Wegen Corona leiden mehr Jugendliche unter Depressionen – und unter Adipositas

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DRESDEN. Die staatlichen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie sind auch an Kindern und Jugendlichen nicht spurlos vorübergegangen. Oft nahm die Seele Schaden.

Die Corona-Pandemie hat bei vielen Kindern zu Übergewicht geführt. Foto: Shutterstock

Im ersten Corona-Jahr sind nach Angaben der Krankenkasse DAK-Gesundheit mehr ältere Jugendliche an einer Depression neu erkrankt. Daten aus Sachsen zeigen: Die Zahl der ärztlichen Erstbehandlungen sei bei den 15- bis 17-Jährigen im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent gestiegen, teilte die Krankenkasse am Mittwoch in Dresden mit. Zudem seien im Freistaat in dieser Altersgruppe 29 Prozent mehr Adipositas-Neuerkrankungen festgestellt worden, also starkes oder krankhaftes Übergewicht.

Der Anstieg der ärztlichen Erstbehandlungen wegen einer Depression sei mit den genannten 48 Prozent bei den 15- bis 17-Jährigen deutlich stärker als im Bundesschnitt (plus 8 Prozent). Mädchen waren in Sachsen 2,7-mal so häufig betroffen wie gleichaltrige Jungen. Im Bundesdurchschnitt sei der Unterschied etwas schwächer ausgeprägt.

Bei Kindern im Alter von zehn bis 14 Jahren habe sich in Sachsen hingegen mit rund 36 Prozent ein starker Rückgang gezeigt. Allerdings sei zu erwarten, dass es auch in dieser Altersgruppe in naher Zukunft wieder einen Anstieg geben werde. Bei den 10- bis 14-Jährigen könnten die Auswirkungen des Lockdowns, der Quarantänemaßnahmen und der eingeschränkten Teilhabe am Schulunterricht und am sozialen Leben länger kaschiert werden und würden nur später zum Ausdruck kommen.

Die Krankenkasse verwies auf eine Untersuchung von Wissenschaftlern, die anonymisierte Abrechnungsdaten von rund 18.000 sächsischen Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren analysierten, die bei der DAK-Gesundheit versichert sind. Die Angaben basieren der Krankenkasse zufolge auf Daten von 3,1 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Sachsen. Die Untersuchung sei hinsichtlich der Alters- und Geschlechtsverteilung repräsentativ, hieß es. News4teachers / mit Material der dpa

Psychologen und Ärzte schlagen Alarm: Präsenzunterricht um jeden Preis belastet Kinder massiv

 

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katinka
2 Monate zuvor

Wenn Kinder bei ihren Eltern sind, werden sie depressiv und fett?! Das heißt also, selbst das gruselige TK- Essen aus dem Konvektomat – weil es vor allem ins Budget passen muss- ist noch besser als das Essen und die Betreuung zu Hause? Wie armselig ist das denn?
Vielleicht sollten sich Eltern mal wieder ihrer Verantwortung bewusst werden?
Bei den aktuellen Mobilitätskosten macht es möglicherweise Sinn, über eine andere Lebensführung nachzudenken? Kinder nicht in die KiTa oder GTS abgeben und irgendeinen Job machen, sondern weniger konsumieren und sich selbst um die Kids kümmern- so war es früher auch.

Andreas.Müller
2 Monate zuvor
Antwortet  katinka

Genau, Frauen (und die sind es, wie Corona gezeigt hat) zurück an den Herd! Nieder mit der Selbstständigkeit im Fall der Trennung, willkommen Altersarmut! Im Zweifelsfall kann sich der zuhause-bleibende Elternteil ja nach der Scheidung an die Supermarktkasse setzen (siehe Unterhaltsrecht) und so die lieben Kleinen durchbringen.

Würde ich als Mann nie machen. Die kluge Frau an meiner Seite auch nicht.

Interessant
2 Monate zuvor
Antwortet  katinka

Das ist eine sehr arrogante Einstellung
Viele Eltern MÜSSEN voll arbeiten und nicht damit sie mehr konsumieren können, sondern damit sie ihre Kosten decken können. Die aktuelle Situation ist für viele ein großes Problem. Die Preiserhöhungen in vielen Bereichen macht vielen Familien extrem zu schaffen.
Gerne würde ich meinen Job aufgeben und mich um meine Kinder den ganzen Tag kümmern, anstatt sie in Schule oder Kita abzuschieben. Kann ich aber nicht.
Wenn ihnen das möglich ist, dann Glückwunsch.

TaMu
2 Monate zuvor

Vermutlich geht daraufhin die bekannte Leier wieder los, dass die Depressionen der Kinder daran liegen, dass die Schulen geschlossen waren und so als natürliches Antidepressivum ausgefallen sind. Ich habe allerdings den Eindruck, es geht ein bisschen tiefer. Sehr viele Kinder und Jugendliche mussten täglich hören und miterleben, wie sehr ihre Eltern unter der Doppel- und Dreifachbelastung Kind/Beruf/Homeschooling und Homeoffice gelitten haben. Dabei wurde häufig, vermutlich oftmals auch unbewusst, besonders heraus gestellt, dass es besonders schlimm sei, weil die Kinder nicht außer Haus sein konnten. Allein der Satz am Telefon: „Ich dreh noch durch, hoffentlich ist bald wieder Schule, egal wie“, den Kinder vermutlich tausendfach so oder ähnlich gehört haben, muss ihnen doch den Eindruck vermittelt haben, dass neben Corona sie selbst das Problem waren. Da wurde eher selten über Arbeit und Chef als Stressfaktor geschimpft, das war selbstverständlich. Die Arbeit musste schließlich gemacht werden, wie immer. Aber jetzt noch das Kind… das ist zu viel. Das muss aufhören… Die Kinder haben daraus den Schluss gezogen, dass sie nicht zu Hause sein sollten, obwohl sie es mussten. Sie sollten damit die ungeimpften, vulnerablen Gruppen schützen. Deshalb durften sie auch nicht zum Sport, in ihre Vereine und waren generell in ihren Kontakten eingeschränkt, wenn auch nicht über zwei Jahre so isoliert, wie es gelegentlich dargestellt wird. Kaum waren die vulnerablen Gruppen durchgeimpft, mussten sie unter den Bedingungen der letzten vier Monate in die Schulen, um sich zu durchseuchen, weil sie schließlich nicht schwer erkranken. Manche waren ständig in Quarantäne und/oder krank und mussten trotzdem Leistungen erbringen. Quarantäne war bestimmt eine der schlimmsten Erfahrungen, wenn Kinder und Jugendliche gar nicht mehr nach draußen durften. Dazu kamen die immer widersprüchlicheren Maßnahmen, Durchseuchung in der Massenveranstaltung Schule ja, aber kein Club und Masken tragen im Nahverkehr, geboosterte Lehrer und Lehrerinnen mit coronakranker Familie zu Hause mit ihnen im Klassenzimmer und keine Quarantäne mehr für Banknachbarn. Sie konnten und können nichts mehr planen, keinen Geburtstag, keinen Ausflug, nichts mehr zum Vorfreuen, weil jederzeit auch zum dritten Mal Corona zuschlagen kann. Sie leiden unter diesem sinnlosen Alltagsbrei, in dem die Schule und ihr Fernbleiben von zu Hause tagsüber das Wichtigste ist, allerdings ohne Aussicht auf Erfolg, weil viele von ihnen schulisch in den beiden Jahren nicht so gut mitlernen konnten wie üblich, weil das Internet nicht funktioniert hat, oder sie zu Hause nicht genug Ruhe hatten, und weil sie nicht wissen, ob ihre Abschlussprüfung überhaupt stattfindet, weil immer mehr Menschen erkranken. Das alles lähmt. Es liegt nicht daran, dass sie zwei Jahre lang „weg gesperrt“ waren, sondern dass sie ihren gesellschaftlichen Stellenwert und viel zu viele auch ihren familiären Stellenwert in herausfordernden Zeiten so unverblümt kennen lernen mussten. Ich glaube, viele von ihnen empfinden sich als Störfaktoren, die verwaltet werden und zwar in besonders schön klingender Sprache, mit der sämtliche Mängel im Bildungssystem und im generellen Umgang mit unseren Kindern und Jugendlichen übertüncht werden. Ich verstehe, dass einige fett und viele depressiv geworden sind. Und nein, die Schulen und Kitas können das so, wie es tatsächlich läuft, nicht in Ordnung bringen. Kinder dürfen sich nicht als Belastung empfinden und genau das sind sie leider in einer Zeit, in der sie außer Haus sein müssen, damit ihre Eltern Geld verdienen können. Das kann tatsächlich eine Depression auslösen und man sollte hier endlich ehrlich darüber sprechen.

Maren
2 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

Besser kann man es nicht sagen,danke,TaMu

Angelika
2 Monate zuvor
Antwortet  Maren

Danke. So empfinde ich es auch.

Pit2020
2 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

@TaMu

Sehr treffend dargestellt.
Danke sehr.

Mary-Ellen
2 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

@TaMu:

Danke! Guter Beitrag!

Es entzieht sich auch meiner Vorstellung, dass die wöchentlichen 2-3 Std. Sportunterricht in der Schule die adipös gewordenen Kinder und Jugendlichen schlagartig erschlanken lassen würden, zumal sie den Rest der Unterrichtszeit eh vorwiegend sitzend verbringen.
Und ich staune immer wieder, was so manche Eltern an „Nahrungsmitteln“ im Supermarkt auf’s Laufband packen.

mm
2 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

Absolut richtig, aber keiner wird es hören wollen.

Interessant
2 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

Das Ganze ehrlich und gut zusammengefasst.
Nicht die geschlossenen Schulen und Kitas waren das Problem. Sondern das komplette drumherum

Mom73
2 Monate zuvor

@TaMu
das haben sie klasse zusammengefasst. Genau so ist es.

Stromdoktor
2 Monate zuvor

@Katinka

In dem Text steht nicht, dass Kinder „depressiv und fett“ werden, wenn sie bei ihren Eltern sind…ursächlich genannt ist der Ausschluss vom sozialen Leben, die Auswirkungen der Lockdowns, Quarantänemaßnahmen und der eingeschränkte Schulbetrieb.

Ein sehr krankes Bild, welches Sie da zeichnen.

Ich hoffe sehr, dass Sie nicht als Lehrerin arbeiten bzw. Ihre Einstellung zu Ihren SuS und deren Eltern noch einmal überdenken.

Und Vorsicht:
Es soll auch LuL geben, die in Familien leben. Vielleicht beziehen Sie mit Ihrer Einschätzung die Hälfte Ihrer KuK mit ein.

Pit2020
2 Monate zuvor
Antwortet  Stromdoktor

@Stromdoktor

„Ich hoffe sehr, dass Sie nicht als Lehrerin arbeiten“
Das ist weit oben in meiner Top-10 der verbalen „Haut-den-Lukas“-Sätze. Auch Ihnen ein „Danke sehr“ – aber in diesem Fall ist das leider Ironie.

Im Text steht „in dieser Altersgruppe 29 Prozent mehr Adipositas-Neuerkrankungen festgestellt worden, also starkes oder krankhaftes Übergewicht.“
Im „Volksmund“ sagt man auch „fett“, natürlich ist das gar nicht wertschätzend.
Und „depressiv“ steht im Text. Depression ist eine Krankheit.
Ebenso im Text: „Bei den 10- bis 14-Jährigen könnten die Auswirkungen des Lockdowns, der Quarantänemaßnahmen und der eingeschränkten Teilhabe am Schulunterricht und am sozialen Leben länger kaschiert werden und würden nur später zum Ausdruck kommen.“

Und was hat @Katinka anderes getan, als ihre Schlussfolgerung in eigene Worte zu fassen?

Und was hat Sie, lieber @Stromdoktor, in der Folge dazu motiviert bzw. dermaßen getriggert, in der Art von „Wasser predigen und Wein saufen“ ebenfalls GAR NICHT wertschätzend zu entgegnen mit „Ich hoffe sehr, dass Sie nicht als Lehrerin arbeiten“?
(Die Wein/Wasser-Strategie fällt in Ihren Kommentaren nicht zum ersten Mal auf …)

Stromdoktor
2 Monate zuvor
Antwortet  Pit2020

@Pit2020

Mir fällt auch einiges nicht zum ersten Mal auf…bei Ihnen.

Grundsätzlich habe ich keine Lust (mehr) darauf, dass jegliche Form von Kritik an LK als „Bashing“ bezeichnet wird und andersherum einem hier die Pauschalurteile über Eltern und Schülern von insbesondere kinderlosen LK nur so die Ohren fliegen.

Pit2020
2 Monate zuvor
Antwortet  Stromdoktor

@Stromdoktor

Das Wort „Bashing“ kommt jetzt aber von Ihnen.

Ebenso wie das Thema „Pauschalurteile“ jetzt von Ihnen ins Spiel gebracht wird.

Schön auch „… von insbesondere kinderlosen LK …“.
(Wann haben Sie denn die Daten dazu erhoben? Das habe ich leider verpasst, im Ernst. Aber es muss ja wohl hier auf n4t passiert sein, denn sie schreiben ja von „… andersherum einem hier die Pauschalurteile …“ Bitte einfach mal die Datenerhebung und -auswertung verlinken, um die eigene Seriosität noch einmal in vollem Glanze erstrahlen zu lassen. Andernfalls bleibt das eben auch als bloße Behauptung stehen. Naja, is‘ dann eben so.)

N.N. = Nette Nebelkerze.
Allerdings:
Nach allem, was Sie gepostet haben habe ich aber gar nicht gefragt. Wirklich nicht … Sie können ja weiter oben noch mal nachlesen.

Ich bin dann mal raus … freue mich aber auf den Link. 🙂

katinka
2 Monate zuvor
Antwortet  Stromdoktor

@ Die Herren sollten sich nicht meinen Kopf zerbrechen! Und Partei für oder wider mich oder meine Einlassung zu ergreifen- darauf sei auch verzichtet. Und ob ich Lehrerin bin und wem darunter leidet oder nicht- das ist auch nicht Ihrer beider Angelegenheit.
Dennoch bin ich nach wie vor der Meinung, die Erziehung, Psychohygiene und soziales Leben und Verhalten sind vor allem Sache und Verantwortung von Eltern. Nicht ausschließlich, aber in der Hauptsache. Als Mutter habe ich darauf zu achten, dass mein Kind sich gesund ernährt, Bewegung hat und bei Problemen ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe erhält. Ich finde es unerträglich, dass es immer heißt, Kinder ohne KiTa und Schule würden vereinsamen, sozial zurückbleiben etc. Evtl. muss ich mir auch VOR der Elternschaft überlegen, ob ich die verantwortung übernehmen kann- finanziell, persönlich etc. Und wenn ich`s nicht aushalte, mit meinem Kind auch 24/7 zusammen zu sein- dann sollte ich`s lassen.
Davon abgesehen, wenn ich im Hort o.ä. hätte arbeiten wollte, wäre ich Erzieherin geworden.

Stromdoktor
2 Monate zuvor
Antwortet  katinka

@Katinka

Ich möchte mich gerne im einem Punkt korrigieren: Man muss nicht unbedingt eigene Kinder haben, um sich ein Stück weit in sie hineinversetzen zu können.

Wir sprechen hier von Krippen- und Kindergartenkindern, die miteinander spielen und lachende, unbeschwerte Gesichter brauchen.

Wir sprechen von Grundschülern, die erste beste Freunde finden und sich ganz groß fühlen, wenn sie gemeinsam im Umkreis von 150 Metern von zu Hause aus unterwegs sind.

Wir sprechen von Jugendlichen, die die erste große Liebe in der Schule kennenlernen und nur wegen ihr morgens aufstehen.

Wir sprechen von jungen Erwachsenen, die sich nicht in größeren Gruppen treffen, nicht ins Kino oder Schwimmbad gehen konnten.

Wir sprechen von Kindern aller Altersklassen, die vielleicht schon zwei Geburstage hintereinander nicht feiern konnten, die nicht beim Judo- oder Schwimmtraining waren.

Wir sprechen von jungen Studierenden, die ihre Kommilitonen noch nie persönlich gesehen haben.

Und vor allem sprechen wir davon, dass wir lange Zeit niemandem eine Perspektive und ein Ziel nennen konnten.

Aus der Stellungnahme des Expertenrates lese ICH genau diese Punkte heraus. Das Versagen der Gesellschaft in Bezug auf unsere Kinder und junge Erwachsene über einen Zeitraum von 2 Jahren.

Sie haben für sich einen Hauptgrund der steigenden Anzahl seelischer und körperlicher Erkrankungen bei Kindern identifiziert: Die Eltern.

Der Expertenrat zeichnet ein differenziertes Bild:

„4.Die in der Pandemie getroffenen Maßnahmen haben für Kinder und Jugendliche negative
Auswirkungen, u.a. eingeschränkte soziale Kontakte, verschlechterte Planungssicherheit,
weniger Freizeit- und Bildungsangebote durch Schließung von Schulen, Erziehungs- und
Sporteinrichtungen. Die damit verbundene Morbidität mit möglichen Auswirkungen auf die
Lebensspanne und Lebensqualität dieser Generation müssen abgemildert und die bereits
eingetretenen nachteiligen Effekte bestmöglich kompensiert werden. Dies muss auch den
Umgang mit Leistungsdruck einbeziehen, den Kinder und Jugendliche aufgrund des Ausfalls
von Unterricht, Isolation und Quarantäne bei gleichbleibenden Anforderungen erleben.
Hierzu bedarf es der Umgestaltung von Lehrplänen ebenso wie nachhaltiger staatlicher
Förderprogramme, die ohne Verzögerung implementiert und umgesetzt werden.
5. Zugangsbeschränkungen, die einen Großteil der Kinder und Jugendlichen vom Besuch
altersgerechter Freizeitangebote (Jugendclub, Kino, Konzerte etc.) ausschließen, müssen auf
Bundes- und Länderebene entfallen, soweit es die pandemische Lage erlaubt. Die aktuellen
Regelungen für Kinder und Jugendliche unterscheiden sich drastisch und scheinbar willkürlich
zwischen den Bundesländern. Der ExpertInnenrat ruft die Bundesländer auf, Regeln
einheitlich nach dem Prinzip der maximal möglichen Teilhabe zu gestalten
Darüber hinaus empfiehlt der ExpertInnenrat die prioritäre Entwicklung und schnelle
Umsetzung von Maßnahmen und Programmen, die nicht nur die pandemiebedingten Defizite
kompensieren helfen, sondern vorrangig zum Ziel haben, die bereits zuvor bestehenden
Ungleichheiten in Bildungs- und Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen
nachhaltig zu verbessern. Dazu sind neben dem Ausbau von alltagsintegrierter sprachlicher
Bildung als festem Bestandteil der Kindertagesbetreuung sowie Förderinstrumenten für
SchülerInnen mit schwächeren Leistungen auch dauerhafte psychosoziale,
psychotherapeutische und psychiatrische Angebote insbesondere mit niedrigschwelliger
schulischer Anbindung sowie erweiterte Jugendhilfemaßnahmen erforderlich; dies schließt
Schulsozialarbeit und Stärkung der stadtteilbezogenen offenen Jugendarbeit in besonders
belasteten Wohnquartieren ausdrücklich mit ein.
8. Die medizinische Versorgungssituation im kinder- und jugendpsychiatrischen, kinder- und
jugendmedizinischen sowie sozialpädiatrischen Bereich muss sowohl im ambulanten wie auch
im stationären Sektor entsprechend den Vereinbarungen im aktuellen Koalitionsvertrag mit
hoher Priorität verbessert und eine auskömmliche Finanzierung, die den besonderen
Anforderungen von Kindern und Jugendlichen sowie den hohen Vorhaltekosten im
stationären Bereich gerecht wird, sichergestellt werden.“

Nochmal:
Man muss keine eigenen Kinder haben, um die Situation bewerten zu können…man muss selber nur einmal jung gewesen sein, um die Bedürfnisse der Kinder zu verstehen.

Katinka
2 Monate zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Und man muss viel freie Zeit haben als Lehrer……sich hier derart narrativ auszuleben.

Stromdoktor
2 Monate zuvor

@TaMu
80 – 90 % unterschreibe ich.

Grundsätzlich sollte man sich aber einmal vor Augen halten, dass Kinder häufig die Ängste ihres Umfeldes wahr- und die Einstellung ihrer Bezugspersonen übernehmen.

Und da haben wir es mit einem breitem Spektrum zu tun.

Meine Einstellung:
„Es gibt Schlimmeres, als die Zeit mit seinen Kindern verbringen zu „müssen““.

Wir waren mehrfach in Freizeitparks, Schwimmbädern, Skiurlauben und haben unsere Kinder an jedem Social Event teilnehmen lassen, der sich geboten hat. Kürzlich haben wir selber einen Kindergeburtstag gefeiert. 8 Kinder in einem Escape-Room – ohne Maske (aber mit Luftfilter).

Man darf uns gerne verantwortungslos nennen…uns allen geht es aber sehr gut. Wir haben auch mehr Sport getrieben als in der Zeit zuvor…

Letztlich waren das zwei schöne Jahre im Kreise der Familie mit einem echten Game-Changer für das weitere berufliche Leben (Shared-Desk, Homeoffice). Kommt etwas spät…aber noch nicht zu spät.

Familien wurden grandios alleine gelassen. In erster Linie MÜSSEN Eltern arbeiten. Um nicht irgendwann in Altersarmut zu enden. Die jetzige Generation stemmt darüber hinaus die Renten und Pensionen in einem nie dagewesenen Umfang und hat eine maximale Arbeitsbelastung bei minimaler Sicherheit (Befristung, Teilzeit, prekäre Beschäftigungsverhältnisse).

Kinder kommen immer zur Welt. Egal wie schlimm die Situation ist.

Die Frage ist: Können und wollen wir als reiches Industrieland unseren Kindern und deren Eltern kein besseres Umfeld bieten…und musste erst eine Pandemie für eine „gewisse Flexibilität“ sorgen.

Und ganz allgemein:
Man sollte nicht so abwertend über einzelne Gruppen sprechen. Viele haben es unverschuldet deutlich schwerer als so mancher hier…

Interessant
2 Monate zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Danke für diese Zeilen…
Und nein, sie waren nicht verantwortungslos sondern eher das Gegenteil…

AusderPraxis
2 Monate zuvor

@TaMu
Ihr Kommentar ist so wahr, dass ich hoffe, dass @ Redaktion ihn veröffentlicht!
Ich hatte Telefongespräche mit Eltern, in denen genau diese Worte fielen, obwohl ich die Kinder im Hintergrund hören konnte!
Ich habe immer vorgeschlagen, die Kinder in die Notbetreuung zu schicken, da ich Angst vor (noch mehr) häuslicher Gewalt hatte.

AusderPraxis
2 Monate zuvor
Antwortet  AusderPraxis

Und wir waren nur 6 Wochen im DU mit Notbetreuung!

Marie
2 Monate zuvor
Antwortet  AusderPraxis

Mein „Highlight“ war dieser Satz einer (nicht berufstätigen) Mutter nach Ankündigung der Schulwiederöffnung: „Endlich haben wir wieder Zeit für uns“.

Sissi
2 Monate zuvor

@ Pit 2020
Danke für Ihr Einschreiten!

@ Stromdoktor
Es geht um Depressionen und Adipositas – der Artikel bezieht sich auf Erkenntnisse in einem Bundesland ! Wie aussagekräftig dies ist könnten Sie, wenn Sie wollen, mit Hilfe der o.g. Quelle überprüfen. Erst dann, sozusagen, im Vollbesitz der gesamten Weisheit würde ich mir erlauben, dermaßen loszulegen, wie Sie dies tun, – obwohl beides in meinen Fachbereich fällt.
Darum schließe ich mich @Pit 2020 an.

Übrigens: es wird zeitnah eine Veröffentlichung geben, die den Zusammenhang
covid – Diab1 – Depression genauer untersucht und dabei auch die Ernährungserziehung/qualität in Schule und Elternhaus einbezieht.

Stromdoktor
2 Monate zuvor
Antwortet  Sissi

@Sissi
Katinka legt Eltern nahe, einen anderen Job auszuüben, ihren Lebenswandel zu hinterfragen und keine Grundschulen bzw. Kitas mehr in Anspruch zu nehmen.

In dem ganzen Artikel taucht das Wort „Eltern“ allerdings nicht ein einziges Mal auf…

…und Sie äußern mir gegenüber die Erwartungshaltung, mich erst korrekt zu informieren, „bevor ich hier loslege“.

Katinka darf gerne für Ihre Ausführungen Belege (nach Pit2020 sind es ja „Schlussfogerungen“, für die man scheinbar keine Quellen benötigt) hinzufügen. Und dann inhaltlich den Zusammenhang zum eigentlichen Artikel herstellen.

@Pit2020: Herzlichen Glückwunsch! Erstmals seit langer Zeit eine Reaktion auf einen Ihrer Beiträge aus dem Forum. Und dann auch noch positiv. Das wird heute Ihr Tag!

Katinka
2 Monate zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Warum soll ich hier etwas belegen? Habe eine Meinung gesagt-gern subjektiv- keinen wissenschaftlichen Diskurs geführt.

Stromdoktor
2 Monate zuvor
Antwortet  Sissi

@Sissi

Und jetzt noch einmal inhaltlich nur zwischen uns beiden:

Der weit überwiegende Teil Eltern hat in den vergangenen zwei Jahren einen guten Ausgleich für die Kinder hergestellt. Den meisten Kindern geht es nach wie vor gut. Einige haben sogar mehr Zeit mit ihren Eltern verbringen dürfen. Die neue Flexibilität der Arbeitgeber (auf Druck der Politik) macht(e) es in Teilen möglich.

Auf der anderen Seite gibt es Kinder, die in schwierigen Verhältnissen aufwachsen bzw. mit dem Rücken zur Wand stehen: Ernährung, häusliche Gewalt, Mobbing, Leistungsdruck, Depressionen.

Aus meiner Sicht lassen sich die Faktoren nicht ausschließlich dem Elternhaus zuordnen (Bsp. Leistungsdruck, Mobbing, Depressionen). Ein „gut funktionierendes“ Elternhaus kann viele externe Faktoren kompensieren. In einem „zerrütteten Elternhaus“ bringen die Kinder zusätzlich einen Rucksack (auch in die Schule) mit.

Auf den zweiten Teil referenziert man gerne hier. Eltern als Ursache aller Probleme. Und die Schule muss es „ausbaden“. Der erste Teil fällt unter den Tisch. Im Zweifel ist man als LK hier sogar mit in der Verantwortung: Leistungsdruck und Mobbing.

Okay…Leistungsdruck kommt vom Kultusminister, Mobbing von den Mitschülern…der Rest von den Eltern. Schule leistet keinen Beitrag zum Gemütszustand der SuS – so z.T. die vereinfachte Sichtweise hier.

Aus meiner Sicht ist das Leben etwas differenzierter. Und die Intention der meisten Eltern nicht so (pauschal) negativ, wie es gerne dargestellt wird.

Am Ende ist es für jedes einzelne Kind tragisch, dass es gesundheitlich in der Pandemie zu Schaden gekommen ist. Ob direkt durch eine Infektion oder indirekt durch die Folgen der Pandemie.

Es wird oft so dargestellt, dass indirekte Folgen einer Pandemie ohne größere Umstände vermeidbar wären. „Sollen sich die Eltern doch vernünftig kümmern, dann passiert auch nix“.

Eltern können (seelisch und körperlich) krank sein. Eltern können alle möglichen Ängste haben, die die Pandemie erst mit sich brachten. Eltern können überfordert sein und Gewalt ausüben. Eltern können antriebslos sein, und ihre Kinder vernachlässigen.

All das ist möglich und kommt vor. Und diese Kindern MIT samt ihren Eltern haben aus meiner Sicht die Unterstützung der Gesellschaft verdient.

Auf Pit2020 und Katinka zähle ich nicht.

Ihre Einstellung dazu würde mich jedoch interessieren.

Stromdoktor
2 Monate zuvor

@Sissi

Zwei letzte Aspekte möchte ich noch aufgreifen:

Manchmal wünschte ich mir, dass sich zu dem einen oder anderen Beitrag auch einmal andere Fachbereiche äußern würden:

Katinka schrieb:
„Kinder nicht in die KiTa oder GTS abgeben und irgendeinen Job machen, sondern weniger konsumieren und sich selbst um die Kids kümmern“.

1. Aspekt: Volkswirtschaftliche Betrachtung
Als „gelernter“ Wirtschaftsingenieur habe ich vor Jahren einmal in den Vorlesungen zur Volkswirtschaft „abgehangen“. Mako- und Mikroökonomie. Mich würde wirklich einmal interessieren, wie sich unser gesamtgesellschaftlicher Wohlstand verändern würde, wenn die Eltern unter der erwerbsfähigen Bevölkerung dem Vorschlag von Katinka folgen würden. Nicht „irgendeinen Job machen“ und „nicht so viel konsumieren“. Nach dem was ich aus der Volkswirtschaft in Erinnerung habe, basiert unser Wohlstand auf einem konstanten Wirtschaftswachstum in Verbindung mit einer Produktivitätssteigerung und Nachfrage. Meine „Befürchtung“ ist, dass sich der Vorschlag im aktuellen Wirtschaftssystem als nicht umsetzbar herausstellt. Hierzu dürfen sich aber gerne die Ökonomen äußern.

2. Aspekt: „Freie Berufswahl“ und die Betrachtung vor Ort
Wenn ich „meinen Job“ aufgebe und mich mehr „um meine Kinder“ kümmere und alle meine KuK es mir gleich tun, dann passiert zum Glück nicht viel. Vielleicht gibt es dann nicht mehr 24 Stunden am Tag Strom. Oder er fällt hin und wieder einmal kurz aus. Lässt sich für den alles verkraften – oder?

Wenn andere Ihren Job aufgeben, sehe ich das schon pessimistischer. Polizei, Feuerwehr Krankenhauspersonal, Altenpflege, etc. Zumeist die Berufe, wo der Wochentag und die Tageszeit keine Rolle spielen. Wenn die Menschen in diesen Berufen dem Rat von Katinka folgen würden: „Einfach wieder mehr um die Kinder kümmern“. Klappt das? Können wir uns das leisten? „Kaufen“ wir uns die Dienstleistung dann in unseren Nachbarländern ein? Funktioniert dann unser System noch (siehe Aspekt 1).

@Sissi:
„– obwohl beides in meinen Fachbereich fällt.“
Ich habe Sie im Zusammenhang mit Ihren Kommentaren gedanklich in den Feldern „Gesundheit“ und „Bildung“ einsortiert. Ggf. bilden Sie medizinisches Personal aus? Sofern ich mit meiner Einschätzung richtig liege, müssten Sie doch den 2. Aspekt gut einschätzen können:

Ist der Vorschlag von Katinka umsetzbar? Können sich Eltern beliebig dem jetzigen Wirtschaftssystem entziehen, ohne dass es zu Engpässen in wesentlichen Bereichen der Sozialberufe kommt?

Und zweite Frage:
Sind es nicht gerade die Eltern in Sozialberufen, die schichtbedingt auf KiTa und Schule angewiesen sind, um ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt überhaupt erst leisten zu können?

Dritte Frage:
In welche Richtung geht überhaupt der Vorwurf?
Wer vernachlässigt denn seine Kinder?
Die Erwerbslosen, die Berufstätigen in Sozialberufen / Schichtarbeiter / „Sesselpupser im HO“?

Gesamtgesellschaftlich sind wir gefordert. Wir sitzen alle in einem Boot. Wir haben uns alle gemeinsam da hinein manövriert und kommen definitiv auch nur gemeinsam da raus.

PS. an alle LK:
Es wird und wurde viel über Wertschätzung hier gesprochen. Mittlerweile zeigen es die Studien für alle nachlesbar. Schule ist ein elementarer Teil für die Kinder!

Ihre tägliche Motivation, Ihre Zugewandtheit, Ihr Support entscheiden in dramatischer Weise über die Zukunftsperspektiven Ihrer Schülerinnen und Schüler und in Teilen auch über deren körperliche und seelische Verfassung.

Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass auch SuS in Ihnen eine Bezugsperson sehen, sich jeden Tag auf die Schule, auf die Mitschüler und auch sie persönlich freuen. Selbst wenn (oder gerade dann) das Kind keine Brotdose dabei hat, abwesend und leistungsunwillig wirkt. Sie gaben, geben vielen Kindern halt in einem immer herausfordernden Umfeld. Sie haben es täglich in der Hand, die Welt eines einzelnen Kindes ein Stück besser zu machen.

Sie machen ganzen Klassen damit eine Freude, wenn Sie auf Klassenfahrt oder ins Theater gehen, einen Wandertag einplanen, oder einfach nur eine Geschichte vorlesen…Auch wenn es Ihnen die Kinder wahrscheinlich nicht zeigen können…ich bin mir sicher, dass viele gerne zur Schule gehen, (auch) weil sie da sind.

Ich finde, die Pandemie und deren Auswirkungen hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig Schule für die Kinder und die gesamte Gesellschaft ist.

Allen ein schönes WE!

James Smith
2 Monate zuvor

Nein, das sind Spätfolgen von Neuro-Covid sowie Diabetes ausgelöst durch eine Infektion mit Sars-CoV2……….

James Smith
2 Monate zuvor
Sissi
2 Monate zuvor

@ Stromdoktor 11.03. /19.22
Danke, dass Sie SO losgelegt haben!
Ich denke, Sie verstehen nun, was ich meinte.
Schönes Wochenende!

Marion
2 Monate zuvor

Zum Komnentar von TaMu: Genauso sehe ich das auch.
Zu Stromdoktors letzten Kommentar: Ja, auch richtig.
Natürlich können nicht alle Eltern von jetzt auf gleich das Handtuch werfen und den Job sausen lassen.
Wir sind mit unserem derzeitigem, auf grenzenloses Wachstum ausgerichteten Wirtschaftssystem, in eine Lage gerutscht, aus der wir so einfach nicht wieder herauskommen, ohne daß es zu Verwerfungen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens kommen würde.
Trotzdem kann man sich ja die Frage stellen, ob wir unbedingt so weitermachen müssen. Schon aus Gründen des Klimaschutzes wird das nicht möglich sein.
Was mich aber wirklich aufregt, ist, daß immer so getan wird, als wäre es kinder -und familienfreundlich, wenn beide Elternteile berufstätig sind und die Kinder so früh wie möglich in die Obhut öffentlicher Betreuungseinrichtungen gegeben werden. Mag sein, daß es heutzutage nicht mehr anders geht, aber hört endlich auf so zu tun, als würde das alles zum Wohle der Kinder geschehen.
Ich sehe tagtäglich Kinder, denen es damit nicht gut geht. Nicht, weil das Personal in den Kitas so schlecht ist, sondern weil viele Kinder noch zu klein sind, um die langeTrennung von ihren engsten Bezugspersonen zu verkraften. Weil viele Kinder zwar gerne in die Kita gehen, aber nicht, wenn sie unausgeschlafen oder krank sind oder es ihnen, aus welchen Gründen auch immer, gerade nicht gut geht.
Aber daß Funktionieren der Erwachsenenwelt, erfordert nun mal auch das Funktionieren der Kinder schon von kleinstauf. Und das prangere ich an.
Kleinkinder dürfen schon mit knapp einem Jahr nicht mehr ihrem elementaren Grundbedürfnis nach Schlaf so nachgehen, wie es ihr Körper einfordert. Sie müssen wachgehalten werden, weil es die Abläufe in der Krippe oder im Alltag der Eltern stören würde, wenn sie jetzt schliefen.
Sie müssen geweckt werden, obwohl sie gerade eingeschlafen sind, weil sie sonst abends zu lange wach blieben, was wiederum zu einer Störung des elterlichen Wunsches nach etwas Erholung vom Stress eines langen Arbeitstages führen würde. Sie sind nicht richtig gesund und bräuchten eigentlich ein wenig Ruhe, müssen aber trotzdem in die Kita, weil Mama oder Papa Ärger mit dem Chef bekämen, wenn sie nicht zur Arbeit gingen.
Irgendwann gehen sie dann zur Schule. Da ist der Tag dann auch durchgetaktet. Meist geht es nach der Schule nicht nach Hause, sondern in den Hort oder man geht gleich in eine Schule mit Ganztagsangebot.
Ab der 3. oder 4. Klasse wird Druck aufgebaut, weil ja am liebsten jeder sein Kind auf dem Gymnasium sehen möchte. Alles unter dem Abitur zählt ja kaum noch.
Wenn unsere Kinder 10 Jahre alt sind, haben viele bereits eine 9jährige „Karriere“ durch die verschiedensten öffentlichen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen hinter sich. Gleichzeitig wird aber nichts dafür getan, diese Einrichtungen personell und finanziell so auszustatten, daß Kinder dort die bestmögliche Erziehung, Bildung und Betreuung erhalten, wenn sie schon einen so großen Teil ihres Lebens dort verbringen.
Einerseits hat man sich (völlig zurecht), von den autoritären Erziehungsmethoden früherer Zeiten verabschiedet – die kindlichen Wünsche und Bedürfnisse sollen ernstgenommen werden, Kinder werden in Entscheidungen miteinbezogen und nach ihrer Meinung gefragt, (was inzwischen manchmal Auswüchse annimmt, die auch nicht mehr gesund sind). Oft werden ihnen keine Grenzen mehr gesetzt, und das Kind ist „König“ und bestimmt den Familienalltag. Andererseits hat man aber kein Problem damit, die elementarsten Bedürfnisse der Kinder zu übergehen, indem man sie dazu zwingt, sich den Erfordernissen des Erwachsenenalltags bedingungslos unterzuordnen. Irgendwie passt das alles nicht mehr zusammen, aber keiner will wirklich etwas dagegen tun. Alle machen weiter und tun so, als wäre das alles völlig normal und ein anderes Leben überhaupt nicht mehr denkbar.

Pit2020
2 Monate zuvor
Antwortet  Marion

@Marion

Danke.
Das ist eine treffende Darstellung, weil sie die enorme Reichweite der Problematik skizziert.

Wollte man dieser Situation sinnvoll entgegnen, dann müsste an verschiedenen Stellschrauben gedreht werden – und zwar z.B.
1) über einen langen Zeitraum (ideal: ohne „Freedom Day“ in dieser Hinsicht, denn das ist eine Aufgabe für die Ewigkeit)
2) mit sofortigem Beginn
3) mit einem vernünftigen Plan (von Experten – Achtung – mit Expertise 😉 und Praxiserfahrung im Erziehungs- und Bildungsbereich) – ein Beispiel für Expertise (Bereich Psychologie s.u. im Link)
4) ehrlicher und verständlicher Kommunikation (auch da kann der Link unten als Beispiel dienen), denn eine Lifestyle-Änderung ginge damit einher, das haben Sie ja mit Bezug auf den Klimaschutz schon angeführt.

Alle diese Maßnahmen müssen ernst genommen und möglichst bald gestartet und auch auf allen Informationskanälen verständlich und ehrlich kommuniziert werden.

Die immer beliebter werdenden Studien sind nur dann sinnvoll, sofern sie
– regelmäßig erfolgen
– nicht wie eine Pilz-PLAGE aus dem Boden schießen, um Jobs zu generieren
– sich auf sinnvolle Langzeitbeobachtungen mit überschaubaren und vor allem möglichst gleichbleibenden Kriterien beschränken und aus den dadurch aussagekräftigen Vergleichsdaten erforderliche Strategiewechsel ermöglichen.

Zum Aspekt „Kinder nicht zu früh ‚wegorganisieren'“:
(Die Ursachen mögen unterschiedlich sein – die Folgen für das in der Entwicklung befindliche Gehirn und die Psyche sind es aber NICHT …!)

„… Warum sind Kindheitserinnerungen so prägend für unser gesamtes Leben?

Stahl: Weil sich das Gehirn danach konfiguriert. Das Gehirn ist nur zu etwa 25 Prozent ausgebildet, wenn wir auf die Welt kommen. Der Rest verschaltet sich, vor allem in den ersten sechs Lebensjahren. Und zwar danach, wie wir die Welt da draußen vorfinden.

Was heißt das genau?

Stahl: Das Gehirn prägt sich durch die Umwelterfahrung. Wenn ich als Kind die Erfahrung mache, Mama und Papa freuen sich, dass es mich gibt, sie versorgen mich gut und haben mich ganz doll lieb, dann verschaltet sich das Gehirn über die hormonellen und neuro-biologischen Prozesse, die ablaufen. Und ganz tief entsteht ein Urvertrauen, ich bin ok und es gibt da draußen Menschen, denen ich vertrauen kann.
Das ist eine tiefe Prägung. Wenn ich dieses Urvertrauen nicht habe, ist mein Gehirn viel gestresster, ich habe weniger Sicherheitserleben. Die ersten zwei Jahre sind dafür sehr wichtig.

Spielt es eine Rolle, ob ich mein Kind sehr früh in die Kita gebe oder selber betreue?

Stahl: Wenn Kinder zu früh in Kita kommen und das Sicherheitserleben nicht genug ausgeprägt ist, ist es später irreversibel. Diese Kinder sind dann viel schneller gestresst, weil sie nicht runterregulieren können. Das liegt auch daran, dass Kinder ein Jahr zu früh geboren werden, sie müssen eigentlich erst einmal „nachgebrütet“ werden.
Im ersten Jahr geht es nur um Sicherheit und Geborgenheit, was ehrlicherweise am besten die Mutter als Bezugsperson machen kann. Also Sicherheit durch Körperkontakt geben, aufheben, trösten, streicheln. Dadurch schüttet das Gehirn beruhigende Hormone aus. Das kindliche Gehirn kann nicht selbst Stress regulieren. Nur mit Mama und Papa spurt sich das Gehirn ein und das Kind bekommt Sicherheit. Wenn es aber zu früh und zu lange in der Kita ist, entsteht dieser Kreislauf nicht, sondern es entwickelt sich ein Hardware-Schaden.
…“

Das gesamte Interview:
https://essencebioresearch.net/fitness/psychologin-wenn-kinder-zu-frueh-in-die-kita-kommen-sind-die-schaeden-irreversibel/

Und dass der Betreuungsschlüssel bei EuE (und später bei LuL) im Hinblick auf eine „gesunde“ Entwicklung um ein – teilweise – Mehrfaches erhöht ist, ist unter Berücksichtigung dieser Aspekte der blanke Hohn.
Soviel zum Mantra „Schule ist quasi unersetzlich für gesunde und glückliche Kinder!“
(Kita und) Schule kann nur 1 Mosaiksteinchen sein – aber NIE das leisten, was aus ökonomischen Gründen gerne – und natürlich zu minimalen Kosten – gesehen würde und darum immer wieder gefordert wird.

Das verlinkte Interview erklärt u.a. auch die immer größere Zahl an Kindern und Jugendlichen, die psychisch angegriffen sind und es lässt sich erahnen, dass das in der nahen Zukunft NICHT von alleine besser wird oder auch nur auf dem jetzigen Stand stagnieren wird.
Die Basis für das, was wir jetzt sehen (bzw. sehen müssen, weil Wegschauen mittlerweile nur noch denen gelingt, die gar nichs mehr merken/merken wollen), wurde schon vor mehr als 10 Jahren gelegt.
Wenn wir allerdings heute etwas ändern, dann müssen wir uns darauf gefasst machen, dass rasche Ergebnisse Marke „Dauert halbe Sssstunde!“ nicht eintreten werden – es wird einige Jahre Durststrecke kosten.
Machen wir nix – machen wir wirklich ALLES falsch, und zwar wider besseres Wissen.
🙁

Sissi
2 Monate zuvor
Antwortet  Pit2020

@ Pit2020
Das Kind in Dir muss……+ Darm mit Charme = unschlagbare Kombi

Pit2020
2 Monate zuvor
Antwortet  Sissi

@Sissi

Ja, das sind beides sehr gute und verständliche Bücher.

Wenn Zusammenhänge – egal in welchem Zusammenhang 😉 – überhaupt erst mal erkannt sind, dann ist das schon mal ein Anfang (, aber auch in der Forschung durchaus mal dem Zufall geschuldet).
Wenn die Zusammenhänge dann auch noch klar benannt und erklärt werden, macht das zumindest Hoffnung auf eine gute weitere Entwicklung, weil es ja erst nach dem Bekanntwerden in der Breite wirken kann.

Politiker würden dann vermutlich wieder in eingeschliffener Manier so formulieren: „Wir haben uns da auf den Weg gemacht, auf einen guten Weg, möchte ich mal … äh … so sagen, und da muss man die Bürgerinnen und Bürger auch mitnehmen und es darf auch kein Kind zurückgelassen werden, äh, ja …“
Und genau so kann man auch das dann wieder tüchtig verderben.
Ich selbst bin da mehr so für klare Worte zur richtigen Zeit.
Anders gesagt: Zeit für eine weitere Zeitenwende (= ehrliche Kommunikation kann gar nicht ÜBERschätzt werden). Aus diesem Grund sollte man sich dann mal die passenden Experten ins „Team“ holen, eben so wie oben im verlinkten Interview. Ich vermute, dann könnten viele Steine viel schneller ins Rollen kommen …

In diesem Sinne mein Wort zum Sonntag und jeden einzelnen Tag danach:
„Wir hoffen immer, und in allen Dingen ist besser hoffen als verzweifeln.“
(Psssst: In Wahrheit ist das vom ollen Goethe.)