Erzieherin platzt angesichts der Arbeitsbedingungen der Kragen: „Wir verheizen uns selbst!“

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BERLIN. Die aktuell laufenden Tarifverhandlungen für die Kita-Beschäftigten rücken den Fokus auf die Arbeitsbedingungen dort: so belastend, dass die Personalnot in den Einrichtungen stetig steigt. In dieser Situation fordern Kommunen als Kita-Träger, die Gruppenstärke zu vergrößern, wie News4teachers berichtet. Im LeserInnenforum zu dem Beitrag meldet sich ein Grundschullehrer zu Wort – und hält den Fachkräften in den Kindertagesstätten vor, die Kinder nicht ausreichend auf die Schule vorzubereiten. Eine Erzieherin antwortet. Wir dokumentieren das Schreiben.

Es reicht! Illustration: Shutterstock

„Ich bin dafür, endlich verbindliche Ziele der jahrelangen Kita Aufenthalte festzulegen. Quasi Vera für Kindergärten. Warum? Bislang behaupten Erzieher immer, sie würden frühkindliche Bildung vermitteln. In den Grundschulen zeigt sich leider, dass keinerlei Bildung oder Erziehung vorhanden ist“ – so schreibt Grundschullehrer „Emil“ auf News4teachers.

Eine Erzieherin antwortet ihm:

Sozilla 24. Februar 2022 um 16:28 Bearbeiten

„Es sind Beiträge wie deiner, Emil, die in mir am meisten Groll und Enttäuschung auslösen. So oft erfahren wir seitens des Schulsystems solche Vorwürfe und ziehen die Wut von Lehrer*innen oder anderen Akteur*innen des Bildungssystems auf uns. Oft werden wir für die Probleme der Kinder verantwortlich gemacht, welche sie mit in die Schule tragen, nachdem sie uns verlassen.

Es macht mich traurig und wütend gleichermaßen, dass in uns so selten Verbündete gesehen werden oder auch nur Leidensgenoss*innen, denn ich weiß sehr wohl, in welcher Situation sich Lehrkräfte befinden, die es vermehrt mit Kindern zu tun haben, die kaum auf das System Schule oder auch nur das Konstrukt ‚Bildung und Lernen‘ vorbereitet sind. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie man als Lehrkraft in einer solchen Situation unter Stress und Druck steht, der vom permanenten Personalmangel noch verstärkt wird, denn wir erleben es ganz genau so! (Nur dass uns selbst noch die Semiprofession, als welche der Beruf einer Lehrkraft immerhin weitestgehend gesellschaftlich angesehen ist, aberkannt wird, da unsere Ausbildungslaufbahn nun mal in der Mittelschicht und nicht im akademischen Hochschulsystem angesiedelt ist.)

Blindweg zu behaupten, dass das Fachpersonal in ausnahmslos allen Kindertageseinrichtungen die gewünschte Vorbereitung ohne weiteres leisten könnte, es aber einfach nicht tut, ist schlicht ungerecht. Ich kenne nur wenige, die diesen Beruf nicht aus Leidenschaft gewählt haben und täglich ihr Möglichstes tun. Nicht immer ist dieses Möglichste genug, aber fast immer überschreitet es schon die Grenzen des Machbachen und die der eigenen Gesundheit.

Schon vor 20 Jahren haben die Leistungserwartungen an Kitas und Schulen deutlich zugenommen

Früher war es vielleicht einmal einfacher zu bewerkstelligen, Kinder auf die Schule vorzubereiten, denn so viel wurde von ihnen dort noch nicht gefordert. Gleichzeitig haben aber auch die wenigsten Eltern(paare) zu dieser Zeit (beide) Vollzeit gearbeitet und konnten ihren Kindern vieles noch selbst vermitteln.

Aber schon vor 20 Jahren haben die Leistungserwartungen an Schulen deutlich zugenommen. Seitdem geschieht dasselbe in den Kindertageseinrichtungen, ohne aber dass das Personal und weitere Ressourcen dem ausreichend angepasst werden. Gleichzeitig kommt es aber immer häufiger vor, dass (beide) Eltern in Vollzeit arbeiten (müssen) und einfach nicht mehr die Kraft und Zeit für ihre Kinder aufbringen können.

Wann immer ein Kind zu uns kommt, das mehr Förderung verdient, als wir ihm geben können, und wann immer klar wird, dass dieses Kind nicht (mehr) zurückgestuft werden kann und bald in die Schule gehen wird, tut es mir im Herzen weh. Ich denke an die Herausforderungen, vor die es gestellt sein wird, frage mich, ob es daran seelisch zerbrechen wird und ob es trotzdem seinen Platz in unserer kaputten Gesellschaft finden wird (von der ich weiß, dass sie bei weitem nicht für alle Platz hat), aber genauso denke ich auch an die Personen, die es unterrichten werden – denn ihr Auftrag ist es vorwiegend zu bilden und nicht mehr zu erziehen. Und doch müssen sie diese Aufgabe mehr und mehr mit übernehmen, da für uns die Zeit und die Ressourcen ebenso wenig ausreichen wie für sie. Ich habe sehr viel Verständnis für den Ärger von Lehrkräften, denn ich habe auch sehr viel davon.

Aber genauso habe ich auch an vielen Stellen Verständnis für Eltern oder Kolleg*innen, die dem Druck einfach nicht mehr gewachsen sind. Es tut allerdings immer weh, wenn uns als Erzieher*innen der Ärger und nicht das Verständnis trifft. Gerade wenn so etwas von Lehrkräften kommt, fühlt es sich an, als würde einem in den Rücken gefallen, dabei sollten wir auf derselben Seite stehen, schließlich wollen wir alle dasselbe: Kinder aufs Leben vorbereiten, sie bestmöglichst unterstützen und bestärken in dem, was sie können, und eben auch in dem fördern, was sie (noch) nicht können.

Dass die Rahmenbedingungen, unter denen wir dies bewerkstelligen sollen, einfach nur noch unzumutbar sind, zeigt auch dieser Artikel (der eben die Forderung von Kommunen zur Personaleinsparung thematisiert, d. Red.), denn durch noch größere Gruppen, gleichzeitig aber noch weniger qualifiziertes Personal wird all das noch schwerer und unzumutbarer werden, denn pädagogisches Personal (egal ob an Schulen oder in Kitas) geht bereits permanent über die persönlichen Grenzen hinaus und immer mehr verlassen deswegen ihren Beruf (teilweise seelisch und körperlich vollends zerstört). Und dafür kann niemandem ein Vorwurf gemacht werden.

Die Mehrheit der Einrichtungen, die ich kenne, hält sich nur durch die überragenden Einzelleistungen der dort arbeitenden Fachkräfte über Wasser. Und leider sind Arbeitnehmer*innen in kaum einem anderen Bereich so sozial involviert wie hier. Dadurch, dass wir bereit sind, so viel für einen Job zu geben, der dermaßen schlecht bezahlt ist und in keiner Weise für das täglich geleistete und erlebte entschädigt, wird die prekäre Situation, in der sich das Bildungssystem und seine Personallage befinden, verschleiert. Und solange der Apparat zwar ächzt, aber noch läuft, wird es für lange Zeit keine Besserungen geben.

„Wir verheizen uns selbst, um einen Apparat am Laufen zu halten, der zwangsläufig kaputtgehen wird“

Ist man täglich mit dem Schicksal von Kindern konfrontiert, fällt es schwer zu erkennen, dass wir uns selbst verheizen, um einen Apparat am Laufen zu halten, der zwangsläufig kaputtgehen wird – und wohl auch muss, damit sich irgendetwas ändert. Und hat man es dann irgendwann erkannt, bleibt es trotzdem schwer damit aufzuhören, wenn man weiß, dass erst einmal alles noch schlimmer wird. Für einen selbst. Für die Eltern. Die Kolleg*innen. Aber vor allem für die Kinder…

Allen Lehrkräften und auch allen anderen höher gestellten Akteur*innen im Bildungssystem, denen vielleicht schlichtweg der Einblick in den Kita-Alltag fehlt oder die einschlägige persönliche Erfahrungen mit vermeintlich unprofessionellen Erzieher*innen gemacht haben, möchte ich noch mit auf den Weg geben: Hinterfragt zuallererst das System selbst und nicht die Arbeit derer, die mit euch darin kämpfen. Tretet nicht nach unten, wenn wir gemeinsam nach oben treten und auf Missstände, die uns alle betreffen, aufmerksam machen könnten.“ News4teachers

Personalmangel in Kitas: „Fachkräfte verletzten regelmäßig die Aufsichtspflicht“

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Angelika
2 Monate zuvor

Sorry! Wenn ich so etwas lese, dann muss ich widersprechen, denn ich habe weder ohne Engagement noch blind und taub in Kitas gearbeitet.
„Die Mehrheit der Einrichtungen, die ich kenne, hält sich nur durch die überragenden Einzelleistungen der dort arbeitenden Fachkräfte über Wasser.“

Über viele Jahre haben Erzieherinnen – ich meine jetzt ausdrücklich Frauen – sich herzlich wenig für Politik interessiert und sich stattdessen vom Lob der Politiker einlullen lassen und sich die doofen Inhalte von peinlichen Imagekampagnen zu eigen gemacht. „Zukunftsgestalterinnen fordern Anerkennung“ prangte 2009 auf den T-Shirts und verdi ließ Ursula von der Leyen auf der Kölner Großkundgebung eine Rede halten. Die Familienministerin, die uns der ganzen Ärger eingebrockt hat und die Weichen geschickt zugunsten eines forcierten Betreuungsplatzausbaus gestellt hat, wurde dort am Ende mit viel zu viel Beifall bedacht.

Wegen des großen Desinteresses der Berufsgruppe daran, gegenüber Erwachsenen Grenzen zu setzen und sich unbeliebt zu machen nahm das dumpfe Mitläufertum zu und die Anpruchshaltung der Berufsgruppe war leider selten konkret genug, um Veränderungen zu bewirken. Immer mehr „Wertschätzung“ wurde gewünscht. Aber wer quasi reflexhaft immer wieder nur „einen besseren Personalschlüssel“ oder eine bessere Fachkraft-Kind-Relation fordert, braucht sich nicht darüber zu wundern, dass verbal nur „Wertschwätzung“ bekundet wurde und profane Forderungen unerfüllt blieben. „Ihre Forderungen sind berechtigt. Ich stehe hinter Ihnen.“ So tönte Ursula von der Leyen 2009 auf der Großkundgebung in Köln. – Leute, es war doch klar, dass eine Bundesministerin anlässlich einer Streikveranstaltung auf der Tribüne von verdi den Mund voll nehmen konnte. Für Verbesserungen zu sorgen war und ist immer noch (überwiegend) Sache der Länder. Und auf das versprochene „Bundeskitaqualitätsgesetz“ warteten wir vergebens.

Wie wäre es mit mehr Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit von dem Lob und der Kritik anderer? (Ich kann das Wort „Wertschätzung“ kaum noch ertragen.)

Die besonders personalintensive Langzeitbetreuung der Jüngsten verhindert noch immer, dass wenigstens ein größerer Teil der älteren Kinder besser als „mehr recht als schlecht“ betreut werden kann.
Wichtiger als Kritik von Berufsfremden oder Außenseitern im Betreuungssystem finde ich eine gründliche SELBSTKRITIK derjenigen, die es versäumt haben, rechtzeitig als Fachkräfte für eine bessere Kinderbetreuung einzutreten.

Ich finde es überhaupt nicht schlimm, dass Emil Erzieherinnen kritisiert hat. Schade, dass sie nicht erkennen, wie provokativ es wäre ihm zuzustimmen. Vielleicht ist der Beruf auch unattraktiv geworden, weil viele von uns mit KollegInnen arbeiten müssen, die nicht gut genug für die Praxis ausgebildet wurden? Oder weil der chronische Personalmangel dafür sorgt, dass Leute durchgeschleust werden, die besser einen anderen Beruf erlernen würden…

Wer sich selbst „verheizt“ macht sich übrugens selbst zum Opfer und lässt dabei meist auch noch zu, dass andere zu viel Druck und Macht ausüben. Auch durch leidenschaftliches und idealistiusches Überengagement kann man also Fehlentwicklungen den Weg bereiten.

Realist
2 Monate zuvor
Antwortet  Angelika

„… und verdi ließ Ursula von der Leyen auf der Kölner Großkundgebung eine Rede halten.“

Verdi war noch nie auf Seiten der Leute an der Basis, die die wirkliche Arbeit machen. Da wird lieber mit der großen Politik gekungelt. Bei den diesjährigen Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst hat Verdi wieder einmal gemeinsame Sache mit der Politik gemacht. Ergebnis ist ein Tarifabschluss, der dieses Jahr mind. 4 Prozent ReallohnVERLUST bedeutet. Ein Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten. Wer dafür noch Mitgliedsbeiträge zahlt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Angelika
2 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Die Unzufriedenheit mit den Gewerkschaften war vermutlich mitursächlich dafür, dass in recht kurzer Zeit in vielen Bundesländern ErzieherInnen endlich Kitafachkräfteverbände gegründet haben oder dort Mitglied geworden sind. Schon vor Corona brodelte es, aber nach dem, was viele in den letzten zwei Jahren erlebt haben, ist nun endlich wirklich klar, dass es nicht in Endlosschleife so weitergehen kann wie bisher. Versprechungen und Schaumschlägerei führen zu nichts Gutem. Schon reden Politiker darüber, die Gruppenstärke zu erhöhen.

Uschi
2 Monate zuvor
Antwortet  Angelika

@angelika danke für deine tolle , wertschätzende Unterstützung unter Kollegen. Ironie aus.

Angelika
2 Monate zuvor
Antwortet  Uschi

Wohin hat euch die gegenseitige Wertschätzung und das langjährige Lamento nach „mehr Wertschätzung“ gebracht?

Eltern ärgern sich insgeheim, wenn Erzieherinnen immerzu Lob und Anerkennung einfordern, denn sie haben null Bock darauf, sich gegenüber Erzieherinnen minderwertig zu fühlen.

Kathrin
2 Monate zuvor

Ein großer Einschnitt in NRW war vor Jahren die Abschaffung der Schulkindergärten, die uns als pädagogisch motivierte Maßnahme verkauft wurde, aber wohl vor allem finanzielle Gründe hatte. Die Sozialpädagogin an unserer Schule hat dort seinerzeit hervorragende Arbeit geleistet. Der Besuch des Schulkindergartens war quasi eine Garantie, gut durch die Grundschule zu kommen. Dann wurde auch noch das „Zurückstellen“ von SchulanfängerInnen ganz stark eingeschränkt. Die Misere ist schlicht hausgemacht. Ausbaden müssen es bemitleidenswerte Kinder und die LehrerInnen.

Angelika
2 Monate zuvor
Antwortet  Kathrin

Und vor allem die so genannten I-Kinder. Was seit Jahren als „Inklusion“ bezeichnet wird, könnten Lehrer und Erzieher in vielen Fällen als „Exklusion“ nennen.

Enjoy your chicken Ted!
2 Monate zuvor

Nur mal so, es gibt verbindliche frühkindliche Ziele. Ich habe jahrelang Erzieher ausgebildet und weiß deswegen, dass Krippe, Kindergarten und Hort nicht aus „Spielen und Malen“ bestehen.
Viele Leute denken ja auch, dass der Lehrberuf nur darin bestünde den ganzen Tag wahllos Arbeitsblätter auszuteilen.

Ich denke mam täte mehr daran zusammenzustehen als sich gegenseitig zu zerfleischen, gerade in diesen schweren Zeiten. Aber solange man so Gartenzwergvereine wie die GEW hat kommt nichts vernünftiges bei raus.

R. Fahrintholz
2 Monate zuvor

Ich habe 2 Töchter eine ist bereits in der 5. Klasse und die andere gerade in die Kita gekommen. Es fängt doch schon in der Krippe an. Allerdings nicht das schlechte vorbereiten der Kinder, sondern das schlechte behandeln der Erzieher und Lehrer. Wieso wird dort nicht von der Politik ab einem Strang gezogen. Es gibt bestimmt ein roten Faden der sich gedacht von der Krippe bis zum Schulabschluss zieht, aber gesehen habe ich ihn nicht nicht. Hier in meiner Stadt arbeiten die Kitas sehr gut mit der Grundschule zusammen und umgekehrt. Das kommt aber meines Erachtens eher von den Kitas und der Grundschule an sich, nicht von der Regierung. Allerdings war es für uns erschreckend wie schlecht die Kinder in der Grundschule auf die nächste Schulstufe vorbereitet werden. Der Stoff wurde behandelt aber leider wurde dem Kind nicht beigebracht wie sie auch selber was erarbeiten können. Und wenn man meine Tochter auf ein Gymnasium wechselt kommt dort schnell an seine Grenzen dort heißt es dann friß oder stirb. Und das gleiche sagt eine Bekannter der an einer KGS als Lehrer tätig ist. Teilweise bekommt er Schüler aus der Grundschule die nicht einmal richtig lesen können und sie müssen komplett von vorn beginnen. Es ist alarmierend wie das Schulsystem versagt. Das Schulsystem muss sich neu aufstellen, von der Krippe/Kita bis zur Oberschule. Die Kernkompetenzen an allen Schulen müssen neu bewertet werden. Ich sehe Beispielsweise keinen Sinn einer 2. Fremdsprache als Pflichtkurs. Oder warum werden „Talent“ Fächer (Musik / Kunst / Sport) noch bewertet. Die MINT Fächer sollte eine stärkere Rolle spielen, das ist das was unsere Kinder später auch brauchen.

Agnes Hosbach
2 Monate zuvor

Angelika,
Ich stimme dir in allem zu, allerdings kann man auch niemandem einen Vorwurf machen, dass er nicht gelernt hat, strukturell oder politisch zu denken. Das lernt man in der Ausbildung nicht und die meisten Erzieherinnen interessieren sich wohl einfach nicht dafür. Das wiederum ist für das derzeitige System sehr bequem. Ich denke da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Angelika
2 Monate zuvor
Antwortet  Agnes Hosbach

Hallo Agnes,

ich kann sehr gut verstehen, dass jemand nach einem anstrengenden Tag in Vollzeit im Kindergarten nicht mehr die Energie hat, sich politisch zu betätigen oder irgendwie aufzumucken. Das könnte man auch ehrlich zugeben.

So wie für andere meine Kritik an unseren „Kinderparadiesen“ eine Qual ist, berührt es mich unangenehm, wenn ich streikende Erzieherinnen sehe, die auf Transparenten Botschaften übermitteln, über die ich nur den Kopf schütteln kann.
Ein Bespiel „Eine Erzieherin ist wie ein Dessous. – Spitzenqualität für ein Hauch von Nichts!.“ So was habe ich in der Karnevalshochburg Köln 2009 und 2015 gesehen. Zwei junge Erzieherinnen trugen dazu Spitzenbüstenhalter und Slips über Jeans und Pullis.

Lanayah
2 Monate zuvor

Auch Grundschullehrer kennen diese Art der Vorwürfe von den weiterführenden Schulen, vielleicht auch Emil. Als ich noch an der Hauptschule gearbeitet habe, habe ich selber über die Grundschullehrer gemeckert, die den Kindern nichts beigebracht haben. Mittlerweile weiß ich es besser. Mein Respekt gilt den Erzieherinnen.

Diewieder
2 Monate zuvor

Es tut mir leid, aber auch ich muss Emil Recht geben. Was in den Kitas abläuft, ist hanebüchen. Es wird kaum noch gebastelt , gesungen, Fingerspiele oder Bewegungsspiele gemacht. Freispiel ohne Ende. Übungsrahmen mit Knöpfen, Flechten, Reissverschluss zumachen, Schuhe binden-alles weg. Wie sollen Kinder die dringend benötigte Feinmotorik erwerben, die es braucht um Schreiben zu lernen, wenn es nicht mehr im Kindergarten geübt wird? Sollen sie dumm bleiben? Nur wenn ich mir manche Erzieherin anschaue…mich wundert nix mehr. Ich weiß es klingt böse, aber es ist so. Ständig von den kleinsten Aufgaben überfordert, immer am Rande der Hysterie, irgendwie ohne normalen Menschenverstand und völlig ohne Phantasie und Kreativität. Nicht alle natürlich, aber doch etliche. Sehr sehr bedenkenswerte Entwicklung…

Maren
2 Monate zuvor
Antwortet  Diewieder

Kann ich nicht bestätigen.Zudem ist Kita keine Vorschule.Schuhe binden etc.lernt man von den Eltern.Das war schon zu meiner Kigazeit nicht Thema .Gebastelt und gewerkelt haben wir dort aber wie verrückt.Und mein Sohn im selben Kiga auch.Des Weiteren Selbstbestimmung und Eigenverantwortung geübt und ganz viel Selbstbewusstsein bekommen.Kaputtgemacht wird all das erst in der Schule,wo der Leistungsdruck schon in der ersten Klasse beginnt.Gleichmachendes,veraltetes Schulsystem,jetzt hätte man die Chance,was zu ändern,und sie wird nutzlos verstreichen.

Emil
2 Monate zuvor
Antwortet  Maren

Solange die Kitas alles auf die Eltern abschieben, wird sich nichts ändern. 5 Jahre Kita _ und die Eltern sind Schuld. Prima!!! Und was macht die Kita in den 5 Jahren????? ???

Harald Töpfer
2 Monate zuvor
Antwortet  Emil

Nein, Kollege, alles wird nicht auf die Eltern abgeschoben.
Aber die Basics, welche man vor 30 Jahren noch von den Kindern erwarten konnte sind heute kaum noch in diesem Umfang vorhanden. Fragt man Erzieher die bereits 20, 30 Jahre Arbeitserfahrung haben zeichnen diese ein ziemlich genaues Bild der derzeitigen Betreuungssituation und des Entwicklungsstandes eines Großteils der Kinder.
Ja, viele Eltern versäumen es heute, ihren Kindern das nötige Rüstzeug mit auf den Weg zu geben.
Wenn man diesen Umstand nicht ansprechen kann oder darf, dann wird sich auf lange Sicht nichts ändern.
Aber wie wäre es, wenn Du mal ein Vierteljahr lang selbst in einer Kita tätig werden würdest?
Ich selbst habe als Erzieher in einer Kita begonnen und habe dann meinen Weg als Pädagoge fortgesetzt, was mir sehr viele Einblicke gewährt hat und mich so manches Mal am Kopf kratzen ließ.

Harald Töpfer
2 Monate zuvor
Antwortet  Diewieder

Genauso bedenklich wie die Entwicklung der Kinder bzw des Rustzeugs, welches die Kinder mit in die Kita und Grundschule tragen.

Klugscheisser
2 Monate zuvor
Antwortet  Harald Töpfer

Sic est.

Es wird alles abgeschoben.

Da kommen Forderungen, dass gelehrt werden soll, wie eine Steuererklärung gemacht werden soll. Handlungsorientierter aber, als den Eltern dabei über die Schulter zu blicken, geht es nicht. Kann kein Lehrer schaffen.

Die Eltern sollen die Kinder lebenstauglich machen, Bildung kommt in der Schule. Und im Ernst, die KuJ sind soviel im Internet unterwegs, aber selbstständig sich mal um Alltagsthemen zu kümmern, auf die Idee kommt kam einer der KuJ.
Es ist Sitte geworden, alles mögliche an Alltäglichkeiten in KiTa und Schulen zu schieben… das Anspruchsdenken haben KuJ auch schon aufgesogen und gehen in diesbezüglich in Erwartungshaltung.

Jacke anziehen, Schnürsenkel binden, Nahrungsmittelkunde, evtl. Kochen und Backen, vielleicht demnächst noch: wie tanke ich ein Auto, wie prüfe ich Luftdruck, was bedeutet ein MHD, wie wechselt man eine Glühbirne, wie beziehe ich ein Bett und wie bediene Waschmaschine und Trockner…

Es wird einfach immer absurder. Die Eltern sollten ihrer Pflicht nachkommen, ihre Kinder aufs Leben vorzubereiten. Ja, das ist Stress, ja, es kostet Zeit, ja, dafür haben sie die Verantwortung.

Eltern, die diese Verantwortung wahrnehmen, erkennt man schnell an deren selbstständigen und auf angenehme Art und Weise selbstbewussten Töchter und Söhne.

(Ja, ich habe es überspitzt, ja, es war Abasicht)

G. P.
2 Monate zuvor

So lange es keine Kitapflicht gibt, können Grundschullehrer auch nicht erwarten, dass Kinder über bestimmte Fähigkeiten verfügen müssen, wenn sie in die Schule kommen. Aus diesem Grund sollte auch kein Druck in Richtung Kitas aufgebaut werden. Jeder, der mit Kindern zu tun hat, weiß, dass sie sich am besten ohne Druck entfalten. Und diesen Druck sollte man nicht in Kitas aufbauen und die Kinder Kinder sein lassen.

Marie
2 Monate zuvor
Antwortet  G. P.

Na, dann sehen Sie sich mal den neuen Lehrplan von NRW an. Dort werden z.B. in Mathematik explizit ganz bestimmte Vorläuferfähigkeiten aufgeführt, die mit Eintritt in die GS erwartet werden, egal, ob Kinder in der KiTa waren oder nicht.

Kathrin
2 Monate zuvor
Antwortet  Marie

@Marie: Den neuen Lehrplan lese ich anders. Die Vorläuferfähigkeiten sollen in der 1. Klasse trainiert werden, bevor man mit dem lehrgangsmäßigen Unterricht beginnt. Falls nicht vorhanden, sind wir also für die Vermittlung zuständig.

Marie
2 Monate zuvor
Antwortet  Kathrin

Es heißt dort: „Diese Vorläuferfähigkeiten werden in der Schule aufgenommen und individuell weiterentwickelt.“ Sie sollen also schon vorhanden sein.

Silke
2 Monate zuvor

Angelika, du hast es auf den Punkt gebracht!
Ich bin selbst Erzieherin mit Herz und Seele. Doch werde ich mich nicht zur Sklavin des Systems machen.
Es ist unmöglich die Aufgaben ohne genügend Personal und Ressourcen zu erfüllen. Die erweiterten Betreuungsangebote und die Erhöhung der Gruppengrößen sind politische Luftschlösser. Ich gehe davon aus das immer mehr ungeschultes Personal in den Einrichtungen tätig sein wird. Ich selbst kann die Erzieher nur ermutigen zu erkennen wieviel Potenzial in ihnen steckt. Da wir vielseitige Fähigkeiten haben und alle einen durchschnittlichen IQ haben, der nicht durch ein Studium festgesetzt wird, ist es uns möglich auch in anderen Berufsfeldern Fuß zu fassen.
Da ich schon ein paar Tage als Erzieherin tätig bin, kann ich sagen das viele Erzieher ein Abitur besitzen oder studiert haben.
Es interessiert mich nicht was man über Erzieher sagt. Ich weiß wer wir sind- engagiert!
Vielen Dank an alle Kinder, es ist so schön mit Euch zu lachen !
Wer geborgen und mit viel Liebe aufwächst, dem öffnet sich die Welt mit all seinen Möglichkeiten.

Angelika
2 Monate zuvor
Antwortet  Silke

Danke. Und es ist so wichtig, dass wir unverplante Zeit für die Kinder haben. Viele Kinder kennen das schon gar nicht mehr von ihren Erzieherinnen. Die Zustände sorgen dafür, dass Kinder, die aktiv werden und Aufmerksamkeit auf sich lenken können, mehr bekommen. Andere werden zu wenig beachtet.

Ein Beispiel: Als Springerin setze ich mich selbstverständlich so an den Frühstückstisch, dass ich die Kinder und den Raum möglichst gut im Blick habe. – Und immer wieder kommen Kleinkinder von hinten an, fassen mir (erst mal bin ich für sie eine Fremde!) obwohl sie mich nicht kennen, vertrauensvoll ins Gesicht und ziehen mein Kinn zu sich. Sie wollen intensiven Blickkontakt und nicht, dass ich woanders hinsehe. Sie wollen am Hals meinen Pulsschlag spüren. Gerade die Kleinsten sind sehr sinnlich orierntiert – und es wird so getan, als würden sie von einer Art Premium-Bildung in ihrer Kita enorm profitieren. – Den Kindern aber ist ein freier Schoß wichtig und sie wollen nicht so früh abgesetzt werden, wie es das Geschehen im Gruppenalltag immer wieder verlangt.

Silvia
2 Monate zuvor

Ich verstehe beide Seiten! Ich liebe meinen Job als Krippenleitung. Und danke Angelika für diesen erfrischenden Beitrag! Kita ist nämlich, was man draus macht! Übrigens, auch das Leben.
Natürlich hat nicht jeder die gleichen Bedingungen. Das merke ich auch bei meiner täglichen Arbeit. Ein Schwerpunkt unseres Trägers ist die Bildungsgerechtigkeit.
Aber tatsächlich frage ich mich zur Zeit sehr oft: Wo ist die Leidenschaft für den Beruf hin? Und Apropos Wertschätzung! Die benötigen vor allem die Kinder! Eine achtsame und gleichwertige Begleitung. So oft werden unsere Kinder noch erniedrigt, bestraft, nicht für voll genommen,… . Was heißt überhaupt für die Schule vorbereiten? Kitas entwickeln seit Jahrzehnten ihre Pädagogik weiter, wenn auch leider nicht flächendeckend. Und tatsächlich kommt es bei vielen pädagogischen Fachkräften nicht an! Das ist wirklich ein Problem in den Kitas! Die pädagogische Qualität lässt in vielen Einrichtungen zu wünschen übrig!
Aber das System Schule hat sich kaum verändert und es wird erwartet dass sich die Kinder anpassen.
Wie sagt der Gehirnforscher Gerald Hüther so schön: Kinder, mit einem guten Abschluss sind nicht besonders intelligente Kinder, sondern besonders angepasste Kinder. Das sind nicht die Menschen die wir in für die zukünftigen Herausforderungen unseres Lebens benötigen!
Wir müssten es doch besser. Wir wissen heute, wie Kinder lernen. Wir wissen heute, wie wichtig Schlüsselqualifikationen sind. Wir wissen heute, wie wichtig eine psychische Gesundheit ist. Trotzdem wird meines Erachtens immer noch die „Trichtermethode“ angewandt. Leider verlieren die Kinder auf diese Weise das Interesse und die Freude am Lernen.
Gott sei Dank gibt es auch engagierte Lehrer und Offenheit für neue Lernmethoden!
Ich möchte jetzt auch nicht alle LehrerInnen an den Pranger stellen, im Gegenteil! Ich habe, bis auf wenige Ausnahmen, alle LehrerInnrn meiner Tochter (bisher sieben Jahre Erfahrung in der Schule) als kompetent, engagiert, und tatsächlich auch wertschätzend erlebt. Für mich passt das immer gar nicht zusammen, diese wohlwollende Haltung gegenüber den SchülerInnen und dann der Stoff, der irgendwie in die Hirne hinein muss!
Wenn ich Die Schulhefte meiner Tochter durchblättere, finde ich meist interessante Themen. Ich weiß aber auch, dass sie mich in ihrem Alter noch nicht interessiert haben und kann nachvollziehen, dass es für sie mühsam ist, sie zu lernen.
Ich denke, der Mensch sollte eigenständiger lernen können. Dann tun Sie es mit Freude und Leichtigkeit!

Angelika
2 Monate zuvor
Antwortet  Silvia

Hallo Silvia,

schade, dass es hier keinen Fettdruck oder Kursivdruck gibt. „Und Apropos Wertschätzung! Die benötigen vor allem die Kinder! Eine achtsame und gleichwertige Begleitung.“ – Diese Formulierung finde ich wunderschön. Leider fallen mir spontan zahlreiche Beispiele ein, die zeigen, dass es an der Wertschätzung der Kinder hapert. Keine Lüftungsanlagen. Hallende Kita-Container, in denen der Schall wabert, wodurch die Verständigung dauerhaft ebenso erschwert ist wie mit einer Maske… Wie sah eigentlich der Corona-Alltag in städtischen Kitas ohne ein eigenes Außengelände aus? – Das alles war kein Thema für die Medien.

Wir irren vorwärts
2 Monate zuvor

Ich gebe diewieder teilweise recht. Habt ihr schon Mal genau hingeschaut welche Kinder in den Einrichtungen sind? Der größte Teil trägt mit fast 3 Jahren noch Windeln, viele haben Entwicklungsverzögerungen oder sind in der Sprachentwicklung hinterher. Die Ernährung besteht aus Toastbrot und Süßigkeiten. Grenzen setzten kennen die Kinder von zu Hause nicht und wenn eine Erzieherin das tut, wird sie von Eltern angeklagt. Liebe soll sie sich treten und anspucken lassen. Wenn ich die Bedingungen kritisiert habe und bekam ich Drohungen und einen“Maulkorb“von oben. Ich liebe meinen Beruf, aber es gibt nicht nur den Beruf. Ich arbeite um zu leben. Nicht umgekehrt. Da der Wille Seitens der Politik nicht da ist, etwas zu ändern, würde ich mir mehr Unterstützung von den Eltern wünschen. Es sind die Rechte Ihrer Kinder für die sie sich einsetzten.

Timma
2 Monate zuvor

Die geringe Wertschätzung in diesem Berufsfeld ist auch typisch für einen „“ Mehr- oder Weniger typischen Frauenberuf““. So lange dieser Beruf für eine Ausbildungs- bzw Studienzeit von 5 Jahren(!) mit einem unterdurchschnittlichen Gehaltsniveau sich begnügen muss, werden sich wohl auch kaum Männer in dem Berufszweig wiederfinden.
Das gute neue Kita Gesetz mit seinen grenzenlos ausgebauten, freien Betreuungs Angebot hat die Arbeitsbedingungen der Erzieherinnen nur deutlich verschärft und verschlechtert. Ein Ende der Situation ist leider nicht in Sicht!
So bin ich Eine der Fachkräfte die Ihren Beruf zwar geliebt und gerne ausgeführt hat, aber das nicht um jedem Preis.
Unsere Kinder sollten uns Allen viel mehr wert sein, als eine „Massenabfertigung“ und „Aufbewahrung“!
Um der Politik ihr herbeigeführtes Dilemma aufzuzeigen und wach zu rütteln, sollten viel mehr Fachkräfte aus diesem Berufsfeld aussteigen.

Realist
2 Monate zuvor
Antwortet  Timma

„Die geringe Wertschätzung in diesem Berufsfeld ist auch typisch für einen „“ Mehr- oder Weniger typischen Frauenberuf““.“

Sicherlich ein wichtiger Aspekt in dem ganzen Problemfeld „Bildung / Erziehung“. Kitas und Grundschulen waren schon immer „frauendominiert“, mittlerweile setzt sich das auch an den weiterführenden Schulen fort, z.B. die Neueinstellungen am Gymnasium gehen auch in Richtung 2/3 Frauen.

Warum verschlechtern sich die Bedinungen in „Frauenberufen“ immer weiter (gilt ja auch für die Pflege, wo auch mehrheitlich Frauen arbeiten). Meine Vermutung ist, dass sich Frauen leichter von leeren Versprechungen („Bildungsrepublik Deutschland“ usw.) blenden lassen, da sie eher an „das Gute im Menschen“ glauben. Außerdem gibt es wohl noch so eine Art „Fürsorgeinstinkt“, was dazu führt, dass man die „Klienten“ (Kinder, Schüler, Pflegebedürftige) allen Widrigkeiten zum Trotz nicht hängenlassen will.

Männlich dominierte Berufsfelder (Musterbeispiel: Metallindustrie) haben da keine Probleme mit, für ihre Interessen zu streiken. Die lassen sich auch weniger auf hohle Versprechungen ein, sondern fordern konkrete Zusagen, welche dann auch in den Tarifverträgen stehen oder in Form von Beschäftigungsgarantien durchgesetzt werden.

Kurze Formel (klingt hart, ist aber so): Frauen lassen sich leichter ausnutzen als Männer.

Rundag
2 Monate zuvor

Vielleicht sollte man schlichtweg einmal das sogenannte hochgelobte Bildjngspaket, wie in Bayern angeordnet, einmal überlegen. Dieses System und das wad in der Schule dann erwartet wird kollidiert gewaltig. Ich bin seit 1978 in dem Beruf, seit 24 Jahren nunmehr in der Behindertenarbeit, davon seit 15 Jahren in einer Frühförderstelle als heilpädagogische Therapeutin. Die Kinder stehen doch nur noch unter Leistungsdruck und Anfirdrtungen. Die psychischen Auffälligkeiten nehmen deutlich zu.

Marion
2 Monate zuvor

Vielleicht sollten wir Erwachsene uns mal wieder mehr auf UNSERE Kernkompetenzen gegenüber den Kindern konzentrieren, die da wären: Zuwendung, Liebe, Geborgenheit geben, Interesse zeigen, ein sicheres, anregendes Umfeld schaffen und die Kinder darin ihr eigenes Ding machen lassen. Im Gegenzug dazu: Weniger frühkindliche Massenkindhaltung, weniger Fokussierung auf angebliche Defizite, die sich später oft von selbst erledigen, weil eben jedes Kind sein eigenes Entwicklungstempo hat – kurz gesagt: weniger Optimierungswahn, weniger Beschäftigungs-Angebots-und Projekte -Hype, dafür mehr Hinhören – und sehen, was die Kinder gerade wirklich brauchen.
Die brauchen gar nicht immer Erwachsene, die ihnen das Entwickeln eigener Ideen abnehmen, oft brauchen sie nur einen kleinen Impuls und schon sprudeld die eigene, bereits vorhandene Kreativität von ganz alleine. Man muß nur da sein und ZEIT HABEN!!! Mit ihnen spielen, basteln, toben, vorlesen, singen und gerne auch einfach mal ein bißchen Unsinn machen. Oh, ich sehe schon, wie sich Emil wieder die Nackenhaare sträuben.
Aber ob sie’s glauben oder nicht , Emil – SO lernen Kinder, nicht nur für die Schule, sondern für’s ganze Leben.
Und jetzt höre ich mal wieder für eine Weile auf mit Kommentieren auf news4teachers.
Es kostet nämlich eine Menge Lebenszeit und ändert nichts an der Realität, in der alles aus den Fugen gerät, weil ein Großteil der Menschheit offenbar komplett seinen gesunden Menschenverstand verloren hat.

Echt
2 Monate zuvor
Antwortet  Marion

Sie haben es gut auf den Punkt gebracht. Zuwendung und echte Aufmerksamkeit von Menschen, die dem Kind etwas zutrauen und ihm sein Tempo lassen sind die Basis für eine gesunde Entwicklung. Leider entwickeln sich die gesellschaftlichen Realitäten, getrieben von wirtschaftlichem Effektivitätsdenken, ist eine andere Richtung. Für ein echtes Miteinander fehlen Zeit und Aufmerksamkeit. Das tut den Kindern und ihren Familien, also der gesamten Gesellschaft nicht gut. Die Kinder halten uns nur den Spiegel vor. Sehen will das nur niemand von denjenigen, die das Hochlied auf die Wirtschaft singen, ohne die langfristigen gesellschaftlichen und somit auch wirtschaftlichen Folgen bedenken zu wollen.

Lena
2 Monate zuvor

So bissig der Kommentar meines Vorschreibers/meiner Vorschreiberin auch anmuten mag, stimme ich in einigen Punkten zu. Wer definiert Wertschätzung und Anerkennung wie? Ohne konkrete Zielvereinbarungen und bundesweite Bereitschaft zu Streik (wozu wir jedes Recht hätten), ohne die Bereitschaft sich an Träger, Kommunen, ja auch an die eigene Leitung zu wenden, kritisch und hinterfragend, wird das nichts. Wir schwimmen weiterhin mit, mit der einzigen Neuerung jetzt all jenen eine Plattform zu bieten, die weder besser qualifiziert, noch tatsächlich kompetent sind, aber jammern, lamentieren und sich als Opfer stilisieren. Mich ärgert es, in Kitas und anderen Institutionen den immer gleichen Typ ErzieherIn zu sehen, der das Bild unseres Berufes maßgeblich so negativ geprägt hat. Wendehälse ohne jede Ambition. Mehr Geld wollen sie haben, weniger Arbeit, möglichst Anerkennung von allen Seiten etc. Wird sich dafür in Politik stark gemacht? Selten. Erfolgt der Schluss sich zu qualifizieren und unabhängiger zu machen? Auch kaum. Wird die Kröte geschluckt, dass Weiterbildungen nicht gleich bedeutend mit einer besseren Eingruppierung einhergehen? Definitiv. Alleine, dass wir nur marginal von Verdi und GEW vertreten werden, zeigt, da ist Luft nach oben. Und die jungen Leute gehen nach fünf Jahren freiwillig nochmals an die Uni und treten die Flucht an. So bleibt der Urschleim unter sich und meckert hinter der berühmten Kaffeetasse. Nur etwas zu ändern, vermag er leider nicht.

Emil
2 Monate zuvor

Dieser Sturm im Wasserglas ist schon erstaunlich.
Habe ich doch nichts anderes gefordert als verbindlich He Qualitätyüberprüfungen, am besten von außen. Und das in Beziehung gesetzt zu den Forderungen nach Grundschullehrer Gehalt.

Von außen gesteuerte Qualitäts_ und Ergebnisüberprüfungen sind völlig normal im Berufsleben. In der Wirtschaft und im ö. Dienst. Im System Schule gibt es gleich mehrere Varianten. PISA, Vera, Qualitätsanalyse.
Glaubt irgendjemand, dass das fallen gelassen wird, weil Lehrer über Überlastung klagen?
Und warum sollte das dann im KIGA so sein???

In all den Kommentaren ist häufig darauf hingewiesen worden, was alles die Eltern leisten sollen. Was dagegen wird denn nun in 5 Jahren frühkindliche Bildung verbindlich vermittelt???? Und warum soll das nicht überprüft werden. Nicht auf Papier als Standard aufgeschrieben, sondern überprüft, ob das wirklich erreicht wurde.
Eine Antwort darauf sind bisher alle schuldig geblieben……

Katrin
2 Monate zuvor
Antwortet  Emil

Mich (Kitaleitung in BW) wundert, wie schlecht Sie informiert sind. Auch in Kindergärten wird längst mit verbindlichen Qualitätsmanagements-Instrumenten gearbeitet und diese werden auch regelmäßig überprüft. Erstaunlicherweise findet hier dann darauf aufbauend auch durchaus Weiterentwicklung statt. Meine beiden Kinder (24 und 7 Jahre alt) waren beide in der selben Kita und in der selben Grundschule. Während in der Kita die pädagogische Grundhaltung modernen neurowissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechend eine Kehrtwende von der starren, angebotsorientierten Arbeit in Gruppen es hin zu einer kindzentrierten, offenen, auf die Interessen und Bildungsbemühungen der Kinder ausgerichteten geschafft hat, haben sich die Arbeitsblatt-Angebote der Grundschule leider kein bisschen geändert. Dort wird noch immer sehr klassisch und an jeder Begabung des Kindes vorbei gelehrt. Was bietet man einem Kind an, dass in Mathe oder Deutsch schneller ist als der Rest der Klasse? Nicht etwa, sich weiterzuentwickeln in seinem eigenen Tempo. Nein, es kann sich von der selben Art 5 weitere Arbeitsblätter holen, um das, was es ohnehin schon kann, einfach so lange nochmal zu machen, bis die Zeit überbrückt ist. Das nenne ich mal qualitativ hochwertigen Unterricht. Da wurde mit der Qualitäts- und Ergebnisprüfung viel angefangen.
Auch jenseits von schlechten Rahmenbedingungen leisten wir eine ganz an den Bedürfnissen junger Kinder orientierten qualitativ hochwertige Kindergartenarbeit – da spreche ich für meine Kita sowie für viele andere Kitas, mit denen ich vernetzt bin. Auch sind wir (leider oft einseitig) sehr bemüht darin, den Kindern und Familien einen guten Übergang in die Grundschule zu ermöglichen. Jedoch nicht, die „Einlassbedingungen“ der Schule zu erfüllen. Unsere professionelle Auffassung von Pädagogik sieht vor, jedes Kind, das zu uns kommt, anzunehmen, wie es ist. Mit all seiner Individualität. Diesen Gedanken der Inklusion wünschte ich mir auch in der Schule fortgesetzt zu sehen. Das wäre für mich ein deutliches Zeichen für Qualität in allen Bildungseinrichtungen.

Karina
2 Monate zuvor
Antwortet  Katrin

Danke, so und nicht anders .

Angelika
2 Monate zuvor
Antwortet  Emil

Hallo Emil,

von mir wirst du nicht hören, dass die Eltern alles leisten sollen – obwohl ich der Meinung bin, dass viele Kinder bloß nicht so früh und lange in einer Institution betreut werden sollten, wie es heute üblich ist. Bedingt durch den Schichtdienst und durch Teilzeitarbeit erleben Kleinkinder viele Personalwechsel, worunter die Fähigkeit sich an Menschen binden zu können, leiden kann. Manche Kinder werden dann noch nach 45 Stunden von einer Kinderfrau oder einem Aupair abgeholt…

Auch finde ich es schade um das Geld, das für Evaulationen ausgegeben wird. Die Zeit, die zum Ausfüllen der 1789 Fragen aufgewandt wird bringt wahrlich nicht die erhofften Erfolge und schaumschlägerisches „Qualitätsmanagement“ begünstigt es noch, dass Fachkräfte sich auf falschen „Lorbeeren“ ausruhen. Hauptsache sie wurden wieder „rezertifiziert“. Alle (drei) Jahre wieder! Doch von etwas mehr Geld als Köder sollten wir uns nicht korrumpieren lassen.

Nachdem in der Pandemie schon eine Menge Geld quasi verbrannt wurde, hoffe ich darauf, dass Kindergartenleitungen sich darauf besinnen, dass es jetzt an der Zeit ist, Tacheles zu reden. Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich diese schaumschlägerischen Zertifikate, die so überflüssig wie ein Kropf sind, zurückgeben.
Übrigens fand ich als Springerin unzertifizierte Kindergärten besser für Kinder als „multizertifizierte“.

Gudrun
2 Monate zuvor

Hallo Emil, ich habe sechs Jahre in der Vorschule gearbeitet, Kinder aus dem letzten Kindergartenjahr. Es gab zwei Entwicklungsgespräche in diesem letzen Kindergartenjahr. Vor dem zweiten Gespräch habe ich mit dem Test von Barth „Die Diagnostischen Einschätzskalen“ -DES-gearbeitet, das ist zur Beurteilung des Entwicklungsstandes und der Schulfähigkeit. Danach habe ich mit den Eltern dies ausgewertet, für den täglichen Morgenkreis habe ich mit Wahrnehmungsübungen /Gleichgewichtsprogramm von Dorothea Beigel gearbeitet. Habe drei Einheiten zusammen mit einer sehr gut geschulten Ergotherapeutin gemacht, die noch mal auf frühkindliche Reflexe geschaut hat und wir haben geschaut, welche Kinder brauchen noch welche Übungen um bestimmte Reflexe abzubauen. Das Wissen dazu, habe ich mir selbständig erarbeitet und die Bücher habe ich mir selbst gekauft. Dann gab es noch mal zwei Tage wo wir mit den Grundschullehrerin ein Bewegungsprogramm gemacht haben, dabei haben nochmal die Lehrer auf die Kompetenzen geschaut. Ich habe die Eltern gebeten, im letzten Jahr den Kindern nur Schuhe mit Schleifen anzuziehen, denn wir haben hier Zeit zu üben. Ausserdem haben die Kinder Spaß gehabt, die es schon konnten, den anderen es beizubringen. Die es noch nicht konnten, waren motiviert es zu lernen, da es ja ihr Freund schon konnte. Auch das Freispiel gab es jeden Tag nach dem Morgenkreis oder nach den Angeboten. Ich konnte diese Kinder dann beruhigt in die Schule entlassen. Mein Träger hat sich noch nicht mal interessiert, warum ich die mache, das fand ich sehr schade. Zu unserem Aktivitäten zählte jeden Freitag eine Wanderung, Schwimmtraining und Fahrradtraining. Die Abschlussfahrt betrug etwa 15 Kilometer. Es sind alle Kinder mitgefahren. Mittlerweile arbeite ich nicht mehr als Erzieherin sondern als Familientherapeutin bei einem anderen Träger. Ich finde es nach wie vor gut, nachvollziehbare Standarts zu haben um die Schulfähigkeit fördern zu können. Besonders wichtig, war mir immer das fördern des Gleichgewichtssinn. Ich muss aber sagen, von einigen Fachfrauen wurde ich ziemlich fragend und skeptisch beäugt, sie hätten „dies alles nie gemacht“, gerade wenn was passiert beim Fahrradfahren…

Marion
2 Monate zuvor

Ich habe gestern geschrieben, nicht mehr kommentieren zu wollen. Aber wenn ich all das hier lese, kann ich meine Klappe einfach nicht mehr halten.
Seit dreißig Jahren bin ich nun im Beruf.
Schon vor zwanzig Jahren ging es los, daß die erstan Kitas mit sog. „offenen Konzepten“ experimentiert haben.
Irgendwann dann, wurde diese Art des Arbeitens fast überall favorisiert, auch in der einschlägigen Fachliteratur wurde für das „offene Arbeiten“ geworben. Jeder, der sich dem nicht anschließen wollte, wurde als rückständig und nicht offen für Neues belächelt. Es wurde auf die angeblich altmodischen „Basteltanten“ mit ihren öden Kreis-und Fingerspielen herabgeblickt.
Experimentieren war angesagt, um sich die Plakette „Haus der kleinen Forscher“ an die Eingangstüre hängen zu können und alle möglichen anderen Zertifikade, die einen als besonders fortschrittlich dastehen ließen. Was auf der Strecke blieb, ist genau das, was die sog. Basteltanten mit den Kindern noch „trainiert“ haben. Nämlich die Basisfertigkeiten, die Kinder brauchen, um im Schulalltag zurechtzukommen.
Jetzt müssen sich diejenigen, die die vermeintlich so überlegene „offene Arbeit“ schon immer mit einer gewissen Skepsis betrachtet haben, die auch weiterhin „Vorschule“ gemacht haben, obwohl auch das von den, ach so Fortschrittlichen belächelt wurde, hier beschimpfen lassen, daß sie zu blöd wären, die Kinder vernünftig auf die Schule vorzubereiten. Wisst ihr was – streitet euch hier weiter rum, wie die Kesselflicker, ich mach in Zukunft das, was ich schon immer gemacht habe: Mit den Kindern arbeiten, wie ich es für richtig halte.
Das tun, was mir Herz und Verstand eingeben und all die Meckerer, die Zauderer, die Neunmalklugen und Besserwisser ignorieren.

mama51
2 Monate zuvor
Antwortet  Marion

Liebe Marion,
volle Zustimmung – sehr gut beschrieben!

Ich möchte noch ergänzen, dass u. a. durch „das offene Konzept“ leider auch ein wesentlicher Teil der vorschulischen Kompetenzen flöten geht: Warten bzw. Abwarten auf etwas oder wegen jemandem können die Kids mehrheitlich leider auch nicht mehr. Durch die sofortige (!) Bedürfnisbefriedigung, wenn die Kinder etwas (haben) wollen / nicht wollen, tun möchten, nicht tun möchten, … wird sofort, also wirklich umgehend im Sinne des kleinen Rackers gehandelt und reagiert. Für die Schule ist das schädlich, denn dort ist das Wunschkonzert nun mal nicht umsetzbar und auch nicht gewollt!

Angelika
2 Monate zuvor
Antwortet  mama51

Das offene Konzept wird von einigen Trägern angeordnet. Man kann eklatanten Personalmangel unter einem offenen Konzept besser verschleiern. Dabei erfordert eine gute Arbeit im Rahmen eines offenen oder teiloffenen Konzepts eingentlich mehr Personal.
Mein aufrichtiges Mitgefühl mit Erzieherinnen, die weisungsgebunden mehrere Wochen im Kreativraum, der Tobehalle, der Zukunftswerkstatt oder wo auch immer Dienst haben. (Braucht man für so etwas eine lange Ausbildung?)
Von einer Berufskollegin weiß ich, dass sich das Team wegen der Weisungen von oben an die Kindergartenfachberatung gewandt hat. Mit dem Ergebnis, dass die Fachberatung die Empörung der Erzieherinnen über die Umorientierung der Trägers nicht verstehen konnte. Sie fand es nicht schlimm, dass immer im Wechsel jemand ein paar Wochen lang für „Wickeln und Wasserspiele“ zuständig war. Sie meinte doch glatt, dass sie es sich schön vorstelle, so viel Körperkontakt zu den Kindern zu haben.“ – Die Angestellten aber dachten an „Wickeln im Akkord“ und „Scheißjob“.

Angelika
2 Monate zuvor
Antwortet  Marion

Hallo Marion, die „Meckerer“ meckern aber auch oft mit Herz und Verstand. Das gilt zumindest für mich.

Anne
2 Monate zuvor
Antwortet  Marion

Zu „offenem Arbeiten“ können Grundschullehrer auch ein Lied, wenn nicht gar ein ganzes Liederbuch, singen.

Sylvia
2 Monate zuvor

Lieber Emil,
es gibt in allen Bundesländern Leitlinien für den Bildungsauftrag in den Kindertagesstätten. Das solltest Du als Grundschullehrer wissen. Genauso wenig, wie Du Dein „Bildungsprogramm“ durchziehen kannst, die pädagogischen Fachkräfte in den Kitas können es noch weniger. Genau wie Du, müssen wir die Kinder da abholen, wo sie stehen.,
Ich arbeite seit 20 Jahren als Erzieherin, habe den Beruf mit viel Idealismus bewusst gewählt (nachdem ich 20 Jahren in der freien Wirtschaft gutes Geld und gute Arbeitsbedingungen hatte). Damals wurden die ersten PISA-Studien veröffentlicht und es wurde unisono konstatiert, dass Deutschland mehr Geld in die Bildung investieren muss.
Und da Bildung ja schon vor der Schule beginnt, inzwischen vor der Kita, nämlich in der Krippe, wurde zwar investiert, aber nahezu ausschließlich in die Quantität, und nicht in die Qualität.
Die Eingangsvoraussetzungen haben sich in den über 20 Jahren, in denen ich als Erzieherin arbeite, dramatisch geändert. Das beginnt damit, dass in jeder Gruppe Kinder aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen und viele verschiedene Sprachen gesprochen. Ein Morgenkreis mit Gesprächen, was z.B. am Wochenende erlebt wurde, gestaltet sich anders, als wenn alle Kinder eine Sprache sprechen.
Päd. Fachkräfte befinden sich in einem ständigen Spannungsfeld zwischen den Erwartungen der Kinder, deren Eltern, der Kollegen, der Leitung, des Trägers und den eigenen.
Zeit für Reflexion, für fachlichen Austausch wurde von Jahr zu Jahr knapper, nahezu 100% der Arbeitszeit wird inzwischen für die „Arbeit am Kind“ verplant, für die mittelbare päd. Arbeit gibt es kaum Zeit.
Das ist ist im Bereich Schule deutlich anders – ich habe einige Zeit in verschiedenen Bereichen an Schulen gearbeitet – und muss sagen, dass Lehrkräfte trotz aller auch an sie gestiegener Anforderungen auf einem hohen Niveau „jammern“ (deutliche Unterschiede in der Bezahlung, der sozialen Absicherung, der Regenerationszeiten = Ferien!).

Und ja, der Fachkräftemangel führt/e dazu, dass auch ich Kolleginnen hatte, die weder von der menschlichen als auch von der fachlichen Qualifikation in diesem Beruf nicht gut aufgehoben waren. Ich habe Kita-Träger erlebt, die sagten, dass sie alle einstellen (müssen), die sich auf eine freie Stelle bewerben.

Um meine Gesundheit möglichst bis zum Eintritt des Renteneintrittsalters zu erhalten, habe ich die Konsequenzen gezogen und habe mich beruflich neu orientiert. Und das obwohl ich die Aufgaben von Herzen geliebt habe. Aber da Rahmenbedingungen müssen stimmen – und sie stimmen immer weniger. So KÖNNEN die Kräfte im frühkindlichen Bildungsbereich nicht gut und gesund arbeiten.

Krempe
2 Monate zuvor

Ja, die Kinder kommen immer unvorbereiteter in die Schulen, da möchte ich garnicht wiedersprechen. Das traurige ist eigentlich das alle Gruppen den Schwarzen Peter nur abgeben wollen. Die Pädagogischen Fachkräfte an den Kitas verteidigen sich und sagen sie sind oft weisungsgebunden und müssen die Kinder da abholen wo sie stehen wenn sie in die Kitas kommen und haben zu wenig Personal und zu wenig Zeit. Die Lehrer sagen sie sind weisungsgebunden und müssen mit den Kindern da weiterarbeiten wo die Kinder nach der Kita stehen. Die Eltern sagen sie müssen beide ganztags Arbeiten damit genug geld da ist.

Das Problem ist einfach das alles davon stimmt und nicht die Ressourcen und Möglichkeiten geschaffen werden mit diesen Problemen umzugehen.
Die meisten Eltern würden gern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Viele Eltern sind aber unglaublich unsicher im Umgang mit ihren eigenen Kindern und wollen lieber der beste Freund als ein Elternteil sein. Früher hat die ganze Großfamilie das Kind miterzogen und die neuen Eltern von den anderen gelernt, heute gibt es diese Möglichkeit nichtmehr und viele Eltern sind überfordert und haben nicht das nötige Handwerkszeug um mit den Herausforderungen umzugehen.
Die Pädagogischen Fachkräfte würden die Kinder gern besser auf das was kommt vorbereiten und ihnen den best möglichen Start garantieren, haben aber teilweise nicht die nötigen Vorraussetzungen für die immer weiter steigenden Ansprüche und meistens nicht die nötige Zeit.(Wer sich mal anschaut wie sich die Arbeit in Kindergärten etc in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert hat kann vlt. nachvollziehen warum das so ist) Was von der sowieso schon viel zu knapp bemessenen Verfügungszeit nach Vertretungen am Kind noch übrig ist wird für Elterngespräche, Teamzeit und Vorbereitung der Elterngespräche benötigt. Da bleibt meist nichts übrig um die Arbeit am Kind vorzubereiten. Zusätzlich muss oft an klaren Basics (Sozialverhalten, Emotionen kontrollieren, etc.) mit den Kindern so viel gearbeitet werden das für Bildung immer weniger zeit bleibt. Mal völlig davon abgesehen das es auch hier ist wie in der Schule und eben nicht alle Kinder aufnehmen was man mit ihnen macht.
Die Lehrer haben einen klaren Lehrplan der innerhalb einer klaren Zeitvorgabe abgearbeitet sein muss. Sie kämpfen (nach allem was ich so höre) mit genau den gleichen Problemen wie die pädagogischen Fachkräfte an den Kitas und Krippen.

Das ganze ist also ein ganzheitliches Problem und nicht das Problem einer einzigen Institution oder Gruppe.
Hier muss einfach mehr Geld in angemessene Bezahlung und Ausbildung gesteckt werden um genug gute Fachkräfte für Schulen und Kitas heranzuschaffen. Die Bezahlung und die Aufstiegsmöglichkeiten sind den Anforderungen in keinster Weise angemessen und somit gibt es einfach zu wenig gute Leute die diese Berufszweige einschlagen und auch dabei bleiben.
Die Zusammenarbeit zwischen Kitas und Schulen muss deutlich verbessert werden um eine Chance zu haben den Ansprüchen und Herausforderungen die unsere heutige Gesellschaft stellt gegenüber treten zu können. Zusammen haben die Einrichtung die Chance dazu, alleine wird jeder versuch kläglich scheitern.

LG Krempe

Angelika
2 Monate zuvor
Antwortet  Krempe

Wobei wir vielleicht besser mal nicht so tun sollten, als ob immer weisungsgebunden gearbeitet würde. Zumindest im Rheinland ist das nicht der Fall. Als eine Freundin als Grundschulleiterin erstmals nach einem veralteten Computersystem jede Menge Angaben abgeben musste, hat sie sich in rechnischer Hinsicht erst mal von ihrem Sohn beraten lassen und auch noch von einer erfahreren Rektorin. Letzteres vereinfachte die Übermittlung der Daten ernorm. Also Jungen haben ja meist mehr Probleme mit dem Spracherwerb. Deshalb habe ich das dann so … angegeben und bei Mädchen dann eine geringere Zahl eingetragen… Auf diese Weise entstehen Statistiken.
Ich weiß von Kitas, in denen über längere Zeiträume in einzelnen Gruppen keine Bildungsdokus geführt wurden. Und niemand hat dies beanstandet. Immerhin fiel auf, dass die Erzieherinnen mehr Zeit für die Kinder hatten… Ich würde mich richtig mies fühlen, wenn ich mich darauf berufen würde, weisungsgebunden gearbeitet zu haben, wenn mir die Weisungen falsch erscheinen.

Da ErzieherInnen keinen Beamtenstatus zu verlieren haben, ignorieren sie vielleicht eher schon mal etwas. So werden Reste vom Mittagessen zum Beispiel in vielen Kitas nicht weisungsgemäß weggeworfen. (Früher wäre man wegen Verschwendung kritisiert worden.)

Krempe
2 Monate zuvor
Antwortet  Angelika

Da muss ich ihnen durchaus recht geben. Wenn große Personelle schwierigkeiten bestehen fallen zuerst Dokumentationen und dergleichen weg, da jede Hand am Kind benötigt wird um die Kita überhaupt geöffnet zu halten. Es gibt viele Kitas in denen dies immer mehr der Fall ist. Das ist mit Sicherheit nicht gut und sollte unbedingt vermieden werden, aber immernoch besser als wenn die Gruppen geschlossen werden müssten.

ysnp
2 Monate zuvor
Antwortet  Krempe

Danke für Ihren interessanten Beitrag.
Zu unserer Arbeitszeit als GS- Lehrkräfte muss ich noch etwas bemerken:
Der Unterschied in der Arbeitszeit ist vielleicht, dass wir Lehrer leider nicht auf unsere tatsächliche Arbeitszeit schauen können und ständig Überstunden machen, weil wir sowohl gut vorbereitet sein müssen als auch Teamgespräche, Elterngespräche, Schulprojekte usw. abarbeiten müssen. Wir können keine/wenig Abstriche in der Vorbereitung machen und die vom Arbeitsgeber berechnete außerunterrichtliche Arbeitszeit reicht lange nicht mehr für die ganzen Aufgaben in der Grundschule. Ein Tag am Wochenende arbeite ich mindestens zusätzlich. Bei uns ist die Zusammenarbeit mit Kindergärten verpflichtend – für Grundschullehrkräfte aus Klasse 1/2 zusätzliche, nicht bezahlte Arbeitszeit.
Es ist so oder so auffallend, dass andere Berufe eingeplante Teamzeiten haben, mir geht das so, wenn ich ein Gespräch mit Therapeuten habe, muss ich quasi mit denen einen Termin in ihrer „Bearbeitungszeit“ (oder wie es genannt) wird, ausmachen. Bei mir ist es ein Termin on top, weder in meiner berechneten Vorbereitungs- und Nachbereitungszeit, noch in meiner Sprechstunde, die übrigens auch nicht zum Deputat gerechnet wird.

Krempe
2 Monate zuvor
Antwortet  ysnp

Das glaube ich ihnen sehr gerne.
Lehrer verdienen dafür wenigstens deutlich mehr als es ein Erzieher je tun kann. Nicht das ich der Meinugn wäre das das Gehalt (insbesondere bei Grundschullehrern) angemessen wäre.
Natürlich rechtfertigt das nicht die viele Arbeitszeit die Auserhalb der Dienstzeit geleistet werden muss. Aber auch in den Kitas kommt man mit der zeit eben nichtz aus. Und auch dort wird sehr viel noch in der Freizeit gemacht um irgendwie weiter zu kommen mit dem was vermittelt werden soll.

ysnp
2 Monate zuvor

Es krankt alles daran, dass der Besuch von Kindergärten (zumindest der 3jährige) nicht verpflichtend und somit kostenlos ist. Andere Länder machen das besser. Da kann man noch so viele Lehrstühle für Elementarpädagogik einfordern und dem Beruf der Erzieherin ein Studium (evtl. dual) verpassen, das wird dann nicht ernst genommen, wenn eine Verpflichtung zum Besuch einer solchen Einrichtung – zumindest halbtags – nicht gesetzlich verankert wird. Soweit ich mich erinnern kann, ist es sogar lt. Grundgesetz nicht erlaubt, eine Vorschule einzurichten, für mich in der heutigen Zeit nicht nachvollziehbar.
Wir brauchen unbedingt einen verpflichtenden Besuch in einem Kindergarten – zumindest 1-2 Jahre halbtags vor Schuleintritt. Dazu gehört Personal, das einen verpflichtenden Plan, der auf einer sinnvollen Elementarpädagogik fußt, umsetzt. Wichtig sind elementare motorische, kognitive und soziale Konpetenzen.
In meinen Augen ein Missverständnis: Wir brauchen keine Vorwegnahme der Grundschule! (siehe kleine Forscher) Ein Kind muss weder lesen noch schreiben können vor Schuleintritt, sollte aber die dazu nötigen Fähigkeiten mitbringen, dass es nicht über Schwierigkeiten in der Schule stolpert. Dieses Personal sollte studiert, pädagogisch versiert und entsprechend bezahlt werden. Elementarpädagogik zu verstehen und richtig einzusetzen – dazu muss man gut ausgebildet sein.
Alles andere ist halbgar und stochert im Nebel herum. Es ist wichtig, dass allen Kindern die Möglichkeit gegeben wird, einen guten Schulstart zu haben. Da ist die Elementarpädagogik mehr denn je gefragt, die Familien und ihre Kinder haben sich geändert, die schlechte Vorbereitung beim Schuleintritt wird immer auffälliger.

Marion
2 Monate zuvor

@ysnp
Ich weiß nicht, ob ich mir das gefallen lassen würde, wenn man mir vorschreiben würde, mein Kind schon vor Schuleintritt verpflichtend! in die Kita geben zu müssen.
Wir sollten mal langsam die Kirche beim Dorf lassen. Kinder „gehören“ nicht dem Staat. Laßt Kinder endlich wieder Kinder sein. Die „Denke“, daß man an Kindern ständig irgendwie herumpfuschen muß, damit sie richtig funktionieren, ist sowas von übergriffgig. Der Staat sollte lieber dafür sorgen, daß Eltern, auch ohne doppeltes Gehalt, in der Lage sind, sich genug Zeit für ihre Kinder zu nehmen.
Vielleicht lernen sie dann wieder, wie man mit Kindern umgehen muß, damit sie später gut durch’s Leben kommen.

Angelika
2 Monate zuvor
Antwortet  Marion

Das sehe ich ebenso. Was ich schrecklich finde: Nicht mal Kleinkinder lässt man ungestört ausschlafen. Ihre elementaren Grundbedürfnisse werden missachtet, indem man sie zu arbeitgeberfreundlichen Zeiten weckt, anzieht und an einen lauten Ort befördert, wo viele zunächst mal gar nicht bleiben wollen. Haben sie sich dann aber eingewöhnt, droht ihnen nach einem erholsamen Mittagschlaf das vorzeitige Wecken. Kind soll von Erzieherinnen zu einer von den Eltern genannten Zeit geweckt werden, damit es nachts micht quietschfidel ist und dadurch die Nachtruhe der Eltern stört.

ysnp
2 Monate zuvor
Antwortet  Marion

Wenn das so funktionieren würde, wär’s ja gut. Aber leider funktioniert es nicht mehr so. Noch vor 10-20 Jahren bin ich auch noch gegen einen verpfichtenden Besuch gewesen. Aber inzwischen hat sich die Gesellschaft gewandelt. Die wenigsten Mütter/Väter wollen zuhause bleiben – sie befürchten einen Karriereknick neben der Tatsache, dass das Leben, das sich viele vorstellen nur mit 2 Gehälter zu finanzieren ist. Der Trend geht dahin, dass man staatliche Angebote wie eine frühe Betreuung doch gerne wahrnimmt oder wahrnehmen muss.
Ich finde es auch schlimm, dass man schon die Kleinsten an der Kita abgibt, wenig Verantwortung für die Erzeihung übernimmt und sich der Rat von früher, mindestens 3 Jahre ganztägig zuhause zu bleiben um positiv auf die Entwicklung des Kindes Einfluss zu nehmen, quasi in Luft aufgelöst hat.
In der Schule merken wir die Auswirkungen dises Trends von Jahr zu Jahr mehr, indem wir sehen, welche vermehrten Defizite immer mehr Kinder mitbringen. Deswegen sehe ich keine andere Lösung als einen zumindest halbtätigen, verpflichtenden, kostenlosen Kindergartenbesuch für 1-3 Jahre (das müssen Elementarpädagogen beantworten in wie weit es notwendig ist, den Kindern die wichtigsten Grundkompetenzen zu vermitteln) zu installieren. Ich glaube nicht, dass wir das Rad mit den berufstätigen Müttern nochmals zurückdrehen können. Dadurch, dass die Politik festgeschrieben und dahingehend interveniert hat, dass jedes Kinder ein Recht auf einen Kindergartenplatz hat, sind die Weichen für diese Entwicklung gestellt worden.
Dass wir nun ein System haben, wo schon die Kleinsten abgegeben werden können, wird sich nicht mehr ändern lassen. Deswegen muss man darauf nun anders reagieren, damit zumindest alle Kinder eine gute Zukunftschance haben.