„Das trifft uns ins Mark“: Etliche katholische Religionslehrer unterrichten nicht mehr

12

Etliche Religionslehrerinnen und Religionslehrer unterrichten aus Frustration über den Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch nicht mehr. Das sagte Agnes Steinmetz, Sprecherin der Vereinigung katholischer Religionslehrerinnen und -lehrer an den Gymnasien im Erzbistum Köln, am Montag im WDR. «Schwerpunktmäßig ist es tatsächlich die eigene Fassungslosigkeit, mit der jemand sagt: Ich kann so nicht weiter in der Kirche leben.»

Die Missbrauchsskandale setzen vielen Religionslehrkräften zu. Foto: Shutterstock

Die Lehrerinnen und Lehrer würden unter Umständen täglich nach dem Verhalten der Kirche gefragt. Das sei auf Dauer oft belastend. Es gehe dabei vor allem um den Umgang mit Missbrauchstätern. «Das trifft uns wirklich ins Mark», sagte Steinmetz. Man schäme sich dafür und trauere um die vielen Menschen, die die Kirche schon verlassen hätten. dpa

Katholische Religionslehrkräfte outen sich als queer: „Gott würde es nicht wollen, dass ich das verstecke“

Anzeige


Abonnieren
Benachrichtige mich bei
12 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Alla
2 Monate zuvor

Ich war katholisch. Habe kath. Religion auf Lehramt studiert.
Habe das auch viele Jahre unterrichtet! Irgendwann hatte ich das Gefühl, ich wollte mich nur noch selbst überzeugen, dass die katholische Kirche irgend eine Daseinsberechtigung hat! Damit ich nicht in die Hölle komme???

Lange vor dem Missbrauchsskandal bin ich ausgetreten. Es gab einfach zu viele Dinge, die sich mit dem Glauben an Jesus nicht vereinbaren ließen. Warum musste ein ganzes Stockwerk einer Klinik geräumt, Patienten verlegt werden, um Johannes Paul II zu behandeln? Warum braucht ein Papst 21 Zimmer? Warum braucht eine Kirche so viel Pomp? Dann habe ich mich mit dem Alten Testament beschäftigt! Sklaverei, Bevorzugung der „Lieblinge“ ( Jakob, David, die traumatische Fastopferung des Isaak)

Mysoginie, Schwulenfeindlichkeit, all das kam erst später.

Benedikt XVI machte es noch mal deutlich: Die Kirche kann nicht jedem „Mainstream“ hinterherlaufen, sie macht sich sonst relativierbar. Es geht hier um den Erhalt einer Institution, nicht um SEELSORGE!

Diese Kirche ist NICHT reformierbar, dafür gibt es zu viele Länder auf der Welt, die patriarchalische Strukturen gut heißen.

Trennung von Kirche und Staat, Inklusion aller Kinder in einen einheitlichen Werte-Unterricht konform mit unseren GG, auf das ich vereidigt wurde!
Der Vatikan konnte nocht nicht einmal die Menschenreche ratifizieren! Was hat dieses System an unseren Schulen verloren?!

Carsten60
2 Monate zuvor

„Trennung von Kirche und Staat, ….. konform mit unserem GG, auf das ich vereidigt wurde! … Was hat dieses System an unseren Schulen verloren?!
Inhaltlich stimme ich zu, aber leider steht der Religionsunterricht in Art. 7 GG. Und was ist mit anderen Religionen? Die russisch-orthodoxe Kirche steht fest an der Seite Putins und schimpft auf die Ukraine (schimpft auch auf Homosexuelle), der Islam kennt keine Trennung von Religion und Staat, aber der islamische Religionsunterricht wird uns als ganz großartig empfohlen. Damit schlagen wir angeblich alle Islamisten in die Flucht, weil sie bei der Jugend keinen Nachwuchs mehr finden.
NB: Die SPD und andere Parteien wollten nach dem 1. Weltkrieg den Religionsunterricht in öffentlichen Schulen abschaffen, aber das katholische Zentrum und andere Parteien haben das nicht mitgemacht, und so haben wir den Religionsunterricht auch heute noch. Die Nazis haben ihn nicht abgeschafft, aber bekämpft, und so wurde er nach 1945 begeistert wieder zu neuem Glanz erweckt. Man darf gespannt sein, wie sich die aktuellen Ereignisse auf die katholischen Privatschulen auswirken.

Georg
2 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Aktuell ist zumindest die evangelische Kirche nicht weit weg von einer grünen, politischen Partei. Sie sägt damit am eigenen Ast…

Unerträglich
2 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Es geht hier um die katholische Kirche Georg. Deine Traumata mit wie auch immer gefärbter Politik solltest du wirklich dringend Mal mit einem fachkundigen Arzt deiner Wahl bearbeiten.

Rosa
2 Monate zuvor
Rosa
2 Monate zuvor

Katholikentag und wer geht hin??? Zuerst sollte Aufklärung geleistet werden zu den Mißbrauchsfällen bevor man ein Katholiken Tag veranstaltet. Die katholische Kirche muss sich den Vorwürfen stellen.https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/katholikentag-programm-vorgestellt-100.html Die katholische Kirche hat bei der jungen Generation viele Fragen weiterhin unbeantwortet gelassen und keiner mag sich mehr in diese Glaubenseinrichtung einbringen. Es ist ein schwer wiegender Vertrauensbruch nicht aufgearbeitet worden……..Die katholische Kirche hat sich vor jeglicher Verantwortung gedrückt! Wie kann man da noch in die Kirche gehen……

Osman
2 Monate zuvor

Solang der Staat für die Kirchen die Steuern eintreibt wird sich nichts ändern.

Carsten60
2 Monate zuvor

Der demokratiefördernde Katholizismus ist jedenfalls dem BMBF eine Finanzierung in Höhe von 210.000 € wert:
https://kth.ht.tu-dortmund.de/forschung/reac-religion-and-citizenship/
Dabei ist speziell die katholische Kirche nun wirklich keine demokratische Institution.

Teacher Andi
2 Monate zuvor

Es gibt etliche Gründe, den Religionsunterricht in der jetzigen Form zu überdenken.
– Kirche lebt weder Demokratie noch Toleranz
– die Skandale spotten in höchstem Maße der eigentlichen Aufgabe der Kirche
– allgegenwärtiger Prunk und Reichtum ist das Gegenteil zur verlangten Demut und Bescheidenheit
– Migration in die Klassen verlangt, auch anderen Religonen gerecht zu werden
– eine verstärkt kritische Haltung lässt viele Grundsätze und Glaubensvorgaben der Kirche wie ein Fragezeichen im Raum stehen. („es ist halt so…“)

Natürlich hat die Schule einen Erziehungsauftrag, aber die Begründung der rechtlichen Grundlage des Religionsunterrichts überzeugt mich nicht: das wird von „Wahrung der Religionsfreiheit“ geredet und dass der Staat nicht diese Lehren der Religion nach dem „Woher und Wohin“, Sinn des menschlichen Daseins vermitteln darf.
Für mich wäre wichtiger, den Kindern und Jugendlichen eine altersgerechte Charakter- und Wesensbildung mit zu geben, religionsübergreifend für Schüler aller Konfessionen. Das macht mehr Sinn und da können sich die Schüler auch wesentlich besser selbst einbringen.
Was soll das für ein Erziehungsauftrag der Religionen sein, die seit Jahrzehnten Unrecht unter den Tisch kehren und deren „Personal“ sich oft hinter dem Glauben versteckt, um gut zu leben? Ich jedenfalls habe kaum gute Erinnerungen an meinen Religionsunterricht als Schüler, es gab so gut wie keinen engagierten Religionslehrer, der wirklich schülerrelevant unterrichten konnte.
Die Sonderstellung der Kirche verhindert, dass Ethik als geeignetes Fach, um alle Schüler zu integrieren, den Religionsunterricht ersetzt. Man sollte diesen akribisch trennenden Religionsunterricht auf freiwilliger Basis anbieten, nur das macht Sinn. Dass Religion als Vorrückungsfach gilt und manche Religionslehrer aus Übereifer sogar Schüler wegen Religion durchfallen lassen, das ist nur schwer vermittelbar, in der heutigen Zeit allemal.

Pälzer
2 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

alles was du forderst, findet im Religionsunterricht statt. Die einzigen, die mit „Reli“ ein Problem haben, sind entschieden religiöse Schüler, weil denen oft die Inhalte zu „verschwommen“ erscheinen. So zumindest meine Beobachtung an allen Schulen, wo ich unterrichtet habe.

Teacher Andi
2 Monate zuvor
Antwortet  Pälzer

Und warum muss Religionsunterricht dann so streng getrennt sein? Warum ist Religion Vorrückungsfach? Warum ist es ein Pflichtfach wo doch Religion Privatsache ist? Warum geht man nicht längst fällige Reformen an? Das waren doch meine Fragen.

Teacher Andi
2 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Ich möchte noch ergänzen: der Staat (Steuerzahler) zahlt mit allen Faktoren einberechnet ca. 21 Milliarden Euro !!! jährlich !!! an die Kirchen in Deutschland, und die Einnahmen sind in den wenigsten Fällen zweckgebunden, das Vermögen muss nicht offen gelegt werden, auch nicht versteuert. Angesichts der nicht enden wollenden Krisen und der Bildungsmisere könnte man das Geld wahrhaft sinnvoller anlegen.