Warum es wichtig ist, Kitas und Schulen mit mobilen Luftfiltern auszustatten: Aerosol-Forscher bringen Positionspapier heraus

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BERLIN. Der Skandal um die nach wie vor unzureichende Ausstattung der Kitas und Schulen mit mobilen Luftfiltern legt den Verdacht nahe, dass die Entscheider in den Ministerien und Verwaltungen noch immer nicht verstanden haben, wie Infektionen mit dem Coronavirus verlaufen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) setzt dem jetzt ein Informationspapier entgegen, das in schlichten Worten die Zusammenhänge erklärt. Deutlich wird darin, dass es fahrlässig ist, in den Bildungseinrichtungen allein auf Fensterlüftung zu setzen.

Mobile Luftfilter können Viren aus der Raumluft beseitigen – kosten aber Geld. Das Foto zeigt einen Klassenraum im bayerischen Unterbiberg, der mit Luftfilter und Plexiglas-Schutzwänden ausgestattet ist. Foto: Shutterstock / Alexandra Goertz

„Der bisherige Verlauf der COVID-19-Pandemie hat gezeigt: Aerosole tragen erheblich zum Infektionsgeschehen bei – und ihre Abwehr kann ein Wiederansteigen der Infektionszahlen maßgeblich reduzieren“, so heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). „Die Frage nach wirksamen Schutzmaßnahmen wird sich spätestens im Herbst akut stellen, denn durch saisonale Faktoren, neue Virusvarianten, sinkende Immunität nach der Impfung oder mangelnde Impfbereitschaft besteht weiterhin die Gefahr einer vierten Infektionswelle in Deutschland.“ Noch immer seien lediglich 70 Prozent der Bürger in Deutschland über die Gefahr durch Aerosole informiert – weshalb die DFG nun ein Informationspapier dazu herausgegeben hat. Dabei wird der Fokus auch auf die Schulen und Kitas gerichtet.

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„Mit den mobilen Raumluftreinigern können sie das indirekte Infektionsrisiko in Schulen nahezu vollständig ausschließen, wenn sie die richtig betreiben. Das direkte Infektionsrisiko können sie mit transparenten Schutzwänden minimieren.“ Prof. Christian Kähler

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„Die Prävention von Infektionen wird langfristig bedeutsam bleiben, da die Pandemie weder schnell, noch einfach überwunden werden kann und ansteckendere Virusvarianten zirkulieren“, so heißt es in dem Papier. „Aktuelle Modellierungen sagen voraus, dass eine dauerhafte Kontrolle der Pandemie mit realistischen Impfanteilen allein nicht zu erreichen ist und Maßnahmen für einen nachhaltigen Infektionsschutz langfristig notwendig bleiben werden. Hierbei verringern Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung von Aerosolen nicht nur die Infektionsgefahr mit SARS-CoV-2 über ausgeatmete Aerosolpartikel, sondern helfen auch, Infektionen mit anderen über die Luft übertragenen Erregern (z. B. Grippeviren) zu verringern.“ Das ist keine Kleinigkeit: Laut „Kinderärzte im Netz“ starben 2018 in Deutschland 16 und 2019 zwölf Kinder bis 15 Jahre an der Grippe.

„Die Übertragung findet nach gegenwärtigem Stand der Forschung fast ausnahmslos in Innenräumen statt“ – wie in Klassenräumen

„Die Übertragung von SARS-CoV-2 findet nach gegenwärtigem Stand der Forschung fast ausnahmslos in Innenräumen statt“, so heißt es nun in der DFG-Stellungnahme. Das große Infektionsrisiko in Innenräumen hänge damit zusammen, dass hier sowohl direkte als auch indirekte Infektionen stattfinden. Direkte Infektionen werden begünstigt, wenn Menschen über kurze Distanz längere Zeit miteinander sprechen, ohne sich zu bewegen – wie in der Schule. Indirekte Infektionen erfolgen, wenn Menschen über lange Zeit in einem Raum verweilen – wie in Schulen und Kitas – und bei mangelndem Luftaustausch eine hohe Virenbelastung in der Raumluft vorhanden sei. „Zusätzlich muss beachtet werden, dass in schlecht belüfteten Innenräumen auch ohne direkte Begegnung eine Ansteckung stattfinden kann, wenn sich zuvor eine infektiöse Person länger darin aufgehalten hat. Daher kann es während der COVID-19-Pandemie in Innenräumen zu „Clusterinfektionen“ bzw. „Superspreading Events“ kommen“ – auch in Schulen. „Auch bei starker Atemaktivität (z. B. bei Chor- und Orchesterproben, schwerer körperlicher Arbeit, Sport im Fitnessstudio) steigt das Risiko einer indirekten Infektion.“

Weiter heißt es: „Die indirekte Infektionsgefahr kann in Innenräumen minimiert werden, indem sich Personen dort nur kurz aufhalten, die Konzentration infektiöser Aerosole durch starken Luftwechsel möglichst gering gehalten wird oder durch das Tragen partikelfilternder Masken. Ein starker Luftwechsel kann durch Fensterlüftung, fest installierte raumlufttechnische Anlagen oder mobile Raumluftreiniger erfolgen.“

Dabei ergeben sich allerdings praktische Probleme: „Ein schneller Luftaustausch durch Fensterlüftung erfordert regelmäßiges Querlüften (6-mal pro Stunde, Durchzug durch Öffnen von Fenstern auf gegenüberliegenden Raumseiten, ggf. auch in benachbarten Räumen) oder ebenso häufiges Stoßlüften (durch vollständiges Öffnen aller vorhandenen Fenster in dem genutzten Raum). Durch einen Ventilator im Fenster kann das indirekte Infektionsrisiko weiter reduziert werden. Fest installierte raumluft-technische Anlagen sollten bei maximalem Volumenstrom mit 100 Prozent Außenluft (keine Umluft) betrieben werden. Sind diese Maßnahmen technisch nicht möglich (keine raumlufttechnischen Anlagen vorhanden, zu wenig Fenster, die geöffnet werden können), physikalisch nicht wirksam (kein Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen, kein ausreichender Wind vor den Fenstern), nicht praktikabel (Unterbrechung von Arbeitsabläufen) oder nicht zumutbar (zu kalt, Zugluft, zu laute Außengeräusche), ist eine Reduktion der Virenlast mit leistungsstarken mobilen Raumluftreinigern möglich. Im Gegensatz zu fest installierten raumlufttechnischen Anlagen können hochwertige, leistungsstarke mobile Luftreiniger kurzfristig installiert werden.“

Durch Kombination der Maßnahmen „ist ein umfassender Infektionsschutz in Innenräumen möglich“ – auch in Klassenräumen

Wichtig dabei: „Da die Fensterlüftung, raumlufttechnische Anlagen und mobile Raumluftreiniger nur vor der indirekten Infektion schützen, aber keinen Schutz vor direkten Infektionen bieten, stellen sie keinen Ersatz für Masken jeglicher Art dar. Aber in Kombination mit Maßnahmen, die vor direkten Infektionen schützen, wie Abstand, OP-Masken, gute Mund-Nasen-Bedeckungen oder transparente Schutzwände, ist ein umfassender Infektionsschutz in Innenräumen möglich.“

Fazit der Autoren: „Den besten Schutz bietet dabei immer die Kombination aus Maßnahmen zur Verhinderung von direkten Infektionen, also Kontaktvermeidung, Abstandsregeln, Masken und Schutzwände, sowie Maßnahmen zur Verhinderung von indirekten Infektionen, also Lüften, raumlufttechnische Anlagen, effiziente mobile Raumluftreiniger und geeignete Masken.“ Nur möglichst widerspruchsfreie und einheitliche Regelungen garantieren den beteiligten Fachleuten zufolge eine hohe Sicherheit bei möglichst geringen Einschränkungen in Alltag und Lebensqualität.

An widerspruchsfreien Regelungen aber hapert es nach wie vor: Das Bundesprogramm zur Förderung mobiler Luftfilter in Kitas und Schulen zum Beispiel, das zeigt sich aktuell in den Ausschreibungsbedingungen (News4teachers berichtet), finanziert nur die Ausstattung von Klassen- und Gruppenräumen „mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit“. Die sind allerdings – schon wegen des steigenden CO2-Gehalts in der Atemluft – per se nicht für den Unterricht oder für den Aufenthalt mit Kindergruppen geeignet, wie das Umweltbundesamt feststellt. News4teachers

Hier lässt sich das DFG-Positionspapier herunterladen.

Die Autoren

Das DFG-Positionspapier wird von einer breiten Riege von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mitgetragen. Als Verfasser werden genannt:

  • Christof Asbach ist Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung e.V. (GAeF).
  • Cornelia Betsch ist Heisenberg-Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt.
  • Eva Grill ist Professorin für Epidemiologie am Institut für Medizinische Informationsverarbei-tung, Biometrie und Epidemiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
  • Susanne Herold ist Professorin für Infektionserkrankungen der Lunge an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
  • Christian Kähler ist Professor für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr München und Mitglied des Senats- und Bewilligungsausschusses für die Sonderforschungsbereiche der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
  • Michael Meyer-Hermann ist Professor an der Technischen Universität Braunschweig und leitet die Abteilung System-Immunologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI).
  • Stephan Ludwig ist Professor für Molekulare Virologie am Zentrum für Molekularbiologie der Entzündung an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
  • Gerhard Scheuch ist ehemaliger Präsident der International Society for Aerosols in Medicine.
  • Michael Schlüter ist Professor für Mehrphasenströmungen an der Technischen Universität Hamburg.
  • Cornelia Betsch, Eva Grill, Susanne Herold, Stephan Ludwig, Michael Meyer-Hermann und Michael Schlüter sind Mitglieder der interdisziplinären Kommission für Pandemie-forschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Die Positionen im Papier werden unter anderem unterstützt von:

  • Gesellschaft für Aerosolforschung e.V.
  • Eberhard Bodenschatz ist Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisa-tion in Göttingen und Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Leopoldina.
  • Gunnar Grün ist stellvertretender Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik in Holzkirchen.
  • Detlef Lohse ist Professor für Fluiddynamik an der University Twente und Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Leopoldina.
  • Markus Raffel ist Professor für Aerodynamik an der Leibniz Universität Hannover und Abtei-lungsleiter am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Göttingen.
  • Jana Schroeder ist Chefärztin des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie der Stiftung Mathias-Spital Rheine.
  • Cameron Tropea ist Professor für Strömungsmechanik und Aerodynamik (im Ruhestand) und Mitglied der wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates.
  • Clemens-Martin Wendtner ist Professor an der LMU München, Chefarzt an der Klinik München Schwabing und Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Leopoldina.

Bund fördert mobile Luftfilter für Kitas und Schulen – zu spät? „Schulträger, die sich schnell entscheiden, werden bedient. Die anderen nicht“

 

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14 KOMMENTARE

  1. Hoffentlich lesen das die Verantwortlichen in den Städten und Gemeinden und ebenso die Ministerpräsidenten und ihre Kultusminister.

  2. Der Bund, die Länder und die Kommunen wissen ganz genau, dass diese Luftfiltergeschichte nur so lange relevant ist, bis die Impfungen auch bei Kindern möglich sind, und die Impfquote bei Erwachsenen so hoch ist, dass sie trotz Ansteckung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht schwer erkranken oder sogar symptomlos bleiben oder es wirksame Medikamente gegen eine Erkrankung gibt. Das werden sie aber niemals öffentlich zugeben.

    • Allerdings ist das zu kurz gedacht. Denn diese Geräte schützen auch bei den jährlichen Grippewellen ( inkl. jährliche Covod 19 Mutationswelle) vor zu hohen Krankenständen bei Lehrpersonal und Schülern.

      Dazu kommt noch das Problem der Jüngeren, die bisher nicht geimpft werden dürfen, aber deren geimpfte Eltern sich durchaus symptomlos infizieren können und dann die Kinder anstecken.
      Luftfilter sind alternativlos. Auch im Hinblick zukünftiger Pandemien.

    • Für Kinder ist offensichtlich auch die Impfung noch zu teuer. Wenn man SARS-CoV-2 einfach durch die Schulen rauschen lässt, denkt offensichtlich mancher Verantwortliche oder sagt es leise hinter verschlossenen Türen, ist das Thema schnell und kostengünstig erledigt.

      Kostet halt ein paar Kindern das Leben oder dauerhaft die Lebensqualität oder auch mal ein Elternteil. Dass es darüberhinaus in den Schulen weiter chaotisch läuft mit kranken Schülern, Klassen in Quarantäne, Wechsel- und Distanzunterricht ist ja schon in den vergangenen beiden Schuljahren kein Problem gewesen.

      Etwa 50 Prozent der Lehrer sind übrigens über 50, in manchen Landstrichen noch deutlich mehr. Da die Impfung insbesondere gegen eine Infektion mit der Deltavariante nicht vollständig schützt und im Spätherbst und Winter der Impfschutz zudem nachlassen wird, würden unabhängig von ständigen Quarantänen etliche Lehrer ausfallen – hoffentlich nicht für immer, aber sicherlich teilweise länger. Macht ja nichts, es gibt ja sowieso zu wenige.

      Eltern und Kinder haben ja ausgiebig bewiesen, dass sie das „Recht auf Bildung“ auch alleine umsetzen können. Also weiter so mit dem verantwortungsvollen Sparkurs. Unsere Jugend wird das zu schätzen wissen und den Verantwortlichen nie vergessen.

  3. Vielleicht benötigen die KuMis kein gut verständliches Positionspapier, sondern eine bebilderte Beschreibung, wie wir sie zum Thema Lüften erhalten haben.

    • @Lanayah

      „eine bebilderte Beschreibung, wie wir sie zum Thema Lüften erhalten haben“

      So für ganz Doofe?
      Dann ist das viel zu schwierig für Schul- und Kultusminister.
      Die sind dann am Ende noch ganz demotiviert und kriegen nichts mehr hin!
      Ironie? – Ja siiischa daaatt!

  4. Die Wissenschaft hat gesprochen. Wollen wir wetten, dass die Politik all das komplett ignorieren wird, wie sie es auch in den letzten Monaten getan hat?

    Am Höhepunkt der vierten Welle werden sie dann behaupten, dass man das ja nicht hätte kommen sehen…

  5. Trotz Veröffentlichung und sogar öffentlichen Drucks überwiegend ein Fall für die Schublade! 😉

    Beratungsresistent eben.

    Beobachtete Ausnahmen folgen in dieser Angelegenheit leider keiner Gesetzmäßigkeit!

  6. Die KMs wissen das alles, denn in ihren Büros stehen bereits seit langem mobile Liftingsanlagen, sowie Plexiglasaufsteller. Alle Sitzungen finden dort nach wie vor Online statt.

  7. Mir kommt da gerade eine mögliche gedankliche Parallele: Im Landkreis Ahrweiler wird der Landrat bzgl. der evtl. verspäteten Warnung vor der originären Hochwasserwelle zur Rechenschaft gezogen. Bei der mittlerweile vierten Welle waschen die Verantwortlichen ihre Hände in Unschuld. Seltsam bei der uns mittlerweile allen bekannten Fahrlässigkeit, quasi alles mit Ansage. Ist, denke ich, eine wichtige Überlegung.

  8. Das wissenschaftliche Positionspapier der DFG wurde bereits am 27.7. 2021 per PM der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und ich habe es direkt am nächsten Tag an den für mich zuständigen Schulträger (Kreis Neuwied) gemailt, als Original (Mailanhang) sowie in der Mail zusammengefasst und kommentiert. Der Kreis antwortete mir am 30.7., und inzwischen fand auch am 5.8. eine Kreisausschusssitzung statt.
    (ernüchterndes) Ergebnis:
    Mobile Luftreinigungsgeräte gibt es nach wie vor nur für schlecht zu belüftende Klassenräume (Kategorie 2). Dafür will der Kreis für alle Klassenräume CO2-Ampeln anschaffen, damit jeder weiß, wann es Zeit zum Lüften ist. Kostenpunkt: um die 70 Euro pro Stück, es werden ca. 800 bis 1100 Geräte benötigt.
    Allerdings ist die Co-Finanzierung noch nicht gesichert, es muss noch die Ausschreibung stattfinden und bei der hohen Nachfrage ist unklar, ob die dann noch pünktlich bis zum Schulstart kommen. In RLP haben wir noch drei Wochen Ferien. Der Experte, den sie sich handverlesen in die Videokonferenz eingeladen hatten, Prof. Exner aus Bonn (em.), hat das alles schon original genau so unverändert Anfang Dezember 2020 von sich gegeben.
    Dass das Positionspapier der DFG bei meinem Schulträger keinerlei Berücksichtigung fand, versteht sich da fast schon von selbst, obwohl es unserem Landrat äußerst wichtig ist, seine Entscheidungen auf eine fundierte wissenschaftliche Basis zu stellen, um endlich mal aus der emotionalen Diskussion rauszukommen. Was er für fundiert hält, weicht ganz offensichtlich davon ab, was ich darunter verstehe.
    Wer mag, kann sich meine Mail vom 28.7., der schon einige vorangegangen waren, und, ganz unten, die Antwort vom Kreis vom 30.7. zu Gemüte führen. Bei den darin genannten höheren Ebenen habe ich auch nachgefragt, bekam entweder keine Antwort oder in der Form, dass von der DFG da natürlich nichts eingeflossen ist…

    Beginn meiner Mail vom 28.7. an den Kreis Neuwied:

    Sehr geehrter Herr Hallerbach,
    sehr geehrter Herr Mahlert,
    sehr geehrter Herr David,

    leider habe ich auf mein Anliegen vom 15.7. 2021 bislang keine Rückmeldung erhalten, von automatischen „Lesebestätigungen“ einmal abgesehen, die mir immerhin zeigen, dass meine Mail nebst Brief als Anhang bei Ihnen eingegangen ist. Das war vor mittlerweile nahezu zwei Wochen.
    Daher leite ich den Vorgang hiermit erneut an Sie weiter, mit der mir sehr bedeutsam erscheinenden Ergänzung der ganz aktuellen DFG-Pressemitteilung Nr. 34 vom gestrigen 27.7. 2021, abzurufen unter:
    https://www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2021/pressemitteilung_nr_34/
    Außerdem hänge ich dieser Mail das der PM zugehörige wissenschaftliche Positionspapier der DFG zum Thema:
    „Coronavirus-Pandemie: Wie lassen sich Infektionen durch Aerosole verhindern?“,
    an (dritter Anhang), abzurufen unter:
    https://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/corona_infos/positionspapier_aerosole.pdf
    Herr David schrieb in seiner Mail vom 12.7. 2021 stellvertretend für den Kreis Neuwied in seiner Funktion als Schulträger:
    „Der Einsatz von Luftreinigungsgeräten wird weiterhin sehr kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert. Unbestritten ist, dass Luftreinigungsgeräte in den Räumen, die nicht ausreichend über Fenster gelüftet werden können, unterstützend wirken können. Räume, die diese Voraussetzung erfüllen, haben wir mit entsprechenden Geräten ausgestattet.
    Neben der ausreichenden Lüftung der Räume werden flankierende Maßnahmen, wie bspw. regelmäßige Testungen von Schülern und Lehrern, Hygienekonzepte, Maskenpflicht, AHA – Regeln usw. an den Schulen konsequent durchgeführt. Als Schulträger unterstützen wir die Schulen hierbei.“
    Diese Ihre Behauptung(en) konnte ich nicht unkommentiert stehenlassen und hatte sie zum Anlass genommen, in meinem – bislang unbeantworteten – Brief vom 15.7. 2021 analytisch aufzuzeigen, wie wenig von dem Maßnahmenkatalog, den Sie in deser kurzen Mail plakativ aufführen, im Schulalltag übrigbleiben.
    Als Diskussionsgrundlage in Ergänzung meines o.g.Schreibens stelle ich Ihnen im Folgenden die mir am relevantesten erscheinenden Auszüge aus dem DFG-Positionspapier zusammen, damit Sie nicht die gesamten sieben Seiten lesen müssen – was ich dessen ungeachtet sehr empfehle.
    Die DFG differenziert zwischen direkten und indirekten Infektionen, die genaue Definition finden Sie dort auf Seite 2.
    „Die direkte Infektion ist aufgrund der hohen Virenlast bereits möglich, wenn Menschen wenige Minuten miteinander über geringe Abstände interagieren (Unterhaltung) oder beisammen sind (benachbarte Arbeitsplätze in … Schulen …).“
    Schulen werden als potentiell betroffene Orte namentlich genannt.
    Fakt ist: Der Mindestabstand von 1,5m zur Verhinderung einer direkten Ansteckung wurde seit Wiederaufnahme von Szenario A (voller Präsenzunterricht) vollkommen fallengelassen.
    „Innerhalb geschlossener Räume kann es sowohl zu direkten als auch zu indirekten Infektionen kommen. Daher sind in Innenräumen umfassende Schutzvorkehrungen erforderlich, um die Menschen vor Infektionen zu schützen.“
    Fakt ist: Diese umfassenden Schutzvorkehrungen waren in unserem Schulalltag vor den Sommerferien in keinster Weise erkennbar, und nach allem, was ich zu diesem Thema in diversen Medien lese, Ihre (bisherige) Rückmeldung mit eingeschlossen, ist nicht abzusehen, dass sich nach den Sommerferien daran grundlegend etwas ändern wird.
    „In Innenräumen: Direkte und indirekte Infektion über Aerosole verhindern
    … Das große Infektionsrisiko in Innenräumen hängt damit zusammen, dass hier sowohl direkte als auch indirekte Infektionen stattfinden. Direkte Infektionen werden begünstigt, wenn Menschen über kurze Distanz längere Zeit miteinander sprechen, ohne sich zu bewegen (z. B. … Gespräche mit Tischnachbarn in Büro oder Schule, …).
    Indirekte Infektionen erfolgen, wenn Menschen über lange Zeit in einem Raum verweilen (z. B. Schule, …) und bei mangelndem Luftaustausch eine hohe Virenbelastung in der Raumluft vorhanden ist.“
    Auch hier wieder namentliche Nennung der Schulen.
    „Zusätzlich muss beachtet werden, dass in schlecht belüfteten Innenräumen auch ohne direkte Begegnung eine Ansteckung stattfinden kann, wenn sich zuvor eine infektiöse Person länger darin aufgehalten hat. Daher kann es während der COVID-19-Pandemie in Innenräumen zu „Clusterinfektionen“ bzw. „Superspreading Events“ kommen, wie in … Schulen …“
    Erneut namentliche Nennung der Schulen.
    „Hinweise zur Verringerung der Infektionsgefahr durch Aerosole in Innenräumen:
    Die indirekte Infektionsgefahr kann in Innenräumen minimiert werden, indem sich Personen dort nur kurz aufhalten, die Konzentration infektiöser Aerosole durch starken Luftwechsel möglichst gering gehalten wird oder durch das Tragen partikelfilternder Masken.“
    Fakt ist: Schüler sitzen im vollen Präsenzunterricht ohne Sicherheitsabstand mindestens 45 Minuten, bei einer Doppelstunde 90 Minuten dicht nebeneinander, das ist in epidemiologischem Sinne nicht kurz. Das Tragen von Masken (wobei die OP-Masken noch nicht mal partikelfilternd ist) wurde vor den Sommerferien im Unterricht ganz abgeschafft.
    Die DFG schreibt jedoch selbst, das fest sitzende, partikelfilternde Masken, wie z.B. FFP2, für die gesamte Unterrichtsdauer unzumutbar wären und Ausnahmesituationen vorbehalten bleiben sollten.
    Zum Thema „Lüften“:
    „Ein starker Luftwechsel kann durch Fensterlüftung, fest installierte raumlufttechnische Anlagen oder mobile Raumluftreiniger erfolgen.
    Ein schneller Luftaustausch durch Fensterlüftung erfordert regelmäßiges Querlüften (6-mal pro Stunde, Durchzug durch Öffnen von Fenstern auf gegenüberliegenden Raumseiten, ggf. auch in benachbarten Räumen) oder ebenso häufiges Stoßlüften (durch vollständiges Öffnen aller vorhandenen Fenster in dem genutzten Raum). Durch einen Ventilator im Fenster kann das indirekte Infektionsrisiko weiter reduziert werden.
    Fest installierte raumlufttechnische Anlagen sollten bei maximalem Volumenstrom mit 100 Prozent Außenluft (keine Umluft) betrieben werden.
    Sind diese Maßnahmen technisch nicht möglich (keine raumlufttechnischen Anlagen vorhanden, zu wenig Fenster, die geöffnet werden können), physikalisch nicht wirksam (kein Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen, kein ausreichender Wind vor den Fenstern), nicht praktikabel (Unterbrechung von Arbeitsabläufen) oder nicht zumutbar (zu kalt, Zugluft, zu laute Außengeräusche), ist eine Reduktion der Virenlast mit leistungsstarken mobilen Raumluftreinigern möglich.
    Im Gegensatz zu fest installierten raumlufttechnischen Anlagen können hochwertige, leistungsstarke mobile Luftreiniger kurzfristig installiert werden.
    Da die Fensterlüftung, raumlufttechnische Anlagen und mobile Raumluftreiniger nur vor der indirekten Infektion schützen, aber keinen Schutz vor direkten Infektionen bieten, stellen sie keinen Ersatz für Masken jeglicher Art dar.
    Aber in Kombination mit Maßnahmen, die vor direkten Infektionen schützen, wie Abstand, gute Mund-Nasen-Bedeckungen oder transparente Schutzwände ist ein umfassender Infektionsschutz in Innenräumen möglich.“
    Anmerkung: Die DFG definiert noch sehr genau das Tragen von Masken sowie die Leistung mobiler Raumluftreiniger und führt Quellen an, das wurde hier vereinfacht, kann aber bei Bedarf im Positionspapier nachgelesen werden.
    Abschließend zieht die DFG folgendes
    „Fazit:
    1) Zur generellen Vermeidung des Kontaktes mit infektiösen Aerosolen die Aufenthaltsdauer in Innenräumen so kurz wie möglich halten und bei Zusammenkünften mehrerer Personen der Risikoeinstufung durch das Robert Koch-Institut folgen
    2) Durch häufiges Stoß- oder Querlüften möglichst Bedingungen wie im Freien schaffen.
    3) Raumlufttechnische Anlagen bei maximalem Volumenstrom mit möglichst 100 Prozent Außenluft betreiben.
    4) Wo häufiges Stoß- und Querlüften nicht möglich oder physikalisch nicht effizient ist, nicht umgesetzt wird oder unzumutbar ist und keine fest installierten raumlufttechnischen Anlagen zur Verfügung stehen, leistungsstarke mobile Raumluftreiniger mit geeigneten Filtern einsetzen.
    5) Zur Vermeidung direkter Infektionen zusätzlich zu den Punkten 1) bis 4) Abstände wahren, wirksame Masken tragen oder transparente Schutzwände nutzen, wenn Abstände oder Masken nicht möglich oder unzumutbar sind.
    Anmerkung: 6) und 7) wurden hier wegen Irrelevanz für die Schulen ausgelassen.
    Mein Fazit:
    zu 1): An Schulen lässt sich die Aufenthaltsdauer in Innnenräumen nicht reduzieren, wenn man in der Gemeinschaft Präsenzunterricht abhalten möchte, und das ist ureigenes Ziel von Schule.
    zu 2): nett gemeinter Vorschlag, „Bedingungen wie im Freien“, aber in der Realität starken Restriktionen unterworfen, siehe dazu 4)
    zu 3): Raumlufttechnische Anlagen sind an unserer Schule derzeit nicht vorhanden und dürften auch „perspektivisch“ Utopie bleiben.
    zu 4): Selbst wenn häufiges Stoß- und Querlüften technisch möglich ist, stößt es je nach Witterung immer wieder an seine physikalischen Grenzen (wie ich bereits in meinem Brief vom 15.7. schrieb), und dürfte bei der von der DFG geforderten Häufigkeit von 6 Mal pro Stunde im Winter unzumutbar sein sowie den laufenden Unterricht zu sehr stören.
    Aufgrund dieser ungünstigen Voraussetzungen unter 4) werden alle Klassenräume zu solchen, die sich (nicht, wie bisher, rein auf die technischen Möglichkeiten beschränkt) „schlecht“ lüften lassen, nämlich im physikalischen Sinne, sowie bezogen auf Zumutbarkeit und praktische Umsetzbarkeit im Arbeitsablauf. Daher müssten konsequentweise alle Klassenzimmer mit leistungsstarken mobilen Raumluftreinigern ausgestattet werden.
    zu 5): Mindestabstände von 1,5m werden in Szenario A, also dem generell angestrebten und vor den Sommerferien wochenlang durchgeführten vollen Präsenzunterricht nicht eingehalten, die Maskenpflicht im Unterricht wurde abgeschafft und transparente Schutzwände kamen an unserer Schule ebenfalls noch nie zum Einsatz.
    Nach den Sommerferien ist weiterhin voller Präsenzunterricht das Ziel, an welchem laut Beschluss der KMK so lange wie irgend möglich festgehalten werden soll, wobei hier in RLP das zweimalige Testen aller Schüler pro Woche, so die bisher unverändert gültige Ankündigung unserer Bildungsministerin, nach zwei Wochen eingestellt und nur noch „anlassbezogen“ durchgeführt werden soll.
    Abschließend noch einmal zur Erinnerung die Mail des Kreises in seiner Funktion als Schulträger vom 12.7. 2021:
    Der Einsatz von Luftreinigungsgeräten wird weiterhin sehr kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert. Unbestritten ist, dass Luftreinigungsgeräte in den Räumen, die nicht ausreichend über Fenster gelüftet werden können, unterstützend wirken können. Räume, die diese Voraussetzung erfüllen, haben wir mit entsprechenden Geräten ausgestattet.
    Neben der ausreichenden Lüftung der Räume werden flankierende Maßnahmen, wie bspw. regelmäßige Testungen von Schülern und Lehrern, Hygienekonzepte, Maskenpflicht, AHA – Regeln usw. an den Schulen konsequent durchgeführt. Als Schulträger unterstützen wir die Schulen hierbei.
    Nach allem, was ich in meinem Brief vom 15.7. 2021 und nun ergänzend in dieser Mail, gestützt auf das aktuelle Positionspapier der DFG, erläutert habe, sagen Sie mir bitte:
    Was kommt von dem, was Sie in Ihrer Mail (s.o.) an Schutzmaßnahmen, Aktivitäten und Unterstützung der Schulen aufgeführt haben, in der Praxis tatsächlich zum Einsatz?
    Könnte das Positionspapier der DFG mit meinen Kommentaren dazu Sie ggf. zum Umdenken bewegen, insbesondere, was den (flächendeckenden) Einsatz leistungsstarker mobiler Raumluftreiniger, gern aber zusätzlich auch transparenter Schutzwände (nicht zu vergessen mit Umlaufkante!) – selbstverständlich rein in Ergänzung anderer Maßnahmen – an den Schulen in Ihrer Trägerschaft betrifft?
    Ich hoffe, hiermit eine solide weitere Diskussionsgrundlage geliefert zu haben und verbleibe in Erwartung Ihrer neuerlichen Rückmeldung / Stellungnahme

    mit bestem Dank im Voraus und
    freundlichen Grüßen,

    Dr. Silke Vogt

    Mail vom Kreis Neuwied vom 30.7.:

    Sehr geehrte Frau Dr. Vogt,

    ich bitte Sie um Verständnis, dass wir auf Ihre sehr umfangreichen Ausführungen vom 15. und 28.07.2021 nicht umgehend antworten konnten. Neben dem normalen Alltagsgeschäft, binden die Vorbereitungen zur Sommerschule und die Flutkatastrophe an der Ahr bei uns große personelle Kapazitäten, so dass wir unsere Aufgabenerledigung priorisieren müssen. Ich bitte dies aus vorgenannten Gründen zu entschuldigen.
    Die Corona-Pandemie hat in den letzten Monaten zu deutlichen Einschränkungen des Schulbetriebes geführt. Daher wird die Frage, wie die Ansteckungsgefahr in den Schulen minimiert werden kann, sehr kontrovers diskutiert. Die Kreisverwaltung Neuwied steht dazu im regelmäßigem Austausch mit führenden Fachkräften des Themenbereiches und verfolgt intensiv die dynamische Entwicklung der wissenschaftlichen Diskussion. Aufbauend auf diesen Entwicklungen werden Lüftungs- und Hygienekonzepte stetig aktualisiert und entsprechend der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse angepasst.
    Wir gehen davon aus, dass die Ausführungen des DFG auf der Fachebene einfließen bzw. eingeflossen sind und insoweit Berücksichtigung bei den Empfehlungen der Bildungsministerien des Bundes und der Länder sowie den Ausführungen der Spitzenverbände (z.B. Landkreistag) und der fachkompetenten Institutionen, wie bspw. dem Umweltbundesamt oder DGUV, gefunden haben. Da wir auf der Grundlage dieser Empfehlungen unsere Entscheidungen treffen, verbleiben wir bei unserer Stellungnahme vom 12.07.2021.
    Mit freundlichen Grüßen
    i.A.
    Rüdiger David

  9. Selbst wenn: Unsere Stadt und ich weiß auch von anderen Orten „am Land“ haben die Luftreiniger bereits abgelehnt, weil die Förderung zu niedrig und die Kosten (wörtlich aus dem Schreiben: „[…]auf denen wir dann sitzen bleiben […] zu hoch seien. Von Schülern und Lehrern (soll auch ohne Gendering für beiderlei Geschlechter gelten), von Gesundheit oder gar Vorsorge für die nächste Generation, ist kein Buchstabe übriggeblieben.

    Auch mit diesen Vorgängen kann man die viel zitierte Zwei-Klassen-Gesellschaft gut zeigen: Hier sind es zwei Klassen von Menschen, bei welchen die einen im Ort A) , also in reichen Städten und Gemeinden leben, die anderen aus einem Ort B), das sind die Gemeinden, welche sich die Luftfilter nicht leisten können, vielleicht auch nicht leisten wollen, weil man beispielsweise andere Investitionen für Lieblingsprojekte sonst kürzen müsste, oder die neuen Sportstätten vielleicht erst später gebaut werden könnten, u.v.m.

    In ein zwei Jahren könnte ein jetzt fiktives Gespräch zwischen zwei Studenten oder auch Lehrlingen beispielsweise so ablaufen: „Na, wie gehts?“ „Echt schlecht, ich habe schon länger Long Covid“…“Wie kann denn das sein? Warst du nicht vorsichtig?“…. „Doch, sehr sogar, aber meine Gemeinde wollte kein Geld für die Luftfilter in der Schule ausgeben, nur Lüften und Händewaschen war nicht genug und manche meiner Kameraden haben diese scheiß Krankheit auch seit einiger Zeit. Das hier im Hörsaal ist für mich der reine Stress. Ich kann mich nicht richtig konzentrieren und schlafe ständig ein. Bei uns gab es auch keine Luftfilter gegen Viren.“ „Das war ja unverantwortlich!“ „ Ich muss dich etwas fragen: ich suche eine Unterkunft. Weißt du mir eine ebenerdige Studentenbude?“…“Warum das-ebenerdig?“ …“ Ich kann keine Treppen mehr steigen. Die Beinschmerzen sind unerträglich und nach 3 oder 4 Stufen bekomme ich keine Luft mehr. Ich weiß nicht, wie ich meinen Beruf später schaffen soll!“

    Wie oben geschrieben, ein rein erfundener Text, leider aber im Rahmen des Wahrscheinlichen -m für viele jetzt noch junge Schüler, die später ins selbstständige Leben treten sollen.

    Wenn diese Menschen auf den Ämtern, die zu entscheiden haben, doch endlich aufwachen würden!

    • Zitat alter Pauker: „Hier sind es zwei Klassen von Menschen, bei welchen die einen im Ort A) , also in reichen Städten und Gemeinden leben, die anderen aus einem Ort B), das sind die Gemeinden, welche sich die Luftfilter nicht leisten können, vielleicht auch nicht leisten wollen, …“

      Für diese Zweiklassengesellschaft müssen wir noch nicht mal zwei verschiedene Orte bemühen, es sei denn, man würde Schulen, die vielleicht 200m, okay, möglicherweise auch 300m, ich habe es nicht nachgemessen, auseinanderliegen, bereits als Ort A und Ort B bezeichnen.
      Ich wohne in der VG Asbach, Teil des Kreises Neuwied, RLP. Die VG ist Träger der hiesigen Grundschulen und hat bereits im Herbst 2020 sämtliche Grundschulklassenräume mit mobilen Luftreinigern ausgestattet.
      Zeitgleich hat der Kreis Neuwied, Träger der weiterführenden Schulen, für selbige gerade mal vereinzelte CO2-Messgeräte angeschafft, immerhin mindestens 2 pro Schule. Bei unserem Gymnasium, welches besagte 200 bis 300m von der Grundschule, also solch einer mit mobilen Luftreinigern in allen Klassenräumen, liegt, waren es nicht mindestens, sondern ganz genau 2 CO2-Messgeräte.
      Aus der Not heraus hat sich unser Gymnasium jetzt kurz vor den Sommerferien für den großen Veranstaltungsraum auf eigene Kosten (Förderverein) mobile Luftreiniger angeschafft, um wenigstens größere Veranstaltungen wieder halbwegs sicher durchführen zu können. Beitrag unseres Schulträgers, Kreis Neuwied, dazu: Das Aufstellen und Betreiben der schulseitig selbst beschafften Geräte wurde genehmigt. Wie großzügig!
      Desweiteren hat der Kreis jetzt gerade vor wenigen Tagen auf seiner Kreisausschusssitzung beschlossen, alle Klassenräume der Schulen in seiner Trägerschaft mit CO2-Messgeräten auszustatten, damit Schüler und Lehrer endlich lernen, wie man korrekt lüftet.
      Vielleicht mussten aus Sicht des Kreises im letzten Winter die Schulen nur deshalb geschlossen werden, weil die Fenster zu wenig, zu kurz oder zum falschen Zeitpunkt geöffnet wurden. Damit das nicht nochmal passiert, ist offensichtlich Nachhilfe vonnöten. Rettung naht in Form der nunmehr flächendeckend zu beschaffenden CO2-Ampeln, sofern die bis zum Schuljahresbeginn eingetroffen sein sollten, denn die Co-Finanzierung ist noch zu klären, die Ausschreibung zu durchlaufen, und ob genügend Geräte auf dem Markt vorhanden sind, wenn die Nachfrage auch an anderen Schulen steigt?
      Die Entscheidungsträger sind da jedoch sehr zuversichtlich, und wie man sieht, überschlagen sich die Ereignisse nun auch an den weiterführenden Schulen. Man kommt kaum noch hinterher.
      Dies als Beispiel aus der Praxis, dass es nicht unbedingt (nur) vom Reichtum des Wohnorts bzw. Schulstandorts abhängt, ob in den Klassenräumen mobile Luftreiniger installiert werden, sondern es v.a. ganz stark auf den „good will“ oder eben auch „bad will“ des Schulträgers ankommt.
      Bevor nun wieder das Impfargument kommt: Ja, Kinder unter 12, also v.a. in KiTa und Grundschule, können bislang noch nicht geimpft werden. Das gilt aber analog für die Einstiegsklassen der weiterführenden Schulen. Und die Älteren dort werden jetzt direkt nach den Sommerferien ebenfalls noch nicht in nennenswertem Umfang geimpft sein, auch wenn es (theoretisch) möglich ist.
      Einerseits bin ich froh, dass wir mit Schule bald nichts mehr zu tun haben, denn mein älterer Sohn hat gerade Abi gemacht und der jüngere kommt jetzt in die 13. Rein vom Schulträger her betrachtet, würde ich mir jedoch tatsächlich ein Grundschulkind zurückwünschen. Nie hätte ich vor Corona gedacht, welch riesigen Unterschied es macht, welchem Schulträger man untersteht. Dazu bedurfte es erst einer Pandemie. Lebenslanges Lernen nennt man das wohl.

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