PISA-Chef Schleicher: Soziale und emotionale Fähigkeiten steigern Schulerfolg

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Ein höheres Maß an Kreativität, Empathie und Stressresistenz steigert bei Schülerinnen und Schülern auch die Leistungen. Darauf wies OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher, Koordinator der PISA-Studie, am Donnerstag bei einer Online-Veranstaltung der Organisation hin – unter Berufung auf eine neue OECD-Studie zu sozialen und emotionalen Kompetenzen.

Die Studie zeigt laut PISA-Chef Andreas Schleicher, dass die Teamfähigkeit dort besser sei, wo Unterricht mehr Raum für Interaktion biete. Foto: re:publica / flickr (CC BY-SA 2.0)
„Mathematik ist auch eine Frage der Neugierde“: OECD-Direktor und PISA-Chef Andreas Schleicher. Foto: re:publica / flickr (CC BY-SA 2.0)

Demnach sind Kreativität, Verantwortungsbewusstsein, Einfühlungsvermögen, Toleranz, die Fähigkeit zur Gefühlsregulation, Stressresistenz und ähnliche Fähigkeiten auch ausschlaggebend für die Noten. Schleicher sagte, Mathematik zum Beispiel sei nicht nur eine Frage der Fähigkeit zum Formeln-Lernen, sondern auch eine Frage der Neugierde.

Dabei nähmen die sozial-emotionalen Fähigkeiten mit zunehmendem Alter tendenziell etwas ab. Bei 15-jährigen Schülerinnen und Schülern seien die sozialen und emotionalen Fähigkeiten im Schnitt geringer ausgeprägt als bei Zehnjährigen. Bei Mädchen falle der Rückgang sogar noch größer aus als bei Jungen.

«Empathie müssen sie sich erarbeiten, aber Kreativität ist etwas, mit dem wir geboren werden»

Eine Sonderrolle nehme der Faktor Kreativität ein – wer kreativer sei, habe oft auch verstärkt andere sozial-emotionale Fähigkeiten. «Empathie müssen sie sich erarbeiten, aber Kreativität ist etwas, mit dem wir geboren werden», sagte Schleicher. «Es sieht aber so aus, als ob das so langsam im Schulverlauf verloren geht.» Dabei seien Schülerinnen und Schüler, die an künstlerischen Aktivitäten auch außerhalb der Schule teilgenommen haben, im Schnitt auch später kreativer und neugieriger als andere, erklärte Schleicher.

Zudem wiesen Schüler, die sich in der Schuler zugehörig fühlten, deutlich höhere Werte bei sozial-emotionalen Fähigkeiten auf. Wer sich einsam fühle, eine schlechte Beziehung zu den Lehrkräften und wenig Freunde habe, tue sich auch hier schwerer. «Bildung ist nicht Transaktion, es ist immer eine soziale Arbeit, es ist immer eine Beziehungsarbeit», sagte Schleicher.

Die OECD hatte in dieser ersten Studie zum Thema in zehn verschiedenen Städten weltweit bei Tausenden Schülerinnen und Schülern die sozialen und emotionalen Fähigkeiten erhoben. Dazu gab es umfangreiche Befragungen. News4teachers / mit Material der dpa

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6 KOMMENTARE

  1. Mein erster Gedanke war: Für diese Erkenntnisse benötigt man eine Studie?!
    Abgesehen davon, dass sozial-emotionale Fähigkeiten mit einem Lernerfolg in zwei Richtungen korrelieren, braucht man für diese bahnbrechenden Studienergebnisse eigentlich nur einige Gespräche mit Kollegien vor Ort – also an den Schulen!

    Hallo ihr Lieben in all euren Elfenbeintürmen:
    Lernen und Lehren war schon immer auch Beziehungsarbeit! Wer was anderes annahm/annimmt, hat aus meiner Sicht selbst ein sozial-emotionales Problem!

  2. Beim heutigen, von kognitiven Voraussetzungen zu einem guten Teil entkoppelten Lehrplänen, genügen in der Tat Verantwortungsbewusstsein, Gefühlsregulation und Stressresistenz für den guten Schulabschluss.

  3. Man sollte es kaum glauben! Ja, vor allem die Epo-Noten sind auch von den allgemeinen sozialen Fähigkeiten mitbeeinflusst. Ansonsten dürften Studie und Artikel politische Absichten haben, nämlich das Narrativ „auf Intelligenz, Fleiß und Wissen kommt es gar nicht an“ zu stärken.

  4. Was soll das nun besagen, was Schleicher da erzählt hat? Soll man primär jetzt die „sozialen und emotionalen Fähigkeiten“ steigern, aber wie macht man denn das? Oder soll davon abgelenkt werden, dass höhere Intelligenz ebenfalls (und in höherem Maße) zu besseren Leistungen führt? Andere wiederum erzählen uns, dass es auf die Leistungen gar nicht so sehr ankomme, sondern dass nur das „soziale und emotionale“ wichtig sei. Die Ganztagsschule habe die „psychosoziale Förderung“ zum Ziel, doch nicht etwa schnödes Erhöhen von Leistungen. Oder geht es am Ende gar um eine verbesserte „Employability“ insgesamt, und die Bildungswissenschaftler möchten das lieber nicht sagen?

  5. Mhm, also ich fasse die Studie kurz zusammen:
    Positive Eigenschaften zu haben ist positiv.

    Und jetzt mal unter uns:
    „Schleicher sagte, Mathematik zum Beispiel sei nicht nur eine Frage der Fähigkeit zum Formeln-Lernen, sondern auch eine Frage der Neugierde.“ – Ho, der Weihnachtsmann ist gar nicht echt!

    Und dies noch:
    „Bei 15-jährigen Schülerinnen und Schülern seien die sozialen und emotionalen Fähigkeiten im Schnitt geringer ausgeprägt als bei Zehnjährigen.“ – Forschungstipp unter uns Studienprofis: Umbau des Gehirns in der Pubertät, einfach googeln, klappt schon.

    Und zu allerletzt noch:
    „Wer sich einsam fühle, eine schlechte Beziehung zu den Lehrkräften und wenig Freunde habe, tue sich auch hier schwerer.“ – Aufs Brot passt prima Butter (aus einer meiner Studien).

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