NRW will «Schulen für Kranke» umbenennen – in «Klinikschulen»

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Das Land Nordrhein-Westfalen will die «Schulen für Kranke» umbenennen: Mit einem erneuerten Schulgesetz sollen sie künftig als «Klinikschulen» firmieren, wie es in der Antwort des Schulministeriums auf eine Kleine Anfrage der SPD im Landtag heißt. In einer «Schule für Kranke» werden Schülerinnen und Schüler aufgenommen, die wegen einer stationären Behandlung im Krankenhaus oder einer anderen Einrichtung mindestens vier Wochen nicht am Unterricht ihrer Schule teilnehmen können.

"Schulgesundheitshelfer" sollen Lehrkräfte entlasten. Illu: Wikimedia Commons
In „Schulen für Kranke“ werden Kinder unterrichtet, die länger als vier Wochen im Krankenhaus bleiben müssen. Illu: Wikimedia Commons

Die SPD betonte in ihrer Anfrage, dass Schüler, Eltern und Lehrer die Bezeichnung «Schule für Kranke» stigmatisierend und diskriminierend fänden. In NRW gibt es den Namen laut Landesregierung seit 2005 – auch in anderen Bundesländern wie Bayern oder Brandenburg hießen die Einrichtungen noch immer so.

Im aktuellen Gesetzentwurf wird allerdings klar, dass man sich über die Tonalität der «Schule für Kranke» bewusst ist. So heißt es in der Novelle: «Mit der neuen Bezeichnung „Klinikschule“ wird ein moderner, neutraler, international gebräuchlicher und verständlicher Begriff in das Schulgesetz eingeführt, ohne grundlegende konzeptionelle Veränderungen an der bisherigen Schulform.» dpa

Das ist mal ein sinnvolles Projekt: Schulschwestern kümmern sich um kranke und verletzte Schüler – und entlasten damit die Lehrer

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5 KOMMENTARE

  1. Was bitte ist hier diskriminierend oder wird diskriminiert? Das Wort „Kranke“? Der Status des so Bezeichneten? Die Krankheit oder der Kranke selbst?
    Etwas altmodisch wirkt der Begriff vielleicht. Aber die Patienten, die über Wochen und länger stationär in der Klinik sind, sind Kranke und für sie ist diese Schule.
    Was soll das???

  2. „Die SPD betonte in ihrer Anfrage, dass Schüler, Eltern und Lehrer die Bezeichnung «Schule für Kranke» stigmatisierend und diskriminierend fänden.“

    Oooooh, da krieg ich Puls!!!
    „«Schule für Kranke» stigmatisierend …“

    DAS ist doch NUR DANN ein Problem, wenn „Krankheit“ als stigmatisierend empfunden wird … und DAS passiert in unserer Gesellschaft überall.
    Aber es „passiert“ nicht einfach so und keiner weiß woher das kommt – im Grunde wissen wir es alle ganz genau: Man hat gefälligst zu funktionieren PUNKT und „Aus die Maus und keine Widerrede!“
    Und DAS IST KRANK – aber so was von!

    Dann schaffen wir am besten alle Krankheiten ab, die sind sowieso doof.
    Und anschließend machen wir alle ’ne schöne Fortbildung (gerne mit Workshops) in „Resilienz“, das ist grad schwer in Mode.
    Und am nächsten Tag beharken sich wieder alle aufs Übelste, natürlich erst nachdem die Fortbildungsurkunde schön abgeheftet wurde …

    Wie wäre es denn einfach mal mit ein bisschen GELEBTER WERTSCHÄTZUNG anstelle von „Wir reden uns erstmal die hohlen Köppe heiß!“ und sind dann leider viel zu erschöpft uns im echten Leben auch noch darum (= Wertschätzung) zu kümmern.
    Soooo schwer ist das doch wohl nicht, denn egal um welche Krankheit es geht: Grundsätzlich kann jeder Mensch erkranken, auch plötzlich, schnell und schwerwiegend.
    Schlimm genug.
    Aus der Krankheit sollte also nicht so ein „Ding“ gemacht werden, und der Umgang sollte damit sollte auch nicht über „künstliche Wortgebilde“ hochgejazzt werden, denn das ändert GAR NICHTS, solange es leere und leblose Worthüsen bleiben.
    Dasselbe gilt für die Bezeichnung
    – auf dem Logo
    – dem Briefkopf
    – den schönen (Ironie) Blechschildern, von denen man an Schulen, Kitas und dann auch Kliniken gar nicht genug und nie zu viele an die Mauer dübeln kann …
    Wenn ich mein Fahrrad knallrot anmale, wird ja noch lange kein Ferrari daraus!

    Wie man menschlich (!) sinnvoll mit Themen wie Krankheit und sogar Tod umgehen kann?
    https://www.gmx.net/magazine/ratgeber/kind-familie/dr-johannes-wimmer-interview-tod-tochter-36271608

    • Oh je, bei uns gibt es immer noch die „Krankmeldung“ und den „Krankenschein“.
      Sollte man diese Worte, wie vor kurzem das Wort “ Schwarzfahren“, das ja rassistisch ist ( obwohl niemand dabei an Menschen nicht-weißer Hautfarbe dachte), nicht auch durch die Schaffung neuer Wortungetüme ersetzen? Zum Beispiel meldet man sich von der Arbeit „wegen körperlicher Unpässlichkeit“ ab, Oder wegen klinischer Probleme ? Oder ist das auch diskriminierend?
      Müssen wir die Sprache neu erfinden, damit sich niemand beleidigt fühlt?
      Und was ist mit dem Wort „Lehrer“, dass ja auch bei vielen Menschen negative Assoziationen hervorruft? Kann ich mich durch diese Berufsbezeichnung auch diskriminiert fühlen und ein neues Wort verlangen?

      • @AusderPraxis

        Ich bin mir nicht sicher, ob Sie mich richtig verstanden haben.
        Falls ein Missverständnis vorliegt, wird es durch mehr Worte nicht unbedingt weniger bzw. kleiner, darum versuche ich es so:
        @ Klugscheisser 21. Oktober 2021 um 12:26 sehe ich da deutlich auf einer gedanklichen Welle.

  3. Ich bin dafür, dass das Krankenhaus nur noch Klinikhaus heisst, Krankenwagen: Klinikwagen,
    Krankenkasse : Klinikkasse
    Krankenschein: Klinikschein
    Krankenversicherung: Klinikversicherung.

    NRW hat echt keine anderen Sorgen, oder?
    Namensänderungen scheinen die leichtesten Veränderungen zu sein, die unser Land umsetzen kann. Andere Dinge sind wohl zu komplex.

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