Holter will Testpflicht an Schulen streichen – stößt aber auf Skepsis

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ERFURT. Die Pläne von Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke), die Testpflicht an Schulen abzuschaffen, sind im Thüringer Landtag weitgehend auf Ablehnung gestoßen. Auch Holters eigene Parteikollegen aus der Linke-Fraktion zeigten sich skeptisch. Seine Fraktion empfehle, die geplanten Veränderungen bezüglich der Testpflicht zu prüfen, sagte der Linke-Abgeordnete Christian Schaft am Mittwoch in einer gemeinsamen Sitzung des Gesundheitsausschusses und des Bildungsausschusses.

Angebot reicht: Thüringens Bildungsminister Holter. Foto: Jacob Schröter / Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
Helmut Holter

Seine Fraktion sei dafür, dass Präsenzunterricht weitestgehend ermöglicht werde, blicke aber auch mit Sorge auf die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus.

Auch Vertreter der SPD-Fraktion und der Grünen-Fraktion sprachen sich in der Ausschusssitzung erneut mit Nachdruck gegen den Wegfall der Testpflicht an Schulen aus. «Wir sind auch etwas unglücklich und sehr skeptisch mit dem faktischen Fast-Wegfallens des Testens an Kindergärten und an Schulen», sagte SPD-Abgeordnete Dorothea Marx. Es sollte nicht von dem engmaschigen Testangebot abgewichen werden.

CDU-Fraktionschef Mario Voigt und Vize-Ministerpräsidentin Anja Siegesmund (Grüne) hatten bereits am Dienstag dafür plädiert, die Testpflicht beizubehalten.

Holter wies in der gemeinsamen Ausschusssitzung im Landtag darauf hin, dass man sich trotz des geplanten Wegfalls der Testpflicht vorbehalte, dies auch wieder rückgängig zu machen, sollte dies nötig sein. Bislang dürfen nur Menschen, die sich testen lassen, Thüringer Schulen betreten. Schüler, die sich nicht testen lassen wollen, müssen im Distanzunterricht beschult werden. Holter will diese Regelung ändern und die Testpflicht abschaffen, ein Testangebot jedoch aufrecht halten. dpa

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3 KOMMENTARE

  1. Thüringen möchte wohl gerne seinen Platz als Anführer der Hotspotliste zurückerobern. Fest steht, dass die Deltavariante vor allem durch die Kitas und Schulen rollen wird, die Orte, wo massenweise Ungeimpfte, die sich überwiegend asymptomatisch infizieren, in geschlossenen Räumen ohne Abstand, Maskenpflicht (im Unterricht ist sie schon weg) und Luftfilter zusammenkommen. Schafft man auch noch die Tests ab, wird man erst auf Infektionen aufmerksam, wenn Symptome bei SuS auftreten oder Personen in den Familien erkranken. Und dann heißt es wieder, die Infektionen seien nicht in der Schule erfolgt, sondern in privaten Bereich und dann in die Schule hineingetragen worden. Und bei der erhöhten Infektiosität dieser Mutation mit sehr schnell sehr hoher Viruslast wird es wohl kaum möglich sein, Infektionen etlicher weiterer SuS im Klassenraum zu verhindern. Da hilft auch kein Lüften. Es reicht eine kleinere Virenmenge aus, um eine Infektion hervorzurufen, gleichzeitig ist die bei Infizierten zu findende Virenmenge im Rachen schon vor Symptombeginn viel höher. Eine ungute Kombi.
    Man wird jeglichen Überblick über das Infektionsgeschehen verlieren bzw. den Eindruck bekommen, es gäbe kaum noch Infektionen. Die allgemeine Inzidenz wird vielleicht nicht so sehr steigen, dafür wird sich die unter Kindern und Jugendlichen massiv steigern, ungeimpfte Eltern eingeschlossen. Und wo keine Inzidenz nachweisbar, da auch keine Maßnahmen nötig. Alles logisch. (Ironie off)
    Experten raten das Gegenteil.

    „Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer mahnt zur Vorsicht. In Schulen hält er PCR-Tests für erforderlich, „damit wir nicht im Herbst wieder in eine Falle laufen“, wie er im Interview sagt. —[…]
    hessenschau.de: Die Maskenpflicht im Unterricht wird aufgehoben, obwohl es in den meisten Klassenräumen nach wie vor keine Luftfilter gibt. Was halten Sie davon?
    Das ist durchaus diskutabel. Im Moment sind wir in der glücklichen Situation, dass die Inzidenzen sehr niedrig sind, man angesichts des warmen Wetters gut lüften kann – und somit das Infektionsrisiko in den Klassen relativ niedrig ist. Aber wir reden bei den Kindern über Ungeimpfte, entsprechend ist ein gewisses Risiko dabei. Ich hätte mir gewünscht, dass man sagt, wir behalten die Maskenpflicht im Unterricht so lange bei, bis wir in die Sommerferien gehen – und nutzen diese dann, um bessere Teststrategien auf den Weg für den Herbst zu bringen.

    hessenschau.de: Wie sollten die Schulen sicherer gemacht werden?
    Ich würde eine Strategie mit drei PCR-Tests pro Woche für sinnvoll erachten, sowie eine technische Aufrüstung mit Luftfiltern. Damit wir nicht im Herbst, wenn nicht mehr so gut gelüftet werden kann, wieder in eine Falle laufen, sondern dieses Mal aus Fehlern lernen und konsequent etwas umsetzen. Ich glaube, inzwischen ist allen klar, dass zwei Antigen-Schnelltests pro Woche in den Schulen nur eine Notlösung sind. Wenn wir jetzt Richtung Herbst die Delta-Variante mit ins Kalkül ziehen müssen, die bis dahin wahrscheinlich vorherrschend sein wird, müssen wir an den Schulen genauer hingucken, also mit PCR-Tests, die verlässlicher sind und früher „anschlagen“.

    https://www.hessenschau.de/gesellschaft/ausbreitung-der-delta-variante-virologe-stuermer-haelt-pcr-tests-in-schulen-fuer-sinnvoll,interview-stuermer-lockerungen-102.html

    Die Selbsttests der SuS sind sehr fehleranfällig, sowohl Spuck- als auch Lollitests haben zumindest bei uns eine hohe Ungültigkeitsquote. Dazu kommt ja noch die sowieso schon verhältnismäßig geringe Trefferquote der Schnelltests. Also wäre eher verpflichtende PCR-Testung logisch statt Abschaffung der Testpflicht. Von Luftfiltern gar nicht zu reden.

    „Israelische Behörden haben am Samstag über einen erneuten Coronavirus-Ausbruch an einer Schule im Norden des Landes berichtet. In der Stadt Binyamina-Giv’at Ada’s haben sich mindestens 44 Kinder, überwiegend Siebt- und Achtklässler, mit der ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus infiziert. Auch einige bereits geimpfte Erwachsene sollen sich angesteckt haben, wie die israelische Internet-Zeitung „The Times of Israel“ berichtet. […] Die Geschehnisse in Israel lassen vermuten, dass die Delta-Variante besser in der Lage ist die Covid-19-Impfstoffe zu umgehen als andere Varianten. Es ist bereits der zweite Ausbruch an einer israelischen Schule innerhalb kurzer Zeit. Zuvor hatten sich elf Schülerinnen und Schüler an einer Schule in Modiin mit dem Virus infiziert. […]“

    https://www.businessinsider.de/wissenschaft/gesundheit/delta-variante-zwei-corona-ausbrueche-an-schulen-in-israel/

    „In mehreren Schulen gibt es Ausbrüche in ganzen Jahrgangsstufen. Mit Dutzenden Fällen. Naftali Bennett bereitet das Sorgen. “Wir haben in Ländern wie Großbritannien gesehen, dass die Zahl der Kinder, die ins Krankenhaus müssen, deutlich steigt. In Israel blicken wir nur auf sehr vorläufige Daten. Dennoch haben wir beschlossen, dies als neuen Ausbruch des Virus in Israel zu behandeln. Wir wollen ihn stoppen. Wie mit einem Eimer Wasser über einem kleinen Feuer.
    Israels Regierung empfiehlt nun auch 12-15-jährigen eine Corona-Schutzimpfung. Bisher gab es zwar das Angebot, aber keine Empfehlung. Die Zahl der Kinder, die sich impfen lassen, ist in Israel bereits deutlich gestiegen. Das israelische Fernsehen sprach mit der Mutter einer 13-Jährigen, die sich gerade impfen ließ. Ich hatte meine Bedenken, weil sie noch ein Kind ist. Sie ist noch nicht ganz 14 Jahre alt, da hatte ich Angst. Aber angesichts des Ausbruches in einer Schule in der Stadt Modiin haben wir uns sofort für das Impfen entschieden. Apropos Impfen: Auch in Israel wird die Delta-Variante bei Menschen nachgewiesen, die doppelt geimpft wurden. In Israel wurde fast ausschließlich der Impfstoff von BioNTech/Pfizer verimpft. Und so trifft die Delta-Variante auch den sogenannten Impfweltmeister Israel.“

    https://www.tagesschau.de/ausland/asien/delta-coronavirus-israel-impfungen-sorge-101.html

    Unsere Impfquote ist noch wesentlich geringer, Impfung für Kinder ist von der Stiko nicht empfohlen. Und wie gut man als LuL geschützt ist, wenn es in den geschlossenen Räumen viele Infizierte gibt, ist auch noch nicht klar. Auf jeden Fall dürfte man bei einem Ausbruch in einer Klasse Gefahr laufen, sich auch als doppelt Geimpfter (was ja viele LuL noch gar nicht sind) zu infizieren, einfach aufgrund der hohen Virenmenge, die da unterwegs sein dürfte. Und auch wenn man selber nicht schwer erkrankt, kann man das Virus weitertragen. Zum Beispiel zu gefährdeten Familienmitgliedern, deren Impfschutz schon wieder nachlässt… Wann bekommen die Ältesten ihre Auffrischung? Da kommt was auf uns zu, fürchte ich. Ich würde mich gern irren.

  2. Coronavirus
    Modellprojekt im Burgenlandkreis zeigt: Schulen sind keine Pandemie-Treiber
    […]
    Trotz hoher Corona-Infektionszahlen im Frühjahr durften Schulen im Burgenlandkreis offen bleiben. Möglich gemacht hatte das ein Modellprojekt zusammen mit der Uniklinik Halle. Medizinstudierende hatten drei Mal pro Woche die Kinder getestet und die Ergebnisse dokumentiert. Jetzt liegen erste Auswertungen zu dem Projekt vor.

    Zahl der positiv getesteten Kinder war konstant niedrig

    Studienleiter Thomas Frese, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Schulen seien weder Infektionstreiber noch massiver Schwerpunkt der Pandemie.
    Zwar räumte Frese ein, dass die verwendeten Lollitests für Schülerinnen und Schüler weniger exakt seien als übliche Schnelltests. Es habe aber schnell gehen müssen. Eine Dynamik des Infektionsgeschehens sei darüber hinaus auch so erkennbar. Die Zahl der positiv getesteten Kinder sei konstant niedrig gewesen, sagte der Studienleiter.“

    https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/burgenland/schulen-corona-pandemie-modellprojekt-100.html

    Mitte März war der Regelbetrieb an Grund- und Förderschulen wieder aufgenommen worden. An anderen Schulen gab es
    Wechselunterricht.
    https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/morgenticker-montag-fuenfzehnter-maerz-schulen-burgenlandkreis-oeffnen-inzidenz-ueber-einhundert100.html

    Aussagen dazu, in welcher Schulart und wie viele Schüler insgesamt überhaupt getestet wurden, sind in dem von mir oben zitierten Artikel nicht zu finden.

    Lollitests haben bei uns teilweise eine Ungültigkeitsquote von 30 %. Und sicher wird man diese Studie nehmen, um auch bei einer Ausbreitung der hochinfektiösen Deltavariante uneingeschränkten Präsenzunterricht zu legitimieren.

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