Überholt oder bewährt? Corona befeuert Streit um verbindliche Übertrittszeugnisse

15

MÜNCHEN. In Bayern wird nach der vierten Klasse besonders streng gesiebt. Ob Gymnasium, Real- oder Mittelschule: Alles hängt am Notenschnitt. Daran ändern auch Corona-Pandemie und Distanzunterricht nichts. Gut so, finden die einen – eine Katastrophe, finden die anderen.

In Bayern wird am Ende der Grundschule fein gesiebt. Foto: Shutterstock

Mittelschule, Realschule, Gymnasium? Für knapp 109.000 Viertklässler in Bayern hängt die weiterführende Schulart vom Übertrittszeugnis ab, das offiziell an diesem Freitag verliehen wurde – auch wenn viele es bedingt durch den Wechselunterricht schon am Donnerstag in den Händen hielten. Die Zeugnisse enthalten alle eine Schullaufbahnempfehlung, die auf dem Notendurchschnitt der Fächer Mathe, Deutsch sowie Heimat- und Sachunterricht beruht und in Bayern weitgehend verbindlich ist. Das starre Verfahren war schon zu normalen Zeiten unter Pädagogen und Bildungsexperten umstritten. Nach einem Pandemie-Schuljahr mit teils monatelangem Distanzunterricht ist es das umso mehr.

«Unser Übertrittsverfahren ist gerecht und hat sich bewährt – auch in Pandemiezeiten»

«Die Kinder heulen aus Angst vor dem Übertritt», hatte Direktorin Sabine Bösl Mitte März aus dem Alltag ihrer Grundschule im oberbayerischen Holzkirchen berichtet. Bösl stellte deshalb eine Frage, die sich im zweiten Corona-Schuljahr viele Eltern, aber auch Lehrkräfte stellen: «Kann es sein, dass wir unseren Kinder das antun, dass eine Zahl hinter dem Komma über die Zukunft eines Kindes inmitten einer Pandemie entscheidet?»

«Unser Übertrittsverfahren ist gerecht und hat sich bewährt – auch in Pandemiezeiten», findet hingegen Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Es seien faire und verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen worden. «In den Probearbeiten wurden nur Inhalte geprüft, die vorab gemeinsam erarbeitet, vertieft und geübt worden sind. Der Übertritt hat also auch dieses Jahr wieder unter fairen Bedingungen stattgefunden.»

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband, der in der Pandemie häufiger lautstark Opposition zum Ministerium bezogen hat, sieht das ganz anders. «Das Übertrittszeugnis ist heuer nicht vergleichbar», betont Präsidentin Simone Fleischmann. «Es gibt Viertklässler, die hatten außer dem Lockdown immer Präsenzunterricht, und es gibt Viertklässler, die hatten seit November keinen einzigen Tag im Präsenzunterricht.»

Auch fuße die Übertrittsempfehlung auf sehr unterschiedlicher und teils wackliger Basis: Das Kultusministerium hatte die Zahl der zu schreibenden Proben schrittweise gesenkt und am Ende sogar freigegeben. Dabei wurden die vierten Klassen sogar als «Abschlussklassen» definiert, die auch bei einer Inzidenz über 100 Wechselunterricht erhielten.

«Allein der Begriff Abschlussklasse ist eine Bankrotterklärung», wettert Fleischmann. «Das ist doch kein Abschluss, höchstens eine Übergangsentscheidung. Aber in Bayern gibt es ein Mini-Abitur in der vierten Klasse, und die Kinder spüren diesen immensen Druck.»

Bayern ist eines von wenigen Bundesländern in Deutschland, an dem der Übertritt ausschließlich an drei Noten hängt. «Wenn man am Ende der Grundschule auf die Kernkompetenzbereiche schaut – mathematische und sprachliche Kompetenz – hat das schon eine gewisse Berechtigung. Denn das sind die grundlegenden Voraussetzungen für das anschlussfähige Lernen auch in anderen Fächern und späteren Jahrgängen», erläutert Kai Maaz, Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt.

«Wenn man das Notenbild anschaut und die Kinder, wie man sie drei Jahre vorher schon gekannt hat, muss man sagen: Das passt»

Es sei aber sinnvoll, auch weitere pädagogische Einschätzungen zu berücksichtigen – etwa, wie gut ein Kind selbst lernen, sich motivieren und organisieren oder seine Emotionen regulieren könne. «Diese Kompetenzen sind in der Pandemie umso wichtiger. Studien zeigen, dass sie signifikante Auswirkungen darauf haben, wie gut ein Kind mit der Situation im Distanzunterricht zurechtkommt», erklärt Maaz. Besonders bei Leistungsschwächeren und Kinder aus sozial benachteiligten Familien bestehe die Gefahr, dass der Distanzunterricht zu größeren Lernrückständen und psychosozialen Beeinträchtigungen führe.

Im oberfränkischen Hof haben die Kinder wegen der besonders hohen Infektionszahlen ihre Schule seit Weihnachten nicht mehr betreten. Dennoch seien die Lehrkräfte den Viertklässlern beim Übertrittszeugnis gerecht geworden, findet eine der dortigen Schulleiterinnen. «Wenn man das Notenbild anschaut und die Kinder, wie man sie drei Jahre vorher schon gekannt hat, muss man sagen: Das passt.»

Sie betont aber auch, dass die Verhältnisse von Grundschule zu Grundschule anders seien und nicht jede gleichermaßen erfolgreich mit der Situation umgehe. Und sie gibt auch den Erziehungsberechtigten einen Denkzettel mit: «Es gibt auch sehr ehrgeizige Eltern, die sehr viel Druck auf ihre Kinder ausüben, und das geht natürlich an den Kindern nicht spurlos vorüber.» Zumindest dies also ist im Corona-Schuljahr 2020/21 so wie immer. Von Elke Richter, dpa

Lehrerverbände streiten um freie Schulwahl: Die einen nennen die Notenauswahl ein „Grundschulabitur“, die anderen sehen das System bedroht

Anzeige


15 KOMMENTARE

  1. Das ist ein wirklich interessantes Thema.

    „Die Zeugnisse enthalten alle eine Schullaufbahnempfehlung, die auf dem Notendurchschnitt der Fächer Mathe, Deutsch sowie Heimat- und Sachunterricht beruht und in Bayern weitgehend verbindlich ist.“
    Stimmt so, teilweise, man braucht einen Schnitt von 2,66 um auf die Realschule gehen zu können, und 2,33 um auf das Gymnasium gehen zu können.
    Betonung auf: können.
    Selbst wenn man einen Schnitt von unter 2 hat, kann man noch auf die Mittel- oder Realschule gehen, nur weil man eine Empfehlung für das Gymnasium hat, muss man auf dieses nicht gehen.

    «Das ist doch kein Abschluss, höchstens eine Übergangsentscheidung. Aber in Bayern gibt es ein Mini-Abitur in der vierten Klasse, und die Kinder spüren diesen immensen Druck.»
    Ich erinnere mich noch daran, als ich mein Übertrittszeugnis bekommen hatte, dass ich direkt erleichtert war, „weil ich muss jetzt die nächsten 5 Jahre keine wichtigen Tests mehr schreiben“
    Ich denke auch einfach, dass das der falsche Zeitpunkt ist, um so einen Übertritt zu bestimmen. Es kommen auch, z.B. in der 6. und 7. Klasse, viele wieder vom Gymnasium auf andere Schultypen zurück. Umgekehrt natürlich genauso.

    «Es gibt auch sehr ehrgeizige Eltern, die sehr viel Druck auf ihre Kinder ausüben, und das geht natürlich an den Kindern nicht spurlos vorüber.»
    Das ist doch eigentlich der Hauptgrund. Ich hatte Glück und hatte eine „Versuch dein bestes“-Mentalität zu Hause, mit eigenem Ehrgeiz (2,5 war mein Ziel, 2,1 ist glaub ich rausgekommen, hab‘ mich dann übrigens für die Realschule entschieden, obwohl ich auf’s Gymnasium hätte gehen können).
    Ich denke auch das, weil man das eben nicht einschätzen kann, und wenn dann noch Eltern da sind, die unbedingt wollen, dass ihr Kind auf das Gymnasium geht, kommen wir zum Ergebnis, dass ein Kind, dass zwar ein positives Übertrittszeugnis bekommt, obwohl man sich noch nicht so ganz sicher ist, wie das Kind mit dem Gymnasium zurecht kommt, trotzdem auf diese Schule geht. Ich erinnere mich noch, als jemand aus meiner Grundschule im Halbjahr in die 6. Klasse Realschule vom Gymnasium gekommen ist: wir hatten als erste Stunde Mathe, jener Schüler hat gefragt: „wieso steht da ein x?“
    Und wenn wir jetzt mal annehmen, dass ihm das eigentlich schon vermittelt worden ist, dann sehen wir, dass sich die Charaktereigenschaften, die für gutes Lernen nötig sind, in 1 1/5 Jahren entweder so schnell geändert haben, oder nie „richtig“ da waren.
    Und wie heißt es so schön: Wer hoch fliegt, fällt tief

  2. Natürlich könnte man den Übergang „gerechter“ machen, indem noch andere Kriterien herangezogen werden, insbesondere landesweite Tests, auch Intelligenztests usw. Für Migrantenkinder gibt’s auch nicht-sprachliche Tests. Aber diejenigen, die immer dagegen sind, wollen ja gar keinen „gerechten“ Übergang, sie wollen ihn abschaffen und sind froh, dass die „Ungerechtigkeit“ ihnen einen Vorwand gibt.
    Im übrigen habe ich irgendwo gelesen, dass knapp die Hälfte (mindestens 40 %) der bayerischen Viertklässler als „gymnasialgeeignet“ eingestuft werden. Finde das leider nicht mehr. Wer weiß Bescheid?

    • Im Bildungsbericht 2018 (verfügbar unter https://www.las.bayern.de/qualitaetsagentur/bildungsberichterstattung/downloads/bildungsbericht_bayern_2018.pdf ) sind auf S. 56 (im Dokument, nicht die Seitenzahl in der Fußzeile!) folgende Zahlen zu finden:
      Eignung: 52% für Gymnasium, 17% für Realschule, 31% für Mittelschule
      Tatsächliche Übertritte: 40% Gymnasium, 29% Realschule, 29% Mittelschule
      In Bayern konnte also theoretisch jeder Zweite Viertklässler ans Gymnasium gehen.

      Auf S. 41 findet man auch noch Informationen über den Abschluss.
      5,3% ohne Mittelschulabschluss
      8,1% mit erfolgreichem Mittelschulabschluss
      14,2% mit qualifizierendem Mittelschulabschluss
      49,4% mit mittlerem Schulabschluss
      27,6% mit allgemeiner Hochschulreife

      Der mittlere Schulabschluss ist also trotz der Tatsache, dass das Gymnasium „beliebter“ ist, der Abschluss, den fast die Hälfte hat.

      • Danke! So ungefähr hatte ich das vage im Gedächtnis. Also jeder zweite, und das reicht dann nicht? Sooo schrecklich streng scheinen die Bedingungen nun auch nicht zu sein. Was haben wir von den vielen, die hoffnungsfroh aufs Gymnasium gehen und am Ende scheitern? In allen innerdeutschen Vergleichstests ist es ja so, dass nicht nur die bayerischen Gymnasiasten, sondern gerade auch die bayerischen Nicht-Gymnasiasten gut sind. In der Schweiz hat man eine Gymnasialquote von nur ca. 20 %, aber laut PISA sind in der Schweiz eben auch die Nicht-Gymnasiasten gut.

        • Soweit ich mich erinnere:
          – 2,23 Schnitt in Mathe, Deutsch und HSU für Gymnasium.
          – 2,66 Schnitt in Mathe, Deutsch und HSU für Realschule.

          Das ist nicht unbedingt schwer zu erreichen. Die Hälfte schafff es ja. Aber die 0,3 sind aber auch nicht viel.
          Wie gesagt: 17% werden für Realschule „empfohlen“, die Hälfte macht aber den Abschluss, mit dem man die Realschule abschließen würde.
          Man könnte mög. die Bedingungen für Gymnasium hochschrauben? 2,0? 2,1?
          Und/Oder die Bedingungen für Realschule runterdrehen? 2,8? 2,9? Oder sogar 3,0?

          Ich denke viel Stress kommt auch von der Tatsache, dass man so schnell fallen kann (2,2 (Gymnasium) auf 2,7 (Mittelschule) ist wahrlich nicht so viel Unterschied)
          Wenn es auch nochmal (soweit ich weiß) Übertrittstests gibt, bei denen man seine Eignung für Realschule, Gymnasium nachweisen kann (was ja auch gut so ist, unten hat ja jemand von schlechten Empfehlungen erzählt)

          Zum Glück gibt es ja noch andere Wege, man kann es trotz Mittelschule oder Realschule zum Abitur schaffen. (auch inbs. wegen FOSBOS)

          • „Bedingungen hochschrauben“
            Dann müsste man deren Struktur ändern. Als Mittelwert von drei ganzzahligen Noten könnten nur Drittelnoten herauskommen, also 1,0, 1, 33, 1,66, 2,0, 2,33 usw. Wenn man einen verbindlichen landesweiten Test dazunähme, könnte man den irgendwie gewichten und die Vielfalt der möglichen Ergebnisse erhöhen.

      • Danke. Bezogen auf die Eignung ist Bayern damit vergleichbar mit NRW.
        Den Kindern von den 40%, die nur mit massiver Nachhilfe auf die gymnasialen Eignung gebracht werden könnte, tut man mit dem Gymnasium keinen Gefallen, weil dort die Quälerei weitergeht.
        Wir brauchen uns ja nichts vor zu machen: Die Debatte um Bildungsgerechtigkeit, Schulformempfehlung usw. ist nichts anderes als der Wunsch nach dem ungehindert Zugang zum Gymnasium.

      • Mit anderen Worten schaffen etwa die Hälfte der fürs Gymnasium geeigneten Viertklässler das Abitur nicht. Demnach sind die Anforderungen an der Grundschule viel zu gering.

  3. Sieben mal sieben gibt feinen Sand,
    doch waren’s die groben Brocken,
    die dann im Siebe man fand.

    Wer dies versteht, mög‘ es erklären …

  4. Ergänzend dazu:
    Auf S. 75/76 findet man Informationen über Schulartwechsel, demnach, für das Schuljahr 2015/16:
    Mittelschule (Jgst 5 – 8): 2793 (2,0%) an die Realschule
    Realschule (Jgst. 5 – 9): 4639 (2,4%) an die Mittelschule.
    Gymnasium (Jgst. 5 – 11): 7682 (2,6%) an die Realschule.

  5. Das Problem ist letztendlich vielschichtig. Die Ursache ist unser dreigliedriges Schulsystem nach der Grundschule. Jede Schule hat ihr Anforderungsprofil.
    Wenn man beim dreigliedrigen Schulsystem bleiben will, gibt es verschiedene Stellschrauben, die man drehen könnte:

    – Übertritt Elternwille mit der Folge, dass die weiterführenden Schulen dann ungeeignete Schüler heraussieben müssten. Das Problem ist in Teilen verschoben, aber nicht in allen, eigentlich nur bei denen, die auf der zu anspruchsvollen Schule sind. Für die Grundschulen, alle Kinder und alle Eltern bedeutend weniger Stress. Der Stress erhöht sich für Lehrer weiterführender Schulen in den unbelehrbaren Fällen und für einige Eltern und Kinder.
    – Landesweite Aufnahmeprüfungen für alle Schüler auf ihrer Wunschschule mit einer Probezeit im nächsten Schuljahr (so ähnlich hatten wir das schon einmal). Doch das finde ich für die Grundschulen ebenfalls stressig, weil man auf diese Prüfungen gezielt hinarbeiten müsste.
    – Versuch der Förderung der Kinder auf der „falschen“ Schule, das halte ich nur für wenige Schüler gewinnbringend, denn es gibt genug Kinder, wo solche Förderungen nicht den ersehnten Erfolg bringen, weil einfach die Substanz fehlt.
    – Herabsenkung der Anforderung der weiterführenden Schule. Dadurch wird das dreigliedrige Schulsystem ad absurdum geführt und es müsste langfristig über ein alternatives Schulsystem nachgedacht werden.

    Die Frage ist, was ist das kleinere Übel? Eine optimale Lösung für die Aufnahmebedingungen gibt es nicht. Wenn die Grundschule stressfrei bliebe, wäre es schon für alle toll. (Schreibe ich jetzt als Grundschullehrerin in den Jahrgängen 3/4.) Im Augenblick scheint vom Stressgedanken her tatsächlich das Beste zu sein, den Elternwillen freizugeben. Wer auf der falschen Schule ist, der muss eben damit leben und sich dann den Stress antun.

    • Mittelfristig oder spätestens, wenn die CSU man nicht mehr die Regierung anführt, werden der Elternwille eingeführt und als Folge dessen die Anforderungen erst am Gymnasium wegen Zulauf, dann um den Teiler zu wahren an allen anderen Schulformen bis auf die unterste gesenkt, weil die unterste mangels Schüler auslaufen wird.

      • Siehe BW:
        Verbindliche Grundschulempfehlung fiel vor Jahren weg, die Eltern dürfen entscheiden. Was kam raus?
        – Die Beratungen durch die Lehrkräfte sind nur pro forma, selbst wenn das Kind offensichtlich nicht für die RS geeignet ist, landet es bei uns.
        – Realschulen bieten seit neuestem auch den Hauptschulabschluss an, dafür schließen die Hauptschulen oder werden in Gemeinschaftsschulen umgewandelt. Daraus folgt aber, dass die Heterogenität in den Klassen der RS immer größer wird und immer mehr Kinder am oberen und unteren Rand können nicht richtig gefördert und gefordert werden, weil wir Lehrer dafür natürlich keine zusätzlichen Ressourcen bekommen.
        – Die RS hat in den unteren Klassen immer weniger Zuspruch, dafür kommen in der 6.-8. Klasse jede Menge Kinder vom Gymnasium. Die Klassen müssen dann also wieder geteilt werden und Lehrerbedarfsplanung ist schwierig… Für die Kinder auch nicht schön.
        – Und zu guter Letzt hat man dann ab beispielsweise der 7. Klasse Kinder in der RS, die seit 2 Jahren die Erfahrung gemacht haben, dass sie nicht gut genug sind und lernen ihnen nichts bringt. Diese Kinder sind oft sehr demotiviert und haben große Lücken.

        Und jetzt mal ehrlich: Sind das alles nicht gute Gründe, für die verbindliche Grundschulempfehlung zu sein? Ich finde, dass der „Stress“ am Ende der 4. Klasse dann gerechtfertigt ist, wenn er wirklich dazu führt, dass das Kind danach auf der richtigen Schule landet, dort dann gut gefördert werden kann und den für dieses Kind passenden Abschluss machen kann. Klar, Ausnahmen gibt es immer. Aber wenn nur die Eltern entscheiden, kommt das raus, was wir gerade in BW sehen. Und das ist für die Kinder wirklich keine gute Lösung…

  6. Von Empfehlungen der Grundschule halte ich gar nichts!
    Die Lehrer der Grundschulen werden diese Empfehlungen wohl zum aller größten Teil neutral und korrekt verfassen.
    Aber Lehrer sind weder Hellseher noch allwissend. Die Entwicklung eines Kindes kann enorme Sprünge in jede Richtung machen. Ich kannte Leute die in der Grundschule zwei mal eine Klasse wiederholt haben und später einen der 10 Top mittleren Bildungsabschlüsse des Bundeslandes hin gelegt haben.
    Mein Sohn hatte eine Grundschullehrern die aus meiner Sicht als Kollege untragbar war.
    Eitel, besserwisserisch und extrem empfänglich für Eltern die ihr schmeicheln und nach dem Mund reden.
    Alle Kinder der Übereltern haben Empfehlungen für das Gymnasium erhalten. 3 waren auf Betreiben der Lehrerin sogar in der Förderung für Hoch-Begabte.
    Mein Sohn erhielt, trotz teilweise besserer Noten, keine Empfehlung. Begründung: “ Aus Sicht der Lehrerin in der gesamten Entwicklung nicht weit genug um ein Gymnasium auf Dauer meistern zu können“
    Ich war eben nicht kritiklos genug und hab auch keine Geschenke zum Geburtstag angeschleppt, Andere Eltern taten dies am Nachmittag, wenn die Schule leer war, Körbeweise.
    Manchmal ist es doch gut, wenn man ein schlampiges Kind hat und nachmittags nochmal zu Schule muss um einen Zettel für die Bücherausleihe in den Briefkasten zu werfen :-).
    ich hab an Elternabenden auch nicht geschleimt „Frau X das wir uns hier treffen ist ja eigentlich unnötig, bei Ihrem tollen Unterricht…“
    Zum Glück ist die Empfehlung der Grundschule hier nicht bindend. Mein Sohn ging also trotzdem auf ein Gymnasium.
    Nun sind wir hier ein relativ kleiner Ort. Das bedeutet man behält die Kinder der Übereltern gut im Blick.
    Der Gymnasial-Zauber ist nun vorbei.
    Ergebnis: Mein Sohn ist glatt durch Gymnasium gegangen ohne jemals eine rote Note auf einem Zeugnis zu haben. Heute studiert er.
    Die Kinder der Strebereltern hatten bis zur 10. Klasse zu mehr als 80% das Gymnasium wieder verlassen (5 von 7).
    Die zwei Überlebenden waren im Notenbereich meines Sohnes.
    Wäre die Empfehlung der Lehrerin verbindlich gewesen, hätte das für meinen Sohn ein echtes Problem bedeutet.
    Da sollte man es dann lieber dem Gymnasium überlassen zu ermitteln wer das Potential zum Abi hat und wer nicht.

    • Wow, das ist genau die gleiche Erfahrung, die ich bei meinen Töchtern gemacht habe. Dann ist das doch kein Einzelfall. Zur Grundschulabschlussfeier erstellte die Lehrerin einen Wunschzettel, was sie gerne als Geschenk hätte. Vermutlich sind Sie nicht in der von ihr favorisierten Partei, haben den falschen Beruf, bei mir war problematisch, dass ich als Ingenieur in einem KKW arbeite und das auch noch in der Schweiz. Auch die Autos der Eltern sind ein Problem, je größer, desdo höher die Abneigung gegenüber der Kinder. Meine Töchter tragen eben gerne kurze Röcke, auch das war der Dame ein Dorn im Auge. Die Empfehlung sollte von Extern vorgenommen werden, aber sicher nicht von der besuchten Schule.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here