Debatte: Lässt sich über die Sitzordnung das Leistungsniveau einer Klasse beeinflussen?

15

LEIPZIG. Der eine Schüler quatscht zu viel und macht nicht richtig mit, der andere benimmt sich vorbildlich und hat gute Noten. Sollten Lehrende die beiden zusammensetzen, um den Quatschmacher zu fördern? Die Meinungen darüber gehen auseinander.

Wer sitzt neben wem? Für Schülerinnen und Schüler eine wichtige Frage. Foto: Shutterstock

Die Schulglocke läutet, Schülerinnen und Schüler stürmen in ihren neuen Klassenraum und kämpfen um Sitzplätze neben ihren Freunden. Das Ergebnis: Mädchen und Jungen sitzen getrennt. In einer Ecke bildet sich eine Reihe mit guten Schülerinnen und Schülern, weiter hinten machen sich diejenigen breit, die öfter keine Hausaufgaben haben. Für Lehrende stellt sich dann die Frage: Lasse ich die Kinder so sitzen?

Erst einmal sei es normal, dass sich Kinder und Jugendliche mit ähnlichem Hintergrund miteinander anfreunden und auch zusammensitzen wollen, sagt die Psychologin Julia Rohrer von der Universität Leipzig. «Das Phänomen nennt sich Homophilie – gleich und gleich gesellt sich gern.»

So normal, so problematisch – zumindest für einige. Ungleichheiten würden dadurch nämlich verstärkt, sagt Rohrer. Gemeint ist etwa: Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten landen auch im Klassenzimmer beieinander und können sich gegenseitig nicht helfen. Wer dagegen ohnehin schon gut ist, paukt zusammen mit seinen Freunden, den anderen Spitzenschülern.

Rohrer und ein Team aus Forschenden der University of Wisconsin-Madison (USA) und des Center for Social Sciences in Budapest wollten deshalb wissen: Können Lehrerinnen und Lehrer Freundschaften zwischen Schülern forcieren, indem sie diese nebeneinander setzen? Der Gedanke dahinter: Lernschwache könnten von Starken profitieren, außerdem könnten Kinder Vorurteile übereinander abbauen – etwa gegenüber dem anderen Geschlecht.

Das Forscher-Team führte eine Feldstudie in Ungarn durch, deren Ergebnis nun in der Fachzeitschrift «PLOS ONE» erschienen ist. Für das Experiment wurden rund 3000 Kinder und Jugendliche im Alter von etwa 8 bis 17 Jahren im Klassenzimmer zufällig nebeneinander platziert. Ein Halbjahr lang mussten die Probanden so sitzen bleiben – und am Ende angeben, wer ihre besten Freunde sind.

Das Ergebnis: Tatsächlich freundeten sich die nebeneinander sitzenden Schülerinnen und Schüler häufiger miteinander an. Die Wahrscheinlichkeit stieg um knapp die Hälfte – nämlich von 15 auf 22 Prozent. Auch Kinder mit unterschiedlichen Hintergründen wurden «beste Freunde», wenn auch seltener als ähnliche Paare.

Als Erfolg wertete Rohrer vor allem die Intervention bei Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Schulleistungen – hier stieg der Anteil der Freundschaften deutlich. Allerdings: Aktuell lässt sich noch nicht sagen, ob das auch zu besseren Schulnoten bei den Lernschwächeren führte. «Das wollen meine Kollegen anhand der Daten noch erforschen», sagt Rohrer. Die Studie sei dennoch ermutigend: «Lehrer können in Schulklassen auf simple Art und Weise eingreifen und so ein diverseres Freundschaftsnetzwerk schaffen, von dem gerade benachteiligte Schüler profitieren könnten.»

«Wenn ein Lehrer die Ordnung komplett selbst aufgrund sozialer Kriterien bestimmen würde, gäbe es einen Aufstand»

Doch wie realistisch ist es, Klassen nach bestimmten Kriterien umzusetzen? Heinz-Peter Meidinger, Chef des Lehrerverbands, hat seine Zweifel. «In deutschen Klassenzimmern herrscht ein großer Freiheitsbetrieb», sagt der Gymnasiallehrer. Die Schüler seien es gewohnt, dass sie ihre Sitzplätze weitgehend selbst aussuchen könnten. «Wenn ein Lehrer die Ordnung komplett selbst aufgrund sozialer Kriterien bestimmen würde, gäbe es einen Aufstand.»

Meidinger plädiert aber für regelmäßiges Rotieren, sonst gebe es immer «Gewinner und Verlierer». So hätten die Schüler Chancen, sich gegenseitig kennenzulernen und ein besseres Gruppengefühl zu entwickeln. Auch Außenseiter-Positionen würden seltener.

Gisela Steins, Psychologie-Professorin an der Universität Duisburg-Essen, hält das ebenfalls für ein gerechtes System. Wichtig sei ihr vor allem, dass es keinen Zwang bei der Sitzordnung gebe, sagt Steins. «Im Klassenraum sind die Kinder ohnehin auf engstem Raum zusammengepfercht, da sollten sie nicht auch noch neben jemandem sitzen, den sie nicht mögen.» Durch Nähe könnten zwar Freundschaften entstehen, aber auch viele negative Effekte.

«Man kann von einem Kind nicht verlangen, dass es bei anderen für bessere Leistungen sorgt»

So spürten Kinder und Jugendliche, welche Rollen ihnen von den Lehrern zugewiesen würden – dem Störenfried sei bewusst, warum er neben der vermeintlichen Streberin sitze. «Das ist auch eine Überfrachtung von Schülerrollen. Man kann von einem Kind nicht verlangen, dass es bei anderen für bessere Leistungen sorgt.»

Das sei schließlich Aufgabe der Lehrenden – und die könnten auch ohne Sitzordnung Kinder und Jugendliche zusammenbringen, die nicht unbedingt befreundet sind, so Steins. «Das funktioniert gut bei Projekten, bei denen alle das gleiche Ziel haben, etwa bei Referaten», sagt sie. Dann sei es sinnvoll, dass die Lehrenden Gruppen festlegten, um unterschiedliche Leistungsniveaus oder Freundesgruppen zu mischen. Von Corinna Schwanhold, dpa

Der Klassenraum der Zukunft – pädagogisch wertvoll?

Anzeige


15 KOMMENTARE

  1. Wieder einmal eine bahnbrechende Erkenntnis! *seufz*
    Am besten klappt es in Gruppenarbeiten, wenn die Kinder von Beginn an, also Klasse 1, gewohnt sind, dass die Sitzordnung auch mal wechselt, wenn man nicht immer nur in der eigenen Clique bleibt, wenn man andere kennenlernt und mit ihnen von Beginn an auch gemeinsam arbeitet.

    Das hat auch nichts damit zu tun, dass man als Lehrkraft dann SchülerInnen stigmatisiert, sondern dass man es zum allgemeinen Prinzip erklärt, sodass alle mit allen arbeiten können. Auch dabei kann man wechseln, LernpartnerInnen selbst wählen lassen, Gruppen nach Themen bilden, Gruppen vorab festlegen, gemeinsam Kompromisse finden, Vorgaben zu Gunsten der zu inkludierenden Kinder setzen,
    man kann Sitzpläne vorgeben oder Kriterien (Mischung der Kinder aus Dorf A und Dorf B/ ein Kind, neben dem du noch nicht gesessen hast/ heute dürft ihr miteinander entscheiden…).

    Dass ForscherInnen sich solcher Themen annehmen, zeigt einmal mehr, dass die Schulen transparenter werden müssen und über ihre Arbeit (auch der der Klassenbildung) mehr sprechen sollten, damit die Allgemeinheit versteht, was in der Schule dazu gehört und worin die Komplexität der Aufgaben einer Lehrkraft besteht.

  2. Wenn die Kinder Lehrer und Mitschüler weniger ablenken, bzw. weniger Ressourcen auf sich ziehen, dann ist das ein Vorteil für alle, die dann weniger abgelenkt sind.

  3. Das Problem ist eigentlich uralt, so alt wie die Klassenräume selbst. Jetzt wird es auch noch wissenschaftlich erforscht. Hätten wir nicht wichtigere Fragen, z.B. nach der Wirkung des längeren gemeinsamen Lernens? Nach dem wirklichen Effekt der Ganztagsschulen? Ob die Starken die Schwachen mitziehen (auch im Artikel oben wird alles mal wieder von den Lernschwachen her gedacht, das ist der Genosse Trend in der Bildungspolitik, bereitwillig unterstützt von der Bildungsforschung) ?
    Übrigens: früher wurde die Sitzordnung nicht einfach frei gewählt. Noch in der „Feuerzangenbowle“ sitzt der Klassenprimus vorne und die schwachen Leute hinten („die Lümmel von der letzten Bank“). Das erinnert an die „‚pole position“ bei Autorennen.

  4. Der Ansatz könnte funktionieren, wenn man sehr viele sehr gute, leistungsbereite und unter allen Umständen leistungswillige Schüler hat, sprich die besten 10% aktueller Klassen bei gleichzeitig nur sehr wenigen „Chaoten“ oder schwachen Schülern. Mit anderen Worten ist es illusorisch. So oder so zeigt diese Erhebung eher die Grenzen des Gesamschulsystems auf.

  5. Ganz toll, dass hier jeder dahergelaufene Psychologe seine Meinung abgeben muss. Am großartigsten ist der Satz: „Im Klassenraum sind die Kinder ohnehin auf engstem Raum zusammengepfercht, da sollten sie nicht auch noch neben jemandem sitzen, den sie nicht mögen.“
    Wir Lehrer können nicht zaubern, dieses Problem ist nicht lösbar!

    • „…..neben jemandem sitzen, den sie nicht mögen“.

      Wie tief soll die Toleranz-Latte denn NOCH gelegt werden?
      (Manchmal erinnern mich die „Ideen für Kinder“ an eine Limbo-Competition).

      Schule soll auf das weitere Leben vorbereiten, dazu gehört für mich auch die Fähigkeit, sich mit Situationen zu arrangieren.

      Kann ich mir später im Berufsleben dann bitte auch wünschen, mit wem ich zusammenarbeiten/-sitzen möchte? Im Büro, bei der Bundeswehr, auf dem Bau…?
      Ach, und im Kino hätte ich das auch gerne!

      Jede halbwegs begabte Lehrkraft wird schon merken, wenn eine Konstellation überhaupt nicht klappt und recht zügig Abhilfe schaffen. Außerdem lässt sich in bestimmten zeitlichen Abständen ein Sitzplan regelmäßig ändern.

      Meine persönliche Erfahrung im Schulalltag: Manche Kinder, die sich zu Anfang nicht ausstehen konnten, waren irgendwann plötzlich richtig dicke miteinander.

      Jedes Kind kann von jedem anderen Kind etwas lernen, sei es Disziplin, Humor, Kreativität, natürlich auch Mist, vor allem aber, ggf. Vorurteile abzubauen, indem es den vermeintlich uninteressanten oder unsympathischen Sitznachbarn (zunächst vielleicht unfreiwillig) näher kennenlernt.

  6. Gute, lernwillige, eigentlich gerne zur Schule gehende Schüler werden aus meiner eigenen Erfahrung oft als Aushilfslehrer und Integrationskraft für verhaltensgestörte oder lernunwillige/schwache Schüler missbraucht.

    Bei uns hatte das den Effekt, dass in den paar Wochen, wo unser Kind neben dem größten Störenfried der Klasse sitzen musste, die erste und einzige nicht gute Klassenarbeit der ganzen Grundschullaufbahn geschrieben wurde weil es permanent von dem Jungen gestört wurde.

    Als Mutter empfindet man es als absolut inakzeptabel, wenn das eigene Kind die Defizite anderer Personen kompensieren soll und dabei selber Nachteile in Kauf nehmen muss, dem Unterricht nicht mehr in Ruhe folgen kann und selbst bei Klassenarbeiten/Tests ständig abgelenkt wird.

    Anstatt selber gefordert und gefördert zu werden wenn sie mit ihren Aufgaben schon fertig sind, werden die guten Schüler genötigt, anderen zu helfen und in ihren eigenen Kompetenzen permanent ausgebremst. Unser Kind hat sich die ganzen vier Jahre gelangweilt und war ständig genervt weil es andauernd den Kindern rundrum helfen sollte und ständig die Störenfriede oder die Klassenneulinge aus aller Welt neben sich gesetzt bekommen hat.

    Aber auch die guten Schüler sind ebenfalls noch kleine Kinder und ich empfinde es als Zumutung, dass sie in ihrer eigenen Entwicklung ausgebremst, eingeschränkt und sogar noch permanent als Nachhilfskräfte, Integrations- und Inklusionskräfte und Dämpfer für verhaltensauffällige Mitschüler missbraucht werden.

    Ich bin heilfroh, dass es in unserem Fall keine offene Rebellion innerhalb der Klasse gab sondern nur die fast täglichen Beschwerden zuhause, die ich als Mutter dann auffangen musste.

    Auch gute Kinder haben ein Recht auf Förderung und die Probleme der schlechten Schüler und (nachvollziehbar) überforderten Lehrer nicht lösen zu müssen!

    Ich bin für eine möglichst frühe Trennung der Klassen weil die Potentiale der guten Schüler zusammen mit lernschwachen völlig verkümmern und zu Frust führen! Von dieser Zwangssymbiose profitiert nur die eine Seite, die guten Schüler sind es nicht!

    Und kommt mir bloß nicht mit dem guten Gefühl, anderen geholfen zu haben. Das wiegt die Nachteile bei Weitem nicht auf!

    • Sie können Ihren Kommentar auch deutlich verkürzen:

      Leistungshomogene Klassen funktionieren besser als leistungsheterogene, wobei ich, den aktuellen kaum noch vorhandenen Ansprüchen im Lehrplan entsprechend, Leistung in erster auf Bereitschaft beziehe. Von der Begabung des Störenfriedes haben Sie nichts geschrieben.

    • Nun, ältere Geschwister profitieren eindeutig davon, jüngeren Geschwistern Sachverhalte zu erklären. Das ist auch die Grundidee, die den gemischten Klassen zugrundeliegt. Hilfsbereitschaft ist zudem ein Wert, welchen wir in unserer zunehmend individualistischen, leistungsbezogenen, tatsächlich auch narzisstischen Gesellschaft, dringend (!) fördern sollten.
      Dennoch fanden wir es inakzeptabel, wie unser fröhliches und tolerantes Grundschulkind von der Lehrerin regelrecht als Therapiehund eingesetzt wurde – über viele Monate hinweg und unter deutlichen Leistungseinbußen. Durch das ständige Zusammenpaaren mit zwei schwierigen Kindern war es irgendwann auch in der Klassenhierarchie abgerutscht – für unser Kind wahrscheinlich gefühlt das größere Übel.
      Ich fürchte, es sind gern immer dieselben Kinder, die in einer Klasse eingesetzt werden und das ist das eigentliche Problem. Immer sind es die Überflieger, die ruhigen Mädchen, die sehr freundlichen Kinder … diese werden tatsächlich geopfert, damit die Klasse so ruhig wie möglich ist.
      Die Lösung liegt aber ganz woanders: es müssen kleinere Klassen her.

    • Wie oft wollen Sie die Klassen denn aufteilen? Alle 2 Monate oder doch lieber alle 2 Wochen?

      Dass in einer heterogenen Klasse die Differenzierung für alle Schüler:innen angesetzt werden muss, sollte allen klar sein. Das bedeutet heutzutage, dass man gleichzeitig Kinder mit Unterstützungsbedarf in Geistiger Entwicklung bis hin zu Kindern mit Hochbegabung zeitgleich im gleichen Raum mit genau einer Lehrkraft beschult, gerne wird zudem erwartet, dass alle Kinder an gleichen Inhalten arbeiten.
      Wer meint, sein Kind bekäme nicht ausreichend Förderung, sollte dies in einem Elterngespräch benennen und erfragen, welche Möglichkeiten die Schule hat und den Kindern anbieten kann oder bereits angeboten hat.

      Die Potenziale der kognitiv guten Schüler:innen muss man fördern – wir nennen es herausfordern, das scheint in dieser Klasse nicht so gut gelungen zu sein, aus welchen Gründen auch immer, da ist vieles möglich.

      Die Kinder dürfen gleichzeitig aber auch ihre sozialen Fähigkeiten verbessern, indem sie lernen, dass es andere Menschen gibt, die mit anderen Voraussetzungen nicht nur in der Schule ihr Leben teilen. Dies ist als Aufgabe von Schule um so wichtiger, als in der Gesellschaft das Leben in der eigenen Blase mit selbst gewählten Freunden, Stadtvierteln etc. eher zu einer Spaltung als zu einem Miteinander oder gegenseitigem Verständnis führen.

      Dass Schüler:innen, die etwas können, anderen helfen, die es nicht können, gehört zu einem gemeinsamen Schulleben dazu, sollte aber nicht die einzige Herausforderung der Begabten darstellen. Von einigen Schüler:innen wird es selbst mit Freude angeboten, dabei ist richtiges Helfen gar nicht leicht, denn man muss die Inhalte beherrschen, aber damit es die Erläuterung, die zuvor bereits erfolgt ist, nun versteht, muss man das andere Kind im Blick haben, einfühlsam sein und soziales Verständnis entgegenbringen.
      Tatsächlich übt man das soziale Miteinander von Klasse 1 an, meine Erfahrung ist, dass wechselnde Sitzplätze helfen, Partner- und Gruppenarbeiten in unterschiedlichen Konstellationen muss man einüben, wenn sie gelingen sollen.

      • „… als in der Gesellschaft das Leben in der eigenen Blase mit selbst gewählten Freunden, Stadtvierteln etc. eher zu einer Spaltung … führt.“
        Genau das hat kürzlich Frau Wagenknecht angemerkt in Bezug auf die „Lifestyle-Linken“. Mir scheint, es gibt auch Lifestyle-Grüne, die vorwiegend mit anderen Lifestyle-Grünen reden und sich gegenseitig ihre Meinungen bestätigen, oft in Kombination mit der GEW.
        Und dann schreiben Sie, die guten Schüler müssten „einfühlsam und mit sozialem Verständnis“ den anderen helfen, und das schon ab Klasse 1. Ganz schön viel verlangt! Unfreundlich ausgedrückt: sie werden als kostenlose Hilfslehrer missbraucht. Angesichts der gigantischen „Heterogenität“ kann das eine Schraube ohne Ende werden. Und dann zweifeln Sie an anderer Stelle an, dass die guten Schüler durch das „längere gemeinsame Lernen“ (also das längere Hilfslehrerdasein) ausgebremst werden.
        Man kann natürlich die „Sozialkompetenz“ als primäres Ziel der Schule ansehen, aber das sehen halt viele Leute im Lande anders. Also nicht einmal über das primäre Ziel der Beschulung kann man sich noch einig werden. Aber auch das ist dann wieder Teil der einen oder anderen „Blase“. Ebenso gibt’s keine Wahrheit mehr, sondern die Wahrheit der einen, der anderen, der dritten usw., jede Blase hat ihre eigene.

  7. Mal wieder ein versuch mit einer Hirn-Riss-Studie die Bildungsmisere zum Nulltarif zu verbessern.
    Gab es doch schon öfter. Wer erinnert sich nicht an Studien mit dem Ergebnis “ Lernerfolg steht nicht im Zusammenhang mit der Klassengröße, sondern hängt nur von der Motivation der Lehrkräfte ab.“
    Quatsch. Wer schon in Klassen mit 12 und Klassen mit 31 Schülern unterrichtet hat weis das genau. Interessier aber keinen, Hauptsache es kostet nichts. Leher-Motivation ist eben um sonst, kleiner Klassen kosten richtig Geld.
    So ist dies Studie auch.
    Problem-Schüler werden nicht weniger oder umgänglicher, wenn man sie besser im raum verteilt.
    Guter Schüler neben schlechtem Schüler führt nicht zu zwei guten Schülern. Es bewirkt, dass der schlechte Schüler (mit viel Glück und guten Willen) etwas besser wird und der gute Schüler schlechter wird.
    Unser Schulsystem behindert schon seit Jahren die besseren Schüler. Wer was kann und Motiviert ist, der ist schlecht dran.
    Man will hier in Deutschland eben Bildungsgerechtigkeit. Wenn man die schlechteren Schüler ums verrecken nicht zum Null-Tarif fördern kann, dann muss man die starken Schüler eben ausbremsen.
    So erreiche wir dann die Bildungsgerechtigkeit. im Mittelmaß, aber immerhin „gerecht“.
    Gelobt sei das Genie unserer KMK.

  8. Bei den Kleinen in der GS wird auch oft von den Eltern der „hochbegabten“ Zappelphilippe gefordert: „Setzen Sie meinen Justin Benedikt doch zu Doreen. Die ist ruhig und arbeitet konzentriert und kann meinen Sohn mitziehen!“
    Was hat die kleine Doreen wohl verbrochen, dass sie ständig so einen Störenfried ertragen soll? Sie ist lieb und nett, würde nie einen Aufstand machen, aber ist das schon Grund genug für so eine Strafe?
    Zappelphillip Justin Benedikt darf sich gerne an einen Einzelplatz zurückziehen, wenn er Ruhe zum Arbeiten braucht, ein Freibrief ANDERE zu stören ist das NICHT!

    Das „Recht auf Bildung“ beinhaltet auch das Recht, sich möglichst ungestört zu bilden.

    Ein Kind, dass seine Pflichtaufgaben schnell erledigt hat, hat immer mehrere Optionen: Es darf an herausfordernden Aufgaben weiterarbeiten, lesen, Spiele spielen, Geschichten schreiben oder anderen helfen. Ja, auch das mögen einige Kinder, aber eigentlich ist die Unterstützung der schwachen Schüler MEINE Aufgabe als Lehrerin. Im Gegensatz zu den Kindern bin ich dafür ausgebildet!

    Trotzdem gibt es immer wieder Partnerarbeit mit willkürlich zusammengelosten Partnern. Da muss man auch mal mit einem Kind zusammenarbeiten, mit dem man sonst nichts zu tun hat.
    Das klappt inzwischen ganz gut, aber die Dauer der Zusammenarbeit ist ja auch auf eine bis 2 Stunden begrenzt!

    Dass sich daraus manchmal neue Freundschaften entwickeln ist gewollt!

    Als Lehrer kann und soll man Angebote machen, aber dauerhafter Zwang ist KEIN probates Mittel!

    Ich überlege mir immer, wie es wäre, wenn ich ständig mit einem Kollegen zusammensein oder zusammen arbeiten MÜSSTE, der mir tierisch auf die Nerven geht! Das würde meine Motivation sicher nicht verbessern !

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here