FDP und CDU wollen Schulfach Informatik mit den Naturwissenschaften gleichstellen

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DÜSSELDORF. Informatik durchdringt seit Jahren immer mehr Lebensbereiche. Im Fächerkanon der Schulen spiegelt sich der Bedeutungszuwachs allerdings noch nicht wider. Das muss geändert werden, fordern die Regierungsfraktionen in NRW.

Soll aufgewertet werden: Das Fach Informatik. Foto: Shutterstock

Die Regierungsfraktionen in Nordrhein-Westfalen wollen, dass das Schulfach Informatik mit den klassischen Naturwissenschaften gleichgestellt wird. Die Landesregierung solle sich dafür in der Kultusministerkonferenz einsetzen, heißt es in einem Antrag, den CDU und FDP am Mittwoch in den Düsseldorfer Landtag einbringen werden.

Zwar bestehe in der Sekundarstufe II die Möglichkeit, Informatik als Grund- und Leistungskurs zu belegen, heißt es in dem gemeinsamen Papier. Zur Abiturzulassung müsse aber, neben dem Pflichtfach Mathematik, eine klassische Naturwissenschaft wie Biologie, Physik oder Chemie gewählt werden. Informatik könne dagegen nicht als alleiniger Vertreter des mathematisch-naturwissenschaftlichen Aufgabenfelds belegt werden, kritisieren CDU und FDP. Damit werde Schülern, die sich für Informatik interessierten, eine weitere Qualifizierung in dem Fach erschwert.

Dabei werde außer Acht gelassen, dass die Beherrschung von Informatikmethoden und -werkzeugen heutzutage neben Lesen, Schreiben und Rechnen als vierte Kulturtechnik zu den wesentlichen Fähigkeiten im gesellschaftlichen und beruflichen Leben dazugehöre. Deshalb sollte Informatik als gleichwertiges Fach sowohl in der Einführungs- wie auch in der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe zugelassen werden, fordern die Koalitionsfraktionen.

Eine Fortschritt sei, dass Informatik in NRW seit Beginn des neuen Schuljahres verpflichtend in den Jahrgangsstufen 5 und 6 unterrichtet werde. Damit werde sichergestellt, dass alle Schüler zumindest informationstechnische Grundkenntnisse erwerben. dpa

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8 KOMMENTARE

  1. Informatik ist ja auch keine Naturwissenschaft, sondern eine rein „künstliche“ Wissenschaft. Informatik mit Biologie, Chemie und Physik gleichzustellen, würde eine deutliche Abnahme des Allgemeinwissens späterer Akademiker in den Naturwissenschaften bedeuten. Eine NaWi sollte mindestens verpflichtend sein.

    • Werter Kollege,

      Informatik soll ja nicht zur Naturwissenschaft gemacht werden.

      Und wenn die Naturwissenschaften solch große Angst davor haben, dass die Schüler scharenweise zur Informatik überlaufen, sollte man sich dringend mal Gedanken um die Attraktivität des eigenen Unterrichts machen.

      Es gibt einige Bundesländer, da ist Informatik als zweite Naturwissenschaft schon länger möglich. Große Wanderbewegungen gibt es nicht. Wer Informatik macht, ist auch meistens anderweitig naturwissenschaftlich stark.

      Und seien wir mal ehrlich. Die ganzen Flachzangen, die sowieso im FB3 nichts können, wählen auch weiterhin Biologie als 1. Naturwissenschaft. Informatik ist mit KC und Zentralabitur nämlich durchaus anspruchsvoll.

    • Wenn man wirkliche Informatik als Fach einführt und nicht nur den sehr kleinen Bruder informationstechnologische Grundbildung, könnte man über die Forderung verhandeln. Die Anzahl daran interessierter Schülerinnen und Schüler wird dann aber ganz schnell noch weit unter der Anzahl der an Physik interessierten Schülerinnen und Schüler sinken, weil der Abstrahierungsgrad und der Mathematikanteil in Informatik nochmals erheblich größer wird und im Gegensatz zur Physik auch nicht auf nahe Null reduziert werden kann.

      Eine weitere Frage ist natürlich die nach dem Personal. Eine gleichrangige Informatik setzt grundständig ausgebildete Informatiklehrer in einer Anzahl vergleichbar der Physiklehrer voraus, was ich aktuell für illusorisch halte.

    • Das Argument ist dich gst keines. Warum soll jemand ein schlechterer Akademiker werden, nur weil er keine Naturwissenschaft belegt hat? Genauso gut könnte ich die Behauptung in den Raum werfen, Jeder der kein künstlerisch-musisches Fach belegt hat, wird später ein schlechterer Akademiker. Unhaltbarer Blödsinn der so oder so ähnlich auch im 19 Jahrhundert gekommen sein könnte, als es um die Biologie im Abitur ging.

      Wie dem auch sei, ich finde es durchaus richtig mit der Zeit zu gehen und das Spektrum von MNT auf MINT zu erweitern.

      • Die Sache ist nur, dass gesellschaftlicher Fortschritt in erster Linie durch technische Errungenschaften erzielt wurde. Der aktuelle Zeitgeist mit all seinen Problemen wure in erster Linie durch Geisteswissenschaftler verursacht. Die (harten) Naturwissenschaftler haben sich zwar lange dagegen gewehrt, sind aber entweder schon selbst in Pension oder — wie kürzlich Harald Lesch — auch endgültig zum Zeitgeist übergetreten. Ob aus Überzeugung oder Oportunismus oder Resignation weiß ich nicht.

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