu dieser bahnbrechenden Erkenntnis kam, obwohl die Gesundheitsämter die Infektionsketten längst nicht mehr nachverfolgen konnten, blieb trotz mehrfacher Nachfragen auch unserer Redaktion sein Geheimnis. Eine wissenschaftliche Begleitung dieser denkwürdigen Datenerhebung hatte nicht stattgefunden; der Bildungssenator kündigte lediglich an, die Ergebnisse würden Wissenschaftlern zur Auswertung übergeben. Seitdem (das geschah im November) war nichts mehr davon zu hören.

Wissenschaft wird von den Kultusministern nur dann wahrgenommen, wenn sie vermeintlich die eigene Weltsicht bestätigt

Die Kultusminister haben mit ihrer Realitätsleugnung massiv dazu beigetragen, die Gesellschaft zu spalten. Ihre Art von „Cherry-Picking“ – Rosinenpickerei – ist eben auch die Masche von selbst ernannten Querdenkern: Wissenschaft wird nur dann wahrgenommen, wenn sie vermeintlich die eigene Weltsicht bestätigt. Statt unabhängiger und nachprüfbarer Befunde werden lieber eigene „Erfahrungen“ herangezogen, die auf falschen und/oder verzerrten Informationen beruhen. Wahrheit ist, was gut durch die sozialen Medien rauscht. Wenn Regierungspolitiker so verfahren, warum sollten (Reichs-)Bürger das nicht ebenso halten können?

Das wirft die Frage auf, wie Politiker, Bildungspolitiker gar, die sich als derart wissenschaftsfern und beratungsresistent erwiesen und Deutschland damit tief in die Corona-Krise geführt haben, mit dieser Bürde weiterregieren sollen. Zwei Kultusministerinnen der Pandemie – Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und Bremens Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) – haben bereits Konsequenzen gezogen und ihren mehr oder weniger freiwilligen Abgang aus der aktiven Politik angekündigt (Scheeres) beziehungsweise bereits vollzogen (Bogedan). Eine dritte, Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), wurde als Spitzenkandidatin ihrer Partei von den Wählern mit einem dramatisch schlechten Ergebnis abgestraft und hat sich daraufhin ins Privatleben zurückgezogen.

Die ehemalige Richterin und Staatsanwältin Hubig allerdings, die sogar Pressemitteilungen mit falschen Informationen herausgeben ließ, um nicht dokumentieren zu müssen, dass sie von Wissenschaftlern gewarnt worden war (wie News4teachers berichtete), soll Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz bleiben. Dies hat die unlängst im Amt bestätigte Ministerpräsident Malu Dreyer (SPD) jetzt bekannt gegeben. Einen Vorgeschmack auf das, was ihr blühen wird, durfte Hubig bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach der Landtagswahl erleben – einem Schulbesuch, bei dem sie gemeinsam mit Dreyer einen Schnelltest von Schülern begleitete. Die PR-Aktion, bei der einfachste Sicherheitsstandards nicht eingehalten wurden, rief wütende Reaktionen in den sozialen Medien hervor.

Ein Lehrer schrieb, stellvertretend wohl für viele: „Ich kann das alles nicht mehr glauben – und vor allem kann ich keinen von denen mehr ernst nehmen.“ Mit diesen Kultusministern, so scheint es, ist kein Staat mehr zu machen. News4teachers

Der Autor

Der Journalist und Sozialwissenschaftler Andrej Priboschek beschäftigt sich seit 25 Jahren professionell mit dem Thema Bildung. Er ist Gründer und Leiter der Agentur für Bildungsjournalismus – eine auf den Bildungsbereich spezialisierte Kommunikationsagentur, die für renommierte Verlage sowie in eigener Verantwortung Medien im Bereich Bildung produziert und für ausgewählte Kunden Content Marketing, PR und Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Andrej Priboschek leitete sieben Jahre lang die Öffentlichkeitsarbeit des Schulministeriums von Nordrhein-Westfalen.

In eigener verlegerischer Verantwortung bringt die Agentur für Bildungsjournalismus tagesaktuell News4teachers heraus, die reichweitenstärkste Nachrichtenseite zur Bildung im deutschsprachigen Raum mit (nach Google Analytics) mehr als 100.000 Seitenaufrufen täglich und einer starken Präsenz in den Sozialen Medien und auf Google. Die Redaktion von News4teachers besteht aus Lehrern und qualifizierten Journalisten. Neben News4teachers produziert die Agentur für Bildungsjournalismus die Zeitschriften „Schulmanager“ und „Kitaleitung“ (Wolters Kluwer) sowie „Die Grundschule“ (Westermann Verlag). Die Agentur für Bildungsjournalismus ist Mitglied im didacta-Verband der Bildungswirtschaft.

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Merkel zeigt den Länderfürsten die Grenze auf. Die haben uns tief in die Corona-Krise geführt – mit ihrem Nichtstun für Kitas und Schulen !

 

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59 KOMMENTARE

  1. „Noch grotesker: Die von Hubig angeführte „neue Studie des Bonner Institute of Labor Economics (IZA)“ entpuppte sich als Gefälligkeitsarbeit, wie Recherchen von News4teachers zeigten. Auftraggeber war die Deutsche Post Stiftung, Präsident des IZA der ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel. Statistiker – Arbeitsmarktforscher – hatten sich für die Studie die offiziellen Infektionszahlen in den Bundesländern angeschaut und kamen zu dem, wissenschaftlich schon aufgrund des engen zeitlichen Fokus‘ von fünf Wochen kaum haltbaren Schluss, es sei „naheliegend, dass die Hygienemaßnahmen in deutschen Schulen funktionieren“.“

    Meine Lieblings-Textstelle:
    „… Präsident des IZA der ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel.“

    Klaus Zumwinkel, was für’n Ehrenkollega!!!
    https://berufebilder.de/luegner-manipulatoren-manager-zumwinkel/
    Madame Hubig arbeitet eben nur mit den „richtigen“ Experten – leider nicht mit denen aus der Wissenschaft, aber immerhin mit der „Creme de la Besch*ss“.

    Dort ist bei den Abendveranstaltungen der Smalltalk inhaltlich „small“ (Jeden dort abholen, wo er steht! 😉 ), Absprachen sind zwanglos und werden gern per Handschlag besiegelt (das wurde schon zu den erfolgreichen Zeiten des Ehrenkollegas Zumwinkel geschätzt …) und zum Ausgleich dafür hat man mehr Zeit für’s Wesentliche:
    Das Buffet ist sicher größer und auch sonst interessanter, spätestens da können die Wissenschaftler (Erbsenzähler? 😉 ) nicht mehr mithalten.
    Außerdem käme man sich im Gespräch mit den Wissenschaftlern am Ende noch … unwissend … vor?

  2. Lieber Herr Priboschek, ich danke Ihnen sehr, sehr für Ihre treffende Zusammenfassung der satten Nicht-Leistung unserer Kultusminister in Sachen Pandemie-Schutz der ihnen Untergebenen samt der nötigen Hintergrundinformationen, die man haben sollte, um den Schwachsinn zu verstehen, den alle in und mit Schule beschäftigten Menschen in Deutschland außerhalb der Kultusministerien in der Pandemiezeit erlebt haben. Leider war/ist der Schwachsinn über längere Zeiträume für Millionen Menschen in unserem Land gesundheitsgefährdend, nämlich nicht nur für die unmittelbar beteiligten Schüler und Lehrer, sondern – das zeigt Ihr (mir vom erstmaligen Lesen gut in Erinnerung gebliebenes) erwähntes Urteil der Mutter mit dem gefährdeten Geschwisterkind – für so viel mehr Menschen, dass es einen fassungslos macht, wie ignorant studierte Menschen (und hier meine ich die in den Ministerien arbeitenden und außerhalb der Ministerien entscheidenden Juristen) mit uns allen umgegangen sind. NUR UM DEN SCHEIN ZU WAHREN sind hier Menschen in der Endkonsequenz aller wissentlich falschen und nur auf formale Korrektheit zielenden Entscheidungen gefährdet worden und manche auch gestorben … ist das nicht justiziabel???
    Was mich die ganze Zeit auch sehr bewegt, ist jedoch die Frage, WARUM man das macht. Glänzen oder wenigstens ein bisschen gut dastehen kann man doch mit solchen Entscheidungen nirgends. Machtlust? Lobbyismus? Ich kann das nicht beantworten, würde es aber sehr gern wissen, um das für mich verarbeiten zu können, was hier passiert (ist) … Also: was hat man davon, Leute massenhaft wissentlich in Gefahr zu schicken? Und die viel erwähnte Tatsache, die wir immer wieder als Antwort auf Schulöffnungen und Zwangs-Anwesenheit bekommen haben, nämlich dass es Kindern im Lockdown daheim schlechter geht, kann ich in der Summe aller Kinder eigentlich nur dann richtig stark erkennen, wenn solche Urteile wie das erwähnte geschehen, denn dann mussten vier Kinder lange Zeit auf ihre Mutter verzichten, damit das eine Kind vor den Folgen der unsinnigen Entscheidung des Gerichts geschützt blieb. So vielen anderen (das waren die einhelligen Rückmeldungen, die ich in den Klassen und Kursen bekommen habe) ging es SCHLECHTER, eben genau weil sie Angst hatten, sich und Familie/Freunde zu gefährden. Diese permanente psychische Belastung wurde von den Ministerien leider bisher nie angefragt.
    Dass es immer Kinder gibt, die daheim schlechter aufgehoben sind als in der Schule, war doch schon vor der Pandemie bekannt – aber da hat es niemanden der im Ministerium arbeitenden Bagage auch nur annähernd so interessiert wie bei den sinnfreien Pandemie-Entscheidungen.
    Also nochmal: DANKE, Herr Priboschek!

    • @Naturius

      „Was mich die ganze Zeit auch sehr bewegt, ist jedoch die Frage, WARUM man das macht. Glänzen oder wenigstens ein bisschen gut dastehen kann man doch mit solchen Entscheidungen nirgends. Machtlust? Lobbyismus?“

      Genau das frage ich mich schon seit einem Jahr, als die ersten Fehlentscheidungen als solche erkennbar wurden – aber nicht verständlich.
      Von Fehlentscheidungen kann man mittlerweile nicht mehr reden, bei allem Wohlwollen nicht.
      Machtlust? Lobbyismus?
      Das werden sicher große Anteile sein …
      Aber in manchen Köpfen von verantwortlichen Politikern muss es wirre zugehen. Wenn sich jemand für den Nachfahren Karl des Großen hält (Warum auch nicht?), ist das womöglich noch harmlos, eher unterhaltsam für die Bevölkerung … und schaden wird DAS niemandem.
      Wenn aber jemand andere bekannte „Größen“ aus den Geschichtsbüchern beeindruckend fand und auch mal ein „großes Projekt“ anstoßen möchte, damit sich der eigene Name in den Geschichtsbüchern wiederfinden möge?

      Die „dunkle Triade“ (= Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie):
      „… Auch wenn einige Strategien dieser Personen in einem gewissen Maße einem Unternehmen nützen können – z. B. sich gut präsentieren können und charismatisch sein (Narzissmus), strategisch und macht-maximierend handeln (Machiavellismus) oder sich trauen, hohe Risiken einzugehen (Psychopathie) –, birgt die dunkle Triade auch ihre Gefahr: Bisherige Forschung hat bereits gezeigt, dass hohe Ausprägungen solcher Persönlichkeitstendenzen sehr negative Folgen für ein Unternehmen haben können. Personen mit hohen Tendenzen zur dunklen Triade führen zu vielen verschiedenen Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen und schaden dem Wohlbefinden aller in einer Organisation (DeShong et al. 2015; Southard et al. 2015; Volmer et al. 2016).
      So überschätzen z. B. Narzissten meistens ihre Kompetenzen (Ames und Kammrath 2004), treffen Entscheidungen auf Basis von Eindrucksmotivation (Van Dijk und De Cremer 2006) und fühlen sich schnell angegriffen (Back et al. 2013). …“
      und
      „Sind die Menschen der dunklen Triade erst einmal in einer Führungsposition gelandet, bleiben sie dort oder steigen noch weiter auf. Während in den unteren Etagen des Unternehmens in der Personalauswahl noch genau hingeschaut werde, wen man sich da hole, sei man in den höheren Etagen viel unkritischer. „Je höher die Position und je mehr Verantwortung ein Mensch im Job hat, desto genauer sollte man eigentlich hinsehen, wer das ist“, sagt Kanning. Diese Menschen prägten schließlich die Kultur des Unternehmens. „Tut man aber nicht – im Gegenteil. Je höher die zu besetzende Position, desto nachlässiger das Recruiting“.“

      Alles weitere ist sehr gut dargestellt und erläutert in diesem Artikel:
      https://link.springer.com/article/10.1007/s11613-020-00653-9

      • @Pit2020
        Ihr Beitrag ist hochinteressant, lässt einen aber auch schaudern … Wenn man das zu Ende denkt, wird ein Land doch eigentlich kaum vernünftig regierbar, weil sich solche Personen an den entsprechenden Orten in den Vordergrund bringen, um an die Macht zu kommen. Ich hoffe immer noch auf halbwegs normale Politiker, aber das wird wohl in großen Teilen Wunschdenken bleiben … und wenn wenigstens ein paar normal sind, setzen sich – siehe Ihre Ausführungen – dann trotzdem die Nicht-Normalen an die Spitze … armes Land!

  3. Bitte zur Gruppe der Schüler, Eltern und Lehrkräften noch die Studenten hinzufügen, die von den Kultusministern vergessen wurden!

      • @Ex Schulknecht

        Auf den Punkt gebracht!

        Für Lehramtsstudenten und bei Nichtgefallen:
        Gute Laufschuhe anziehen … und los!
        TIPP: Vorher – auch mit dem im letzten Jahr durch Erfahrungslernen erworbenen Alltagswissen – das Ziel sorgfältig überdenken.

        Wenn’s deutlicher sein darf:
        Nicht auf der Titanic einchecken.
        😉

        • Guter Vergleich!
          Denn auch die Titanic galt als sicher und auf keinen Fall als Treiberin von Schiffsunglücken und Ertrunkenenzahlen.

          • Schließlich ist sie ja auch nur einmal gesunken… als Treiberin von Schiffsunglücken gilt man erst nach mindestens vier erfolgreichen Sinkversuchen (entspricht 4 Öffnungs-Schließzyklen von Schulen). Und schließlich kann man auf nem Schiff ja auch nicht ertrinken, genauso wenig wie in der Schule infizieren. Das ist so, kannste glauben! Hat mir mein Nachbar erzählt, und der ist immerhin.. na egal, der weiß das jedenfalls!

      • Nein, im Gegenteil: Die Lehrer werden nicht vergessen. Ich glaube mittlerweile, dass es in jedem Schreibtisch eines jeden Kultusministers eine große schwarze Schublade „Lehrer“ für To-do-Zettel gibt, die man sonst nirgends dranpappen kann. Also, falls Sie Lehramtsstudent sind, machen Sie sich keine falschen Hoffnungen, die dunkle Macht wacht immer über Sie.

    • @Student und nachfolgende Kommentare vom WiMoKa,Pit 2020, Karla:

      Ich denke es ist nicht recht und zeigt ein sehr eingeengtes Denken, den Begriff „Student“ mit viel begleitender und fröhlicher Ironie nur an Lehramtsstudenten festzumachen (das nennt man wohl „deformation professionelle“, wenn wir uns nur im Bereich Schule denkend fortbewegen können). Mehr als ein Student oder eine Studentin saßen nicht nur, fachlich weitgehend unbegleitet, täglich vor dem Monitor und „büffelten“ am Rest des Tages in den Büchern, sondern bekamen, trotz vollmundiger Zuschuss-Versprechen staatlicherseits, heftigste wirtschaftliche Probleme, weil ihre Neben-Jobs durch Corona weggebrochen sind, welche dringend zum Lebensunterhalt gebraucht worden wären. Studenten und Studentinnen deren Familien über zu geringe finanzielle Mittel verfügten, um Geld zuzuschießen, waren gezwungen ihr Zimmer oder ihre kleine Wohnung aufzugeben, um Kosten zu sparen. Auch wenn die Uni dadurch sehr weit weg (im beschriebenen Fall fast 700 km) war zogen sie zurück nach Hause und versuchten zunächst ihr Studium fortzusetzen. Bei manchen hat das nicht funktioniert und auch diese haben, wie eine Kommilitonen meines Sohnes, das Studium „geschmissen“.
      Dazu kamen auch bei Studierenden (vermutlich auch abhängig vom Studienfach und der Betreuung durch die Uni – wie wir es in der Schule ebenso erlebt haben) Identifikationsprobleme mit ihrem Studium, so dass ein Teil der jungen Menschen sich emotional und von der Motivation her immer weiter entfernte – und sie letztendlich am Sinn ihres Studiums gezweifelt haben. Aus vermeintlicher eigener Schuld am „Versagen“ werden/wurden alle Schwierigkeiten nicht kommuniziert, weshalb dann auch keine Hilfsangebote anderer, oder (selbst oder gerade) der Eltern, nicht angenommen. Manche haben die Flaggen gestrichen und alles hingeworfen.
      Hilfsjobs, eigene Ideen, um Geld zu verdienen – und im vielleicht günstigsten Fall die Überlegung später irgendwann weiter zu studieren folgten.
      Eine genaue Zahl nicht zurückgemeldeter Studenten für das jetzige Sommersemester, bzw. vorzeitige Exmatrikulationen, würde mich brennend interessieren!
      Auch diese Tatsachen und die existentiellen Probleme Studierender müssen sich Kultus- und Wissenschaftsminister in ihr schwarzes Heft der erzeugten und nicht gelösten Probleme schreiben lassen! Nicht alles lässt sich auf die Pandemie schieben, nach der Devise: „Kann man halt nichts machen, ist halt so“ und seine Hände in Unschuld waschen.
      Leider sind das, was ich schreibe, keine ausgedachten Behauptungen sondern, quasi live, in meiner eigenen Familie erfahrbar geworden. Noch eine massive (v.a. auch emotionale) Belastung für uns Eltern, wenn man zusätzlich noch Kinder in der Schule hat und selbst Lehrer ist. Zu unserem „Wohl“ in der langweiligen Corona Phase sorgte die Kultusministerin Eisenmann für ein rundes Desaster-Vollprogramm. Leider dürfte das nicht nur uns so gehen, sondern auch anderen Familien in allen anderen Bundesländern, deren Bildungssektor von inkompetenten, rat– und gewissenlosen Kultusministern gelenkt wird. Ein schlimmes Urteil, das aber durch die Erfahrungen seit März 2020 entstanden ist. Ich behaupte, es sind vorsätzlich erzeugte Probleme und Leiden, die unnötigerweise verursacht wurden durch die KuMis – bei uns im Land primär Eisenmann – weil die Wissenschaft eindeutige, klare Aussagen und Ergebnisse vorlegen konnte und auch Empfehlungen aussprach.

  4. Eine Enttäuschung waren auch viele Eltern. Nur allzu bereitwillig glaubten sie den Märchen von den „sicheren Schulen“ und unterstellten den Lehrkräften, die auf die Probleme im Präsenzunterricht hinwiesen, einfach nur lautstark Faulheit.
    Abgesehen davon, dass Distanzunterricht, der diese Bezeichnung verdient, wesentlich aufwändiger ist als der „Routine-Präsenzunterricht“ entdecken genau diese Eltern jetzt, wo Teile (!) der Lehrkräfte geimpft sind, das Gefährdungspotential in Schule und hetzen gegen den Impfschutz der LehrerInnen – diese würden jetzt, wo sie selbst +/- immunisiert sind, den Infektionsschutz gegenüber den Kindern vernachlässigen.

    Auch innerhalb der Kollegien und bei den Schulleitungen gab es „interessante“ Überraschungen, besonders für KollegInnen, die als NaturwissenschaftlerInnen von Beginn an eher respektvoll mit dem Virus umgegangen sind.

    Es wird nach der Pandemie leider nichts mehr sein wie vorher, viele Beziehungen sind massiv in Frage gestellt worden, von der zum Dienstherren über die zu vielen Eltern bis hin zu den KollegInnen. Die Corona-Pandemie wird in vielen Schulen eine deutliche Zäsur markieren.

    • Ich unterschreibe das auch. Was hier kaputtgemacht wurde wird einiges an Einsatz und Kraft verlangen um es wieder gerade zu rücken.

      Insbesondere und das darf man auch nicht unterschätzen, welche Spannungen in den Kollegien entstanden sind. Nicht unbedingt weil hier Querdenker und achtsamere Menschen aufeinander trafen, sondern weil die Maßnahmen die i.d.R. kurzfristig umgesetzt werden mussten, solchen Stress verursacht haben, dass es oft zwischenmenschlich zu Entladungen kam.

      Ich hab auch Kollegen, die mir nicht mehr in die Augen schauen können, oder hinter meinem Rücken abkotzen, weil ich die Sicherheitskonzept durchgesetzt und durchgezogen habe.
      Oft hat sich das mit dem was wir unter Schule verstehen gebissen, aber es ging oft nicht anders. Und leider hatte ich im Nachgang betrachtet mit allen Entscheidungen recht….

      Sei’s drum – im Kollegium wird das wieder werden.

      Aber mein Verhältnis nach oben, das vorher schon angekratzt war, hat jetzt noch mehr gelitten. Und das fängt schon im unteren Bereich der Führungskräfte an…..

    • Herr Spahn sagte ja schon im ersten Lockdown, dass es nach der Pandemie viel zu verzeihen gäbe. Nur – einiges ist unverzeihlich! Die wissenschaftsleugnerische Arbeit der KuMis gehört dazu. Die KuMis werden nie zur Verantwortung gezogen werden für den Schaden, den sie angerichtet haben.
      Und das Drama geht ja weiter: völlig unzureichende Maßnahmen zur Aufarbeitung der Lerndefizite… Wer diese DienstherrInnen hat, braucht keine Feinde!
      Als Lehrerin in NRW frage ich: Wann wird Frau Gebauer endlich deutlich, dass sie nicht zu diesem Amt taugt? Sie lässt mich oft an das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ denke. Alle wissen Bescheid, nur Frau Gebauer merkt nichts!

    • So ist es!Bei uns ist die Präsenzpflicht aufgehoben,alle außer mir halten die Testerei und Lüfterei für sicher.Lehrerin setzt mich jetzt unter Druck,meinen Sohn wieder zur Schule zu schicken,weil die Zahlen ja sinken würden und weil.jetzt neues drankäme was er zuhause angeblich nicht lernen kann.

    • Nur weil ca. die Hälfte der Eltern ihre Kinder um jeden Preis in die Schule schicken wollten, konnte diese Schulpolitik überhaupt so stattfinden. Ich will damit nicht sagen, dass die Eltern zu blöd waren … ich denke, sie waren verzweifelt in dieser kaum zu bewältigenden Situation als Familie mit arbeitenden Eltern im Homeoffice oder in der kritischen Infrastruktur und es ist nur menschlich, dann dem Lager Glauben schenken, das die Risiken herunterspielt – wer will seine Kinder schon vorsätzlich gefährden? Wirklich bitter ist aber, dass der Umgang mit solchen kognitiven Dissonanzen so viel Hass auf das jeweils andere Lager erzeugt hat und die Polarisierung mittlerweile ein wirklich beunruhigendes Maß angenommen hat … diese Entwicklung rückgängig zu machen, wird in der Tat eine Riesenherausforderung! Langsam wird der Spruch, dass wir uns am Ende alle sehr viel zu vergeben haben werden, Lebenswirklichkeit. Ich schätze solche Analysen systemischen Versagens wie in diesem Artikel eigentlich sehr … aber ich frage mich zunehmend: was machen wir damit/daraus, ohne dass der Schaden sich emotional immer tiefer frisst? Die Aufarbeitung wird ehrlich und gründlich ausfallen müssen und sehr viel Fingerspitzengefühl brauchen … aus meiner Sicht deutet das auf einen dringend gebotenenen Wechsel des politischen Spitzenpersonals.

      • Danke! Sehr guter Kommentar und sehe ich auch als Hauptaufgabe post-pandemisch (oder aber bereits jetzt) auf uns zukommen. Wie oft habe ich mich in der Pandemie erschrocken, dass sich jahrelang vertraute Personen als Maskenverweigerer oder gar Querdenker entpuppten…oder wie gewohnt 2x im Jahr in den Urlaub fahren mussten…weil sie es sich ja verdient hatten…

        Wenn das noch lange so weiterginge, hätte das echt Bürgerkriegspotential, weil es um Leben und Tod geht, Existenzen dran hängen und einfach so extrem emotional aufgeladen ist als Thema.

  5. Leider alles viel zu wahr…der vielgelobte Rechtsstaat, sollte unbedingt eine offene und ehrliche Aufarbeitung zulassen…Nennung von Ross und Reiter inklusive…Die Sinnfrage stellt sich mir ebenso…ich bin so desillusioniert…

  6. Vielen Dank, Herr Priboschek!
    Wieder eine sehr gelungene und zutreffende Zusammenfassung der unglaublichen Zustände.
    Ich fühle mich als Mutter in NRW wie ein Spielball dieser unfähigen, selbstherrlichen Frau G. .
    Die mutwillige Gefährdung der Gesundheit von Schülern, Lehrern und deren Familien muss endlich ein Ende haben!

  7. Wenn man sich mit dem Krankheitsbild des Narzisten ein wenig beschäftigt hat dann wird klarer, warum besagte Kultusminister so, und nicht anders, handeln „mussten“.
    Diesen Menschen fehlt es an jeglicher Empathie. Die Wahrnehmung des anderen Menschen, des Umfeldes ist extrem gestört.

    • @Adiemus: genau! Empathen schaffen es eher weniger in derlei Ämter, Narzissten regieren eben die Welt. So war es immer. Die lautesten, verschlagensten, listigsten und furchtlosesten (gewissenlosesten) gewinnen in dieser Welt.

  8. Meine Meinung von der KMK war durch die vielen echt ungeeigneten und realitätsfernen Reformen, ohne Einsatz von Geldmittel, nie sehr hoch. Ich war aber immer ein engagierter Lehrer.
    Die Pandemie war aber eine echte Zäsur.
    Ich gehe jetzt in die letzten 10 Jahre vor der Pension.
    Guter Unterricht zum Nutzen der Schüler wird bei mir uneingeschränkt statt finden, den ganzen Rest können sie sich von Seiten des Ministeriums zukünftig in die Haare schmieren.
    Mitarbeit an Lehrplänen, Reförmchen für die Presse, freiwilligen Einsatz für die Schule.
    Sollen die lieben Kultusminister erst mal ihre Arbeit machen und etwas Geld in die Gulags (Schulen) stechen, dann kann man wieder über mehr als Dienst nach Vorsachrift reden.
    Zehn Jahre in der inneren Immigration gehen auch noch vorbei.

  9. Wenn man doch nicht nur wählen, sondern auch abwählen könnte! Jeder nur ein Kreuz – um mal das „Leben des Brian“ zu zitieren…

  10. Wer anderes soll es denn richten als diese unsere gewählten Volksvertreter ?
    Sie haben alle die Möglichkeit, diese abzuwählen und andere zu wählen.
    Wer von diesen gewählten Vertretern steht in einer möglichen juristischen Haftung.
    Die Vorbereitung auf diese erste Pandemie in der Neuzeit war sehr schlecht vorbereitet trotz der Warnungen auf ein derartiges Geschehen. Angefangen mit der Nichtbeschaffung von Atemmasken, der fehlenden Kommunikation der zuerst betroffenen Nation, deren hierarchisch-autoritäre Diktatur eine kritische Rückmeldung des Desasters verhinderte, und es so dem Virus ermöglichte, sich über die internationalen Luftverbindungen massenweise auf der Welt auszubreiten.
    Vieles über das Virus mussten wir alle erst noch lernen, über seine Ansteckungswege, seine Akuterkrankungen und die Folgeerkrankungen. Gleichzeitig gilt und galt es aber auch die Kollateralschäden der Gegenmaßnahmen zu berücksichtigen.
    Ich habe jetzt nur einen Teil angesprochen, dienen diese doch dazu, einen Denkanstoß zur Aufarbeitung der Gesamtproblematik zu geben.

    • „Wer anderes soll es denn richten als diese unsere gewählten Volksvertreter ?
      Sie haben alle die Möglichkeit, diese abzuwählen und andere zu wählen.“

      Sorry, das ist eine naive Sicht auf die Dinge. Schauen Sie sich z.B. mal genau an, wer in Sachsen z.Zt. die Regierung stellt, wer dort Kultusminister ist und wie das alles seit/bei der letzten Wahl so gelaufen ist …

  11. Für die meisten der Kultusminister(innen) war es bereits die 2. heftige Pandemie. Die Hongkong-Grippe dürften so einige der Kultusminister(innen) als Säuglinge oder Kleinkinder erlebt haben. Damals wurde auf Herdenimmunität gesetzt. Das mit der Herdenimmunität funzte so innerhalb von 2 Jahren (natürlich nur für die Überlebenden). Kindliche Frühprägung? Auch sonst hat sich seit DEREN eigener Schulzeit in den Schulen nicht wirklich viel verändert. Nostalgie?

    „Das Verhalten der Kultusminister(innen) während der Coronapandemie“ könnte eine super Idee auch für ein Buch sein! Das Interesse der Bürger(innen) an Transparenz und Erklärungen nach den speziellen Erfahrungen in der Coronakrise ist groß. Vielleicht gibt es demnächst sogar Stellungnahmen? Außer der Lüge, die Schulen seien sicher, kam da leider aber bisher nichts in dieser Richtung.

    Auch interessant: Was wird die Zukunft bringen? Wieviele Pandemien oder Epidemien muss es noch geben, um zu erkennen, dass „Schule“ sich schon lange hätte aus mehreren Gründen verändern müssen? Wäre die Digitalisierung so weit fortgeschritten wie in anderen Ländern, hätten alle (auch die Menschen außerhalb der Schulen) gerade auch während der Pandemie gewinnen können statt immer wieder und immer mehr verlieren zu müssen.

    Unsere Hoheiten im Fokus! Das hätten sie sich vermutlich so gar nicht vorstellen können … einst, gestern, vor 30 Jahren.

    Aber so ist es richtig!!! Danke für den Artikel!

    • Diese Hoheiten werden sich zu fein sein, solche Kritiken zu lesen. Deshalb sind es ja „Hoheiten“, unangreifbar und beratungsresistent, leben sehr abgehoben und abgeschirmt in einer anderen Welt, seit ich mit dem KuMi zu tun habe, hatte ich noch nie einen anderen Eindruck. Das Stillhalten seitens der Lehrer und Schüler sollte endlich ein Ende haben.

    • Viva
      Irgendwie scheint es nach wie vor Missverständnisse bezogen auf den Begriff Herdenimmunität zu geben.
      Eine Herdenimmunität beschreibt den Zustand des Schutzes eines Individuums in einer Population durch das Vorliegen von Antikörpern bei mehr als 70 % der Bevölkerung, wodurch das Virus sich dann nicht mehr innerhalb der Population ausbreiten kann und somit das Individuum geschützt wird.
      Eine Herdenimmunität kann auf dreierlei Weisen aufgebaut werden.
      A. Durch eine Impfung von mehr als 70 % der Bevölkerung.
      B. Durch eine Durchseuchung von mehr als 70 % der Bevölkerung.
      C. Durch eine Kombination aus beiden Effekten.

      Wenn sie den Begriff „Hoheiten“ anwenden, so sollten sie bedenken, dass damit Personenkreise gemeint sind, die sich als von Gott eingesetzte Machthaber verstehen oder verstanden wie etwa der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II.

      • Ich denke, so fühlen sich unsere kultusministeriellen Granden auch zuweilen.
        Und dabei denke ich nicht nur an die professionelle Reaktion auf die Pandemie.

      • Damals gab es nur die Herdenimmunität durch Durchseuchung der Bevölkerung. A und C fielen da weg.

        Jawollja, ich meinte die Agierenden der Kulturhoheit der Länder. Und ich bekam durch genau diese in der Coronakrise eine Ahnung davon, wie sich Menschen fühlen, die von einem (fürstlichen) Machthaber – von wem auch immer eingesetzt – regiert werden. Das war noch nicht einmal ein Freud´scher Versprecher, da ein Versprecher niemals so bewusst stattfindet.

        Hier zuhause heißen sie nur noch „unsere Hoheiten“. 😉

  12. So sieht es aus! Sollte ich etwas in der freien Wirtschaft finden, das zu mir passt, bin ich weg. Ich will deren Beamtenstelle nicht. Die können sie dann geschenkt haben, mit nicht-freundlichen Grüßen. Ich möchte mich für so einen Arbeitgeber nicht länger verheizen. Hab viel zu viel Gas gegeben und ohne es zu merken einen neuen Maßstab gesetzt. Das Pensum ist jetzt Standart. Keine Lust mich kaputt zu arbeiten.
    Ah, bevor jemand meint, das hier sei mimimi…

    Ihr werdet Euch noch alle umsehen, wenn nur noch ungelernte, Quereinsteiger und Studenten Eure Kinder unterrichten und von den tollen Lehrerinnen und Lehrern von heute nur träumen können.
    Jaja… erzählt nur von dem Einen, der während des Lockdowns nie Kontakt zu Euch aufgenommen hat etc.

      • Ich kann jeden verstehen, der weg will. Mich hat es richtig krank gemacht, und es ist nicht Corona. Schade nur, dass ich so lange gebraucht habe, um es zu begreifen. Ich würde jedem vom Lehrerjob abraten. Stress, mangelnde Anerkennung, Lehrerbashing sind dann einfach zuviel. 30 Jahre habe ich durchgehalten, jetzt reicht es.

  13. Sehr geehrter Herr Priboschek,
    Vielen Dank für einen weiteren Beitrag, dem nichts hinzuzufügen ist.
    Ich bitte Sie inständig solche Artikel in die Tagespresse zu bringen.
    Ich weiß, dass die Lesenden hier über diverse Schweinereien der Politik im Bilde sind. Ich weiß aber genauso gut, dass die Öffentlichkeit vieles noch gar nicht begriffen hat.
    Eine andere Erklärung habe ich nicht, warum z.B. Tausende von Eltern es für akzeptabel halten, ihre Kinder bei Temperaturen unter 15°C (was teilweise noch viel ist) arbeiten zu lassen.
    Kein Betrieb käme mit solchen Arbeitsbedingungen durch.
    Sollte auch die Presse von diesen Umständen nichts wissen wollen, nährt das allerdings die Vermutung, dass die freie Presse so frei doch nicht ist. Die Wahrheit ist, was man dazu macht.
    Klappt in der Politik hervorragend.

    • Entschuldigung, das ist doch Unsinn! Und das Argument mit der nicht-freien Presse könnte auch von den Querdenkern kommen und kommt ja auch von diesen. Das sind doch aber eher nicht Ihre „Freunde“, oder?

      • Nö, freunde sind wir nicht und werden wir auch nicht. Finde es aber auch nicht so schön gleich in die Richtung gedrängt zu werden.
        Traurig finde ich, dass man solche Beiträge und Artikel hier lesen kann, aber extrem selten in der allgemeine Presse. Ich glaube die Politik hat viel „geleistet“, dass man in der Presse zerpflücken, oder besser, darstellen kann. Wird vor Wahlen (und es sind ja quasi immer Wahlen) auch immer wieder gerne genommen.
        Kam denn z.B. mal einmal ein nennenswerter Bericht darüber, wie das „Hygiene Konzept“ in den Schulen aussieht? Kritik finde ich reichlich, allerdings meist im öffentlich/rechtlichen Fernsehen nach 22:30! Da sind sehr gute Beiträge bei, die bekommt aber kaum einer mit. Und deshalb fordern auch mehr Eltern, dass die Schulen wieder öffnen, als dass sich Eltern sorgen machen, dass ihre Kinder bei offenem Fenster, im Winter in der Schule sitzen.
        Ist es nicht die Aufgabe der Presse, die Bevölkerung über solche Situationen zu Informieren? Wenn ich nun kritisiere, dass die Presse das nicht tut und mich darüber wundere, gilt mein Argument dann nicht mehr, weil die Querdenker auch sowas ähnliches sagen? Wäre schade.

        Meine Bitte war, dass die Öffentlichkeit, diese Informationen bekommt.
        Es geht hier nicht um „Erkenntnisse“ darüber, dass Corona gar nicht existiert oder Bill Gates uns alle Chippen will. Es geht um unsere Gesundheit, um unsere Kinder und ja auch um unsere Wirtschaft. Das ist doch im Interesse aller.
        Und es geht darum, dass unsere „gewählten“ Volksvertreter offensichtlich nicht nur ihren Job nicht machen, sondern ihre Wähler auch noch belügen (oh, das haben sicher auch Querdenke mal gesagt…). Und mal im Ernst: wer hat Frau Gebauer/Herrn Stamp und/oder die FDP denn in die Bildungs- und Erziehungsministerien Gewählt? Eben. Soviel zum Thema: gewählte Volksvertreter…

  14. Ich finde alleine schon die Überschrift total falsch. Sie geht davon aus, dass man selbst weiß, was das Richtige gewesen wäre und die 16 Kultusminister ALLE nicht. Sie geht auch davon aus, dass alle 16 Kultusminister das Gleiche sagen und tun (und obwohl das natürlich nicht so ist, machen sie alle das Falsche). Wir haben aber nicht nur alle Kultusminister von der CDU, die der politischen Linie ihrer Partei folgen, sondern KuMins von ganz verschiedenen Parteien in ganz verschiedenen Regierungskoalitionen (wo man sich untereinander einigen muss). Es gibt also doch 16 unterschiedliche Vorgehensweisen im Detail und trotzdem machen sie es alle falsch, aber EINE Person weiß, was richtig gewesen wäre. Merkst was?

    • Das Robert Koch Institut bsw.ist nicht nur eine Person.Und ja,die wissen,was richtig gewesen wäre.Und viele andere Experten auch.Hat die Kumis nur nicht interessiert.Das kann man nicht wegreden.

  15. Eine Ursache für das Nichthandeln ist die Unzulänglichkeit Arbeitsstättenverordnung des Herrn Hubertus Heil.

    Wäre diese präzise formuliert, wären Klassenzimmer und Kitas mit berücksichtigt und Stand der Technik (Luftfilteranlagen mit Frischluft) klar gefordert.

    Das würde sowohl den Richtern als auch den Städten und Kultusministern klare Vorgaben geben.

  16. Danke, lieber Herr Priboschek! Top! Sie bringen es auf den Punkt. Die Erde ist eine Scheibe: so gerierten sich die KultusministerInnen in dieser Pandemie, und fungierten somit sowohl als Handlanger der Querdenker, aber ebenso auch als Handlanger des Kapitalismus. Es braucht eigentlich eine neue Gesellschaftsform, menschlicher als Kommunismus oder Kapitalismus. Ich hoffe auf die junge Generation, ich hoffe darauf, dass die menschenverachtende Präsenzpflicht, in welche die wehrlosen jungen Menschen ohne wirksamen Schutz hineingezwungen wurden, in ihnen auslöst, es künftigen Jugendgenerationen an fairen, würdevollen Umgangsformen nicht mehr mangeln zu lassen, vielleicht mittels einer neuen, noch zu etablierenden Gesellschaftsform. Hubig und ihre Mitjuristenkultusmunister gehören verurteilt, strenger noch als die Nichtjuristen unter den KultusministerInnen. Denn sie handelten bewusst Tote in Kauf nehmend, ohne Not. Gerade den Juristen im Amt sind hier schwere Vergehen gegen die Arbeitssicherheit und gegen die Würde der an Schule Beteiligten anzulasten. Mord verjährt nicht. Man sieht sich immer zweimal. Mögen auch die meisten Eltern eher Querdenkerpositionen anhängen: ihre Kinder werden Traumata aufzuarbeiten haben und diesen verächtlichen Erziehungsstil des Präsenzpflicht-Drills während gesundheitsgefährdenden Zeiten hinterfragen, zumindest einige von ihnen. (Leider nur schnell am Handy getippt, etwaige Fehler bitte ich zu entschuldigen)

  17. Die Kultusminister werden weiter wurschteln . Allen voran Yvonne Gebauer . Und die 16 Damen und Herren werden sich nicht dafür verantworten müssen , dass sie mit dem weitgehend ungeschützten Schulbetrieb die zweite und dritte Welle initiiert haben .

    • (…) und den wahrscheinlich noch vielen folgenden Wellen alleinig mit leeren Worten entgegen treten werden, ja.

      Und Funktionseliten überleben in Deutschland eigentlich alles, bspw. auch die deutsche Stunde Null (…). Also was sollte eine Pandemie daran schon ändern?

  18. Vielen Dank für diesen trefflichen Artikel! Trotzdem möchte ich bewzeifeln, dass für „unser“ Umfeld Schule der Höhepunkt schon durchschritten ist. Gerade wird hier in NRW an einer „landesweiten Regelung“ zur Öffnung von Bildungseinrichtungen gearbeitet und ich kann mir nach allem, was geschehen ist, nur schwer vorstellen, dass dabei Vorsicht und Umsicht an erster Stelle stehen. Hoffentlich irre ich mich. Viel eher kann ich mir vorstellen, dass bald in voller Präsenzstärke unterrichtet werden wird, wo immer die Inzidenz unter 165 iegt (wie ja in einer der letzten Schulmails schon indierekt angekündigt bzw. angedroht…).
    Dazu ein persönlicher Rückblick, welcher diesen Pessimismus unterstützen mag:
    Es ist immer wieder aufschlussreich gewesen, dass die Schließung von Kitas und Schulen von vielen als „kinderfeindlich“ beschreiben worden ist. Kinder würden die Last der Pandemie tragen, daher müsse alles offenbleiben, und dieses Argument wurde (und wird) gebetsmühlenartig wiederholt und variiert, immer und immer wieder. Auch jetzt kingt diese Argumentation wieder an, wenn es um weitere Öffnungen der Schulen geht. Zwischentöne oder Hinweise auf Versäumnisse der Kultuspolitik (wo bleiben eigentlich die Luftfilter, wo blieb die institutionelle Hilfe beim Distanzlernen, wo die „Online-Schule“, was war mit der Idee von Schülerinnensprechtagen während der Schließungen, um die befürftigsten Kinder aufzufangen…).
    Ich gehe so weit mit, dass die Corona-Politik alles andere als familienfreundlich gewesen ist, und vor allem die Kinder, auch meine eigenen, tun mir wirklich leid, nach wie vor. Aber was wäre denn wirklich kinderfreundlich gewesen? Bei hohen Fallzahlen und überlaufenden Intensivstationen alles einfach offen zu halten, wie manche Verbände und Initiativen tatsächlich medienwirksam gefordert haben? auf den Intensivstationen liegt doch vermehert die Elterngeneration. Und die Fallzahlen sind „hoch“, wie auch immer man das Sinken wahrnimmt. Da empfiehlt sich ein Vergleich mit den Zahlen des letzten Jahres als alle Schulen geschlossen waren. Und Stand heute steigen die zahlen in NRW wieder leicht an. –
    Ich habe selbst auch Kinder in der Schule und in der Kita, und habe diesen „Öffnungs-“ Weg immer als sehr problematisch angesehen. Meine Kinder und ich waren (und sind, in NRW…) nicht wirklich geschützt, die Fürsorge der Dienstherrnin schien (und scheint) nicht existent. Soll ich, nach vielen Wochen des ungeschützten Präsenzunterrichtes mit Testungen jetzt dankbar sein, kurz vor den großen Ferien den vollen Impfschutz zu haben? Und dann? Luftfilter in Schulen? Zu teuer, das verschlinge „Unsummen“ (Zitat Frau Gebauer). Brasilianische Mutante in Kitas? Die Gefährlichkeit sei wissenschaftlich umstritten (Aussage von Herrn Dr. Stamp). Notbetreuung in der Kita? Zu Hochzeiten der Pandemie faktisch ausgehebelt worden – die Kitas waren eigentlich immer voll und werden es bleiben, was da auch noch kommen mag. Bei Schulschließungen hätte ich meine Kleine noch länger zuhause lassen können, wie während der zweiten Welle geschehen. Impfungen für Schüler? Vielleicht. Konzepte für die Zeit nach dem Sommer, wenn die vierte Welle mit indischer Variante durch unsere Bildungseinrichtungen und die Kitas rauschen könnte, weil alle anderen geimpft sind? Ach ja, Luftfilter? Ist doch alles fast vorüber. Ja, lieber so tun, als sei im Sommer alles vorbei. Quod erat demonstrandum, leider am lebenden Objekt.

    • @JH:

      Ich teile Ihre Gedankengänge uneingeschränkt!

      (Als päd. Mitarbeiterin
      (Lehrervertretung und Ganztag) werde ich mich auch nach erfolgter Zweitimpfung Mitte Juni als Risikoperson nicht wirklich sicher im Schulbetrieb fühlen
      (Indische Variante?)
      Nach wie vor suche ich inzwischen nach einer anders gearteten Tätigkeit, falls erfolgreich, werde ich dem System Schule den Rücken kehren.
      Sollte sich für mich keine diesbezügliche Lösung finden, werden auch von mir keine Extras wie zusätzliches und unbezahltes Engagement mehr stattfinden.
      Dienst nach Vorschrift entspricht zwar nicht meiner Arbeitsmentalität, doch solange meine Dienstherrn ihre Hausaufgaben nicht erledigen bzw. halbherzig
      „dahinschmieren“, bin ich es leid, mich für vergleichsweise lächerliche Bezüge aufzureiben und als deren „Depp vom Dienst“ zu fungieren).

      @Redaktion/ Herr Priboschek:

      Ein wirklich guter Artikel, der auch den bisher weniger informierten bzw. neu hinzugekommenen LeserInnen einen aufschlussreichen Rückblick bieten kann.

      @Fast alle:

      Dieses Mal meiner Ansicht nach besonders interessante und lesenswerte Kommentare! Danke dafür!

  19. Habe heute erfahren,dass die testenden Lehrkräfte noch eine weitere Aufgabe nach den Ferien anscheinend bekommen sollen.
    Sie dürfen dann bei einem negativen Test noch eine personenbezogene Bescheinigung ausstellen!
    Wenn das durchgezogen wird, sind von 2 Std. Unterricht nur noch in einer tatsächlich Unterricht!

  20. Fazit
    einer bis ins Mark getroffene und zutiefst erschütterte Schulmeisterin mit sehr hohem Berufsethos:

    – Die jahrzehntelange vertrauensvolle Loyalität und die „brave“, werteorientierte Gefolgschaft der beamteten LehrerInnen gegenüber ihrem obersten Dienstherren/ ihrer obersten Dienstherrin im Rahmen der Exekutive sind in ihren Grundfesten massiv erschüttert.

    – Die gesetzlich verbriefte Fürsorgepflicht (!!!) der obersten Dienstherren gegenüber ihren treu untergebenen LehrerInnen ist reine Makulatur geworden!

    Als komplementäre Gegenleistung der obersten Dienstherren/der obersten Dienstherrinnen für einen sehr guten und reibungslos funktionierenden Beamtenapparat bis unten in die Schulen an der Basis hinein gedacht existiert diese „Fürsorgepflicht“ meistens de facto inzwischen nur noch auf dem Papier.

    – Einfach unsäglich!!! Ich hätte dies niemals, nie und nimmer, für möglich gehalten!

    Beschämend!

    – Wo ist das Berufsethos derer an der Spitze der Kultusbürokratien der (Bundes)länder
    geblieben?

    Wo bleibt das Verantwortungsgefühl auch gegenüber den ihnen unterstellten Lehrkräften?

    Die LehrerInnen fühlen sich letztlich völlig im Stich gelassen, verhöhnt – und verheizt.

    – Das Streben nach Vermeidung juristischer Formfehler wird oft, zunehmend, zum Maß aller
    Dinge.

    – Wo bleibt die ethische Richtschnur? Wem schlägt das Gewissen?

    Nur mit einer werteorientierten Beamtenschaft, nicht nur Lehrerschaft, lässt sich auf Dauer
    erfolgreich „Staat“ machen, im Sinne unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

  21. Ich bin überrascht, mit welcher Vehemenz und Anspruch auf die einzige Wahrheit hier argumentiert und Beifall geklatscht wird. Ich bin „nur“ Mutter und habe das pandemische Geschehen an den Schulen nur aus der passiven Sicht eines Elternteils betrachten können.
    Ich kann nur sagen, ALLE haben sich große Mühe gegeben und über die Maßen engagiert, um mit der Situation und den sich daraus ergebenen Maßnahmen zurecht zu kommen. Diese Pandemie ist weltweit ein großes Fiasko und haben wir nicht alle die Möglichkeit, Erkenntnisse wahrzunehmen und daraus Schlußfolgerungen abzuleiten? Es war nicht alles gut, viele fühlen sich übersehen und überfordert, aber kann das nicht auch eine Grundlage sein, es jetzt/künftig besser zu machen? Wieso alles negieren und abkanzeln?
    Viele in den Kommentaren unterstellen Absicht bei den getroffenen oder eben nicht getroffenen Entscheidungen. Aber wer bin ich, dass ich glaube, alles besser zu wissen oder alles besser gelöst zu haben?
    Wir sind doch alle eine soziale Lebensgemeinschaft hier auf der Erde, in unserem Land, in unserer Stadt und in unserer Familie. Alles hängt mit allem und jede hängt mit jedem zusammen.

    • Liebe Frau Koste-Mahmoudi, ich möchte Ihnen gern antworten, warum hier so viele die getroffenen Entscheidungen verurteilen. In diesem Forum sind viele unterwegs, die nicht „nur“ aus der Sicht von Eltern Erlebnisse und Beobachtungen beisteuern können, sondern auch die Sicht derer hier wiedergeben, die vor Ort in der Schule den alltäglichen Wahnsinn miterleben „durften“. Und das alles haben wir erlebt:
      – die verunsicherten Kinder und Jugendlichen, die Angst hatten, zur Schule zu kommen, weil sie sich selbst und ihre Familien daheim nicht gefährden wollten, aber kommen MUSSTEN;
      – auch diejenigen unter ihnen, die alles nicht so ernst genommen haben und dann zwanzigmal am Tag in der Schule „Bitte setz deine Maske richtig auf, du gefährdest dich und andere!“ hören mussten;
      – die Diskrepanz zwischen „Ideen“ des Ministeriums zur Corona-Hygiene und vor Ort vorhandenen Möglichkeiten;
      – die Ignoranz, wenn die Schulen das Ministerium darauf hingewiesen haben, dass deren Theorien zu Hygiene, Distanzunterricht etc. schön, aber nicht praktisch sind, wenn alle Voraussetzungen fehlen;
      – die Ohnmacht, wenn man vor übervollen Klassen steht und einfach nur noch Angst hat, dass man sich selbst oder ((noch) unwissend infiziert aufgrund so vieler täglicher Kontakte) andere ansteckt;
      – das Erleben von zweierlei Maß, wenn es um die Gesundheit von Politikern (Plexiglaswände überall und digitale Konferenzen, obwohl „nur“ 16 Kultusminister) und Lehrern/Schülern (NICHTS außer kaputte Fenster versuchen zu öffnen in kleinen mit bis zu 30 Leuten besetzten Räumen, Verbot von Distanzunterricht bis zu astronomischen Inzidenzen) geht;
      – das gefühlte Verheizen von Lehrern, die freitagabends nach einem anstrengenden Unterricht, teilweise in Präsenz- plus zusätzlichem und nicht auf die Arbeitszeit angerechneten Distanzunterricht quasi nebenbei erfahren, dass ab dem kommenden Montag mal wieder alles anders ist, und sich dann neben der eigenen Unterrichtsvorbereitung auf die kommende Woche noch um die Information aller Eltern und Schüler kümmern dürfen und quasi über Monate(!) keinen freien Tag zum Luftholen haben, wie es anderen Arbeitnehmern arbeitsrechtlich zugestanden wird (also an zwei von sieben Tagen);
      – (… meine Aufzählung ist nicht vollständig, aber eines möchte ich besonders erwähnen:) wie man Wissenschaftlern, deren Forschungsgebiet es ist, abspricht, sich auszukennen, wenn man selber (= Minister) als Fachgebiet nicht einmal in der Nähe dieser Forscher „gefischt“ hat, und in einem Anflug von Selbstherrlichkeit und Größenwahn Millionen von Menschen in diesem Land wissentlich gefährdet und (das wissen wir heute ALLE und vorher schon genau die, die sich auf diesem Gebiet auskennen – das waren mehr als die sich öffentlich äußernden Wissenschaftler -) die Pandemie durch eigene Entscheidungen deutlich verlängert und verschlimmert hat.
      Ich kann nicht zustimmen, wenn dann jemand unterstellt, dass wir einen „Anspruch auf die eigene Wahrheit“ haben – den haben wir gar nicht, aber wir haben ERLEBNISSE, die diese gesagten Wahrheiten zu FAKTEN machen. Wer als Entscheider an einer Schlüsselposition mit Verantwortung für so viele Menschen (Millionen in unserem Land!) sitzt, darf nicht monatelang derartige Entscheidungen fällen, die jeder halbwegs sinnvoll denkende Mensch als falsch erkennt. Wenn man alle Warnungen über lange Zeit und aus vielen Richtungen kommend in den Wind schlägt, dem darf man Absicht unterstellen, denn so taub kann niemand in dieser Position sein.
      Beim Rest Ihrer Aussagen gehe ich mit – ich bin äußerst gern bereit, mich in einer nicht-egoistisch aufs eigene Minister-Wohl (= Stuhl-Sicherung) bedachten Situation positiv einzubringen, um künftige Ereignisse mit Weitsicht und fachlich gut begleitet besser zu durchleben. Die von Ihnen erwähnte „soziale Lebensgemeinschaft“ muss sich dann aber auch auf ALLE beziehen und nicht im Wahlkampf oder der Profilierungssucht weniger untergehen.

    • „Es war nicht alles gut, viele fühlen sich übersehen und überfordert, aber kann das nicht auch eine Grundlage sein, es jetzt/künftig besser zu machen?“

      Eben das. Das hat nicht statt gefunden. Man hat keine Lernkurve feststellen können bei den Entscheidern im Kultusministerium. Und man sieht es immer noch nicht.

  22. Die KMK ist kollektiv dem confirmation bias anheim gefallen und hat permanent unter Selektivwahrnehmung gelitten.

  23. Lieber Herr Priboschek,

    danke, dass Sie stets und unermüdlich informieren und Aufklärung betreiben. Ohne Sie wäre so manches unter der Decke geblieben – ich denke nur an die verharmlosende Pressemiteilung aus Hubigs Ministerium bezüglich der Infektiosität von Kindern und Jugendlichen im Dezember. Dass die Ministerin schließlich zugeben musste, dass sie die vom LEB RLP in einer Sitzung hinzugebetenen Expert*innen falsch wiedergegeben hatte, ist News4Teachers zu verdanken. Sie haben mit Ihrer Berichterstattung Schlimmstes verhindert, weil unmissverständlich klar wurde, wie hochgefährlich die Lage war.

    Machen Sie weiter – lassen Sie sich nicht beirren, auch wenn weitere Nebelkerzen gezündet werden!

    Ich möchte einfach „danke“ sagen.

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