„Bisschen enger“: Kommunen wollen wegen Flüchtlingskindern Kita-Standards lockern

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ERFURT. Kommunen wollen mehr Spielraum bei der maximalen Auslastung von Kindergärten, um allen geflüchteten ukrainischen Kindern einen Platz zu bieten. Es müsse möglich sein, schnell und unbürokratisch zu helfen, sagte der Präsident des Gemeinde- und Städtebundes Thüringen, Michael Brychcy am Donnerstag in Erfurt. Wenn ein Kindergarten für 200 Kinder zugelassen sei, sollte es angesichts der steigenden Zahl ukrainischer Flüchtlinge möglich sein, auch 250 Kinder dort zu betreuen. «Dann ist es eben ein bisschen enger.» Allerdings müssten dafür die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden.

Kita-Fachkräfte klagen schon jetzt über unzumutbare Arbeitsbedingungen – verschlechtern die sich jetzt nochmal? (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zeigte sich grundsätzlich offen für Übergangsregelungen. Es dürfe niemand im Regen stehen bleiben, wenn Kinder in einem Kindergarten aufgenommen werden sollen. «Menschen, die jetzt Schutz suchen, denen müssen wir Schutz gewähren. Und dazu gehört eben auch, den Kindern den Zugang zu Betreuung und Bildung zu ermöglichen.»

Die Aufnahme von Kindern in den Kindergärten ist nach dem Gesetz unter anderem durch den Betreuungsschlüssel limitiert. Dieser gibt an, um wie viele Kinder sich eine Erzieherin oder ein Erzieher maximal gleichzeitig kümmern sollte. Festgeschrieben ist dieses Betreuungsverhältnis im Kindergartengesetz. Es sieht derzeit zum Beispiel vor, dass bei den Ein- bis Zweijährigen maximal sechs Kinder auf eine Erzieherin kommen. Bei den Vier- bis Fünfjährigen sollen es maximal 14 Kinder sein. In den vergangenen Jahren wurde der Betreuungsschlüssel teilweise verbessert, er bleibt aber noch hinter den Empfehlungen von Experten zurück.

Sowohl Ramelow als auch Brychcy zeigten sich skeptisch, extra das Gesetz zu ändern, um mehr Kapazitäten in den Kindergärten zu schaffen. «Es muss doch in unserem Land möglich sein, in außergewöhnlichen Situationen auch außergewöhnlich reagieren zu können», sagte Brychcy.

«Die Aufnahme von geflüchteten ukrainischen Kindern darf nicht zu dauerhaften Qualitätsverschlechterungen in den Einrichtungen führen»

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) bekräftigte, dass alle aus der Ukraine geflüchteten Familien ein Angebot für die Kindertagesbetreuung erhalten sollen. «Die Aufnahme der ukrainischen Kinder soll unbürokratisch und so einfach wie nur möglich sein.» Es müssten jedoch zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Die Familie müsse ihren Wohnsitz angeben und das jeweilige Kind nachweislich gegen Masern geimpft sein.

Laut Holter sollen zunächst alle freien Kapazitäten in den Kindergärten genutzt werden. Aber: «Die Aufnahme von geflüchteten ukrainischen Kindern in Thüringer Kindergärten darf nicht zu dauerhaften Qualitätsverschlechterungen in den Einrichtungen führen.» Inwieweit es kurzfristige Lösungen geben könnte, um bestehende Kapazitätsgrenzen zu weiten, blieb zunächst offen. «Alle Vorschläge zur Aufnahme der ukrainischen Kinder und Beschäftigung von ukrainischen Fach- und Unterstützungskräften werden selbstverständlich geprüft», versicherte der Minister.

In Thüringen wurden bis Donnerstagmorgen mindestens 10 927 ukrainische Flüchtlinge bei unterschiedlichen Behörden erfasst, wie eine Sprecherin des Landesverwaltungsamtes sagte. Die Zahl könnte durchaus noch höher sein, weil sich die Ankömmlinge grundsätzlich zunächst nicht bei Behörden melden müssen. Etwa die Hälfte der Flüchtlinge könnten nach Holters Einschätzung Kinder und Jugendliche sein, die in den nächsten Wochen und Monaten in die Schulen und Kindergärten des Landes kommen. News4teachers / mit Material der dpa

Erzieherin platzt angesichts der Arbeitsbedingungen der Kragen: „Wir verheizen uns selbst!“

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Ich muss da mal was loswerden
1 Monat zuvor

Ja, alles schön und gut und natürlich wird Deutschland niemanden im Regen stehen lassen, aber das ist doch der gleiche Mist wie bei Corona: als keine 1,5 Meter Abstand in Schulen zu realisieren waren, änderte man halt einfach die Rechtslage und schon passte wieder alles. Statt das eigentlich Problem anzugehen, ändert man einfach die Regeln und denkt dann, dass damit das Problem gelöst ist. Ist es aber nicht.

Auch hier das gleiche: 250 Kinder darf nicht sein, also ändern wir die Rechtslage und schon ist alles gelöst. Kostet auch nix.

Angelika
1 Monat zuvor

Soviel vorweg: Selbstverständlich sollen die Kinder von Geflüchteten betreut werden. Aber muss der Rechtsanspruch auf Betreuung für die Jüngsten wirklich weiterhin Bestand haben? Je mehr Kinder von zu wenig FACHKRÄFTEN betreut werden, um so unzumutbarer wird die Betreuung für Babys und Kleinkinder. Da man sowieso zu wenig Erzieherinnen bis hin zur Betreuung der Grundschüler hat, bin ich für eine Verschlankung des Rechtsanspruchs auf Betreuung. – Kann von mir aus gern von verdi und der GEW gefordert werden. Aber den Gefallen wird man den Erzieherinnen nicht tun.

Realist
1 Monat zuvor

„Bisschen enger“ ist also die Kita-Variante von „ein Stuhl mehr“.

Kreativ sind sie schon, unsere Politiker, wenn es um Euphemismen geht.

Ich hätte da auch ein paar Vorschläge:

Steigende Preise? „Nicht mehr ganz so viel einkaufen!“

Heizkosten? „Mehr kuscheln!“ / „Enger zusammenrücken!“

Zu geringe Renten? „Eine Flasche mehr sammeln!“

Lange Wartezeiten auf Arzttermine? „Nciht so oft krankwerden!“

Fachkräftemangel? „Ein Stündchen mehr arbeiten!“

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Aufblähung der Bundestages – dann wird’s eben ein bischen enger!

Angelika
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Damit sind die Abgeordneten einverstanden. Sie können echt gut gegen Abgeordnetenmangel vorgehen, nur beim Erzieher- und Pflegekräftemangel schaffen die viiiielen Abgeordneten es nicht.

Lessi
25 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Da bläht sich wegen Anwesenheitsmangel nichts auf! Was sich regelmäßig aufbläht, sind ihre Diäten… und dies sogar in solchen Zeiten, wo wir alle laut Politik den Gürtel enger schnallen sollen… natürlich nur das gemeine Volk.

TaMu
1 Monat zuvor

6 Kinder U3 pro Betreuungskraft, inklusive Eingewöhnung von Einjährigen, die freiwillig nicht von ihren Eltern abgegeben werden möchten, sondern entwicklungsentsprechend fremdeln, die ein individuelles, relativ hohes Schlafbedürfnis haben, aber am liebsten in Mamas Arm, die zusammen im Laufe von 6 Stunden auf gut 10 bis 12 Windeln kommen, wobei je nachdem auch ein bis zwei schmutzige Outfits gewechselt werden müssen, die auch gesundheitlich angeschlagen bis 37,9 Grad gebracht werden, reichen für eine voll einsatzfähige Betreuungsperson völlig aus. Dabei wurde noch nicht gespielt, gefördert, gegessen und getrunken, geschweige denn, ein Ausflug mit An- und Ausziehen gemacht. Dazu kommen Aufgaben wie Trösten, Zuhören und Reden zwecks Sprachentwicklung, Gespräche mit den Eltern und Aufräumen. Jedes Kind sollte von dieser Person zu jeder Zeit im Auge behalten werden. Ich betreue maximal 5 Kinder unter 3 Jahren gleichzeitig, was ich optimal finde, das gibt eine gute Gruppendynamik und ich kann die Sicherheit für alle Kinder gewährleisten und natürlich das Wohlfühlen jedes einzelnen Kindes. Bei mehr Kindern mit wechselnden Bezugspersonen funktioniert das nicht mehr. Wer hier über das Vergrößern der Gruppen spricht, verliert das Kindswohl aus den Augen. Das darf nicht passieren, weil alle Kinder vulnerabel und auf unsere spezielle, das heißt auch persönliche und zeitliche Zuwendung angewiesen sind.

Angelika
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Eine denkbare Parole für die nächsten Warnstreiks?

„Krippenerzieherinnen sagen Nein zur Überfüllung von Krippen! Keine schlechtere Betreuungsqualität für Kleinkinder als in der Tagespflege!“

Es ist ein Unterschied, ob zehn oder noch mehr Kinder in einem Raum von mehreren Kräften betreut werden oder ob maximal fünf Kinder in einem Raum von einer festen Bezugsperson betreut werden.

Vermutlich weil Ursula von der Leyen als Familienministerin so viel bewegt hat, ließen Fachkräfte und eine Fachlehrerin zu, dass Kinder in Bayern auf viel zu wenig Platz betreut wurden: http://www.kindergartenkritik.de/blog/erst-mal-einfach-anfangen Im gelben Kasten steht die Schilderung der Fachlehrerin. Mir wird schon wieder schlecht, wenn ich mir die geschilderten Zustände vorstelle. Aber sie zeigen leider, worauf sich übermäßig anpassungsbereite Menschen einlassen werden, wenn die Parole lautet „Ein bisschen enger“.

Sapperlot
1 Monat zuvor

Es ist unfassbar…ich arbeite ebenfalls in einer Krippe, seit 5 Monaten betreuen wir zu zweit 12 U 3 Kinder, weil wir einfach kein Personal bekommen…das ist nur noch satt und irgendwie sauber. Die Sicherheit der Kinder können wir nicht gewährleisten…wenn meine Kollegin im Wickelraum ist bin ich alleine mit 11 Kindern. Ein bisschen enger? noch mehr Kinder? Nicht mit mir, bei allem Verständnis für Geflüchtete das geht gar nicht. Eigentlich geht es auch momentan gar nicht…ich arbeite jetzt seit 7 Jahren im U 3 Bereich und es ist jetzt bereits das 5 Mal, dass wir unterbesetzt soviele kleine Menschen betreuen . Ich bin wirklich sonst sehr engagiert aber mittlerweile bin ich nur noch frustriert. Die Gehaltsverhandlungen gehen nicht voran, von 24 Kolleginnen haben sich in den letzten Wochen 20 mit Corona infiziert…Durchseuchung nahezu erfolgreich abgeschlossen….kein Coronabonus für uns… dafür pampige Eltern denen man höflich und freundlich begegnen soll. Und dann frag ich mich auch was ist eigentlich mit den Kindern, die aus Afghanistan , Syrien etc. geflüchtet sind…sind die Kinder 2 ter Klasse? Sorry, schafft erst Mal die Arbeitsbedingungen und ich bin gerne jederzeit bereit auch evtl traumatisierte Kinder zu betreuen mit entsprechender Unterstützung.

Marion
1 Monat zuvor

Kita – Standarts lockern? Echt jetzt? „Dann ist es eben ein bißchen enger“? Das ist alles was der Politik dazu einfällt.
Das System ist jetzt schon am Kollabieren, aufgrund von Personalmangel und die wollen einfach noch ein paar Kinder mit möglicherweise Kriegs – bzw. Fluchttraumata und ohne Deutschkenntnisse in die ohnehin schon überfüllten Gruppen stopfen? Wenn es schon wurscht ist, was das mit dem in Kitas tätigen Personal macht, dann fragt euch doch wenigstens mal, wie es wohl den Kindern damit geht. Ist aber auch egal.
Hauptsache, die sind irgendwie verräumt, und man kann so tun, als wäre alles in Butter. Und die lieben Kolleginnen an der „Kitafront“ werden das natürlich mal wieder hinnehmen und widerstandslos akzeptieteren. Man muß den Geflüchteten ja helfen. Ja, aber hilft es den Kindern wirklich, wenn sie in ein System gepresst werden, daß sowieso schon völlig überlastet ist?

Claudia Theobald
1 Monat zuvor

Weder Herr Ramelow noch Herr Holte oder sonst ein*e Politiker*in können die Grenzen der Aufsichtspflicht und des Kindeswohls definieren. Das ist und bleibt die Verantwortung der Fachkraft vor Ort und hängt immer von Alter und Persönlichkeit der Kinder, aber auch von den Erfahrungen und Kompetenzen der aufsichtführeneden Person ab. Die Rahmenbedingungen in unseren Kitas sind nicht kindgerecht. Thüringen gehört außerdem zu den Ländern mit einem besonders schlechten Personalschlüssel. Politiker*innen sollten Erzieher*innen nicht im Regen stehen lassen. Werden mehr Kinder in die Kitas gestopft, ohne Personal und Räumlichkeiten anzupassen, sind noch schneller die Grenzen der Aufsichtspflicht und des Kinderswohls erreicht. Das führt zu einem eingeschränkten pädagogischen Angebot oder auch kürzeren Öffnungszeiten, je nachdem wie viel Personal ausfällt. Niemand will Kinder im Regen stehen lassen. Es ist aber schlichtweg verboten, Kinder unter prekären Bedingungen zu betreuen. Erzieher*innen haben eine Meldepflicht, sobald sie ihrer Aufsichtspflicht nicht mehr in verantwortlicher Weise nachkommen können. Über den Bildungsauftrag der Kitas habe ich bei diesen Betrachtungen noch gar nicht gesprochen. Die Kitas brauchen dringend Unterstützung, damit sie ihren Aufgaben gerecht werden können. Mit der Aussage, dass es dann halt ein bisschen enger wird, macht es die Politik sich sehr leicht. Vielleicht sollten die Verantwortlichen des Landes und der Kommunen Großraumbüros einrichten und enger zusammenrücken. Wenn zusätzliches Personal gefunden und finanziert würde, könnten in den frei werdenden Räumen dann neue Kita-Gruppen eingerichtet werden.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor

Der Alltag in Kitas ist seit Jahren dadurch erschwert, dass es immer „normaler“ geworden ist, Kinder mit Krankheitssymptomen abzugeben, nicht abzuholen oder sich beim Träger zu beschweren, wenn Fachkräfte mal die Betreuung eines Kindes verweigern.
Die Anspruchshaltung der leider von Arbeitgeberseite selbst unter Druck stehenden Eltern ist enorm angestiegen. Leider gibt es auch viele munter-freundliche Erzieherinnen, die sich darin gefallen, für alles Verständnis zu haben und die sich gegenüber Eltern nicht gut durchsetzen können. Dabei wäre das so wichtig.

Ganz mies: Während der Pandemie haben Kinderärzte für die weite Öffnung der Kitas plädiert und ausdrücklich gesagt, dass Kinder mit „leichten“ Symptomen betreut werden können. Was die Präsidenten und Vorstände von Ärztevereinigungen uns damit angetan haben, lässt sich nur noch schwer wieder korrigieren.

Das Märchen von der Kita als „immunologischem Trainingslager“ kann ich nicht mehr hören. Ich kann mir vorstellen, dass Wissenschaftler irgendwann einen Anstieg von Autoimmunerkrankungen auf zu viele Infekte in der frühen Kindheit zurückführen werden. (Aber für derartige Forschungen fehlen vermutlich die Forschungsgelder…)

Wären Nutztiere so oft krank – oder ständig dauerkrank – wie es viele Kitakinder sind, würden Tierschützer gegen die Haltungsbedingungen auf die Barrikaden gehen. Ich bin Bauerntochter und mein Vater hat immer gesagt: „Je größer der Viehbestand, um so mehr Krankheiten.“ Es darf auf keinen Fall überall noch ein bisschen enger werden!

Aber vielleicht ist es gut, wenn es noch ein paar Provokationen und Verarschungen mehr für unsere Berufsgruppe gibt. Irgendwann kommt der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen wird.

Susanne Dohmen
1 Monat zuvor

Die Kitas sind jetzt schon überbelegt. Selbst junge Kollegen stehen vor dem Burnout. Es ist eine Frechheit da noch mehr Kinder reinstecken zu wollen. Zumal diese Kinder oftmals traumatisiert sind! Sie benötigen eine besondere Zuwendung. Bildung ist jetzt schon nicht mehr möglich. Es ist nur noch ein verwahren. Damit verheizt man die letzten Erzieher. Ich werde als Leitung mein Team davor schützen! Gerne stellen wir Räumlichkeiten zur Verfügung, aber es muss entsprechendes Personal her!

Angelika
1 Monat zuvor
Antwortet  Susanne Dohmen

Eine Frage an dich als Kindergartenleitung: Du bekommst doch als Leitung die Arbeitszeugnisse zu lesen, oder? Ich frage deshalb, weil im Mordfall Greta eine wiederholt als ungeeignet angesehene Erzieherin vier Arbeitsstellen ergattern konnte, obwohl sie nie ein Arbeitszeugnis vorgelegt hat. Ihr Anerkennungsjahr hat sie nur mit ausreichend bestanden, was allein schon ein Grund für intensive Nachfragen gewesen wäre. (Die Bürgermeisterin hat das auch noch verteidigt!)

Für Flüchtlingskinder brauchen wir selbstverständlich Fachkräfte, die guten Gewissens eingestellt werden können. Und wenn unsere Politiker dafür sorgen, dass Fachkräfte aus fremden Ländern in Krippen und Kitas kommen, müssen wir mit Verständigungsproblemen rechnen und natürlich die Dokumentationen für die neuen Kolleginnen erledigen. Zumindest für längere Zeit. Und wieder fehlt Zeit für die Kinder!

Heike Ebert
1 Monat zuvor

Ich sehe es genauso, solange ich mich vor mein Team stellen kann, werde ich das auch tun. Die Frage stellt sich allerdings auch, wie lange Leitungen durchhalten können!

Heidi Teich-Reitzig
1 Monat zuvor

Es ist NICHT ein bisschen enger, es ist EIN BISSCHEN MEHR BURN Out. Wir können jetzt schon nicht mehr. Was sollen wir noch machen, liebe Politiker? Was fällt euch denn noch ein? Ich denke, wir sind über dem Limit, es geht : GARNICHTS

Angelika
1 Monat zuvor

In meinen ersten Berufsjahren kannte ich es nicht, dass Kolleginnen oder Mitschülerinnen aus der Erzieherausbildung an einem Burnout oder Depressionen erkrankt waren. Sie stiegen oft aus dem Berufs aus, wenn sie ein Kind bekamen und Jahre später kamen viele in Teilzeit wieder zurück – und spürten schon damals, dass sich die Betreuungsbedingungen verschlechtert hatten. Dann nahmen die hohlen Versprechungen gegenüber Erzieherinnen und ihre Arbeitsbelastungen zu und die Krankheitsausfälle wegen Erschöpfung ebenfalls.
Anfangs habe ich noch gedacht, dass ohnehin eher labile Menschen betroffen gewesen wären. Aber nachdem ich als externe Springerin gearbeitet habe, war ich im Laufe der Jahre immer wieder erschüttert, welche tollen Berufskolleginnen es irgendwann erwischt hat.

2009 wurde offiziell für einen Gesundheitstarifvertrag gestreikt. Was hat er gebracht? Außer der Selbstverständlichkeit, dass große Stühle und Treppen für den Wickeltisch angeschafft wurden viel zu wenig.

Susi
1 Monat zuvor

Solange wir nur hier und im stillen Kämmerlein vor uns hin jammern, hört uns keiner!!! Glaubt ihr allen Ernstes, dass nur ein/e Politiker/in unsere Beiträge liest?
LASST UNS LAUT WERDEN!!! RAUS AUF DIE STRAßE!!! JETZT!!!
Nur durch Streiks können wir die breite Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass die frühe Bildung unserer Kinder geradewegs gegen den Baum gefahren wird! Lasst uns endlich anfangen, uns zu wehren! Wir sind nicht die Fußabtreter der Eltern, Wirtschaft, Politikern und und und!!!
Nein, ich bin kein Verdi-Mitglied. Ich habe nur endgültig die Sch…… voll!
„Ein bisschen enger….“ – nicht mit mir!

dauerlüfterin
1 Monat zuvor

Die Kommunen wollen lockern? Mir ist nicht bekannt, dass sie das (in Hessen) könnten. Da braucht es die Anpassung des Landesgesetzes. „Freue“ mich schon auf die entsprechende Diskussion im Landtag.

Susi
1 Monat zuvor

Muss noch etwas dazu sagen: mein Post richtet sich nicht gegen Flüchtlinge, egal woher sie kommen.
Mir geht es nur um unsere Arbeits- und Rahmenbedingungen in den Kitas! Danke!

Angelika
1 Monat zuvor
Antwortet  Susi

Hallo Susi!
Danke auch für deine Beiträge! Wir sollten wirklich niemandem unterstellen, dass er oder sie gegen die Aufnahme von Flüchtlingskindern wäre. Beim Lesen deines ersten Beitrags hatte ich lediglich den Eindruck, dass du besonders deutlich klar gestellt hast, dass wir Grenzen setzen müssen und dass wir nicht weiterhin meinen, wir müssten oder dürften als Fachkräfte alles mittragen, was von oben angeordnet wird. Beides wäre nicht in Ordnung.

Was den Alltag in Kitas angeht sind die Fachkräfte vor Ort die Verantwortlichen und Politiker, die wirtschaftliche Interessen und Verbindungen über die Grundbedürfnisse von Kindern und Erzieherinnen stellen, sind die Unverantwortlichen. Erinnern wir uns nur an das dumme Gesülze vonwegen „Kinderlärm ist Zukunftsmusik“. Das Gehör von Kindern und Erwachsenen leidet, wenn sie zu hohen Lärmemissionen ausgesetzt sind und das ist in Kitas immer wieder und verdammt oft der Fall. Nicht umsonst bekommen so viele ErzieherInnen Tinnitus und Kinder und Jugendliche gewöhnen sich an zu viele Dezibel, hören später laute Musik. Die Basis für eine frühe Lärmschwerhörigkeit war bestimmt nicht selten die „Bildungsinstitution Nummer eins“. Mancher Kindergartencontainer verdient den Namen „Lärmhölle“.

Es ist so lächerlich, dass die VKA bislang angeblich nur ernsthaft dazu bereit gewesen sein wollen, ErzieherInnen kostenlose Massagen während der Arbeitszeit zukommen zu lassen. Ob sie wohl hoffen, durch längere Streiks erst mal Gehaltszahlungen einsparen zu können? Und wenn dann die Eltern unleidlich werden, weil die Streiks zu lange dauern, sollen die ErzieherInnen mal wieder einknicken?

Susi
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika

Danke für deine Worte, Angelika!
Gestern habe ich noch lange über mein Geschriebenes nachgedacht…..und mich gewundert, wie es dazu kommen konnte, dass wir uns das Ganze so lange gefallen lassen haben bzw. uns das immer noch gefallen lassen. Wieso machen wir trotzdem immer weiter?
Die meisten Erzieher/innen, einschließlich ich selbst, antworten:“ Ich tue es für die Kinder! Ich lasse sie nicht im Stich!……“
In meiner ganzen Grübelei kam ich auf einen anderen Gedanken: wenn wir uns für „unsere“ Kinder einsetzen wollen, lassen wir sie nicht erst recht dann im Stich, wenn wir uns nicht wehren? Wenn wir trotz schlechter Rahmenbedingungen immer weiter machen? Von uns selbst einmal abgesehen…..
Ich denke, alle Erzieher/innen sollten einmal darüber nachdenken! Vielleicht sind dann mehr von uns eher bereit aufzustehen, laut zu werden und raus zu gehen, auf die Straße!

Marion
1 Monat zuvor

Ganz unabhängig davon, ob es jetzt noch ein bißchen enger in den Kitas werden soll – mir stinkt inzwischen so vieles, was in unserem Erziehungs – und Betreuungssystem so abgeht.
Mich kotzt es an, daß alle so tun, als gäbe es für unsere Kinder nichts besseres, als sie so früh wie möglich, so lange wie möglich, in öffentliche Betreuungseinrichtungen zu stecken.
Dort werden sie von morgens bis abend bespaßt, erhalten die bestmöglichen Bildungsangebote, werden individuell gefördert, die persönlichen Bedürfnisse eines jeden einzelnen Kindes werden stets berücksichtigt, ein Jedes darf sich nach seinem eigenen Tempo entwickeln und ausleben und muß gar nie nicht irgendetwas tun, was es gerade nicht will.
Es herrscht von morgens bis abends eitel Freude, Harmonie und Sonnenschein. Es fällt kein böses Wort und alle sind glücklich in solch einem seligen Kinderparadies fünf Tage die Woche verbringen zu dürfen.
Und weil’s gar so schön ist, lasset gerne auch noch die aus ihrer Heimat vor dem Krieg geflüchteten ukrainischen Kinderlein in unsere Kinderwolkenkukucksheime strömen, auf daß auch sie dieses Glückes teilhaftig werden und ganz schnell die Gräuel des Krieges hinter sich lassen können.
Tut mir leid. Aber manchmal hilft einfach nur noch bittere Ironie.

Salentin
1 Monat zuvor

In den Kitas bisschen enger und in der Klassen bisschen mehr. Das kommt wohl auf uns zu.